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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Semrit,MWÄmiW"im»men»i«.WW. . " KkAt. / mauummtitmjummmiir. Vor einer Reihe Don Woche» Hot hier Regien,ugsrat De. Alfons Steiger (Nr, 8 der „G. B,-Zeitung" Dom'24. Februar) die neue Gründung des 'bekciniüen iinticmalsozialistischeii Führers, De. Artur Dinier: „G e i st el, r i st l i ch e R e t 4 i o n S g c m einschas t", und deren Zeitschrift „D nsGeist ch r i st e» t u in" beleiichtet. Er hat darauf hingeuüeseii, das; in e » i g e r das Judentum als die katholische und evangelische Kirche durch diese Gründung getroffen werden solle». Jnzivischeu hat der sehr geschickte Agitator Dinier seine neue religiöse Richtung, die vorzugsweise sich gegen die Dermeintliche „Sie r« ju bung des Christeutn m s" durch den „Rabbiner Paulus" wendet, in stark besuchten Nürnberger Masseiwersn»»»- lungen bekauntgemacht, und es ist daboi, zu äußerst heftige» Zusainineustößen mit maßgebende» Persönlichkeiten des Nürnberger evangelischen Bundes und des Nürnberger Protestantismus überhaupt gekvnnnen. Wir jüdische» Deutschen lehne» es ab, uns in Streitigkeiten der christliche» Kirche» mit Dr. Dinier einznmischeii. Das siiid Angelegenheiten, die nur unsere christlichen Volksgenossen angehe». Gerade aber im Hinblick auf den letzten Wahllamps scheint es uns als Juden äußerst ansschliißreich und bezeichnend, » m w elche n Einsa h z u guter Letzt der v v l k i s ch e K a m p s geht. Gewiß hebt Dinier hervor, daß er seinen Kamps gegen die katholische und evangelische Kirche lind gegen den Evangelischen Bund sozusagen als Privatmann sichre, und daß die Nationalsozialistische Partei dabei nichts z» tun habe. Es ist aber bei diesem rücksichtslosen Borgehe» Dinters auf keinen Fall zu übersehen, daß er einer der bekanntesten nationalsozialistischen Führer und Abgeordneten ist, und daß a » ch e i n e R e i h e a n d e r e r Völkischer — wie Pastor Andersen i» Flensburg. Adolf Bartels in Weimar, Ernst v. Wolzvgen und mancher andere — wenn auch nicht ans diesem Wege, so irgendwie anders gegen das geltende evangelische Christentum, ganz zu schweigen vom katholischen, scharf eingestellt ist. Das ist eine Entwicklung, die ans inneren Gründen erfolgt ist, und die hier, so interessant es ivare, in ihrer Zwangsläufigkeit aufzuzeigen, im Augenblick zu weit führen würde. Bezeichnend ist ferner, daß, wie in diesen Blättern früher einmal erwähnt, eine Vereinigung völkischer evangelischer Geistlicher unter Führung des Leipziger Pastors Vogel vorhanden ist, die allerdings wohl die selbst in den Augen Andersgläubiger geradezu ungeheuerliche» Angriffe De. Dinters gegen das protestantische Christentum ablehnen würde. Es ist eigenartig, daß solche Geistliche nicht erkenne», daß sich letzten Endes jedes Eingehen auf völkisch-religiöse Gedankengänge gegen sie selbst richtet. Ein beliebtes völkisches Agitationsmittel besteht betamitlich darin, den Juden eine mehr oder minder offen zur Schau getragene C h r i st e u t n m s f e i n d s ch a f t auziidichteu. Wie zu diese» Zwecken mit Talmudstellen jongliert wird, wie aus vorhandenen und niemals geschriebenen Broschüren Stücke, die das Christentum beschimpfe» sollen, aus dem Zusammenhang gerissen werden, ist hier schon oft mitgeteilt worden. Nicht iwmder häufig pflegen Völkische ans Tageszeitungen und Monatsschriften. die, weil sie zufällig von einem Juden (oft hat er nur einen jüdischen Name») geleitet werden, Stellen in die Welt hinanszuposmme», die das Christentum herabsetzen. Wir brauchen nicht zu betonen, daß wir, sollten solche Entgleisungen jüdischer Schriftsteller vorliegen, sie durchaus bedauern, wenn wir es auch strikt a b - lehnen müssen, für Entgleisungen eines einzelnen etwa das Inbeittnm als solches verantwortlich machen zu lassen. Wehe aber dem jüdischen Schriftsteller, der es wagen würde, auch nur im entfernteste» solche Schmähungen des Christentums in Versammlungen auszusprecheii oder gar abzudruckeii, die in Dinters Versauunluiigen und besonders in seiner Zeitschrift „Das Geistchristentum" uns aus Schritt und Tritt begegne»! Daß er die evangelische Kirche „jüdisch-evangelische Kirche" nennt, den evangelischen Bund „jüdisch-evangelischen Bund", kam, man belächeln. Trauriger ist schon, wen» ec die katholische Kirche fast stets als „jüdisch-römische Teuselsktrchk" bezeichnet. Ein Christ wie Artur Dinier hat den Mut, die christliche Sündeiierlvsmigslehre, die Milliomm von Christen heilig ist, also zu zeichnen: „Im Mittelpunkt dieser jiidisch-paulinischeu, von dem »nmididischen Mischlinge Angiistimis weiter entwickelten und von Luther kritiklos überiioiimieneii Theorie steht die heilandswidrige auf die Sllndeiibockiheorie der jüdischen Bibel zurückgehende Lehre von der' Süiidenerlösung durch den angeblichen