Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2571117-2571144-2571155--314-2571633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ich erinnere mich eines Divisionsbefehls, der verlangte, das; alle ehemaligen Einjährigen seitens der TrnPPenloile behnss' Ausbildung znm Ossiziersersatz zu melden sind. Es war im Juli 1917 „ach der Schlacht am Wytschacle - Bogen, wo unsere halbe Division durch eine Sprengung der Engländer in die Lust flog und daher als nbgelämpst eine ruhige Stellung von Ranch beziehen meißle, Der Beschl kam itntürltd) auch zu 11118. Ich legte indessen feinen Wert darauf, in der Liste der Lssiziersamvürlcr zu erseheinen, obwohl ich dadurch wahrscheinlich zur Ansbildung in die Heimat gekommen wäre und damit meine Lage wesenllich verbessert hätte. Ich wollte einsach nicht, wußte ich doch zur Genüge, welcher Wind in diesem Zeitabschnitt in Vielen .Kreisen wehte, die meisteii8teil8 nicht mehr vom allen, loyalen, kameradschastlichen Geist jener aktiven Ossiziere dnrchtränlt waren, die znm großen Teil längst die kühle Erde im Feindesland deckte. Ich bin also frehuiUig Unteroffizier geblieben und habe es nie bereut, und nichtsdestoweniger lannte ich auch noch im Sommer 1917 eine Anzahl braver und gerechter Vorgesetzter. die ihrer Mannschaft ein leuchten, des Beispiel waren und derselben besonders bei der großen Frühjahrsossensive 1918 mit bewnndernsiverter Tapferkeit vvrangingcn. Ich hatte cuien Chef, für den sich seine Leute hätten in Stücke reiße» lassen. Er ßechl jetzt an einem schweren Herzleiden, das er sich im Felde zngezogcn hat, dahin. Im übrigen aber »nierschrcibe ich Ihre Ausführungen als alter Frontsoldat Wort für Wort. Sind inzwischen die Berhältnisie für!»i8 Juden besser geworden? Gewiß nicht, wir bleiben nach der Behaiiptung bewußt liebclmollender diejenigen, welche den Zusammenbruch mit berschuldclen, obwohl es hinreichend bekannt ist, daß in allen jüdischen Gotteshäusern und in alle» jüdischen Familien für den Sieg der deutschen Waffen mit heißer Inbrunst gebetet wurde. Wer die jüdische Geschichte einigermaßen studiert hat, kennt auch die tiefe Vaterlandsliebe, welche dem jüdisehcn Volke eigen ist, weiß, welche Strome von Blut im Heldeiikamps um Heimat und Scholle von ihm geflossen sind, weiß von dem Hohelied der Tapferkeit seiner Ahnen. Ein solches Volk kann uieht valerlandslos sein, auch dort nicht, wo es nach der Vernichtung seiner uralten Heimat eine neue Heimat gesunden hat. Fahren Sic fort, hochverehrter Herr Professor, im Kampfe für Wahrheit, Freiheit und Recht. Sie 'werden sieh damit an die Seite derjenigen 'JJliiiencr stellen, die in reinster Höhenluft atmen, in jenen hehren Hohen, in welchen nur diejenigen Menschen gedeihen können, deren Lebenszweck edel sein, hilfreich sein und gut sein heißt." zeh« Zabeeu. Eine Versammlung ves Ccutralvereins am 2. November 1918. Der Tag, an dem vor zehn Jahren der letzte Schuß aus den Kriegsschauplätzen siel und an dem Karl Liebknecht vom Schloß in Berlin die Sowjetrepublik ausrief, an dem Echeidemann von der Treppe des Reichsiags ans die deutsche Republik verkündele, wird nicht mit Pomp und Feierlichkeilen i» Deukschland begangen. Der Tag des Revoluttonsausbrnches wird von einem große» Teil des Volkes nicht als Beginn einer neuen, besseren Zeit, sondern als das lietrübliche Ende eines heldenhaften Kampfes empfunden. Auch damals, in jenen Rovemberlagen, in denen sich die Ereignisse überstürzlen, war sich lei» Mensch der Tragweite des Geschehens bewußt, Ter Ceutralverein glaubte, daß er in dieser ernste» Stunde seine Mitglieder zusniniiiciirufeii müsse, um