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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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52 ein Motiv ausgebnnt ivird, das Pocci dem Grimmschen Niärchen „Ter Jude i»i Dorn" entlehnt hat. Zur Kennzeichnung dieses Machwerkes, das ein eigentümliches Licht mid) uns den Bearbeiter L e v Weis in a n t e l wirst, genüg! es, wenn wir die Einlrittsredc des „Juden" Manscht hier widergeben: „Man sä,! : Js das doch a dinnms Volk die Bauern, bin ich gewest beim Stuffi'llHUKr in Kcrchbcrg »nd habe gesvgt. Was Hab ich ihm gesogl? — Hab ich ihm gesagt, Stossclba„cr tvillst Tn »it kansen c Kuh in Tein Stall, Hab zu verlausen e Prachlsluck von einer Kuh rmd die wirb der geben, wird der geben alle Tag achtzehn 3)lnfi Milch, sv Ivahr ich ein ehrlicher Züd bin. Und da ha! der Swsfelbaucr gesagt? — hat er gesagt: Atanschl, wenn Dn iner bringst e svlche Kuh, Ivill ich Ter gebe e gnts Stück Geld davor. Und da Hab' ich ihm gebracht die Kuh, die ich dn am Strick Hab, und er hat se gekäst um sechzig Gilden und hat sc gestillt in den Stall zu seine andre Kuh, Aber heut in der Nacht, da's dunkel lvar wie in Aegtihten bei der groben Finsternis, dn Hab ich mich geschlichen ans Haus, bin ich geschlossen durch das Hnndelvch und Hab ausgemacht still und heinilich die Tür von inne raus im Stall und Hab mir wieder genommen mci Kuh. Und jetzt tvill ich gehn in die Stadt rnrd will verlosen die Kuh an cir Schlächter, bevor se mich ertvischcn, aber ich Ivill zählen mein Geld, tvas ich noch heut hrosettiert Hab zu de sechzig Gilden vom Stosfelbanern." In dioscin widerlichen Kauderwelsch; tvie es zu keiner Zeit und nirgends von Inden tvirklich gesprochen worden ist, geht es dann durch alle Szenen, in denen der „Jude" Mansch! nusiritt. Es lohnt kauin die Mühe, diese „Dichtung" niedriger zu hängen. Aber die Angelegenheit sällt vielleicht doch etlvas schwerer ins Gelvicht, wenn man bedenkt, wieviel solche Spiele gerade in der heutigen Zeit zur Vergiftung jugendlicher Seelen beitrage» müssen, und ich darf auch nicht unerwähnt lassen, das; der Verlag des Bnhnenvolksbnndcs von mir bereits vor nnnmchr zwei Jahren ans diese Gefahr Hingelviesen worden ist, ohne daß er es vis heute für nötig gehalten Hütte, das betreffende Spiel znrnckzuziehcn. Der Bühnenvolksbiind hat wiederholt öffentlich daraus hingewiesen, daß ihm antisemitische Tendenzen völlig fernliegen. Hier ist ibin eine Gelegenheit geboten, eine osscnsichtliche schwere Kränkung des oentschen Jndcntmns tviedcr gntznumchen. Zufälligkeiten! Erhaben über ven Vorwurf, fanatischer Judeuhafier Die Mehrzahl der dcntschcn Volksgenossen ist sicherlich mit > der Meinung, daß es nicht angehcn kann, die immer wiederkehrendcn Beschimpfungen des jüdischen Volksteils mit dem Hinweis der Absicht s l o s i g k e i t, oder der Beteuerung sonsligcr Qualifikationen des Beschimpfenden widerspruchslos hinzunehmen, Ich halte svlche Angriffe von „sonst sehr liebeiisivllrdigen Personen" für bedeutend gefährlicher als die Agitationsmcthoden des Nndananliscmiiismns. Es bedeutet eine schwere Belastung für die Idee der Volksgemeinschnst, wenn sonst einsichtsreiche Kreise unseres Volkes gelegentlich Antisemitismus machen, lvenn inan glaubt, „bei Gelegenheit" dem „jüdischen Krämergeist" — das „christliche" Geschäftsgebaren, dem „jüdischen Materialismus" — den „deutschen Idealismus", den „indischen Halbheiten" — „arische" Boltivertigkeitcii gegcnüberstellen zu nziisscii, fur^: die Inferiorität des Judentums als erwiesene erwähnt, natürlich-„ohne jede böswillige Absicht!" Was sagt man beispielsweise dazu, wenn die „Monatsschrist für christliche Bildung und Weltanschaiiniig, der Geistcskampf der Gegenwart" (Verlag Bertelsmnnn, Gütersloh) gelegentlich dem blödesten Antisemitismus Platz einräumt, mit der für unsere Zeit symptomatischen Einleitung, „geiviß