Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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100 Wahrheit und Recht mit geistigen Mittel» geführt ivirt». Weder sie noch sonst jemand hat je in unserer Bewegung Massnahmen finden können, die gegen das Gesetz verstießen. Unser Kampf für das Recht wird mit den Mitteln des Rechts Vnrchgesetzt. DnS wissen die Nationnisozialisten auch. Trotzdem wage» sie die empörende Behnnpinng, daß der Tod des unglücklichen Kütcmetzer eine „blutige Folge der geheimen Gcgcnarbeit Judas", insbesondere des Ccnlralvereins sei. Der „Völkische Beobachter" vom 20. d. M. »nd der „Angriff" des Tr. Goebbels vom 26. d. M. bringen einen Artikel, in dein sie die Lätchkeit Kütemcyers in »nd nach'der Hitlcr-Versnnnnlnng schildern. e^ie spreche» von der Begeisterung, mit der Kütemeper den Erfolg seiner Bewegung feiert, „das Ziel seiner Hossnnng sieht er nähergerückt". „Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens tritt allerorten zu geheime» „vertraulichen Bcrninugen" zusammen. Tagesordnung: Bekämpfung der Natioimlsvzialistcn. lieber die gcsahten Beschlüsse crsährt man nichts. Die „C. B.-Zeitung" stimmt ein viele Seilen langes Wehgesrhrci an über den Vormarsch der Nationalsozialisten im ganzen Reich. Dabei ergeht sic sich in geheimnisvoll dunklen Andeutungen. „Die Stunde erfordert, vornusschanend diese» gefährlichen, nicht vereinzelten, sondern grvs; überdachten MachensäMsien (der imtionalsozinlislisclM Propaganda. D. Lchristltg.) planmäßig zn begegnen." „Eigene und alleinige Arbeit durch das „Wort" ist meist nicht möglich. Die neuen Pläne werden uns weiterbringen." „Wir beobachten scharf und leisten planmäßig geräuschlose Gegenarbcit." Dies nur einige der ausfülligstcn, ohne nähere Erklärung in der letzten Ausgabe der „C. V.-Zei!ung" (Nr. 46) zu findenden Sätze. Was wird hier geplant? Die Ereignisse antworten!" Dann heißt «8 weiter: „Ktttcmeyer und seine Kameraden brechen aus. In der Bülvwstrnßc iverden sie von Bauarbeitern roter Couleur nngepvbclt. Eine große, immer wüster pöbelnde Rotte von Marxisten folgt ihnen. Tätlichkeiten! Steine fliegen. Mit Eisemvcrkzeugen wird ans die beide» eingeschlagen ... Da rast ein Auto heran. Einige der Roten springen ans und fahren dem Flüchtigen nach. Am anderen Morgen wird dessen Leiche an der Pendler-Brücke angeschiveinmt. Ans der Arbeit durch das „Wort" ist die Arbeit durch den Mord geworden." Damit ist die unerhörte Vcrlcnmdnng ansgesprochen, daß der Ccntralvercin an dem Tode des (nach nationalsozialistischer LcSart ermordeten) Nationalsozialisten f«l'»lr> sei, «nd daß unfcre Arbeit anf solche Gewalttaten abziele. Derartige Borwürfe reichen zwar nicht an uns heran —, trotzdem haben wir cs für unsere Pflicht gchalien, gegen diese Vcrleinndcr diesmal rnit allen Mitteln des Zivil- »nd Strafrechts vorzugehen. Wer unsere von den beiden völkischen Organen zitierten Berichte über den nationalsozialistischen Vormarsch in Ostsriesland und Groß-Berlin gelesen Hai (ih. 46, S. 644 der „C. V.-Zei!»ng"), weiß, a» welche „planmäßig geräuschlose Gegenarbeit" und welche „neuen Pläne" >vir gedacht habe». Gewiß reicht „die alleinige Arbeit durch das Wort" nicht aus. Es gilt, hervorragende Politiker, Schriftsteller, Industrielle, Beamte über die ilnririebe zn nnierrichim, Parteien und Behörden, wo es crsorderlich ist, über die Zustände aufznktärcn »ud init unserem Material zn versehen. Und dann: Die Nationalsozialisten sind so mutig, daß sie unsere Redner in ihren Versammlungen fürchten und jede Aussprache mit Inden ablchncn. Der Eintritt tvird uns gewöhnlich in schimpflicher Weise verwehrt. Direktor Dr. Holländer hat Hitler mehrsach ausgesorderl, vor einem unparteiischen Kollegium von Sachverständigen über die Unrichtigkeit und Unklarheit in seiner wirtschaftlichen Beweisführung üner „rasiendes und schastendes Kapital" usw. zn diskntieren, und Hai sich erboten, den Beweis zn bringen, daß Hitler die Kenninis der volkswirtschaftlichen Grundbegrisse völlig abgcht, somit die Art und Weise, wie er zn belehren sucht, imveranbvortlich ist. Wir sind also genötigt, in diejenigen Gebiete, die die Nationalsozialisten mit ihrer völlig unwissenschaftlichen und unwahre» mitijüdischcn „Aufklärung" beglücken, ebenfalls hineinzugehcn. Dort müssen ivir im Kampfe für Glauben und Heimat durch alle geeigneten »nd zulässigen Nüttel den zahllosen groben Unwahrheiten zügelloser