ihre Stellungnahme z» den Ereignissen zu crsahren und um mit ihrer linterslützimg klar zu bcleimen, daß datz deutsche Indentiim unlösbar mit Deutsch. landS Schicksal verbunden sei. Ans allen Reden klang daher damals der Nnf, einzustehen für Ordnung und Cicherheii, Deutschland vor dem Chaos z» bewahren »nd es nicht ans dem Wege der Nco oIn t i on, sondern der Evolution einer neue» und besseren Zukunft e n t geg cu z u s tth r en. Bon denen, die damals sprachen, und deren Rede wir im folgenden niiSzngSweise dem Gedächtnis unserer Leser zurückrnfen, weilen heute Männer wie Engen Fuchs, Hugo Sonnen so Id sowie Henriette M a h nicht mehr unter den Lebendem Das aber, was sic gesprochen haben, Hai ein Jahrzehnt überdauert und kann heute noch gelten als Nichtschnnr für kvmineiides Handeln, Aus der Rede Hugo S v n n c n f c I b § : ,„ . . Mir sind bereit, wie es Hindenburgs heutiger Ausruf wünschst in jedem Mitbürger mir den denischen Kameraden zu sehen. Wir wollen alle die Eeliiiiähiingem die mau »ns angetan hat. znrückslellen . , . Wir sind bereit, mit ganzer Kraft »ns der Friedensarbcit zu widmen, damit das Vaterland wieder nufblühe. . , Ein Volk von 70 Mil> lionm [111111 einen Krieg verlieren, aber nicht ziigrimde gehen," Aus der Rede von Franz Oppenheimer: , . Jetzt stehen wir z» dem Lande, dessen Waldesrauschen durch unsere Träume klingst dessen Lieder durch imser Blut singen, dessen Sprache wir spreche», die einzige Sprache, in der wir sprechen loimeii, in der wir singen können. Und diesem Lande gehören wir jetzt, evo es im Unglück ist, noch viel inniger, noch viel fester als zur Zeit, wo cs im Glück war. , . Was mir verloren haben, sind große Dinge. Die schossen wir eins bald wieder in Freiheit und Recht. , . Opsen, müsseu wir lernen , , . Sorge» Sie dafür, daß der erhebende Geist von liH4 der von 1918 wirlv Riebt der Geist de? Schwertes, aber der Geist des Opfers, der freudig hingibt, um mit einem neuen Denisehiand jedem unserer Bollsgeiivssen eine neue Heimat zn bereitem" Aus der Rede von Henriette M ah: , , Deutschland hat eine Niederlage erlitten. Aber nach unserer festen Ueberzeugimg wird cs, wenn es alle ihm zu Gebote stehenden Kräfte ziisammeiisoßt, bald wieder z» den führenden Nalionen des Erdballs zählen. Mit festem Echritt, mit ivürdiger Zurückhaltung, aber mit inbrünstiger Liebe naht sich die jüdische Jugend itjrcie Mitbürgern: Nehmt uns hin, vee> fügt über uns mit unseren Fehlern und mit unseren Vorzügen, macht euch unsere beste» Kräste nutzbar." Ans der Rede von Dr, Hildesheimer: ,„ . . Schaut aus nutz, auch wir gingen nicht zugründe, und uns nahm man noch mehr als euch. Unser Idealismus hat uns hvchgchaltcn, der Glaube an iinS selbst. Und weil wir den Glauben nicht verloren an nnS, an den gerechten Gott, an die MenschIM und an die Zukunft, darum leben mir. Und Deutschland wird lebe», wenn cs uns Inden hierin nach. Aus der Rede von Eugen Fuchs: . Schlimmer als der äußere Feind, erscheint mir der neuere Zwiespalt, der Bürgerkrieg. Bewahren mir den inneren Frieden. Ein Volk, das einig ist, in dem Freiheit emd Recht l^errschen, evird eeeeb kann nicht uniergelpm , . . Wenn wir eeach Einigkeit. Recht einb Freiest streben, dann werden wir uns selbst erhebeee und unser Sirebcie evird dem Vaterland, der JudcnlM, der Menschheit zuen Segen gcreicheee. Wir werden deerch Nacht zum Licht kommen." In der Numencr ll der Zeitschrift „Im Deutschen Reich" vom Novcenbcr 1918 finden sich in dem Leitartikel „Umwälzung eeeeb Kriegsende" die folgenden Sätze: „In der Erscheieeeengen Flucht gibt eS einen ruhenden Pol: Hi nden bu rg. Wer kann