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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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50 (einen Talmud. Wir wolle» versuche», diejc Frage unvoroingenommon und sachlich zu beantworte». Der Talmud sprich!, wen» es sich nm Den Gegensatz znm jüdischen Neligivuswesen handelt, von ^VliUM., das ist eine Abkürzung ans beit Ansangsbuchstaben mehrerer Wörter, wie sie im Hebräischen iiberauS gebräuchlich ist: A für „awaudas", K für „kauchowim", UM für „um-massolaus". Es bedeutet wörtlich: „Anbetung (bzw. Anbeter) von Gestirnen und Planeten", und meint also fraglos die Götzendiener, die Heiden. Der Talmud enthält für das Verhalten dem Heiden gegenüber Bvrschristen der strengsten Absonderung und Zurückhaltung, die begründet sind nicht nur in den, geistigsittlichen Abstand vou Judentum' und Heidentum, sondern auch in den Gefahren an Leib'und Leben, von denen der Jude seitens der in seiner Ningebuug lebenden Heiden bedroht war. Da finden wir beispielsweise folgende Vorschriften: Ein Jude darf nicht allein bei Heiden verweilen, um sein Leben nicht in Gefahr zu bringen. Eine Jüdin darf nicht allein mit einem Heiden sein, sogar wenn dessen Frau zugegen ist, weil sie sich damit in sittliche Gefahr begibt. Tie dars sieh van einer Heidin ohne Zeugen nicht Gelmrtshilse leiste» lassen, iveil das Lebe» des Kindes in Gefahr ist. Der Jude dars sein Tier in einer heidnische» Herberge nicht nuierstellen, iveil ein lasterliaster Mißbrauch zu befurchten ist. Trotz dieser durch ben moralischen Tiefstand des dainaligeu Heidentums gebotenen Tchutziiiatzregel» ist auf der anderen Seite die Hnmaiiiiät des Talmuds auch dein Heide» gegenüber eine über allen Zweifel erhabene. Das Zerrbild von Menschentum, das er um sich sah, hielt ihn nicht ab, die wahre Nie,ischl,chkeit in jedem Nebenmenschen zu achten und z» schütze». „Ter Satz .Liebe deinen Nächsten wie dich selbst'", sagt Be» Assai, „ist iiicht der höchste in der Bibel, beim du möchtest unter deinem 'Nächste» deinen Nachbarn und Volksgenossen verstehen. Das höchste Wort der Bibel ist die Stelle int ersten Buche Moses: .Dies ist das Buch der Geschlcchtssolge Adams' — weil mit diesem Worte alle Menschen aus einen Stammvater zurückgesührt und damit ohne jede AliSi,ahme zur Brüderlichkeit, zur gegenseitigen Achtung und Duldung verbunden sind." — Das Wort aus dem dritte» Buche Moses: „Vor einem grauen Haupte sollst du ausstehen, und das Alter sollst du ehren", ivird im Talmud ausdrücklich auch auf heidnische Greise ausgedehnt. — „Ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen aus," sagt Rabbi Pinchas im Talmud, „es sei einer Judo oder Heide, alle iverde» nach ihre» Haudlungeu gerichtet ri»d sind des heiligen Geistes fähig." — Wer einen heidnischen Weisen sieht, bestimmt der Talmud, muß folgendes Gebet spreche»: „Gelobt seist Tu, Gott, König derWelt, der von seinerWeisheit dem Sterblichen zugeteilt hat." Man darf heidnische Arme nicht hindern, ans den Juden gehörigen Aeckern die Vvrgesehriebeueu Armeugabeu abzuholen; man i»»ß sie im Brachjahre unterstützen; man muß armen Heiden ivie arnien Juden helfen; man muß ihre Kranken besuchen und ihre Leiche», bestatten. Was »veiterhi» die Nechtsbeziehuugen zwischen Inden und Heiden «»geht, so ist Diebstahl, Veruntreuung und jede Art unrechtmäßiger Aneignung bei einem Heiden genau so verboten wie bei einem Inden. Maimvnides, der größte Kodifikator des Jndentliiiis, der am 12. Jahrhundert den gesamten halachischcn Stoff des Talmuds systematisch ziisainmeiigestellt hat, bestimmt ivörtlich: „Es ist ganz gleich, ob einer mit einem Juden oder einem Götzendiener ein Geschäft macht, wenn er ihm nicht richtig mißt oder wiegt, Übertritt er ein mosaisches Verbot und ist verpflichtet, Ersatz zu leiste»." Genau so entscheidet Maimonides hinsichtlich des Eides: „Es ist ganz gleich, ob der Schivörende