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Central-Verein-Zeitung · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Dr. Kurt Zielenziger: Das Warenhaus. (Fortsetzung.) AlS das Warenhaus in Deutschland gegründet lvnrde, entstanden ähnliche Iknteruchiiinngcn in grösster Zahl. N n r wenige sind ü l> r i g g e b l i e b e n. Denn an die Leistungsfähigkeit eines Warenhauses werden so hohe Anforderungen gestellt, daß nur die b estgcl ei t e t en Ges rh ä f t c sich behaupten kennten. Es ist aber ganz falsch, zu glauben, daß die Rentabilität der Warenhäuser h ö h e r s e i a l S d i e a n d e r e r G efchnftc, im Gegenteil. Die Kasten dieser Riesenorganisativn sind sa grvsi, dass nur eine aufs feinste dnrchgebildete Organisation überhaupt einen Ueberschns; ermöglichen kann. Rach einer Berechnung, die Dr. I. Wer nicke (in der „Zeitschrift für Waren- und Kcmshänser" vom 13. November 1927) ausgestellt hat, einer der besten «Kenner des Wnrenhanswesens, betrug der Reingewinn der Rudolf «Karstadt A.-G. (Hamburg) per 31. Januar 1927 2 Prozent, der Leonhard Tich A.-G. (Köln) per 31. Dezember 1926 1,56 Prozent, der Lindemann A.-G. (Berlin) per 31. Juli 1927 1,7 Prozent. Diese Ergebnisse sind bei anderen Gesellschaften nicht sehr viel anders. Werniclc stellt auch fest, das; die amerikanischen Warenhäuser eine viel höhere Rentabilität erzielten, die dort mit der Größe dcS Unternehmens steigt. Aber nicht nur die Rentabilität, sondern überhaupt die B e d e u t u n g der W a r c n h ä u s e r für den Einzelhandel wird im allgemeinen sehr überschätzt. Professor JnlinS Hirsch gibt in seinem Aufsatz „Die Bedeutung des Warenhauses in der Volkswirtschaft" (erschienen in der oben erwähnten Festschrift des Verbandes Deutscher Warenr>nd Kaufhäuser) den Gesamtumsatz der deutschen Waren- und Kaufhäuser für 1900 mit 5», für 1927 mit 1600 Millionen Marl an. Auf das geschätzte Gesamtvolumen des deutschen Detailhandels sind das im Jahre 1900 noch nicht 'A Prozent gewesen. 1927 5 bis 5!<« P rvzent. Der Anteil der Warenhäuser am deutschen Einzelhandel ist zwar gestiegen. Aber der Umsatz dieser großen «Konzerne, dieser „Friedhöfe dcS Atittclstandes",iuacht noch nicht ein Zwanzigstel des Umsatzes ves Deutschen .Kleinhandels aus gegen 6 bis >8 Prozent in den Bereinigten Staate». «haben die Warenhäuser den Mittelstand vernichtet? Und wie steht es überhaupt mit diesem „Untergang" des deutschen Mittelstandes? Tie Klagen, das; er zum Tode verurteilt sei, kennen wir seit langem. Aber jede Untersuchung ergibt immer wieder seine Lebenskraft. Nach der letzten Berufs- und Betriebszählung zählte da-s deutsche «Handwerk rund \'A Millionen «Handwerksbetriebe, von denen etwa 50 Prozent Allcinbetriebe waren. A u ch das «H a n d tv e r k h a t s i ch der Zeit a n p a s s e n in ü s s e ti. Manche «Handwerkszweige sind erloschen, aber völlig neue dafür entstanden. Das Lvhnhandwcrk hat sich stärker denn je behauptet. Rationalisierung rmd kaufmännische «Kalkulation gehören heute auch zu dem selbstverständlichen Rüstzeug deS «Handwerkers, der iveis;, das; er sich auf die moderne Zeit umstellen imtfs. Dasselbe gilt für den «H andel. Kein Gewerbczweig hat stärker .zugenommen als der «Handel, besonders als der Einzelhandel. Auch hier haben die S P e z i a l i st e n besondere Erfolge errungen. Die Warenhäuser haben einem gut geleiteten Spezialgeschäft keineswegs den Garaus machen können, im Gegenteil, gerade in der Nähe der W a r e n h ä u s e r haben sich e r w i e s e n e r in a s; e n die Umsätze der Geschäfte stark gehoben, ivcil die Warenhäuser einen starken Anziehungspunkt für die Käufcrfchar darstcllcn. Dazu kommt, das; die Warenhäuser stets an die Orte stärkster Masscnkvnzentrativn gebunden sind. In kleinen Städten finden sie ein viel zu geringes Absatzfeld. Aber selbst wenn diese Warenhäuser dem Mittelstand geschadet hätten oder noch schaden, hat nicht der jüdische Mittelstand dann ebenso darunter zn leiden? Gibt cs nicht jüdische Ladenbesitzer genug, die die Errichtung eines mit allem Lupus ansgestattetcn «Kaufhauses ebenso fürchten wie ihre christlichen «Kollegen? Müssen nicht auch jüdische «Handwerker cs beklagen, wen» ihre Kundschaft den fertigen Schuh im Warenhaus kauft, anstatt ihn nach Mas; bei ihnen anfertigen zn lassen? Also, wollen die Bölkischen den Mittelstand retten, dann müssen sie schon sich a n ch d c r T a u s e n d e v o n j ü d i s ch c n E x i st e n z e n a n u e h m e ii, die ebenfalls dieser Schicht angehören. „Mittelstand, wehr' dich", so überschreibt der „Angriff" des nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Goebbels einen Aufruf in seiner