Agitatoren gegenüber die lautere Wahrheit verbreite»! in dem Bewußtsein, gegen eine Velvegnng anfzntreicn, die sich, ivie die Ereignisic des November l!)26 in München bewiesen, schließlich gegen Friede, Freiheit und Bestand des deutsche» Volkes auswirkt. Mir sind die Letzten, die n i cht jede ehrliche Meinung in der Politik achte» und ihr Anerkennung entgegenb rin gen. Bei de» Nationalsozialisten aber haben wir es immer erlebt, daß trotz aller Richtigstellung offensichtlich grober Unrichtigkeiten die nationalsozialistische Presse immer wieder, um einen aufreizenden Agitationsstoss nicht zn verlieren, Behauptungen verbreitet, deren Falschheit ihr bereits nnchgelvicsen ist. Daß Ivir nur dann die A l il g e m e i >, heit anrusen, wenn die große Masse des Volkes von nationalsozialistischen Unwahrheiten ergrissen erscheint, ist klar. Wo ivir aber im kleinen Kreise das Aufblähen der Sumpfpflanzen sehen, werden ivir, ohne davon viel Aufhebens zu machen, geräuschlos niisklärend eingreisen, d. h. den Weg vermeiden, den wir bei unseren Gegnern innncr wieder sehen: durch Skandal, Terror, Belästigungen von Menschen n»d Behörden das Aufsehen auf sich zn lenke». Wir verdammen die Geivalt als politisches Kampfmittel nicht aus Zwcckmäßigkeitsgrttnden wie unsere Gegner, die bei Feststellungen von Uebersälici! (wie in Bremen) nnr vvir der Zwecklosigkeit der Gewaltanwendung in solchen Einzclsüllen z» sprechen pslegen. Wir sind grundsätzliche Gegner des Systems, den Politisch AndcrZdenkcnde» »icderziischlagen statt ihn zu überzeugen. Wir käiiipfen nicht mit Schlagring und Gnmmiknnppel, sonder» mit den Waffeir des Geistes. Ur. Ilann Itvielnnrrun. Nr. 63, 64, 65, 66. ZrleühofsfchänSnngen kn Harburg, Röpenirk, Ssrgmtreich unö pretzfelö. Harburg. In der Nacht vom 9. zum 10. November wurde der israelitische Friedhof Harlmrg-Wilhclmsbnrg schwer verwüstet. Acht Grabsteine wurden um geworfen «nd znm Teil, wie aus de» umstehenden Bildern ersichtlich ist, zerbrochen. Die Täter sind über die Planer in den Friedhof gestiegen und haben dort wie die Vandalen gehaust. Die Epiiagogengemeinde hat für die Ermittlung der Täter eine Belohnung von 250 Mark ausgesetzt. Das dentschnationale „Harburger Tageblatt" überschreibt seinen Bericht mit dem Wort „Skandalös" und gibt zuin Schluß der Hossnnng Ausdruck, es möge gelingen, die Ilebeltäter zn ermitteln. Wir voröfsentlichen hier die Bilder von dieser Schandtat, schon weil die Nationalsozialisten sich nicht scheuen, in ihren Blattern immer wieder die Behauptung auszustellen, die Inden oder gar die „8. V.-Zeitung" erfinden die FriedhosSschündimge». Gegenüber diesen Dokumenten dürfte sogar auch ihnen der Mut fehlen, derartige verleumderische Behauptungen weiterhin in die Welt zu Köpenick. In der Nacht vom 21. zum 22. d. M. wurden aus dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in K ö p e »r ck zwei Grabsteine dnrch Steinwsirfe zertrümmert, ein dritter mngcsiiirzt. Da einer der seltenen Fälle vorlag, in denen der Noheitsakt fast unmittelbar nach seiner Begehung entdeckt wurde, gelang es der Polizei, bald die Täter sesizustellcn. Es ist keine politische Gewalttat gewesen, wenn ma» daruulcr lediglich eine von politisch organisierten Attentätern begangene versteht. In einem traurigeren Sinne isi die Untat gleichwohl als politisch nnzusehen: Die Kinder, die die schweren Steine gegen die Grabtafcln toter jüdischer .Kinder schleuderten, müssen mit Einflüssen in Berührung gekommen sein, die das Vergelten gegen eine jüdische Kultstätte entschuldbar oder sogar rühmenswert finden. Vorgentreich. Auf dem jiidisck>en Friedhöfe sind vor einiger Zeit vier Grabsteine nmgrworfcn und einer zertrümmert worden. Gewisse Spuren liegen vor. Auch sie scheinen darauf hinzudenten, daß es sich um keinen politischen Exzeß, sondern um einen Racheakt handelt. Man hat erkannt, wodurch man die jndisehen Seelen anr s ch m e r z l i ch st e n verwunden kann . . . Pretzfeld. Vor Monaten schon wurden — wie erst jetzt befarmt wird — aus dem jüdischen Friedhöfe fast 20 Grabsteine «mgeworfen, ist das neu hergerichtete Friedhosstor schwer lieschädigt worden. Hier liegt der Fall dem Köpenickcr völlig entgegengesetzt. Zu späte Entdeckung. Spuren waren nicht mehr zu finden, so daß auch die Täter nicht gefaßt iverden können. Die Schmach bleibt ungesühnt, wie in so vielen anderen Fällen. Eines der zerstörten Grabmäler in Köpenick. ’t;