die Eidesformel selber spricht oder sie ihm Vorgesprächen wird und er nur Amen sagt, der Eid ist bindend, auch dann, wen» der, dem der Eid geleistet' wird, ei» Heide ist." So also regelt der Talmud und die aus ihm fnßenden Kodizes, d. i. neben dem erwähnten Werk des Maimonides besonders der im 16. Jahrhundert geschriebene Schulcha » A r u ch. zu deutsch „Der gedeckte Tisch", die Mcnschheits - und 8!echtsverst f l i ch t u n g e n dem wirklichen Heiden gegenüber. Aber der Talm»d kennt zivischen Jndeiiimn und Heidentum noch eine andere Reli» gimissorm. Er stellt fest, daß alle Menschen, oder wie er sie in diesem Zusammenhang neimt, alle Noachiden, in ihrer Abstammung von Noah, den» zweite» Stammvater des Menschengeschlechtes, einer dein Adam und Noah geoffeiibarte» Gesetzgebung unterworfen sind. Diese Gesetzgebung umfaßt sechs Verbote »md ein Gebot. Verboten ist Göheudieust, Gotteslästerung, Blutschande, Mord, Diebstahl, Genuß des dem lebenden Tiere entrissenen Fleisches; geboten ist die Ein- Eng einer geordneten Rechtspflege. Diejenigen Menschen, welche : »oachidischen Gesetzgebung sich Unterwerken, treten für de», 'Talmud aus dein Begriff des Heidentums völlig heraus. Sie gehören nach seinem ausdrücklichen Zeugnis zu den Frommen, bieder ewigen Seligkeit teilhaftig werde». Daraus ergibt sich ohne jeden Zweifel, daß der Talmud jede» an diese Elementargesetze des Rechtes, der Sittlichkeit und Staatsordnung gebundenen Menschen nn§ dem Begriff der Aknin, der Heiden, emporhebt und ihm in seinen Beziehungen zu Gott »md der Welt eine Stellung amveist, die der des Juden ebenbürtig ist. Daß also gar das Christentum und seine Bekenner außerhalb dieses Begriffs Akmi» und der mit ihm bervnndeneu Vorschriften und Echiihinaßregeli» stehe», ist ein logischer Schluß und eine Wahrheit von solch klarem und einfachem Verstände, daß die gegenteilige Behauptung als eine Lüge und Verlenindmig bezeichnet werden inuß. und mir durch Lüge und Verlenn,dmig, gegen besseres Wissen, in die Welt gesetzt worden ist. Das Heidentum, gegen das der Talmud ankämpst, hat nichts z» tim mit dem Christentum, das sich ans den Osst'nbarungsurkundcn des JudenluiiiZ ausbante, ans diesen Urkunden den Glauben an einen Gott und die ganze Sittenlehre mit hinüberi,ah»i und unter die Heiden trug, und das allenthalben in der Welt die Götzeunltäre »iedergerisseu hat. Wenn das Indent»»», wie es ganz selbstverständlich ist, das Christentum »nie den Islam als monotheistische Religionen anerke»»»t, so befindet es sich dabei in völliger Uebereinstimmnng mit dem Talmud und der aus den» Talmud beruhende» Gesetzesentscheidung. „Es ist die höchste Zeit," um wiedersmit dem Stuttgarter S t a d t P s a r r c r La m p artcr zu reden, „daß endlich der immer »och in christliche» Kreisen verbreitete Mahn, als ob die jüdische Gesetzesliieralur irgendwelche Ansnahinebestiimnungeii enthalte, welche auch heute noch dem Inden, gegenüber dem Nichtjuden, irgend ctumS sür diesen Nachteiliges und sittlich Unzulässiges gestatte, ansgetilgt »vird. Die im, Talmnd enthaltenen Fremdengesetze sind durch ganz andere geschichtliche Verhältnisse, durch das Bestehen einer eigenen jüdischen Gerichlsbarkeit und den Unterschied zwischen jüdischer und heidnischer Rechisnorm bedingt, und der sittliche Ernst, von welchen» die ganze jüdische Gesetzgebling durchdrungen ist, wird durch sie in keiner Weise beeinträchtigt." Und er meint »veiler in diesem Zusammenhänge: „Seitdem die Inden ihre Sonderstellung im Staat verloren habe», dafür aber zu vollberechtigten Gliedern desselben erhoben worden sind, gilt für sie erst recht' mir ein und dasselbe Staats- und Sittengesetz wie für ihre andersgläubigen Mitbürger." — Auch dieses Lehtgesagte anerkennen wir, wolle» es aber nicht einseitig misgesaßt wissen, alS ob das Judentum in sittlich-rechtlicher Beziehmig irgend etwas hätte ablegen oder vergessen müssen, um