Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 6 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Gstifch--katholisch! Nordisch evangelisch! Atzsnpve Folgerungen aus vcr Rassenlehre. Im Maiheft von „Deutschlands Erneuerung", der völkischen Zeitschrift des Löhmannschen Verlags, darf ein evangelischer Psarrer Ernst Paul! (Hcscherg), der bereits in einem eigenen Büchlein sich als ein gelehriger Schüler Günthers erwiesen hat, einige Einwnnde gegen seinen Meister erheben. Es sind srcilich „ur Schcineintvändc, dazu bestimmt, Bedenken evangelischer Ehriste» gegen Günthers Rassenlehre z» beruhigen, indem Günther gut zugeredet wird, in künstigeir Auslagen doch einfach aiu Anfang oder Ende seines Buches treuherzig zu versichern, das; das massenevangelium mit dem Evangelium Christi und der Kirche nicht im geringsten in Widerspruch, stelle. Besonders bemüht sich der Herr Pfarrer, die kirchliche Lehre von der Notwendigkeit der Wiedergeburt in Einklang zu bringe» mil der Lehre Günthers, wonach doch wirklich weiter nichts nottnt, als eben nordisch geboren zu sein. Die Methode des Herr» Thcblogen, den Rassemnaterialismns Günthers mit dem kirchlichen Spiritualismus zusannnenzureimen, ist iin höchsten Grade naiv. Hier gibt's mm einmal kein Paktieren! Wenn nach der Lehre der evangelischen Kirche das Erdreich der Rasse, wie Pauli zugibt, bloß der Ackerboden ist, aus dein durch den Samen des Gottcswortes eine Neuschöpsung erfolgen mutz; wen» zudem .Herr Pauli daran scsthalien mochte, daß auch ans dem Boden der ostischen Rasse durch von Christusgeist — „oder (sic!) durch einen harten Befehl" — „höchst brauchbare" Menschen-entstehen können, dann heißt das im Simre des Ebangelimns nichts anderes als: Di« rassische Naturanlage bedeutet nichts, die seelische Nenschopsung bedeutet alles. Ader Herr Pauli ist nwit davon entfernt, das zngeben zu wollen. Im Gegenteil. Er ist höchst unzufrieden damit, daß Günther in der zwölften Auflage der ostischen Nasse gegenüber sich zu Abschlvächungen und Entschuldigungen versteht. „Warum die ostische Rasse anordeln? Sie ist, wie ste ist!" In seiner zwölfjährigen Seels orgertätigk eit unter vorwiegend ostischer Bevölkerung hat er die ostische Seele immer nur als „Hnnfenseelc" kennengelernt (womit aber veileibe „nichts Abträgliches gesagt" sei» soll!). Ich habe bis heute geglaubt, nach evangelischen Begriffen bedeute „Seele" etwas Einzigartiges, die selbständige Beziehung des Einzelmenschen zu feinem Gott. Hier schlügt der evan - elische Theologe einen Salto mortale, der für eine Kollegen ein warnendes Beispiel sein inag. Er beklagt sich nämlich weiter darüber, Latz Günther der evangelischen Kirche unrecht tue gegenüber der katholischen, weil er neuerdings auch der katholischen Kirche einige Komplimente macht, und weil seine Deutung des pietistischcn Stündlerwescns als eines ostischm Wesenszuges nur die evangelische Kirckp belastet. Demgegenüber weist der evangelische Theologe nachdrücklich daraus hin, datz die katholische K i r ch e m i jt ihrem Glaubens- und Gewissenszwange echt ostisch. die evangelische mit ihrer Freiheit und ihrem Individualismus echt nordisch sei. „Evangelische Freiheit", ruft er aus, „ist nur für nordische Seelen!" Da möchte denn wohl mancher wissen, wie unter solchen Umständenetn evangelisch crPsarreri nein