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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-01 · Heft 6 (Juni 1928) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 6 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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64 Wort (in „Das Werden des Gottesglaubens"): „Die wesentliche Eigenschaft der Jahwe-Religion war nicht, daß ihre großen Männer Semiten, sondern daß sie Propheten waren." l») Die Behauptung, Jesus sei kein Jude gewesen, ist nichts weiter als eine der biblischen Neberlieferung widersprechende Annahme, die sich zumal in der Form, er sei arischen Geblütes, als eine reine petitio princljpii heranssteM. Das gilt besonders, wenn der Beweis ans einem Rückschluß von dem Geist Jesu ans sein Blnt gewonnen werden soll. Selbst die - Möglichkeit nicht-semitischer Abstammung zugegeben, so bleibt die Pflicht, angesichts der »inznrcichcndcir Nachrichten, in dieser Hinsicht größte Zurückhaltung zn üben und mir im Falle zwingender Beweise das Vertrauen in. die »cntestnmmtliche llebcrlieferimg anfzngeben. Grundsätzliche Tragweite kommt der Frage überhaupt nur dort zu, wo man den Geist;» einer Funktion des Blnteö herabsetzt. — Des Paulus semitische Herkunft nach Geblüt und Geist ist meines Wissens noch nicht bestritten worden. Wohl aber widersprechen sich auch hier die antisemitischen llrtcitc untereinander. Hat. Paul de Lagarde in Paulus den „Pharisäer vom Scheitel bis zur Sohle" und deshalb den großen Verderber des Evamgeliiims gesehen, so läßt Chamberlain die Reformation gern ans Paulus znrnckgehen, da der Kern in dessen. Lehre indo-europäisch, also arisch sei. e) Als kirchlich-pädagogische Forderung trägt der Antisemitisnrus die ganze oder teilweise Best i t i g u n g d e s A l t e n T e st a in c n t s ans dem kirchlichen Lehrstoff vor. An feiner Stelle wird eine Auswahl wertvoller Stücke aus dem Alten Testament und anderen, zumal deutschen religiösen Urkunden (so F. Delitzsch) oder überhaupt nur eine „Germanenbibc!" gefordert. Demgegenüber ist festzustellcn, daß die pädagogischen Fragen, die sich bei der Behandlung schwieriger Stücke aus dem Alten Testament (Schöpfungsgeschichte, Isaaks Opferung. Jakobs Betrug) in der Tat einstellen, grundsätzlich keine anderen sind als die mit jeder Einführung in lange znrückrcichende Traditionen verbundenen. Solchen Schwierigkeiten darf kein Einfluß aus die Stossauswahl gestattet tverdcn. sobald es sich um klassische Kultur- und Rcligionsüberlieferung handelt. Die pädagogischeu Nöte sind in solchen Fällen durch geschichtliche Einstellung durchaus zu heben. Das Alke Testament ist aber klassischer Stoff für uns, und der Christ bedarf seiner, weil es die Bibel Jesu und der Urchristenheit gewesen ist. Das Alte Testament abschasfen, hietze so viel, wie sich des Verständnisses für das Werden unserer Religio» und die Heilsvcdentnng des Neuen Testaments berauben. Weshalb mit schlimmer, aber größerer Folgerichtigkeit radikale Antisemiten ihre Gegnerschaft vom Alten Testament aus das Nene Testament ansgedchnt haben. Eingehender ist das Problem in Bibel: I l) behandelt. Hier sei noch auf die llncnibehrlichkcit des Alten Testaments für das Berständnis abendländischer Kunst- und Geistesgeschichte hingewiesen. i 4. Schließlich bedarf die Rasse und ihre Bedeutung