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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-01 · Heft 6 (Juni 1928) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 6 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Was ist Antisemitismus? In der Abteilung „Religion in Geschichte und Gegenwart", //. Auflage des Handwörterbuches für Theologie und Religionswissenschaft (Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen) hat Professor H. Frich, Ordinarius für evangelische Theologie an der Universität Giessen, den Begriff /Inüscmifismus in gedrängter, aber gut unterrichtender Form mit wahrhaft wissenschaftlicher Objektivität behandelt. Wir geben nachstehend mit gütiger Erlaubnis des Verfassers — unter Fortlassung der lexil(ographischen Bezeichnungen — wesentliche Teile des Artikels tvieder. Di e S ch ri'f tl eitun g. 1. Vorgeschichte. 2. Rassmnntiscmitismlis. — Tcilfroacii. — 4. Tic geuciiwürüge Jndeusrngc. 1. Tlntisemitismns i» weitestem Sinne ist Gegnerschaft gegen die Juden tn der Zerstreuung seitens der „Wirtsvoller". itnnn man schon in alter Zeit antisemitische Tendenzen wahrnrhmen, politische und religiöse im Römische» Reich (Tacitns), rein religiöse in der Urkirche, so bekommt das Wort Antisemitismus einen bestimmteren Inhalt im Bereiche der abendländischen Christenhcjt. Genährt an der religiösen Feindseligkeit gegen das Volk, das den Herrn gekreuzigt hat. erwächst hier eine nntijüdische Praxis und Gesetzgebung, die vor allem wissenschnstliche und gesellschaftliche Degradation .(Ghetto) der Juden bewirkt, allerdings in buntein Wechsel mit immer wieder aüftauchendcn Schutzmaßnahmen, die meist im finanziellen Interesse der Päpste, Kaiser, Fürsten und Stände, zuweilen auch in der menschlicheren Misswnsabsicht der Kirche (Konzil von Base! 1445) Veranlassung fanden. Aber die feindselige Haltung herrscht vor. Doch der aus der protestantischen Glaubensrcliglon erstehende '»in» für Gewissensfreiheit hat schließlich im Verein mit aufklärerischen und revolutionären Toleranzideen den Bann der Jndenächtnng gebrochen. Die protestantischen Länder, und ihnen folgend auch die katholischen, erleben im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert die bedeutsame Judennnanzipation, in deren Verlaus hervorragende Geister nicht bloh die allgemeine Absage an den Antisemitismus teilen, sondern zn ausdrücklicher Anerkennung jüdischen Wesens sortschrerten (Lessings .„Nathan der Weise"). Schien mit der Emanzipation als eines Ausdrucks der Humanität, um den u. a. der deutsche Idealismus sich verdient gemacht hat, die Inden frage endgültig im Sinne edler Menschlichkeit lind echten Christentums gelüst zu fein, so blieben doch noch lange nnchwirkendc Rostbestände des ererbten Antisemitismus ungnsrottbar. Insbesondere haben wirtschaftliche Gegensätze (gegen die Börsen- und Handelsjiidcn), politische Kämpfe (gegen . liberalisierendes, ja revolutionäres Judentum), gesellschaftliche Vorurteile (Ausschluß der Inden aus gewissen Bernsen, znm Beispiel dem des Offiziers) auch da weiter gewirkt, wo man die rohen Methoden russischer und Polnischer Pogrome oder auch die Beugung des Rechtes (Dreysus-Prozcfi in Frankreich 1894 bis 1906) vermied. Das Hilt zumal von Deutschland, wo die ansässige Juden- -scbnft durch anhaltende Zuwanderung aus dem Osten von der begonnenen (in Frankreich und England so gut wie durchgeführten) Assimilation teilweise zurückgehalten, vor allem aber als nationale Sondergruppe gestempelt wurde. . . . 