Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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So wurde der Harburger Friedhof geschändet f (Za der Meldung auf Seile IOO). ."•W V'- Gelehrte, Dichter und Politiker über die Schmach der Friedhofsschändungen. Zin Verlauf unserer Aktion gegen die Fricdkiossschäudinigcn haben >vir eine Reihe von Ziischiiste» hervorragender Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Politik erhalten, die sich »nt Entsetzen von diesen Verbrechen abivendc». So schreiben: Vizeadmiral a. D. Karl Galster: Die Friedhofsschändinige» durch Halciikrcnzler und deren antifcmttifcljc GesilinungSgenvsseii »nd die rohen Gewalttiitigloitc» mit Schlagringen, Messern und Jausten g-egen friedliche Bürger, die ohne jeden Anlas, nur überfallen wurden, weil sie Inden ivare» oder für solche gehalten wurden, verurteile ich miss schärfste, Sie sind eine Schande für diejenigen, die sich dazu hergeben, und ein böses Spiegelbild christlicher Moral. Das Gräberschänden in der Nacht und das Uebcrsallen Wehrloser sind rohe »nd feige Handlungen, die dein Dcutschtnin zur Ilnchre gereichen. Indem einem fanatischen Hasse gegen das gesamte jüdische Dvlk dadurch Ausdruck gegeben wird, wenden sich die Friedhvssfchändcr und Rohlinge aber auch gegen den Teil der jüdischen Mitbürger, der seit Jahrhunderten in Tentschlaud heimisch ist, in weitem Maße deutsche Denkweise, deutsches hciuintgesühl angenommen hat und geistig »nd durch sein Organisationstalent materiell znm Hvchkonnncn des deutschen Volkes viel beitrug. Die jugendlichen Verbrecher haben dasür zu büßen, das; sie sich ganz in die Gesvlgschnft einer sich national dünkenden, aber skrupellos hetzenden, zersetzenden und deshalb der deutschen Nation schadenden Presse begeben haben, der jedes Gerecbtiglcitsgesühl und das politische Verständnis dasür fehlt, daß alle in Deutschland vorhandenen Kräfte ohne Ausnahme zrrm Wiederaufbau des Vaterlandes dringend nötig sind. Sie haben zrvciifellos keine Ahnung, daß neben dem, ivas jeder Deutsche ablehnen wird, auch recht viel Gutes steht. Sie tverden nicht wißen, daß das tief empfundene Flaggenlied ein Jude (Robert Linderer) gedichtet hat und für das viel gesungene Lorelevliod das gleiche gilt. Die Rohheitsverbrechen überhaupt sollten znnr Schutze de? friedlichen Bürgers noch bedeutend strenger bestraft werden, als es heute der Fall ist, Adolf v. Harnack: Daß Ihre Zeitung allcS versucht, um den empörenden Grnbtchändiinge» und Beleidigungen entgegenzuivirleu, ist selbstverständliche Pflicht; aber von einer Unterstützung dieser Aktionen durch die Männer, an tvelche sich Ihr Schreiben richtet, verspreche ich nur nichts; denn die verführten jugendlichen Verbrecher hören deren stimmen nicht, und die intellektuellen Urheber wollten sie nicht hören. Ich iveitz daher gegen diese Gemeinheiten und Verbrechen meinerseits Mw anderes Hilfsmittel, als sie als solche »nd als Kulturschande zu bezeichnen; aber tvas wird das helfen? Ansspüren der ttebcltnter und strenge Bestrafung sind die einzigen Gegenmittel »nd bessere Erziehung der Jugendlichen, Wilhelm v. Scholz: Es bedarf keines Wortes, das; die geschilderten Friedhvfsschändungcn »nd Uebersälle — die man immer ivieder am liebsten ins Reich der Fabel verweisen möchte, wenn nicht ihr Zeugnis das Geschehensein leider bestätigte — bei den Tätern den beklagenswertesten Seelen- und Charakterziistnnd voraussetzen. 3Jfir ist Rnsjendünkel, Rnsseiifauatismus indessen etivas so völlig Fremdes, daß mein Nicht- Verstehen dieser Roheiten fast noch mc-inon Abscheu übersteigt. Wilhelm Schmidtbonn: Jene Schandtaten, von denen Sie berichten, fallen ans ihre Vcrüber zurück. Wie? Es gibt Menschen, die ihr Deutschtum ans scüche Weise manifestieren wollen? Sie inninfestiercn nichts anderes, nl§ daß sie der moralisch tiefsten Schicht unseres Volkes entstnnmmen. Wir anders Gesonnenen erhoben entrüstet unsere Stimmen gegen diese feigen Nvhliiigc, Wir stoßen sie ans der seelischen Gemeinschaft eines geistig größeren Tentschlands aus. Wir geben vielmehr dem großen Dank Ausdruck, den jeder Deutsche seinen Mitdeutschen jüdischen Glaubens schuldig ist für ihre aktive »nd segensreiche Teilnahme an allen staatlichen, wirtschaftlichen, wisscnschnstlichcn und künstlerischen Dingen unseres Volkes, Wir danke» den großen deutsche» Politikern, Gelehrten, Kmifleiitcii, Aestheteu, Juristen, Dichtern, Schriftstellern, Schauspielern, Negissenreu, Dirigenten jüdischen Glaubens, die dem deutschen Namen so viel Ehre hinzugefügt haben. Wir danken dein Menschentum unserer Mitbürger jüdischen Glaubens, das sich in ungezählten Notfällen erschütternd und vorbildlich hilfsbereit zeigt. Etwa? Persönliches darf ich hinzufügem Meine Mutter wurde als Kind Waise. Es waren Juden, die sie liebevoll für Jahrzehnte in ihre Fanrilie nnfnahmen und ihr so Loben und Zukunst retteten. Und wenn ich überlege, wem in Deutschland ich etivas zu danken habe, so sind es fast ausschließlich Deutsche jüdischen Glaubens. Dr. Marie-Elisabeth Luders, M. d. R.: Entsetzt, erschüttert und beschämt steht man dem grauenhaften Zerrbild des Mensche» gegenüber, zu den; sich die hcrabwürdigeii, die Friedhöfe schänden, Gräber zerstören, Totenhäuser berauben, ja selbst die Ruhest,Me nnschnldiger Kinder nicht schonen, — Sie alle sind ans Christi Namen »gelaust worden; eS tvird nnS, die dem Bekenntnis jener nngchören, schwer, sich auch für diese an die letzte sürsprrchende Bitte dessen zu erinnern, den sie verachten und verleugnen: ,,Vater, vergib ihnen, sie Ivisien nicht, ivas sie tun," Hermann Stehr: Wir wissen ja, ivie alt die Feindschnst der verschiedenen Völker gegen die Inden und ivie iveit verbreitet der Aiitisemitisinus in der Gegemvart ist. Religiöse Unduldsamkeit und wirtschastkicher Neid ivaren die Gründe, aus denen man früher gegen die Judeir wütete. Zur höheren Ehre Gottes folterte und verbrnimte man sie. Fohlte