letzten Nummer vom 10. Dezember, die bereits als 4. Wareuhaus-Sonderuummer erschiene» ist. „Der Laiidcsfeind, die Börsenhyänen, die Bank- und Warcnhäusler ziehen den schaffenden Ständen daS Mark aus den .Knochen." «Kein Argument, und mag es noch so alt und noch so oft widerlegt worden sein, gibt cs. das Goebbels oder seine Leute nicht wieder ansgegraven haben, um gegen die Warenhäuser, aber damit auch gegen jeden jüdischen Gewerbetreibenden zu Felde zu ziehen. „Wo iväre ein Jude zu finde», der nicht all sein «Hab und Gut durch «Kricg und Revolution verloren hätte, und wo ei» Deutscher, der nicht in dieser Zeit reich und übermütig geworden iväre", so fragt Goebbels ironisch in seinem „Angriff". Mir antworten ihm, ohne «Hohn und Spott, das; nicht nnr 12 000 Jude» Den «Hclventov gestorben, sondern dasz Tausende und aber Tausende Durch den «Krieg nnd Die Inflation völlig verarmt sind, in derselben Zeit, in der ein «Hugo Slinnes ein Warenhaus von Sachwerten znsanunenrasste. Mit dem Schicksal der deutschen Wirtschaft ist das Schicksal der jüdischen Deutschen auf Gedeih und Verderb verbunden. Steht diese Wirtschaft an einem Wendepunkt? Immer stärker werden die Konzentrierungen, immer gröszer die Macht Der «Konzerne. Was bedeutet Die Kapitalmacht der Warcnhänser gegen die Riesentrnste in der Schwerindustrie nnd die chemischen Mammntgcbilve? In deren BerwaltnngSrätcn sitzt kein Jude! «Stein jüdischer Angestellter wird in den Hunderten von Schreibstuben dieser Organisationen zu finden sein. Wenn jemand die dentsche Wirtschaft beherrscht, dann find es diese Untcrnchmnngen mit ihrem «Kapital, Das die Milliardengrenze übersteigt, Va»rn sind es auch die immer gröszer werdenden Betriebe des Staates. Stets hat der indische «Kaufmann Persönliche Initiative und Nnternehmimgsgeist cntsaliet. Wenn heute eine Spitzenorganisation wie der «Hansa- Bund erklärt: „Die individuelle Leistung, die Notwendigkeit, ihr die unentbehrliche Freiheit zu gewähren, imitz der Äusgaiigspinitt aller deutschen Wirtschaftspolitik sein", Ivird sie die Zustimmung aller «Kreise des Mittelstandes, ganz gleich ivclchcr Konfession, finden. Der verlästerte ,,jüdische -Kapitalismus" als Ansvrnck des Persönlichkeitsstrebcnö in der Zeit der Mechanisierung ist es, Der heute von allen Wirtschastsverbänden, von der Landwirtschaft bis znm «Handwerk, als das Ideal aller Wirtschaft erklärt wird. Die A»1 des jiidischeil Mlielstandes. Auch ein Beitrag zur Warenhausfrage. Von Dr. Felix Goldman» lLcipzig). Ter vorstehende Artikel weist mich, daß das Warenhaus »eben der Großbank und dem Jndustrickartcll lediglich ein Exponent der modernen wirtschaftlichen Entwicklung ist, die sich nach ihren inneren Gesetzen ganz unabhängig von allen konfessionellen Einflüssen vollzieht. Als Beweis führt er an, das; durch die AnSdehnnng der Warenhäuser der jüdische gewerbliche Miltelstand genau in dein'gleichen Maße leidet Ivic der nichtjüdische. Diese Schädigung 'geht aber in Wahrheit viel weiter, als man gewöhnlich ahnt, und Aufgabe der folgenden Bemerkungen will es sein, nndcutnngsiveisc einen Begriff davon zn geben, wie sehr die Umgestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse von heute, als deren deutlichstes Ergebnis da?« Warenhaus erscheint, die inneren Lebeii-möglichleitcii des jüdischen Bolksteils in ihrer Tiefe berührt. Seit Jahrhunderten geht des Inden Sehnen auf wirtschaftliche S e l b st ä n d i g k c i t. ES ist, nlS sei er ein ganz besonders befähigter Träger des individnalistischeii Systems in der Wirtschaft, und eine genauere Ilntcrsnchnng der seelischen Struktur de? Juden, die freilich liier nicht Vvrgenvmme» werden kan», beweist, daß dicS tatsächlich seinem Wesen entspricht. Der Traum des jüdischen Lehrlings ist cs. ei» Paar Jahre als „junger Man»" in einem Geschäfte tätig zn sein, dann einige Zeit als Reisender zu wirken und schließlich sich zn ..etablieren"! Das Sctbständigiverde» bedeutet im allgemeinen ein Doppeltes. Ten lansinainiischeii Fähigkeiten ist freie Bahn gcschasfeu, die »nteriichmnngslnst kann sich betätigen, und damit ist «zugleich der Weg zu einem relativ größeren Einkommen eröffnet. Die Selbständig, feit ist bis in Misere Tage hinein das typische Ziel des jüdischen Kaufniniiiis geivescii. das allen seine» «Kräften und Ideen Entwicklnngsniöglichleite»' bot >»id ihn durch das Be>vns;tsein dieses -Könnens zufrieden machte. Das Zeitalter drs Warenhanfes hat diese Zustände gründlichst geändert. Tic Eiitivicklniig. die sich früher iin Bankgewerbe für kleinere Kreise der jüdischen Bevölkerung vernichtend erwiesen hatte, geht —

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