der Ausnahme in die Mitte und das Recht der Völler würdig besundeu zu iverden. Es soll uns vielmehr bestätigen, daß die Juden seit dieser Zeit der Gleichberechtigung mehr und besser Gelegenheit haben denn früher, der Außenwell sich verstehen zu geben und von ihr verstniiden zu werde»» Alles Gute, das der Jude als solcher erstrebt »md leistet, »vill und vollbringt, zieht er aus dem Geiste nicht nur der ihm erschlossenen Weltkilltnr, sonder» ebenso auch seiner alten Lehre, a»»s Thora und Talmud, »md ans dem, »vas von diesen alten Urkrmdei, im Fortschritt der Geschichte »i»d Entivicklung Eigentum der Gesanrtmenschhoit geivorde» ist. Er schöpft es aber »lieht minder anch aus seiner Verpslichtnng für die Zukunft. Er hört nicht auf, auf die dereiustige innere und geistige Einheit des Menschengeschlechtes z» hoffen, auf eine Bereinigung in der höchsten Erkenntnis, und auf eine Verbrüderung zum letzten »md höchsten Ziel. Für diesen unerschütterliche» Glauben darf das Schlußwort des gniize» Talmuds auch unser Schlußwort sein, de»», es lautet: „Gott hat keil» Gefäß erfunden, das mehr Segen in sich faßt, als de» Frieden", so wie geschrieben steht: „Ter Herr gibt seinem Volke Macht, indem er sein Volk segnet mit Frieden." wir alle jlnü schuldig! Eine driugeuv riotweuvige Erkenntnis. Es ist wohltuend, im „Stahlhelm", der Zeitschrift des Stahlhelmbmides, Rr. 17 vom 22. April, die folgenden Alisführmigen zu finde»: Ei» besonderer Vorwurf, der seitens der Nationalsozialisten »mb auch ans anderen Kreisen gegen den Stahlhelm gerichtet ivird, ist der, daß wir in das Geschrei gegen „die überstaatlichen Mächte" nicht einstiinniten. Wir haben keine Belehrung nötig, von »velcher Seite den, deutschen Volkstum »md der deutschen Nation Gefahr droht. Aber wir vertreten allerdings die Meinung, das, nilt der Ausstoßung von Siindenböcken in die Wüste keine wertvolle Leistung geschieht. Wir verstehen es, daß Leute, die sich persönlich für Mißerfolge vcrant- »vortlich fühlen oder denen die Last des uns auferlegten Schieksals z»' schwer ist, sich selber seelische Entlastung geben müssen, indem sie ihre eigne Unschuld herausschreie» und alle Schuld den „bösen Kräften" zuteilen. Wir dagegen halten es für würdiger und auch erspriefsticher, zuerst zu der eigenen Mitschuld sich zu bekennen und durch daS> eigene Bcsicrwerden die Voraussetzung für eine Besicrung der Verhältnisie zu schaffe»». So wie Wilhelm Schäfer in seinen „Dreizehn Büchern der deutschen Seele" unsere Ausgabe nach dem verlorene» Weltkriege bezeichnet hat: „Als wir ansingen, Süiidenböcke zu suchen, waren wir bet der Nichtswürdigkeit verlorener Ehre angelangt. Sie »vlederzugewiiinen, bedarf es einer Erneuerlmg, die jedem einzelnen von uns anserlegt ist. Wir alle sind schuldig an dem, was geschah; denn wir alle sind ja das Volk; nur indem ivir uns derart ivieder zur Schicksalsgemeinschast unserer Herkunft zusaiimiensiiiden, kann da8 Wunder der Wiedergeburt geschehen, aus das wir alle hoffen." In dieser Gesinnnng zu unserem Schicksal Stellung zu nehme», ist schlvcrer und erfordert mehr Mut und Kraft, läßt sich nicht mit Proteslgeschrei und heftige» Anklagen erledigen. Wenn mm», weil wir uns zu dieser schwereren Ausgabe bekennen, uns Schwäche vorwirst, so werden wir das ertragen. Sündenböcke suchen ist die Mt der Schtvachc» «nd der Feige». Unsere Gcsaltenen. „Der Schild", das Organ des Reichsbrmdes jüdischer Frontsoldaten, beginnt in seiner Nummer 18 vom 80. April mit der Veröffentlichung der Liste aller deutschen jüdischen Gesallenen. Die Liste ist alphabetisch nach Orten geordnet und enthält das erstemal die Namen von 170 Gesottenen. Die Verösser.tlichung dient dem Nach» w e i % der von völkischer Seite immer wieder bestrittenen Tatsache, daß mindestens 1 2 000 jüdische Deutsche im Weltkrieg ihr Leben für das Vaterland gevpsert haben.

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