er vorwiegend ostischen Bevölkerung seines Seelsorge ramtes walten mag; wird er die ostischen Menschen seinem katholischen Kollegen überlassen, oder wird er sie einem anderen Herrn überantworten, der sie „mit hartem Bcsehl" noch zu „recht brauchbaren Menschen" machen mag? Wofür wohl „brauchbar"? Ob auch fürs Himnielreich? Mindestens ruützte für sie ein besonderer Himmel eingerichtet -werden. Folgerichtiger iuiu’8 schon, man überließe ste der ewigen Verdammnis. Stndicnrat Schösser (P o t s d a in). „Deritschbiiitige Berufung.. Aus den Richtlinien für Lehrerbildung des völkische« Lehrerbnndes. Der Bund völkischer Lehrer hat auf seiner letzten Tagung Richtlinien für die Lehrerbildung beschlossen. Sic sind in Ausgabe 33 der „Schulpflege" vom 9. Juni — vielleicht als Seltsamkeit — nbgedruckt.. Ans den erbaulichen Sätzen seien folgende hcrausgehoben: Wgemelnes: 1. Alle Wissenschaften sind der deutschen Jugend nur durch dentschblütsge Berufung empfindende Lehrer;n vermitteln, well es die im Blute begründete Persönlichkeit ist, di« begeistert. Daher mutz bei der Zulassung znni Lehrerberus dieser Gesichtspunkt der entscheidende sein. 2. lim dem Nachwuchs der rassisch gesunden Bolkskreife die Wühl des Lehrerberuses zu erleichtern, sind auf dem Lande und in der Kleinstadt weitgehende Bildungsmöglichkeiten zu schassen. g. Vorbedingung znin Studium ist die Reise einer Bollnnstalt, deren Lehrplan dein „völkischen Erziehungsziel" entspricht. 4. Bekemiknismätzige Trennung der Lehrerbildung wird abgelehnt. 03 Inhalt und Ordnung der Lehrerbildung: I. Richtunggebend für die Lehrerbildung sind: a) das „völkische Erziehungsziel" (gleichwertige Bildung), b) die Aufgaben der einzelnen Schulziige (unterschiedliche Ausbildung). 2. Die philosophischen Fakultäten der Universitäten und die pädagogischen Akademien sind so anszubancn, daß ste die Ansbildnng sämtlicher Lehrenden tm Sinne dieser Richtlinien iibcrnehincn können. 3. Gemeinsam müssen von den Anwärtern für alle Schulgattungen gefordert werden: n) ein Pshchologisch-Pädagogischrö Studium auf rassenbiologischcr und geisteswissenschaftlicher Grundlage mit Praktischen Nevungen an besonderen Lehrstühlen. b) Eingehende Kenntnisse der Rassenkunde und Vererbungslehre als Grundlagen aller Kultur, sowie der Soziologie als deren Auswirkung"). „Dcutschblütine Bernsimg «upsindende Lehrer". — Zur Klarheit und Schönheit der deutschen Sprache haben sich diese deutschblütigen ErzichiiiigSpolitiker »och nicht diirchgermigen. Das liegt möglicherweise an der doch nicht genügenden Reinheit des Mutes. Aber ebenso mangclhast wie ihre Sprachbildnng sind ihre Geschichtskenntnisie. Ohne den B v h - n> c n K o in c ii t f u g, beit Franzosen Rousseau, den H a l b - italiencr Pestalozzi würde sich auch das deutsche Schuk- und E r z i e h u n g sw e s e n noch weit im Rückstände befinden. Den Herren. „Berusenen" sei empfohlen, in den Erinnerungen von Julius Rodenberg nach.zulesen, welch ausierordentlich bewegende Wirkung der Dvrirag des Prvjcssors Stahl auf seine Hörer, junge und ergraute, übte. Dieser hinreißende Redner und später« Begründer der Konservativen Partei war nach seiner Abstaminnng auch nicht rein deutschb listiger Empsindung. And arich die Römer, die es den „Deutschblütigen" erleichter! haben, sich in die tiefften deutschen Dichter „ein—zu—- fühlen', sind auch nicht immec als „dcntschblütig" anzusprechcu. Nein, nicht jeder, der „deutschblütig" ist, ist auch ein „Berufener", S. A.