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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-01 · Heft 6 (Juni 1928) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 6 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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s§ bet Vorzug, welchen eine vor der andere» hat, lediglich nach Zeit und Olt zu bemessen ist. Ich halte sie, satt» inan Gott in Omen nur in cnigemessener Weise dient, alle silr gut. Das Wesen des Gottesdienstes beruht aus dem Dienste des Herzens. Gott verwirst leine Huldigung, weil» sie ausrichtig ist." „Aber da sei Gott vor, das; id) ihnen (den Gläubigen) je das grausame Gesetz der In tote ranz hredige. das, ich sie «»treibe, ihren Nächsten zu verabscheuen und zu linderen Menschen zu sagen: .Ihr werdet verdammt werden', zu sagen: .Ausicrhalb der Kirche gibt es kein Heil?" Daher ist Rousseau mich gegen das Prv>elhiemnnchen: „In jemandeir dringen, die Religion, in der er geboren ist, z» verlassen, heisst meinem Nedünken nach ihn anssorder», ein Unrecht zu begehen, und folglich: selbst Unrecht tun." So lauter und schön diese Gesinnung ist. so darf inan doch nicht erwarten, das; sich der Vikar oder in seiner Person Rousseau gänzlich den Bvrurteileir seines Zeitalters entzogen hätte. Wenn er Beispiele bringt, tvclche die Notwendigkeit der Toleranz dartmr sollen, so demonstriert er dies lieber an den Türken als an den Inden; auch hält er in naivster Weise an der himmelhohen lieber» legenheil der christlichen Religion über die jüdische fest, und cS fehlt sogar nicht an gelegentlichen wegwerfenden Aerisicrungen über die Religion der Inden. Man darf hieraus keinen Nachdruck legen, denn er tvill keineswegs die Juden von der Toleranz ausgeschlossen wissen und ist überall ein echter Vertreter der Humanität. Universttätsprofcssor Dr. WS. Kinkel (Gießen). Festtag in Köln. ■ Lalldesberbandstagmigeii sind iit unserem, Centralvereiu in allen Teilen des Reiches satznngsmäßige Geschehnisse im üblichen Ablauf des Arbeitsjahres. Die Mitgliedschaft eines bestimmten Bezirks findet sich zusammen, um Erreichtes nn d weiterhin n och zu E rstrebende s zu besprechen. Für diejenigen Freunde, die ohrie persönliche Verbindung mit den leitenden Stellen des Vereins ihre Arbeit verrichteir müssen, sind solche Tagungen gleichsam Berührungen mit der großen M u t t e r k r a s t unserer Bewegung, aus der sie neuen Antrieb für ihreMleiterarbeit davvntragen. Für die anderen bedeutet die Tagung Hecrschalt und neue Bindung. Eine solche LandesverbandStagniig hatte unser linksrheinischer Landesverband ain 8. Juni zu veranstalten. Und da die „Pressa" zur gleichen Zeit Besucher ans allen Himmelsrichtungen diesseits und jenseits des Rheins an sich lockt, luden unsere Kölner Freunde die benachbarten Verbände und die führenden Männer unseres EentralvereinS ans dem ganzen Reiche ein. „D a 8 R e ch t d e r d e u t j ch e n I u den an der deutschen Heimat" war der Leitgedanke, unter den sich die Arbeit dieser Tagung stellen sollie. Nach erprobter Erfahrung leitete eine Kundgebung die Arbeitstagung ein. In der Kölner Städtischen Oper saßen Rheinländer und Westfalen, Brmmschweiger, Brandenburger und Berliner, Schlesier und Ostpreußen nebeneinander. Werke deutscher Musiker drangen an unser Ohr. Worte unserer Führer erreichten unseren Verstand und senkten sich tief in unsere Seele. Die Gedanken, ans denen unsere Bewegung erlvachsen ist, ans denen sie lebt und wirkt, trafen ausgeschlossene Herzen. Und da geschah es, daß allen, die zu Hunderten und aber Hunderten im Raume saßen, die Lehre der Führer eigenes Erleben schien! daß die große Verkündigung von der Einheit unseres deutschen n n d unseres jüdischen Seins keine erdachte oder er st zu erlebende Aufgabe, sondern das Leben selbst war. Zu den Tönen der großen deutschen Meister fügten sich mit selbstverständlicher Einfachheit in ihrem Scelenivert die Worte der jüdischen Bien scheu, die von der Bühne herab zu. uns sprachen. Die Mauern des Hauses schwanden. Die köstliche Ebene deZ deutschen Rheins breitete sich aus. Die Geschehnisse von zwei Jahrtausenocn rollten sich auf ihr ab. E i u h e t1 b c n t» scher und jüdischer Geschichte. Verbundenheit deutscher und j u d i s che r M e n s ch c n f ü r d e u t s ch e 8 Werden. Ringen jüdischer