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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-01 · Heft 7 (Juli 1928) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 7 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Vereitelte Zne-Hofssckänöung, in R6'ltu Noch ist die Erinnerung an die grosse Friedhossschändimg ans dem Friedhof in K ö l n - D c ck st e i n nicht erloschen, noch immer ist die Staatsanwnltschaft bemüht, der Tater habhast zu werde», da kommt die Nachricht, daß in der vorigen Woche ein Beamter der Wach- und Schließgcsellschnst eine Rotte junger Burschen stellte, die die Mauer des jüdischen Fricdtzoscs in Köln-Ghrenscld übersteigen wollten, Ter Beanite stellte die «chnndbuben, es kam zu einem Handgemenge, wobei der Wächter von seiner Schlagwnsse Gebrauch machen muhte: Erst als er mit der Schußwaffe drohte, liehen die Helden der Nacht von ihm ab und ergrissen unerkannt die Flucht, Nach den Aussagen des Beamten waren die Burschen mit Hakenkreuzen geschmückt und halten sich znm Teil mit Handwerkszeug gut versehe». Wenige Tage zuvor wurde an der vor kurze»! erbauten kleinen Tempelhalle ans dem alten jüdischen Friedhof an« Bonner Tor in Köln das Mögen Dovid durch Bnbcnhändc abgeschlagen. Bon den Tätern fehlt auch hier jede Spur, Welche ungeheuren Kulturwertc bei diesen Schandtaten politisch unreife Buben vernichten können, zeigt die nachstehende ^rtjilbe« rung des ältesten jüdischen Frievhoss in Köln Der Besitz an Boden galt von jeher nlS eines der untrüglichen Beweise der Zugehörigkeit znm Heimatlande, Eine besondere Rolle spielt dabei der jüdische Gemeindebesitz, der Erwerb v o n S h n a g o g e n n d F r i ed h o f. Wie Abraham sich und seinen Nachkonnnen durch den Kauf der höhle von Machpcla das Recht am Heilige» Lande erwarb, so geschah es gar oft im Lause der Jahrhunderte, dah der Friedhof der erste Besitz nuferer Ahnen im Lande ihres Aufenthaltes wurde. Wie oft aber haben die Besitzer gewechselt, ist Gewalt an die Stelle des Rechtes getreten, ist der Pflug über geweihte Stätten gezogen und die Ruhe der Toten gestört worden! Und doch gibt cs gleich verlorenen Inseln in der deutschen Landschuft und im deutschen Städtcbild Gärten voll malerischer Schönheit, den Toten geweiht, die ans viele Jahrhunderte Bestehens zurückschauen können, Ueberall ans dcntschein Boden sind sie zu finden in W o r m s und Frankfurt, in Wien und in P rag, in B c ch - Hosen in Bayern, ans der R h e i n i » s e l bei W a l d s h n t. in Dyrhenfurt bei Brcslan. in Berlin und in Altona, um einige zu nennen, Kürzlich ist durch eine schlichte Feier in K öl n die Stätte am alten Judcnbüchel im Sudwesten der Stadt wieder geweiht lvordcn, ans die vor etwa sechs Jahren die Erdarbciten der Eisenbnhnvcrwnltnng die Aufmerksamkeit gerichtet hatten. Bei eingehender Nachprüsnng hatte sich damals hcrmisgestcllt, daß cs sich um den ältesten jüdischen Friedhof Kölns handle, der in, Jahre 1174 ii m vier Morgen vergrößert worden war. Ein römisches Grabfcld konnte cs nicht sein, ivcil die römischen Gräber, die sich beiderseits der Bonner Straße bis nach Arnolds höhe ausdehnten, westlich dieses Gelände nicht berührt haben, weil ferner die Beigaben, die sonst in solchen Gräbern gefunden werden, schltcn. Das Leichenseld konnte aber auch keine christliche Grabstätte sein, da die christlichen Friedhöfe Kölns bis zum Ende des 18, Jahrhunderts um, die einzelnen Pfarrkirchen lagen. Kein Zweifel herrschte bald darüber, daß cs sich hier um einen Ort von außerordentlicher, religiöser und einzigartiger kulturhistorischer Bedeutung