2. Ihre eigentliche Schärfe erfuhr jedoch die Jndenfeindschaft durch die alle genannten Motive weit überbietende Rassentheorie, die im 19. Jahrhundert aufgckommen ist und gegenwärtig das Kennzeichen des politischen Antisemitismus bildet. Politischer Rassenairtiseuiitismus ist der modernste und engste Sinn des Begriffes Antisemitismus. Er hat die traditionellen antisemitischen Argumente nicht verdrängt, aber ihnen einen so eigentümlichen, demagogisch wirksamen und psendowisscnschaftlichen Charakter verliehen, daß er ernsthafte Aufmerksamkeit und Kritik seitens christlicher Theologie heraussordert. In der Nachfolge Hegels haben europäische Denker gemeint, an die Stelle metaphysischer Wesenheit andere Hintergründe des Geschehens als der Meister setzen zu sollen. Es find vorwiegend Ausländer gewesen, die aus den Gedanken verfielen, die Nasse zum entscheidenden Faktor menschlicher Geschichte zn machen. War dabei Arthur Graf Gobineau von Politischen Interessen geleitet (sein Werk dient dem Nachweis, daß demokratische Revolution ans dekadentem Mestizenblut stammt) und erkannte er noch die Möglichkeit kultursördernder Vlutmischung an (nämlich zwischen den drei Urrosjen), so haben Spätere darüber hinaus den verhängnisvollen Schritt Oeivü. alles Geistesleben mitsamt der Religion aus rumusrottbaren Rasseinstinkten nbzuleiten und jede Rassenmischung als minderwertig zu brandmarken. Renan hat so den israelitischen Monotheismus auf einen semitischen Rasscninstinkt zurückgesührt und dadnrch — ohne seinen Willen — gefährliche Wnsscn geliefert sowohl für die durch Namen wie H. St. Chamberlain, Friedrich Delitzsch u, a. gekennzeichnete Polemik gegen das Alte Testament, als auch für die von einem A. Dinier, Th. Fritsch u. «. betriebene grobschlächtige Agitation der Gegenwart. Tor Kern all dieser An» grifse ist die rein materialistische These, daß das Blut (nicht etwa ein einzelner Faktor neben anderen, sondern) der eigentlich entscheidende Faktor menschlichen Daseins bis hinaus zu den höchsten Ae»sterungen schöpferischen Kniturgeistes, Ethik und Religion, sei. Leicht verbindet sich damit die unter Anwendung des gleichen Grundsatzes vertretene Behauptung, daß unter allen Rassen die eigene germanische (oder nordische) die edelste sei '(so neuerdings H. Günther; vgl. Völkische-Bewegung). 3. Eine ltrteilsbildung geht am besten von der Nachprüfung einzelner Thesen auS. Theologisch interessieren dabei vor allein drei Fragen: a) das Verhältnis zwischen arischer und semitischer Religion; b) die Rassenzugchürigkeit Jesu (und Pauli); e) die Bedeutung des Alten Testaments für das Christentum. ä) Die Unterscheidungsmerkmale zwischen arischer und semitischer Religion, wie sie .etwa bei H. St. Chamberlain vorgetragcn werden, sieht man darin, daß die (indo-) arische Religion innere Gemütserfahrnng, frei von Geschichte und Zeit, antirationalistisch, mystisch, von reinen Forinen sein soll, wohingegen die jüdische Religion egoistisch, materialistisch, stnatisch, werkheilig, gesetzlich, von Furcht beherrscht und kulturell roh sei. Diese Gegenüberstellung schlägt den Tatsachen ins Gesicht. Denn die vergleichende Religionswissenschaft hat längst dartun können, daß eine Entwicklungsgeschichte von „rohen" Anfängen zu höheren Vorstellungen und Formen überall vorlregt, und daß auf entsprechender Vergleichsebene eine „Konvergenz der Typen", eine gewisse llebrreinfiimmung wahrznnehmcn ist, die zunächst jede besondere Bewertung verschiedener Rassen ausschließt. Tatsächlich ähnelt sich primitive Religion bei Ariern und Semiten aufs stärkste, und ebenso lassen sich ans sortgebildeten Stufen leicht die jeweiligen Parallelen Nachweisen.... An die Stelle willkürlich aus dem Zusammenhang gerissener Zitate hat die geschichtliche Perspektive zu irrten, die allerdings dem üblichen Antisemitismus ganz abgeht. Sie allein e rmöglickst das Verständnis der isvaelitisch-- Mischen ReliHisnsgeschichte als einer schritüveisen Herausarbeitung des ethische», Monotheismus, desstn Bedeutung gerade aus denr langen und zähen Ringen um ihn echellt. Insbesondere wird dann auch klar, daß das Christentum bei aller Untcrschiedenhett vom Jndenlmn doch nur auf „ dessen Boden entstehen konnte «nd als Vollendung der prophetischen Ofscnbarungsreligion des Alten Testaments begriffen werden mnfz. ES bleibt bei N. ESderblomk fößadJ&A. UAvißMM* W&s-fHaitk, tffuffpujt Skmdjöf x

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