einer sachlichen Eröricrung, unabhängig von Recht oder Unrecht des Antisemitismus. — Der heutigen Judenfrage gegenüber hat sich der Christ abgesehen von allgemein menschlichen und nationalen Pflichten — vor allem unter zwei Gesichtspunkten zu ehtschekden. Ethisch fleht er sich vor die Frage gestellt, ob die Judenemanzipation beibchalten, d. h. gänzlich durchgeführt werden, oder ob sie wieder rückgängig gemacht werden sott. Vernunft- und Gesühlsgründe sprechen dafür, der Stimme der Menschlichkeit Folge zu keiften und sich durchaus für die volle "Emanzipation, also Degen den Antisemitismus zu entscheiden. Konkrete pationnle Fragen (wie die Bekämpfung schlechter Elemente unter den deutschen Inden! die Stellung zur Einwanderung von Ostjuden) liefern dem Antisemitismus wirksamen Agitationsstoff. . . , Doch ist cs verkehrt, solche Fragen zum Anlaß für grundsätzlichen Antiscmitisnnis zu nehmen. Ihre Lösung ist unter Verzicht ans Antisemitismus rein sachlich zu erstreben, indem die Inden nach denselben ethischen Normen wie andere Volksgenossen beurteilt werden. — Religiös muß der Christ es adle h n e n, Geist und Glaube zu Funktionen des Blutes herabw ür digcn zu lassen. Er »wirb s ich um ge k eh rt zur Herrschaft des Geistes bekennen und d c s h a l b ‘ f (i t d i e Ideen der Toleranz, Gleichb e r c ch! i g n n g und allgemeinen Menschenwürde z u g n n st c n 'des jüdischen Mitbürgers c i n t r e t e n, sich i n, Pr a k t i s che r Arbeitsgemeinschaft nk i t religiös-ethische»» und P h i l o s o p h i s ch - i d e a l t st i s ch c n Kreisen des Judentums zu gen»einsamem Kamps gegen Irrel igiou und Unmoral verbunden wissen... Die Jüdische Donderschan ans der „Pressa". Von Gemeinderabbiner Dr. Kober (Köln). Daß eine Jüdische Sonderschau im .Rahmen der großen Presse-- ausstellung tu Köln. stattfindet uird bei ihrer Eröffnung Männer von dem Range eines Oberbürgermeisters Dr. Adena uer.- >md des Rektors der Universität, Professor Dr. Walb, mit warmherzigen Ansprachen ihre Sympathie hierfür zum Ausdruck bringen, ist ein deutliches Zeichen, »vie das Judentum im Rlieinland gewertet wird. Daß aber das Judentum der Umwelt noch ctlvaszn sagen hat, beweist der Inhalt der Jüdischen Sonderschau.' Nicht mir das Vorbild der katholischen und evangelischen Kreise war maßgebend dafür, daß das Schrifttum in den Mittelpunkt der Ausstellung in den achteckigen, mit dem herrlichen Bilde von L e f s e r U r y, kostbaren Wandteppichen mit deutscher und hebräischer Inschrift, mit ehrwürdigen Thora-Borhängen und Bildern der Großen Israels geschinücktcn Ehrenhof gestellt lvnrde, sondern die klare Erkenntnis, daß auch der Ausgangspunkt für den geistigen Prozeß, »vie er in der vielsprachigen und vielgestaltige» jüdischen Presse zutage tritt, die Lehre Israels ist. Das Sinnbild hierfür — eine alte Wormser Thora-Rolle in Barock — steht aufgerollt in einer Gkasvitrine iin Mittelpunkt des in dunkelrotcr Farbe gehaltenen Raumes und »veist aus die alte Fahne Israels hin. Sie »vird unrgeben von kostbarem Thora-Silber, einer Mischna-Handschrift des 12. Jahrhunderts und seltene», Inkunabeln. In den Vitrinen rings an den Wänden des Ehrenhofes und im angrenzenden Lesesaal si»,d alle Gebiete des jüdischen Schrifttums, Bibel, Bibelübersetzungen, Talmud, Codices, Midrasch-Literatur, Religionsphilosophie, Mystik, Streitschriften