handelte. Da lagen sie in der Richtung West-Ost, die Hände neben dem Körper, gut erhalten, längst verklungene Geschlechter, von denen die ältesten der fpätrömischen Zeit angehvrtc». Tie Scherben und Ueberreste von Schüsseln und Krügen, die in diesen Gräbern gefunden worden waren, gehörten den verschiedenen Epochen von der Römerzeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts an. So fiel ans diesen Gräbern Licht ans die Zeiten der Inden in Köln, von denen sonst Urkunden nichts zu berichten wissen. Hier haben demgemäß anscheinend seit den Nömcrtngen die Angehörigen der schon im Jahre 821 urkundlich bezeugten jüdischen Gemeinde Köln und ihrer Umgebung ihre letzte Ruhestatt gesunden, die Männer und Frauen, die den Verfolgungen der Krcnzznge getrotzt haben, diejenigcn, die in den schweren Zeiten des 14, Jahrhunderts, schließlich in der Vartholomüns-Nacht des Jahres 1819 ihren Verfolgern erlegen sind, führende Geister der deutschen Judenheit, H c r o en d er j tt d i sch c n L c h r e, M ä r t h r c r d e s j ü d i s ch e n Glaubens, Hier beerdigte die 1872 iicngegrüiidcte jüdische Gemeinde, die 1425, aus ewige Zeiten ans Köln vertrieben wurde, ihre Toten. Hier setzten die De u t sch j n d c n bis znni Jahre 1695 ihre Verstorbenen bei. Zwar fehlte ans dem Leichcnselde selbst bis ans wenige Reste, die in die zivcitc Hälfte des 12, Jahrhunderts zurückreichen, jegliche Spur von Grabsteinen, Aber das ist deswegen nicht verwunderlich, weil sic bereits nachgewiesenermahm seit dem 14, Jahrhundert gewaltsam entfernt und nach mittelalterlicher Manier zu allerlei profanen Zwecken verwandt worden sind. Als zum Beispiel bei der ersten Kölner Stadterweitcrnng im Jahre 1881 der Kavalier am Severinslor, der in geringem Abstand von der Feldseite desselben stand und 1169 errichtet worden ist, abgebrochen ipurde, fand man, daß sämtliche Treppenstufen auf der Unterseite eingcmeiheltc, hebräische Schrift auswiesen. Letztere waren also aus jüdischen Grabsteinen des 12, bis 15, Jahrhunderts hergestellt worden, die vom jüdischen Friedhof vor Severin geholt worben waren und nun eine lange Wanderung antratcn, bis sie jetzt an ihren chemaligen Standort znrückgekchrt sind. Pietätvoller. Sinn und energisches Eintreten der Synngogengemeinde Köln und der. Gemeinde Adas Jeschurun haben erreicht, daß ein Teil des alten Friedhosgcländes vom Eisenbnhiifiskus znrückerworben und wieder zu einem würdigen Beth Olam gestaltet werden konnte, der mit einer Mauer umgeben ist. Ans dieser Stätte sind auch die einst ans dem großen Leichenseld Bestatteten zur hoffentlich endgültigen Rulie gekommen. In die Mauern aber sind die alten, hebräischen Grabsteine eingelassen worden. Hier haben >vir vermutlich-nicht nur den nächst Rom ältesten jüdischen Friedhof des Abendlandes vor uns, hier wird »ns auch für alle Zukunft kund das Hcimats recht der deutschen Jude ii. Gcmetnderabbiner Dr. Kober (Köln). Um 51c pocci-Spiele. Eine 'Antwort von Dr. Leo Weismantel. Wir verösscntlichten in der Mai-Nummer unserer Mouatsausgabc unter der lleberschrift „Wie Schulkindern Judcnfeindschast gelehrt wird" einen Artikel von Dr, Erich Kliba nsky, in dem er nusführt, wie vergiftend die Gestalt des „Manscht" in dem von Dr. Leo Weis mantel neu bearbeiteten Puppenspiel „Die Zaubergcige" von Pocci ans die Kindcrscclen wirkt. Im nachfolgend veröffentlichten Schreiben weist Dr. Weismantel die Anprangerung zurück. Wir veröffentlichen den Brief, da uns bekannt ist, daß Herr Dr, Weismantel tatsächlich ein durchaus vornehmer, loyaler Mann ist, dem eine absichtliche Hetze gegen