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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Date
1928-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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93 Ser Nationalsozialismus in Vatzern. Hitlers Redefreiheit. — Unverminderte Rührigkeit der Nationalsozialisten. — „Flamme" und „Donanbote". — Hitlers Stellung zun» Stahll,elm. — General EPP. — Die „Reichsflngge" unter nationalsozialistischer Führung. — Universität und Studentenschaft. — Bo» der Kleinbühne. Ne Aufhebung des Redeverbots für Adolf Hitler tut Preußen bedeutet euren Abschnitt in der Geschichte der Hitler-Bewegung. der es rechtfertigt. eine Kitze Betrachtung über ihren gegenwärtigen Stand in ihrem Mutterland« Bayern anzustellen. Keiner der bayerischen Juden wird den Partikularismus so weit treiben, die neugewonnone Redefreiheit Hitlers, unbekümmert mn die dadurch geschaffene Gefährdung unserer preußischeu Brüder, deshalb zu begrüßen, weil man durch die gesteigerte Tätigkeit der Hitl«r-Leute im Norden vielleicht eine Entlastung Bayerus erwarten durste. Wenn solche Erivartrmgen aus ei-n Nachlassen der naflionalfozialistischen Tätigkeit bei uns in Bayernirgend-- ivo gehegt wurden, so haben sie durch die bisherige Entwicklung der Tinge keime BeMigimg erfahren. Die Aktivität der Nationalsozialisten zeigt sich bei uns unvermindert. So haben sie vor kurzem erst m ocr schwäloschen Stadt Memmingen, in. der di« Erinnenmg an den großen Landsriebe nsbruch vor etwa sieben Jahren noch nÄst erloschen ist, eine ihrer bekamlen Kundgebunden mit Musik, Kriegergedächinisseier unter freiem Himmel und dergleichen abgehakten, und für nächste Zeit kündigen sie ähnliches für Augsburg im Formen an, die «ne starke Herausforderung des andersdenkenden und besonders des jüdischen Teils der Einwohnerschaft bedeuten. Wenn sich bei dem völkischen Wochenblatt „Die Flamme" in Bamberg und seinen hessisckM und rheinpfälzischen Kopsblättern ..H essen h a m m e r", „E i s e n h a in m e r" und „F a u st" Zeichen des Rückgangs zeigten — sein Redakteur Gen gl er hat ihm vor einigen Wochen den Rücken gekehrt und beglückt statt dessen die kleinen und kleinsten Orte des bayerischen Hochlands mit Agitativnsreden — so kommt das wegen gröblicher Beschimpsung der Republik ansgesprochene vierwöchige Verbot der „Flamme" vielleicht nicht unwillkommen. Denn dadurch gewinnt man einen guten Vorwand, das Matt Wnz eingelM zu lassen. Aber dafür Hai sich am Baum der völkischen Presse ein neues kräftiges Reis entwickelt, der Jugolstädter „Donaubote", der an Roheit des Tones und Kraft der Verhetzung hinter der „Flamme" kaum zurückskaht. Die Früchte dieser HeparbeÄ zeigen sich in gewalttätigen Belästigungen von Gegnern in öfsentlichen Lokalen. An die in allen Instanzen bestätigte Freisprechung eines jüdischen Angeklagten. dem der „Völkische Beobachter" unter hemmungsloser Auftriegelung der öffentlichen Meinung Bergewwltignng seines Dienstmädchens nachgesaat hatte, knüpsie der .Donmibo-e" heftige Angriffe gegen die barieryche Justiz, die im Solde der Inden stehe; und als dem bayerischen Justizministerium »ahegelegt wurde, seins Richter gegen solch niedrige Vorwürfe zu schützen, lehnte es ein Emsch-reiten ab, weil solche Angriffe