durch Inkunabeln, Erstdrucke und seltene Ausgaben vertreten. Die althebräischen Inschriften von Sinai, die Professor Dr. Grimme durch Schriftproben erläutert hat, die Silvah- Jnschrift, der Mesa-Stein und andere hebräische Schriftprobe» zeigen, »vie »veit der Weg zur Kunst Gutenbergs und z»»r jüdischen Zeitung gcivescn ist. Auch die eigentliche Presse repräsentiert sich nicht nur in ihren Ansängcn. Die llebcrgänge vom Brief zur Zeitung, vom Einblattdruck und den Flugblättern bis zur „Gazeta de Amsterdam" von 1674, der „Dhhrcnsnrter Zeitung" und den». „Measses" Mendelssohns haben ihre Darstellung gesunden. Und nun entfaltet sich der rclche jüdische Blätterwald bis zur Gegeinvart, teils nach Sprachen und Staate»», teils nach seinem Inhalt geordnet und gibt einen Gradmesser für das in den einzelnen Ländern jeweilig pulsierende jüdische Leben. Zur Publizistik gehört jedoch auch jene mit der „Pressa" ver- »vandte Literatur, in der das Geschick der Juden seinen Ausdruck geslmden hat. Hierfür haben insbesondere Holland, Frankreich u»,d Deutschland in reichem Maße beigesteuert. So ist es möglich, ein Bild von der Geschichte der Juden während der letzten Jahrhunderte zu gewinnen. Wir können fast lückenlos von etwa 1500 an bis zur Gegenwart aus den Flugblättern, Edikten, Judenordnungen und sonstigen Vcrösfentlichnngen die Geschichte der Juden in unserein Vaterlande ablesen. Mit dem Reuchlin—Psesserkornschen Streite beginnend, sehen »vir zum Beispiel Verordnungen über das Tragen des gelben Ringes an den Kleidern, über Austreibung der Juden aus manchen Gegenden, erfahren wir aus bunten Drucken das Geschick des Juden Süß, sehen dann »veiter den Umschivuna in der Resormgesetzgebung des Kaisers Joses II. und als Pendant dazu das Dohinsche Buch über die bürgerliche Verbesserung der Juden, sodann die innere Emanzipation der deutschen Juden in den Tagen Moses Mendelssohns, die äußere Befreiung . in Preußen in dem Originaledikt vom 11. Mürz 1812, die Reaktion in der Publizistik eines Fries und eines Rühs, in den Kämpfen der Frankfurter Gemeinde um ihre Gleichberechtigung, das Jahr 1848 und das Ringen um Glcmbenssrciheit und Bürgerrechte, bis zur Gegenwart. Das hierbei in den letzten Jahrzehnten Führer des Central» Vereins an der Spitze dieses Kamvfes gestanden haben, bedarf kaum der Erivähming. Bekundet dieses Material, das sich in demselben Raume findet, in dein der Centralverein seine gläserne Säule zeigt und das Israelitische Fainilicnblatt geschmackvoll ausgestellt hat, daß »vir nicht gewillt sind, uns unsere Rechte nehmen zu lassen und hinter den anderen zurückzustehen, so beweist die ganze Jüdische Sonderschau, daß »vir bereit sind, für die alte»» Ziele des Jndenimns, dem ja auch die ganze Pressa dienen soll, zu »virken, für Aölkervcrsöhnnng und Menschheitsverbrüderung. Daß die Jüdische Sonderschau reiche graphische Kunst zeigt, daß die Gelehrten und Bibliotheken »vie Private des In- und'Auslandes sie »varin unterstützt haben, sei hier dankend erivähnt. LSKKL Philo Verlages i^ ISOp Verlag u. EchrUIKitungiLeuIralverein dentsch. Stoatobllraerilöd. Glaubens e.V.. Berlin S1V B, Lindenstr. 13. Für die Echrifil. veiantw.» De. Ludwig Holländer, Berlin SW 6». Druck von Rudolf M o s s -, Berlin SW 19.

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