Opsertvd Christi. Diese Lehre schlägt dem, was der Heiland selber gesagt hat, ins Gesicht, sie macht ,den Erwerb der ewigen Seligkeit' von Glaube und Gnade und letzten Endes von der Erfüllung rein äußerlicher Bvrschrifien abhängig. Sie untergräbt die Selbstarbeit, der sittlichen Aerbollkommimng und Höherentwicklung des Menschen durch Anr»f nnd Förderung seiner niederen Justiiilte, der Pöboliiisiinkie: Hoffnung auf Loh»,' Angst vor Simse, Furcht und Feigheit . , . ... sie ist schuld an der stosfanbeterischen (materialistischen) Versumpfung des deutschen Volkes und der ganze« arischen Menschheit; sie hat uns aus einem Volke von Helden und Heiligen zu einer Herde von Händlern «nd Handlangern gemacht, sie ist die Verewigung des Judaismus . . . ... sie ist die letzte »nd tiesste lirsache des bisher unglücklichen Verlanses der denssche» Geschichte, unserer Niederlage im Weltkriege, unseres heutigen Niederganges, nnsercr seelischen, sittlichen, völkischen nnd politischen Zerfahrenheit nnd Zerissenheit . . ." Es beleuchtet die Heiiminngslosigkeit der Dinterschen Ausfälle gegen das Christeiitnm zur Genüge, me»» wir ans de» Heften 3 und 4 seines „Geistchristentmns" folgende Aiifsatzüberschrifton wiedergeben: „Die Liigenbcrichte des jüdisch-evangelische» Bundes" (das ist nicht etwa ein besonderer Bund, sonder» der bekannte große „Evangelische Bund"), ferner „Der Bankerott der jüdisch-evangelischen Kirche", womit er die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit meint, ferner: „Die Spiegelfechterei des jüdisch-evangelischen Bundes", sodann: „Paulus der Antichrist" und „Der Papst als Erzfeind einer einige» Christenheit". Diuter führt (Heft 4 seiner Zeitschrift, S. 144) die Stelle Römer 10. 5fs. als von Paulus herrühreud au und schreibt dazu: „Ein anderes Beispiel jüdischen Geschmuses." Er sagt da»» weiter: „Und über solchen llnfimi, Wirr sinn und Irrsinn schreiben unsere Theologen dickbäudige Bücher..." Die Rolle des Paulus nennt er die „Betriigerrolle" (S. 147); auf der gleiche» Seite schreibt er von Paulus, „daß hier in der Tat et» Tvllhäusler das Wort führt, geht aus der ganze» Sache und ihrem Zusammeiihaiige hervor". Ja, er scheut sich nicht, S, 149 wörtlich zu schreiben: „Durch Panlns aber wurde der gröszte Menschhcitsbctrng vollzogen, der, seitdem die Welt steht, jemals begangen worden ist, der auch noch den Betrug auf dem Sinai hinter sich läszt; die Heilandslehrc wurde 1» SatanSlehre verwandelt." Seile 178 spricht er von katholischen Prozessiviie» und behaupiel, „sie fordern de» nichtkathvlische» Teil heraus", und schreibt daun Ivörtiich: „Sie trage» de» krassesten und blödestenAberglauben zur Schau," Es wäre ein leichtes, noch Dutzende solcher oder »och schlimmerer Stelle» aiizuführe». Aber schon diese Zitate zeigen alle» ruhigdeiikeiiden Nichtjudeu auf, zu welcher »ugeheureu Gefahr eine völkische Agitativ» solcher Art führen muß, eine Gefahr, die nicht das Judentum so sehr als vielmehr das Christentum in seinen Grundfesten zu erschüttern geeignet ist, Aon völkischer und deutschiiatioiialer Seite wird oft beliebt, dem Judeiitniii das Beiwort „z e r setzen d" zu geben. Möge jeder rechtlich Denkende entscheide», ans wen in Wahrheit das Wort „zersetzend" in den heiligste» Bezirken der Menschheit, in der Religion, zntrifst. Wie Schulkmöern DSenfeinöschaft gelehrt wirö. 'Antisemitismus im Puppenspiel. Bo» Stttdienasseffor Dr. Erich Klibanskh (Breslau), Bei dem Elternabend der 21. Eecuecndeschnle zu Lichtender» wurde kürzlich von Schülern das Poccische Spiel „Tie Zauber- »e!»e" anfgelührt. Die Ausführung dieses uachstehcnd gekcimznlhmten Stückes durch Schulkinder, denen auf diese Weise die Verspottung der Inden geradezu schnlmähig beigebraäit wurde, erregte berechtigten lluwilleii. Die Schristleiiung. Kürzlich stellte Direktor Dr. Hugo Schmidt die erfreuliche Tatsache fest, daß „die Judenfigur heute ganz aus dem Kasperletheater verschwunden" sei. Leider läßt sich aber das gleiche nicht vom Puppenspiel sage», das gerade in de» letzten Jahren unter dem Einfluß der Jiigendbewegimg einen mächtige» Aufschwung genommen hat. Ich möchte dies an einem besonders ausfallenden Beispiel zeigen. Der Bering des B ü h n c n b o l ks bu n d es läßt sich die Pflege des Pnppciispiels und der Jugendspiete überhaupt vor allem angelegen sei». ES muß anerkannt werden, daß die Vvn ihm herausgebrachten Reihen im allgemeinen wirklich als eine wertvolle Bereicherung des deutsche» I n g c n d s ch r i f t t u m s bezeichnet werden können. Um so mehr bleibt es zu bedauern, daß unter die von Leo W e i s m a n t c l, dem bekannten jungkatholischen Schriftsteller, iienbearbeiteten Pocci-Spielc auch ein Puppenspiel, wie „Die Z n » b c r g e i g e" anfgeiwmmen worden ist, wo in abstoßender Weise 452782

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