doch nicht ernst genommen würden. Ob das Ministerium damit die Einsicht der Leser solcher Blätter nicht doch überschätzt? Dem Stahlhelm sind di« nationalsozialistischen Führer noch vor gar nicht langer Zeit eifrig um den Bart gegangen. Seit es sich aber trotz ausgedehnter Unterhandlungen nicht erreichen ließ, diesen großen Bund von Frontsoldaten der B e s eh l sgema l t des Frantkämpfers Hitler zu unterstellen, wird der Stahlhckm von der Presse Hitlers anfsällig schlecht behandelt; sein Volksbegehren wird mit ossenenr Hchn überschüttet. Wozu dem Reichs- Präsidenten vermehrte Gewalt einräumen, heißt es. da doch der derzeitige Träger dieses Amtes von seiner bisherigen Gewalt nicht den ihm von den. Rettern Deutschlands angesonncnen Gebrauch gemacht hat. Hitlers Gefühle für Hiudenburg sind nämlich in dem Matze gesunken, als er sich durch seine vorbildliche Amtsführung die Achtung seiner einstigen Gegner errungen hat. Der Heros der Natioualsozialisteu ist ..der Befreier Münchens", General von E P P. Es läßt sich nicht leugnen, daß sie mit seiner Wahl in dm Reichstag einen guten Griff getan haben. Sein persönliches Ansehen als Führer des bayerischen Leibregiments im Weltkrieg und alz Organisator eines Freikorps gegen die Münchener Nüteregierung, die engen Beziehungen, die er damals besonders auch mit der Studentenschaft Pflegte, verschaffen seinem Austreten für die Partei Gehör und Wirkung auch in solchen Kreisen, die sich von den landläufigen völkischen Agitatoren längst angewidert abgcwcndet haben. Und er Iveiß sein Ansehen zn brauchen. Er spricht kaum ein Wort gegen die Juden; aber wenn er den Frontgey! gegen diesen heutige» Staat aufrust, „den wir nicht achten und nicht anerkennen fmuien. und den eine nationale Revolution wegsegen müsse", so wissen die Hörer, wie es gemeint ist. Und wie trechich weiß er Veranstaltungen, von angeblich unpolitischem Charakter zur Agitation zu. benutzen, so die Feier seines sechzigsten Geburtstages oder die Gefallenenehrung des Leibregiments, bei der die Teilnehmer eine Festrede über sich ergehen lassen mußten, die von einer nationalsozialistischtu Parteirede nur schwer zu unterschÄdeir ivcrr. Vorsichtige wußten wohl, mejfcu man sich von diesem politischen General zu versehen hatte;, sonst wären Kronprinz R u p P r e ch t und die übrigen Ossiziere aus dem ehemaligen Königshaus, die sonst bereitwillig zu jeder Regimemisseier erscheinen^ nicht serngeblieben. General Epp verstand cs auch, die Mitglieder der im November 1923 aufgelösten „Neichssla g ge" unter der Führung seines ehemaligen Stabschef, Hauptmann R i> h in, der Partei: zuzusühren, was zu einer der bei Hitler so beliebte» theatralischen Szenen im Bürgerbräukeller führte. Jedenfalls ein geschickter Zug, an dem die Stahlhelmer keine Freude haben werden. Wenn auch die maßgebenden Parteien, ossiziell sogar die Deutschnationalen. wenn auch die Kreise von Bildung und Besitz an dem lauten. Treiben der Hitler-Leut« keinen Gefallen nrehr finden, so besteht weniger der Haß, aber doch, die Ab sch liehung: gegen die Juden, die jene Partei ausgebreitet hat, ziemlich. unvermindert weiter, besonders m der Studentenschaft. Wo die Universität selbst entscheidet, hält sie an dem von dem früheren Rektor Boßler mannhaft vertretenen