erhaben über d e n Vorwurf, ein sanatisch'cr Jndenhasser zu sein". Da lesen wir: „Getrieben durch die Sorge um sein deutsches Vaicrland, in der Ucberzeugnng, daß das Deutschtum in der Literatur für immer gestorben ist, findet er (Börries, Freiherr v, Münchhausen. D. BO Worte tiefster Derachtung für alle, die dazu beitragen, jüdische und ausländische Schriststeller den germanischen vorznziehcn. ,Die 60 Millionen Deutsche taufen mehr Bücher, die geschrieben sind von der halben Million Juden, als Bücher von ihren 59)4 Millionen Landslentcii.' Diese erschütternde F e st st c l l» n g gibt zu denken, ja, sie muß uns mit Scham und Entsetzen erfüllen. . ." (S. 117.) Man beachte mir die von mir gesperrten Ausdrücke! — Die Inden alg Parins!! Gennn so verfehlt wie die Aiislassuiigen im „Geisteskamps", halte ich die Art und Weise, wie der Jesuit Brors die Ansicht des Professors Paulsen, „daß die katholische Kirche überall rückständig geworden ist" (S. 72 „pbilosophig militans“) zu widerlegen versucht. Das erste Argument gegen die von Paulsen behauptete Inferiorität des Katholizismus Hott er eigenartigerweise aus der Wasseiisamnilnng der Antisemiten, ohne dabei zu merken, wie abwegig dadurch seine „Widerlegung" wird. So schreibt er ans Seite 30k der Schrift „A B C für das katholische „Selbstverständlich, wenn man ein kleines Gebiet ans den, Menschenleben hcrausgreist, so stehen ivir Katholiken in einigen Ländern zurück. Es sind uns die Protestanten in Deutschland voraus im Besitze von Macht und Geld. Soll dos vielleicht bciveiscii, dag der Protestantismns die wahre Religion ist? Wenn Macht und Geld entscheiden, bann zieht ba§ Christentum in Teutschland beit lürzcrm, und de Judentum, und zwar dem nnglänbigen Resvrii judeiit „ m. ist. die Palmc zu rciche n." Ich mache dem Pater gewiß feinen Vorwurf darnns, wenn i feinen Glauben verteidigt, aber wenn er das theologische Gebiet verläßt, sollte er, das ist er seinem Stande und Ansehen schuldig, nicht Behauptungen als bare Münze übernehmen, die längst als falsch und irrsg abgetan sind. Mag er sich von Herrn Theodor Fritsch belehren lassen, der am 15. November 1918 im „Hammer" schrieb: „Es ist zivar Tatsackw, daß in jüdischen Hündeii große Ncichtümer zusammengeballt sind, und daß sic durch die spclnlativc Art der Berivendung besonders iiis Auge springen, aber so weit ist es noch lange nicht, daß der größte Teil des nationalen Besitzes in jüdischen Händen Aii anderer Stelle, in einem Schristchen, „Tchlagworte des gottlosen Svzinlisiiins und Kommiinismns", in bemfclbcu Verlag 1924 erschienen, macht der a n o » h m e Verfasser, ein Franzisknnermissionar, für alle Ausschreitungen eines ungebildeten Straßen- Pvbcls, für alle Untaten eines einzelne», mehr oder weniger das Judentum haftbar. So erzählt er auf den Seiten 84 bis 86 voii „j ü d! s ch o u M achthaber n" und „j ü d i s che n S o w je th n n P t l i n ge n", von 271 seien 232 Inden, die die Gewissen des christlich-russischen Volkes durch Schnndartikel brnta! vergewaltigen und dabei mit den Weibern Orgien feiern, auf Seite 55 schreibt er: „All die Inden in Eurer Partei, — sind doch auch sicher keine Mninnionsverächter." Die Seiten 34 ss„ 60 bis 68, sind eine einzige Jndenhetze. Sogar der schon im Jahre 18 83 als Fälschung nachgewiesene „Aiisruf Cremienx'" wird 1927 noch als Weisheit letzter Schluß verkündet! Es ivürde sich verlohnen, diese Seiten gesondert zu behandeln, ivenn die Schlußsätze nicht eine allzu deutliche Sprache redeten. Es ist mir ganz unverständlich, wie ein derartiges, Pamphlet die Ki rche n z c n s u r passieren konnte, es trägt das „Jinpriinatur" vom Jahre 1924. Und das alles sind Schriften, die nicht judenfeindlich sein wollen, sondern nur. „bei Gelegenheit" solche Bemerkungen bringen. Lehrer 21. Jansscn (Essen).' das „Leben „Toldoth Jeschu", zu deutsch: „Geschichte Jesu", ist