Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 7 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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bi> (amfttm Dinge gereist (S. 104), wie Stapel bedeutsam und gehciuinisvvll hiuzusetzt. Und da»» folgt der orakelhafte Sah: „Es ist altes das möglich, wozu der Baden bereit ist." (Ein Sah, den inan nicht schlecht auf den Verfasser selbst anwenden könnte.) Was aber ist nun die praktische Nutzanwendung für den Leser? Gibt es die Weisen von Zivn aber nicht? Als vorsichtiger Mann wird man nach Stapels Orakeleien an ihre Existenz glauben. Den» es gibt eine jüdische Einheitssront, so wird weiter ansgesührt, die sich vom konservativen Juden hüizieh! bis zum atheistischen marxistischen Revolutionär, und die sich guer durch alle Böller erstreckt. Freilich gehen die Bestrebungen auch gegeneinander, denn, so wird sogleich zur Abschwächnng hinzugesetzt, die Front ist unendlich mannigfaltig. In der Tat eine seltsame Kampfessrvnt, wo man auch gegeneinander agiert. Charakteristisch für den Antisemitismus dieser Sorte ist die U n b c k ü m in e r t h e i t u m > ede B c tu eisf ü h r» n g. Die gleiche Behauptung, mag sie noch sv ninsinnig sein, fortwährend wiederholen, ist mindestens so gut, als den Beiveis erbringen. Wemr die ©teile kommt, die n n f g e stc ll t e n Behauptungen mit Tatsachen zu belegen, dann entschlüpft Stapel der stereotype Berlegenheitssatz, daß es der Art dieser Schrift widersprechen ' würde, einzelne Beispiele zu häufen. Oder aber er flüchtet ins Geheimnis, indem er verkündet, daß diese vvrgetrageneu Zusammenhänge nrir zu erfassen seien von solchen, tvelche Wirklichkeiten als Wirklichkeiten zu erkennen und von Begriffswesen zu unterscheiden vermögen. Wer kein lebhaftes Jnstinktlcben führt, wer nicht empfindlich ist für derartige Unterchiede, der ist von vornherein untauglich zur Erörterung vlcher Fragen. (S. 69.) Wer die Fremdartigkeit oder die Gleichartigkeit nicht erfühlt, wird sie nicht erjagen. (S. 74.) „Man muß sich ganz auf seine Jnstinktsicherheit verlassen. Wie ein äsendes Tier gewisse Kräuter nicht anrührt, so rühre ich gewisse Juden nicht an", bekeiuit Stapel ai> späterer Stelle. Diese Art von Beweisführung ist seit Spengler in Mode gekommen. Wenn man die Bchaiiptungen nicht glauben und einsehen kann, so liegt eS iiicht an dem, der sie atisstellt, sondern lediglich an der Unzulänglichkeit des anderen. Das ist eine bequeme Beweisführung, ivcil man damit jeder näheren Betveislast enthoben ist. Damit schließlich auch die Pose und das Nührungsschmalz nicht fehlen, gesteht Stapel, zu wissen, er werde mit dem Aussprechen der Wahrheit stille und' auch latite Verfolgung auf sich ziehen. Dahinter steht unsichtbar die heroische Luther- Geste: Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Ist nicht auch hier die Rolle des Verfolgers und des Verfolgten in einer seltsamen und komisch anmutendcn Weise vertauscht? Auf Seite 25 findet sich ver lapidare Satz: „Das Judentum darf kein Freibrief für Unverschämtheiten sein." Für ivieviel haltlose Verdächtigungen, schmähende Entstellungen und widersinnige Behauptungen eine gewisse Art Völkischer ihren Germanismus als Freibrief benutzt, dafür bietet Stapels Schrift eine anschauliche Jlliistration. Was aber bleibt nun nach all diesen Abzügen iind Ent- Sringen der positive Kern des Buches? Seine sozialphilo- Fsche Grundlage ist die plumpe, von der modernen Soziologie hundertfach tviderlegte Organismustheorie. Stapel kennt nur die mechanistische Atomtheorie des vorsoziologischen Individualismus: Menschheit ist eine Summe von Individuen, und die nebulöse Lehre der Organizisten: Volk ist ein Lebewesen, ein Organisinus höherer Art, der in den Jndi-- viduen immer nur erscheint. Daß die moderne Soziologie zwischen diesen extremen Pseudotheorien längst ihren Weg bahnte, ist Stapel als einem Anhänger der organizistischen Lehre offenbar unbekannt geblieben. Weil aber der Jude nicht zum Organismus des deutschen Volkes gehört, ist er für Stapel niemals ei» Zugehöriger im vollen 'Sinne, wohl ein Staatsbürger, aber kein Volksgenosse. Jur tiefsten Wesensgrund ewig von uns geschieden, unerkennbar für den deutschen Menschen, wie auch der deutsche Mensch rurerkennbar für ihn ist. Das Natureiiipsinden und das Kunsterlebnis des Juden („Wie kann ein Jude den ,Grünen Heinrich' vom Innersten heraus verstehen?" S. 20), seiii Haß iind seine Liebe sind anderer Art. Wie Stapel das wissen kann, wo doch nach seiner Ansicht keine Brücke herüber und hinüber führt/ bleibt sein Geheimnis. Auch hier hat wiederum SsENglet aus ihn abgefärbt, der auch das radikale Für-sich- Sein eines jeben