Grundsatz der Gleichberechtigung aller Richtungen fest. AIS aber bei der Grmidsteinlegung zrmr BibbiocheKbau des Deutschen Museums die MuseumSlei-tung. sicher ohne bösen Willen, sondern nur aus Unvorsichtigkeit, die Anordnung der i£mladungen dem S tndentenauss.chuß überließ,mißbrauchte dieser feine Macht zu einer kränkenden Zurücksetzung der jüdischen und pari» mtischen Verbindungen. Muß an der Stätte der ernsten Wissenschaft leider noch' immer um die Gleichberechtigung gerungen werden, so haben in einem Tempel der leichten Muse vor. kurzem jütn,che und inchtjüdische Zuhörer einen unangebrachten antisemitischen Vorstoß einhellig und wirksam zurückgenneseii. Als bezeichnender Stimnmntzsgradmesser sei der an sich belanglose Vorfall zum Schluß noch berichtet: Als. in einer Münchener Kleinbühne ein jüdischer Vortragskünst ler seinen Vortrag beendete, ries ihm ein sehr bekannter Vertreter des Münchener Biervertriebsgewerbes von seiner Loge aus plumpe Schimpfworte zu und benierkte: Vor fünf Jahren hält« es das nicht gegeben, das er da hätte austreten dürfen. Als aber der Vortragende diesen Zuruf mit überlegenem Witz zurückwies, belohnte ihn stürniischer Beifall und nicht eine Stimme erhob sich für den antisemitischen Grobian. Vor fünf Jahren hätte es das auch nicht gegeben. W. L. Aus «flöten zeitMM KM ctnSdlrao MMMmMralm-mdSMengMichle. Blntmorl» von Dobrzq». Die geschlichtete LucieTomauow, („Der Stürmer", Nr, 51. Dezember 1927.) Ter Mord im Schwavzwald. (Entblüftt, beraubt und geschachtet.) („Der Stürmer", Nr. 27, Juli 1928.) Ter Vater heiratet seine Tochter und der Bruder feilte Schwester. (So etwas ist nur bet Inden möglich.) („D e r Stürmer", Nr. 38. August 1928.) Der Judensluch über Schillers Gebein«. (Deutsche Mochenscha u", Nr. 33, August 1928.) Ostjude Kipper und seine 30 Dienstmädchen. („Der Stürmer", Nr, 24, Juni 1928.) Jüdische Sexualverbrcchcr und ihr Berteidigungssystem. („Der S t ü rme r", Nr. 24, Juni 1928.) ^Jüdische Tierschinderei. („Der S türm er". Nr, 24, Juni Der Weizen der Banks«den blüht. („Der Stürmer", Nr. 25, Juni 1928.) Der Judcneid. (Die große Lumperei.) („D e r Stürme r", Nr. 26. Juni 1928.) Der Jude Schnitzer mit) der Blutniord im Schwarzwald. („D erStürmer". Nr. 84, August 1928.) Das Sektgelage des Juden Bertchcim. (Blonde deiktsche Angestellte werden betrunken gemacht.) („Der Stürmer", Nr. 34. August 1928.) Jude—Arzt — Mädchenschänder. Die Lcporelloliste des jüdischen Wüstlings, (berliner Arbeiterzeitung", Nr. 26, Juni 1928.) Die Schandtat des Juden Wassermann. (,.D erStürmer", Nr. 22, Mai 1928.) Der totgefahrene Richtjndc. (Wi-e Jud' Adler aus Guedstadt den jungen Bcrkmann nnrs Leben brachte.) („D e r Stürmer", Nr. 22, Mai 1928.) Daö Kind im Keller, (Ein geheimnisvolles Sittlichkeitsvcrbrcchc» zn Breslan.) („Der Stü rmer", Nr.22, Mai 1928.) Jüdische Acrzte. (Masicrrvergistnngcn durch Chromonalkuren.) („De r S tür me r". Nr. II. März 1928.) Di« jüdische Weltpcft. („De r S t ü r in e r". Nr. 11, März 1928.) tzhristusmörder in Schwandorf. („D erStürmer", Nr. 15, April 1928.) Das aussätzige Geschlecht. (.Der Stürmer", Nr 10, März 1828.) Der jüdische Milliardenbetrug. („Berltner Arberterzeitun g", Nr. 31. 5. August 1928.)

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