erieeesien, enit welchem Schmerz er das alte Kaiserreich eeeeb das alte Preußen zeesanmeeiestürze» sah? WaS ifjeie, dein alten General, heilig war, sah er beiseite geworfeie. Doch cr stellte sich eeicht verbittert und schmollceid beiseite. Die Liebe zeme Volk, zeme Aolksheor, seiei Pfliehtgcfühl waren größer . . . Ein Pflichtmcnsch, ein Mann von wahrhafter Größe emd Würde emd Bescheidenheit ... Eine Brücke zwischen Altem und Neuem," Das Bild, das damals voee der Persönlichkeit Hindenbeirgs in emscrcn Blätterie ceeievorfen weirde, hat sich in einem weit höliercn Uensange bemahrheiiet, als enme cs zu jener Zeit annehmen foneetc. Und wenn wir heeite die Reden von daeeials der Bergangenheii cutroißcn, so geschieht cs deswegen, eene zu zeigen, daß der Glaube a ee unsere deutsche Heimat in unseren Reihcn i n keincen Aeegenblick erschüttert tveerde. MMemeves. „Die blntigen Folgen der geheimen Gegenarbeit Judas." In der Nacht eeach der Berlieecr Hitler-Versaminlung vom 16, November d. I, ist der Nationalsozialist K ü t e en c y e r in Berlin zu Tode gckoimieen. Nach dcie Mittcileieegcn seiner Parteigenossen hat er in Begcistermeg über den Erfolg Hitlers zuieächst mit jciieen Kameraden gefeiert eeeeb ist da nee nach HanS gegangen, Die Polizei hat scslgestell!, daß er in eine Schlägerei mit Straßcnarbeitcrn geraten ist. Er ist dann, anschcieiend bcieommeie deerch die Schläge, in den Landwehr, kanal gestürzt und tödlich veremglücki, (Sin Vorgang, den jedermann bebneeerie wird. Die Neinhaltung des politischen Kampses von Gc- Ivalttäiiglciicn habeee gerade wir immer wieder gefordert, die wir den Gegiecr überzeuge» wollen. Die nationalsozialistische Politik hat sich allerdings nie zu diesem Grnndsatz bckaneet. Das weiß jeder Beobachter der politiseheu Entivicklnieg in dcee letzten zehie Jahrcee, Selbst dentschnationale Kreise neüssen heut von der Gefahr der völkischen Idee sprechen. „Ich spreche von einer Gefahr der völkischen Idee — eiatürlich als Theorie, In der Praxis hat nenn ja a n SM ord ee ee d P n i s ch g e ee re g erlebt," — So der deutsch, nationale BreSlnreer Anwalt Georg Qu abbe in seinen „Bariationen über ein konservatives Thcuea ,Tnr a Ri'", (Sin Blick in die völkische Presse bestätigt enesere Anffassimg. daß eeeme sich dort unverblümt zum Prinzip der Gewalt belcmit, Was täglich mehr oder miieder verstecki an Aiercizmig zur Gcmnlttnt gegen eens geschieht, wäre Beeocis genug. Aber auch der Kamps gcgeie de» Staat durch Attentat emd Putsch wird verherrlicht: In 'Anfragen an de» Reichstag preist enme Fememörder, der „Angriff" des Dr, Goebbels seicht feinere Leserkreis durch die Artikelserie eines Attentaistcilnehmcrs: „Rathcnaus Ende", zu erweitern, der Kapitänlentiiant Killieiger schreibt und spricht über „Ernstes und Heiteres ans dem P et t f cT) I c b e ee" und Major Vuchreicker veröffentlicht in den Strasser-Zeitemgeee die Vorgänge nur den Küstrincr Pritsch, Alles das in dcne Ton: Wir haben eine gelte Tat getan! Wer die Amveiidimg von Brachialgewalt alz politisches Kampfuiiitel anerkennt, lemg zee der Berdächtigemg anderer »eigen, daß sie sich gleicher Mittel bedienen. Wer aber Anspruch erhebt, als Politiker und nicht als Hetzer gcevcrtet zu werden, darf eieeciee politischen Gegner nicht Maßnahmen emlcrstellcn, die nach der Gesinnung und der Praxis des Gegners eeiceeeals aeeeh eeeer in beer Kreis der Erwägungen gezogen worden sind emd gezogen evcrdcie konnten. Die Nationalsozialisten behaeeplen, die Ecntrolvcrcens-Bewegnng zee lceeieen. Dann müßten sie wissen, das; unser Kamps sür

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.