Kulturkreises behauptet und der dennoch eine psychologische Deutitng für jede Kulturzone gibt, die per ckekiiiitiouem unmöglich ist. Nicht e i n ui a l d i e Sprache hak der Jude mit dem D c u l s ch e n g e in e i n s a m v der doch nur i n einem sehr oberst ft chlichen S i nne, ivohl die Mitteilungssprache, aber nicht die Äusdruckssprache. Diese Behauptung wird doziert an dem dafür sicher besonders unbrauchbaren Beispiel, an Heines „Loreley", die dem gleichnamigen Gedicht von E i ch e n d o r f f gegenübergestellt wird. Dort germanisches Raturgefühl und Darinnenstehen, hier nichts als Sentimentalität eines jüdischen Intellektuellen, der draußen steht. Etwas Spitzes, Scharfes, säst Heiseres ist der Sprache Heines eigen (ausgerechnet diesem so weichen Vers-. gefüge!), die typisch jüdische Häufung von Gutturallauten. „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" — sofort fahren uns, wie Stapel versichert, die Worte unter die Arme und zwingen uns zu einem Zucken der Achseln, während die Handflächen auseinandergehen, die „charakteristisch jüdische Geste", was freilich nur erkennen wird, iver mvtvrisch begabt ist. Das ist ein häßlicher und direkt gemeiner Satz, der in uns nur die S ch a nt für den weckt, der ihn nicderschrieb. Warum dennoch, gerade dem Hcineschcn Lied die große Volkstümlichkeit znfiel, bleibt unbeantwortet. Oder hat auch hier jüdische Schiebung ihre Hand im Spiel gehabt? Je mehr dieses unerfreuliche Buch seinem Ende entgegengeht, desto deutlicher klingt, die kultnrologische Betrachtung übertönend, die politische Note an. Der Deutsche ist mit dem Wohl und Wehe des Deutschtums unlösbar verkoppelt. Nicht aber nach Stapels Meinung der Jude, der im deutschen Volk nur zeltet. Es wird freilich zugegeben, daß diese Zeltgenoffenschaft vielfach seit der Nömerzeit dauert. Ob nicht inzwischen ans dem Zelt ein soliderer Ban geworden sein dürfte? Der Jude kann stüchten, er bleibt innerlich frei. Der Jude will das Vorrecht geniesten, zwei Völkern anzngehören, wovon das eine freilich nur als Rcligionsgcscllschaft gilt, wie Stapel hiliznsetzt, ohne zu bemerken, daß er damit seine ganze Logik preisgibt. Es geht aber nicht, ein Volkstum wie eine Vereins- Mitgliedschaft ausznwechseln. Es läge nahe, die Gegenfrage 'aufzuiverfen, vb denn eine zweitausendjährige Zusammengehörigkeit von V o l k s t e l l e n einfach a u s e i n a n d e r g e r i s s e n werden kann. Aber solche Fragen stellt wohl nur, wer ans fremdem Instinkt falsch erfühlt! Auf dieser Basis erhebt Stapel gegen die Inden seine politischen Vorwürfe. Ihnen erscheine mir ein Wahlrecht gerecht, das ihnen den größtmöglichen Einfluß gewährt, weshalb die Juden für demokratisch-parlamentarische Regierungsmethvden einträten. Ja, beim Himincl, sollen sie für ein Wahlrecht agitieren, das den Juden ausschließt? Ihre H a u p t s ü n d e n auf dem politischen Gebiet sind nach Stapel Eintreten für Menschlichkeit des Strafvollzugs, für ' Weltlichkeit der S ch ule und f ür Fr ei hei t in d er Kunst, immerhin keine Todsünden, wie man zugeben wird. Gänzlich unbrauchbar sind sie in der auswärtigen Politik wegen der Jnternationnliiät ihrer Beziehungen. Als Beweis erzählt Stapel uiitcr wohlweislicher Verschweigung der Namen von einem jüdischen Redakteur eines Budapesler Blattes, der mit einem Londoner Redakteur verwandt ist. Der erste machte in der Kriegszeit die Politik der Mittelmächte, der andere die Politik der Entente. Wie aber konnten sie dies ans ehrlichem Herzen von wegen der Verwandtschaft? Stapel vergißt, daß n. a. zwischen dem deutschen Kaiser und dem König von England ebenfalls verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, daß es daneben auch sehr weitgehende internationale Beziehungen in der fast judenreinen Schwerindustrie gibt, desgleichen im Großhandel, im Reedereiwesen usw. Die Existenz von internationalen Trnstgebilden scheint Stapel ebenfalls bis heute unbekannt geblieben zn sein. DaS Schlimmste aber, was man den Juden zum Vorlvurf macht, ist, daß sie nicht zu gebrauchen sind für S t a p e l s ch e R e v a n ch e g e l ü st e, d e n n sie sind P a z i s i st e n. Pazifismus aber bedeutet ein Degenerativum (S. 86). Hineinverstrelit in die verschiedensten Staatsverbände, fällt ihnen eine natürliche Vermittlerrolle zu, denn sie sind nicht vital, sondern humanitär, hangend am Begriff der Gerechtigkeit, der gegen den deutschen Begriff der Milde gestellt wird. Deshalb sind die Juden nach Stapels Versicherung im tiefsten Herzensgrund antideutsch, Träger des Anti- GermanismuS, erfüllt von einer haßvollen und ironischen Vernichtung allen deutschen Wesens, Beweise, die an dieser Stelle besonders notwendig wären,