Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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JHonbnafur, ^abbma^muö uttb / *r Wir haben bereits in den Nummern 88 und 49 von 1927 unserer Zeitung über die Passargesche Herausflnbe des Buches „V v m K n I, a l" berichtet. Kürzlich ist nun der zweite Band erschienen, der in Einleitung und Schlußwort des Bersasiers wieder viel jndenseindliches Material enthüll. Aus diesrin Anlass berichici im solgenden Rabbiner Dr. Beer in n n n (Heilbronn) noch einmal zusaininenfasjend über die Entstehung und Bedeutung des Buches vom Kahal nnd zeigt die Unstimmigkeiten der Passargeschen Folgerungen aus. Die Schristleitung. Professor Passargc lehrt a» der Hamburger Universität Geographie. Darüber hinaus hat er ein starkes Interesse am Kulturleben der Menschheit. Er glaubt das Wissen von menschlicher Gesittung nnd Gemeinschaft zu bereichern, ivcnn er Jakob B r a s - mann8 Buch „Vom Kahal" herausgibt und mit Anmerkungen und Nachworten versieht. Auch der II. Baud dieser seltsamen Schrift bringt neben einem Wust von Irrtum und Vorurteil manche gelehrte nnd richtige Erkenntnis, so daß man ihm als Motto das Wort der PhorkyaS aus dem zweiten Teil des Goctheschen „Faust" mitgeben könnte: „Wie unverständig neben Klugheit Unverstand." ll. Jakob B r a s m a n n , einer jener gelausten Juden, deren Untreue fid; in blutrünstigen Hast gegen seine früheren Glaubensgenossen verwandelte, denunzierte im Jahre 1864 die Inden, sie liehen ihre von der russischen Regierung 1844 aufgelöste Gemcindeorganisation als Geheimbund sortbestehen und bckrästigte diese seine Anschuldigung dadurch, das; er die Minsker Beschlüsse und Protokolle des jüdische» Gemeindevorstands aus dem Hebräischen in einer tendenziösen russisckM Uebersetzung veröffentlichte, die lediglich dazu bestimmt war, auf die russischen Verwaltungsorgane im judcnseindlichen Sinne einzuwirken, so dass sie die Inden noch mehr drangsalieren und schikanieren könnten. Diese Vcrhnndliingsdokmnciite ans der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sollten den Eindruck wecken, dast die Juden noch immer eine im geheimen gut funktionierende Verbindung unterhielten, die sie in den Stand setzte, allerlei Manipulationen durchzuführen, um staatliche Behörden zu bestechen und ihre „Wirtsvölkcr" auSzubeuten. Der russischen Regierung war die Schrift des vielleicht vom Zarismus gekauften Täuflings ein herzlich ivillkomniener Vorwand, um die Inden von neuem mit Verge>valtiguug8vcrsnchen und Ausnahmegesetzen aller Art zu guälcn. Die Formel, nach der russischer Verwaltuugsantiscmitismus arbeitete, hat nachmals P o b j c d o n o sch e s, der Präsident des heiligen Synod, ctiva so ausgesprochen: ein Drittel der Inden muß verjagt iverden, ein Drittel soll verhungern, lind was bleibt, soll gelegentlich totgeschlagen werden. Es gehört inii zu dm Aeusternngen grvstartiger Lebeuscncrgie des Judentums in allen Ländern, dast cs allen feindlichen Dascinsbedingungen zum Trotz, ohne <Ahutz und Hilse vom Staate, sich lediglich von innen heraus zu organisieren tvustte. So fand auch das russisch-polnische Judentum den gemeinsamen freiwilligen Zusammenschluß im Landesverband des Wand und die örtliche Zusammenfassung im Kahal (Gemeindeverwaltung), der nicht blost das religiöse Lebep, sondern auch rechtliche und soziale Verhältnisse der Gcmeindegenösicn regelte und in gewissem Umfange eine eigene Gerichtsbarkeit besaß. Diese Gestaltung der Dinge gehört der Vergangenheit