Menschen um d e u t s ch e E r d e. bis sie uns segnete u n d H e i m a t w ii r d e. Und dann das Heute: Nagend die Türme des stolzesten deutschen Doms inmitten des mmschenersüllten, arbeitsamen Köln. Am anderen Ufer wehende Fahnen: Die Hallen der „Pressa" zeigen die Geschichte des Geistes und der Kämpfe um der geistigen Freiheit willen. Unauflösbar auch hier lute bei allein die Verbindungsstellen, an denen bei Wirken und Wollen für deutsches Sein und Werden jüdisches Schaßen zu deutschein Entstehen strömte, au denen, rückwirkend, deutsche Heimaterde und die Laute der -entschen Muttersprache körperliche und seelische Gestalt des deutschen Juden sormteii. Und so wurde uns allen die Kundgebung in dem Saale der Oper zu Köln am Rhein unverlierbar, nnanslöschlich das Fest unserer Wirklichkeit. Alfred Hirschberg. Oie Kundgebung. Köln, 3. Juni. Das festliche Rund der Kölner Städtischen Oper war bis hoch in die Reuige hinauf von ertvarlniigsvoll gespannten Menschen gesüllt. Nicht nur Mitglieder der Kölner Ortsgruppe waren der Einladung zur Kundgebung, mit der die Nhcinlandtagung des linksrheinischen Landesverbandes eröffnet werden sollte, gefolgt. In bem Parkett imd auf den Rängen konnte inan Freunde aus dem ganzen Westen Deutschlands erblicken, und auch Vertreter der mitteldeutschen und o st d e u t s ch c n Landesverbände tvaren erschienen. In der Mittclloge sah man neben den Vorsitzenden des EentralvereinS und des gastgebenden linksrheinischen Landesverbandes die Vertreter der staatlichen, städtischen und Justizbehörden sowie der Kölner Illdiselzen Gemeinde. Kurz nach 11 llhr ertönten die feierlichen Klange der Ouvertüre z» Webers „Oberon", vom Kölner städtkschcn Orchester unter Kapellmeister Walter voraetragcn. Langsam vcrdnnlelle sich der Raum, der Vorhang hob sich von der Bühne, ans der, von dunkel getönten glatten Fläche» umrahmt, hell bestrahlt, die Rednertribüne errichtet war. Der Vorsitzende unseres linksrheinischen Landesverbandes, Bernhard Feilchenfeld, nimmt das Wort zur Begrüßung: Der Centralbcrein entbietet Ihnen durch mich, den Vorsitzenden seines linksrheinischen Landesverbandes, herzlichsten Willkommengrnß. Zn großer Freude gereicht es mir, unsere Ehrengäste, insbesondere die Vertreter der Behörden zu begrüßen: Herrn Oberregiernngsrat Dr. Bier als Vertreter des Regicrungspräsidenten, Herrn Bürgermeister Merfeld als Vertreter des Oberbürgermeisters, Herrn Polizeipräsident B a u k n e ch t, Herrn Obcrlandesgcrichtsrat Dr. S ch v in - m e r als Vertreter des Oberlandcsgerichispräsidenten. Herrn Landgcrichtsprasident Kut ten kculer, Herrn Dr. Svhling, Vcrtr. Vorstand der Anwaltskammer, Herrn Bl innen an, Vorsitzender und Vorstand der Synagogengemeindc, die Herren Vorsitzenden und den Direktor unseres C e n t r a l b e r e i n s, sie alle seien hiermit herzlich begrüßt. Nach einem kurzen Rückblick aus die wechselnden Notwendigkeiten unserer Arbeit seit der Gründung des EentralvereinS fuhr Herr Feilchenfeld fort: Der Centralverein hat die Pflicht, an -der inneren Befriedung ' Deutschlands mitzmvirken und z>i verhüten, daß iin Innern Erbfeindschasten ausgerichtct oder aufrechterhaltcn werden, die den Ruf deZ deutschen Volkes schädigen und seine Tatkraft schwächen und lähme». Wir deutschen Juden wünschen ehrlich, in Frieden und Freundschaft z» leben mit allen Volksgenossen, mit welchen gemeinsame Kultur und Muttersprache, Heimals- und Echicksalsgcmeinschast nnanslöSlich uns verbindet. In diesem Sinne, in engster Verbindung von Deutschtum und I u d e n t u m. habe ich die Ehre, diese Kundgebung zu eröffnen, in der frohen Hoffnung, daß unsere Ans» spräche allen zum Nutzen gereichen möge. Zmn Besten unserer teueren rhcinischeir Heimat, 3 n nt W 0 hlc unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Nach ihm betritt, von starken; Beifall empfangen, der Vorsitzende des Ccntralvvrcins, Zustizrat Dr. Brodnitz die Tribüne: Wir begehen diese Feierstunde auf rheinischem Boden. Mit diesem Boden verbindck auch die deutschen Juden eine '111 ehr ä l 8 150 0jährige Geschichte. Um die Freiheit der Rheinlande halwn auch die deutschen Juden gekämpft. Die Zeit der Wahl ist vorüber. Wir sind unseren rheinischen .Freunden dantbar, daß sic unmittelbar nach den Wahlen uns zu

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