das Judentum zivcifellos ferngelcgcn hat. Wir könnt» aber trotzdem de» Feststellungen des Herrn Dr. Klibanskh, der »ns als ein durchaus verantwortungsbewußter Mann bekannt ist, nur vollinhaltlich beistimmen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß ein so gutwilliger, nichtjüdischer Mann wie Dr. Weis mantel nicht empfindet, wie degradierend sür den jüdischen Menschen derartige Karikaturen wirken, zumal wenn sie, wie es in Berliner Schulen mehrfach geschehen ist, von Kindern dargestellt wurden, und gerade für die Jugendbewegung sind sie neu herausgegeben worden. Wir können uns auch noch auf einen durchaus glaubwürdigen und neutrale» Zeugen für die Berechtigung der Auffassung des Herrn Tr, Klibanskh bernsein kein Geringerer als der christliche Gelehrte W. F r o n e m a n n , der heute wohl als einer der ersten Sachverständigen in der Frage der Jngcndliteratnr gilt, schreibt an Dr. Klibanskh über die Pocci-Spiele: „Bezüglich der Pocci-Spiele haben Eie zweifellos recht. Aber dieser alte volksiüinliche Antisemitismus, den man z, B. auch bei Johann Peter Hebbel findet, ist immerhin noch erträglicher als manche neuere Ausschreitung der Tintcr und Genossen, Bei Pocci allerdings prägt er sich literarisch am dümmsten ans," Her« Dr. Leo Wcismantel schreibt: Sehr verehrter Herr Doktor! Ich habe von verschiedenen Seiten mit ulkigen Bemerkungen Ihre „C. V.-Zeitung" vom Mai 1928 zugeschickt bekommen, in der Sie von einem Sind.-Assessor Dr. Erich Klibanskh nnier der lleberschrift „Wie Schulkindern Jndcnfeindschast gelehrt wird" einen Angriff an die Pocci-Ansgabe, die ich im Bühncnvolksbund gebracht habe, bringen. Ich kann Ihnen zum Ernsthaften die Beruhigung geben, daß ich kein Antisemit bin, aber sehr ost dieser Bolksverhctznng enkgegengetreten bin. So finden Sie weder in meinen übrigen Schriften noch in jener Pocci-Ausgabe 'etwas, waS mit Antisemitismus zu tun hätte. Trotz der zitierten Stelle ist cs absurd, dem kleinen Pocci-Spiel Antisemitismus zuzuschreiben. So glaube ich, daß Ihr Angriss eher auf Herrn Stud.-Assesior Klibanskh als aus mich ein eigentümliches Licht wirst. Ich habe bereits vor einigen Jahren diesem scheinbar nicht sonderlich objektiven Herrn diese seine groteske Ansfassimg dieser Pocci-Aiisgabe zurcchtgewiesen und schreibe Ihnen nicht, weil ich ans diese nntcrvcrnünftigcn Schreibereien eine Antwort zu geben das Bedürfnis habe. Es ist Ihnen genau so wie mir bekannt, daß von allen Gestalten der Erde Karikaturen leben, die von etlvas ganz anderem gespeist werden als von der Hnßlnst, die Sie im Äntiscmitismus bekämpfen. Wer gegen diese grotesken Figuren angeht — und jeder Stand findet ja in den Karikaturen eine Verkörperung —. betritt eine Kampffront, die ich nur als pathologisch, empfinden kann, die aber mit unseren Bestrebungen, reine Gestalten auf Erden z» sehen, nichts mehr zu tun hat. Deshalb schreibe ich Ihnen diese Antwort und diesen Hinweis, Ivcil ich eben kein Antisemit bin und weil ich deshalb auch wünschen muß, daß ein Organ, wie das Ihre, wenn es gegen den Antisemitismus kämpft, keine Don-Onichot-Kämpfe ausführt; denn es ist ein Don-Ouichot-Kampf und Volksvcrhetznng, wenn Sie selbst Ihren Lesern ein Puppenspielchen, wie das von Pocci als Verhetzung zu Antisemitismus darstellen, Aus diesem Grunde, weil Sie Ihrer eigenen Sache schadep, die ja auch meine Sache ist, bedauere ich, daß Sie der Stimme eines , in Wirklichkeit Verantwortungslosen hier Raum gegeben hoben. Mit besten Enipfehlungen! Ihr sehr ergebener Dr, Leo Weismantel.

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