-K. Die yelöen.von öurgstnn. Der Bericht des „Völkischen Beobachters" — und die wahre Begebenheit. Der „Völkische Beobachter" vom 20./21. Mai brachte eilte fettgedruckte Notiz über einen „blutigen S-tratzenkampf in der Juden- Hochburg Burgstnn (llfr.)". Es heißt da u, a.: „Beim Eintreffen des Redners kam es gegen die mit Totschlägern, blanken Messern und schiveren Holzprügcln belvassncte Menge zu kurzem, aber für ur.fcre tapfere S. A. (Sturm 6, Würzburg) erfolgreichen .Handgemenge. Die S- A. ging ünier weitgehender Schonung der dentschblütigen Volksgenossen vor, rückte jedoch den mit Totschlägern migreiscuden jüdischen Hetzern zu Leibe, so daß nach kurzem, energischem Faiisttamps die zchnsache tlebermacht dm Kamps einstellte und wn unbesiegt, in feftem Schritt vom Kampsplatz abmarschicre» konnten. — Pg. .Reine cke stand hier mit seinen braven Jungen im Brennpunkt de8 blutigen, aber erfolgreichen Kampfes und deckte persönlich den Abmarsch," Unser Landesverband Bayern hat an Ort und Stelle genaue Erkundigungen über diesen „blutigen Kampf" eingezogen, und diese Erkundigungen ergaben denn auch schnell den richtigen Tatbestand, Die .Ludenhochburg Burgsinn", in welcher neben 2000 Einwohnern zwölf jüdische Familien im besten Einvernehmen in i t der übrigen Bevölkerung leben, sah am 17, Mai gegen H8 Ilhr abends einen kleinen Auslauf, Etwa dreitzig Personen, darunter sieben junge jüdische Leute, betrachteten neun Hitler-Lcntc in Uniform, die in Vurgsinn zur Abhaltung einer Bcrsaminlnng angekominen waren. Es kam zu einem Wortwechsel zwischen einem Arbeiter und Den Hakcnkreuzlcrn. Als im Auto noch fünf weitere unisormierte Hakenkreuzlcr eintrafen, bekamen die Hakenkrenzlcr Schneid, und einige von ihnen gingen auf den Arbeiter los. Ei« junger jüdischer Mann stellte sich schützend vor den Angegriffenen, einen ältere« Mann, und erhielt daher den ersten Schlag. Damit begann eine allgemeine Schläger«. Die Hakenkreuzler wurden tüchtig verprügelt. Ihr Führer Rcinecke bat schlietzlich einen älteren jüdische» Herrn (unser Mitglied Adolf Hcincniann), der dabei stand, er möge die Burgstaner beschwichtigen und dafür sorgen, datz seine Schar un- , behelligt das Dorf verlassen könne. Das ist die Form gewesen, in welcher der Parteigenosse Reinecke „den Abmarsch persönlich gedeckt hat". Auf Zureden des älteren jüdischen Herrn ließen die Biirgsinncr schließlich von ihren Opfern ab. ließen es sich aber in ihrer Empörung nicht nehmen, die rmisormierten Jünglinge, die den streit provoziert hatten, in nicht gerade zarter Magier bis zum Dvrsnnsgcmg zu begleiten. Ter Völkische Beobachter" stellt die Sache so hin, als ob die Lchlägerci durch jüdisclse Hetze und Verabreichung von Alkohol vorbereitet worden sei. Es steht fest, datz nichts dergleichen Tatsächlich geschehen ist. Nachdem die provozierenden Hakenkreuzler aber nur durch das Eingreifen und durch den Edelmut eines Juden vor schlimmerem körperlichen Schaden bewahrt worden sind, ist es nur ein weiterer Beweis von Niedrigkeit ihrer MethiÄen, -daß sic diese großherzige Tat eines Juden mit solcher L ü g e l o h n e n. K. F. (München). *) Von uns fett gedruckt. Die Echrlftlcitwig.