an, seit etwa 75 Jahren. Der deutsche Herausgeber des Brasmannschen Buches gibt auch zu, daß der „Kahal" längst aufgehoben ist, redet sich aber und seinen Lesern ein, dast das Bild von jenen einstigen Zuständen einen Schluß zulasie auf die G e s a nr t j r> d e n h e i t von heute. Er glaubt, dast nicht nur unter den Ostjuden eine solche Gehcimvcrbindung bestehe, sondern unter den Juden der ganzen Welt zu dem Ziveckc, in .Hastgefühl und Racheempfindcn die „Wirtsvölker" zu schädigen. Er glaubt cs — ohne Beiveisc! Der Antisemitismus hat ja nacheinander so manche liebe Urkunde, so manchen angeblichen Rechtstitel für seine gehässige Agitation in ei» Nichts dachiiischwinden sehen. Segels bündiger Nachweis, dast die Schrift: „Die Weisen Zions" eine niederträchtige Fälschung sei, die Tatsache, dast Henry Ford sein hetzerisches Machwerk „Der internationale Jude" desavouiert hat, machen die Umschau nach neuen Dokumenten begreiflich. Da boten sich die vergilbten Papiere der Minsker Gcincinde. Was Wunder, dast ein deutscher Professor mit starken antisemitischen Neigungen mit dem Musageten vom Blocksberg dachte: „Ich mag in diesem Hcxenheer mich gar zu gern verlieren, denn freilich diese wüstt' ich eher als Musen anzusühren" us>v„ nnd er zum Mnsagcien eines B r a f m a n n wurde. Die Minsker Urkunden geben uns einen Einblick in das enge, gedrückte jüdische Gemcinwcscn vor etwa hundert Jahren. Wir sehen die zähe Entschlossenheit am Werke, Gottesdienst, Ilnterricht und Wohltätigkeit trotz furchtbarster Ausbeutung nnfrcckstziierhallen. Die grobe und große Fälschung Brasmanns besteht darin, daß er so tut, als. ob es sich um staatsgesährliche Pläne, um einen mit unmoralischen Mitteln arbeitenden Geheimbund handelt. Gewiß, es ist kein schönes Bild, dnS sich dem Forscher bietet; aber die Miststände, etwa dast Beftcchnngsgelder für russische Beamte flüssig gemacht werden müssen, ist doch eine Anklage gegen da 8 russische Gcwalis y st e m. Die Ostjudcn, die seit dem 17. Jahrhundert in Kosakcnmetzeleien, Haidamakenversolgungcn, Ritualmordhetzen und Pogromblutbädern unbeschreibliches Elend erfahren habe», denen eine frcvlerische Regierung alle Quellen der Volkswohlsahrt verstopfte, zeigten natürlich dann auch in ihrem Seelcntum manche häßliche Anomalie, wie etwa die leidenschaftliche Gehässigkeit der religiösen Parteien und Gruppen mitcreiiiander. Wenn Pasiarge sich darüber entrüstet, wie die Chassidim von ihren Gegnern behandelt wurden, so möge er bedenken, wie in ungleich günstigerer Kulkurlnge die evangelischen Orthodoxen ihre pietistischen Brüder behandelt haben und wie Calvin die Tötung Ecrvets bewirkte. Wenn ihm das rabbinische Judentum lediglich eine auf änstere Handlungen eingestellte und abgestimmte Kullreligion ist, die auf Gesinnung und GeslihlSleben keinerlei Einfluß übt, so muß er ja selbst S. 32 in der Anmerkung zugeben, das; die Aggada — und sie gehört ja auch zuin Talmud nnd zum Rabbinismus — sich an Herz und Gemüt wendet. Wie ein Hohn aber aus alle Menschlichkeit und Gerechtigkeit muß es wirken, wenn Pasiarge auf S. 254 schreibt: „Die P v g r o in e, die die Juden der ganzen Welt schon beim Ausspruch des Namens in Angst und Entsetzen aiisfchrecken lassen, sind in Wirklichkeit das Le ben 8el ix i cr, das sie widerstandssähig erhält." Wer ein solches Wort zu schreiben wagt, der darf sich nicht entrüsten, wenn man ihn mit jenem Armilos, dem Antimessias der jüdischen Volkssage, vergleicht, der nur mit dem Ohre des Hasses hört und mit dem