der Titel eines Pamphletes, das unschöne Erzählungen über den Stister des Christentums enthält: besonders einige moderne Fnssimgen der Schrift malen die Vorgänge vor der Geburt in geradezu pornogrnphischer Weise aus. — Nach antiseniitischer Behauptung soll diese Schrift unter den Inden verbreitet sei» und den wahren Charakter der Juden enthüllen. Was ist aber in Wahrheit über dieses Machivcrk zu sagen? Alle älteren Drucke und Zitate staminen von A n t i s e in i t c n , jüdische Gelehrte aus allen Jahrhunderten habe» die Schrift aufs schärfste verurteilt; einige Beispiele: M e n d e I s o h n nennt sie „eine Mißgeburt", Grätz „ein elendes Machwerk", Gndemann „einen Schmarren". — Talmudisch Gebildete konnten von sich bezeugen, das; sie von der Schrift niemals gehört hatten. Wenn im Mittelalter niitiseinitische Schriststeller ihren jüdischen Gegnern diese Schrift vorhielten, so konnten diese stets erwidern, daß eine solche Schrift unter d e n I n d e n ii n b c k a n n t i st. — Wäre das Buch in der Tat eine „Volkslektüre" geivesen, so wäre eine solche Ableugmmg völlig unmöglich. Außerdem spricht der Stil, der Inhalt und die Ileberlieferilngsweise des Textes durchaus dafür, daß antisemitische Fälscher unter Assistenz eines getauften Inden die Schrift verfaßten, uni Material gegen die Inden zu liefern. S. Krauß hat in seinem Werke „Das Leben Jesu nach jüdischen Oncllm" (Berlin 1902) eine eingehende Untersuchung des „Toldoth Jeschu" geliefert. Obwohl Krauß selbst dem Werke nur geringen Wert bcimißt, vertritt er doch die Ansicht,'daß es aus jüdischen Kreisen stammt. Die Argumentation von Krauß hält aber einer wissenschaftlichen Nachprüfung nicht stand, vielmehr beiveist die uiivoreingciiommcne Prüsnng seines Materials deutlich, daß die Schrift von antisemilischer Seite verfaßt wurde. — Einige Prinkte seien genannt. — Es gibt bekanntlich im Alten Testament einige Stellen, die von dm christlichen Gelehrten als Hinweise aus Christus gedeutet werden. Zwischen den jüdischen und christlichen Apologeten bestand von jeher Streit über diese Stellen. — Im „Toldoth" werden dies« Bibelvcrso Jesu und seinen Jüngern in den Mund gelegt, ohne daß auch nur ein einziges Mal der jüdische Slandpunkt geivahrt oder erwähnt wird. Krauß (S. 202) bezeichnet diese Tatsache als „mcrkwiirdig". Er erklärt sie — von seiner Theorie aus — als ein „ritterliches" Berhalten des jüdischen Versasscrs. Diese Erklärung ist aber völlig abwegig. — Wenn die Schrift tatsächlich von Juden zu polemischen Zwecken versaßt worden wäre, so wäre gerade in diesen Bibelstcllen am wenigsten Grund zur Zurückhaltung geivesen: denn diese Kontroverse war vssizietl anerkannt. Hier trifft nur d! c Erklärnng die Wahrheit, die dum antisemitischen Fälscher als Autor annimmt: denn ein solcher hatte das größte Interesse, nachzuweisen, dab auch in der angeblich jüdischen Schrift die Bibelverse christologisch ansgesaßt wiirdeii. — Daß cs sich nicht um eine jüdische apologetische Schrift handelt, geht auch daraus hervor, daß die mittelalterlichen jüdischen Polemiker das „Toldoth Jeschu" niemals zitieren. — Auch Krauß (S. 211) muß zugeben, daß dieser klmstnnd schwer zunngnnsten der Schrift ins Gewicht sällt. Aus der Tatsache, daß der Verfasser des „Toldoth" Kenntnis des Talmud gehabt hat, kann natürlich nicht auf einen jüdischen Bcrsasscr geschlossen werden: denn, wen» antisemitische Fälscher hier am Werk« waren, so ist es selbstverständlich, daß sie durch Benutzung talmudischer Quellen den A n s ch c i n der „Echtheit" erwecken wollten. Die zahlreichen eriviesencn Fälschungen zeigen llar diese Methode. — Steigt man bei der lintersiichung der Texte bis zu den Einzelheiten hinab, so ivird cs immer deutlicher, daß das trübe Werk einem jud'en- Iciiidlichen Skribenten seinen Ursprung verdankt. Dr. S. Weinberg.

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