Auge der Feindseligkeit sieht. Wie duldsam doch der Hammer-Verlag ist, in dem „Passarge- Brafmann" erschien. Sonst ist das A und O nller dort vcrösfentlichten Literatur der feste Glaube an das Rasiendogma. Pasiarge hat den Wahrheitsinnt des Bekenners: Er gibt zu, daß anthropologische llntcrsiichungen mit Sicherheit zeigen, das; sich die europäischen Juden aus den gleichen Rassen wie die Europäer zusainmensctzcn. Das jüdische Problem ivcrde auf ein ganz falsches Gleis geschoben, tvenn die Rnssenfrage als maßgebend erklärt wird. Das Judentum sei ans ganz anderen Gründen sür die Wirtsvölkcr verhängnisvoll: a) wegen seiner Mondnatur. Ich gestehe offen, der ich manche subtile talmudische lliitcrsuchung begreifen konnte, ich habe nicht recht verstanden, was sieh der gelehrte Bersasser eigentlich darunter denkt; soll das heißen, die Juden oder das Judentum wende nicht iminer seine volle Außenseite der übrigen Menschheit zu. oder cs leuchtet, wie der Mond, der sein Licht von der Sonne empfängt, im erborgten Glanze, oder cs macht Phasen des Wachsens und des Abnehmens? Mir scheint das, u»; mit Goethes Worten aus der Alocksbergszene zu sprechen: „von Saus umzirkt und Jugend braus!" b) wegen fernes Nabbinasmu s. Das ist kein Druckfehler. Diese geistreiche Wortbildung bezeichnet im Gegensatz zum RabbiniSinus den Hast des ungläubigen Inden gegen die Wirtsvölkcr und sein Streben, ihr Wirtschaftsleben durch Marxismus nnd Bolschewismus zu zerstören. Dr. Stanjek, dem überhaupt das Verdienst gebührt, das Buch „Vom Kahal" nach seinen; wahren Werte gewürdigt zu haben, hat darüber in den Abwehrblättern daS Nötige gesagt, ebenso wie über den dritten Punkt, den Cheskelhaß. e) w c g c n d e 8 j ü d i s ch e n C h e s k e l h a s s e 8, der so bezeichnet wird nach dem jüdisch-zionistischen Literaten Klötzel, dem in einem Jngendartikel über den Judenhaß einmal ein recht starkes Wort des Grolles gegen die Jndenhcher in die Feder geslosscn ist. Dieser Tinientropfen scheint mir aber uiwergleichlich harmlos, wenn ich an die Blutströme denke, die ans Konto der Judenhetzer kommen. Der Cheskelhaß, d. h. der Groll der Juden gegen die Nichtjudcn, ist ein Phantom und ein Märchen, die Ausgeburt des bösen Gewissens der Jndenhnsier. Freilich, wären die Juden aus demselben Holze geschnitzt wie die Hepp-Hepp-Rnfer, sie würden so hasse». Gott sei Dank bildet ihre Religion eine stärkere Macht in ihren Seelen, und diese ihre Religion läßt sie das Psnlinistenwort beherzigen: „Mögen jene fluchen, du aber segne!" ,,So wie die Namen unserer Gefallenen ohne Unterschied der Stammes-, Rassen• und Religionszugehörigkeit auf den Tafeln stehen, so haben sie für Deutschland gekämpft. Als cs zum Sturm auf Langenmatck ging, hat niemand gefragt: Gibst du unbedingte Satisfaktion, bist du Jude oder Protestant? Da waren alle da. So wie sie damals alle in einer Reihe standen, so sollte cs sein; die Jugend, die Standes- und Rassen unterschiede macht, ist nicht fähig zum Aufbau.“ Aus der Ilede des Frankfurter Universitätsrektors, Professor Dr. 1) uv e mann, bei der Gedächtnisfeier für die Gefällteren der Frankfurter und Strassburger Universität am 10. Juni 1928. Pocri-Tpicle. Herr Wilhelm F r o n c in a n n ln Franksurt a. M.- Giimyeim legt Wert aus die Feststellung, daß der von uns aus einem Manuskript des Herrn Dr. Erich Klivansky zLreslciii) in der Jnlij imnimer liliselcr Mvnatsäiisgabc zitierte. Aries des Herrn Fronemann an' Herrn Dr. ÄWansky nicht zur Verössentlichimg bestimmt war.