Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3- Die Achtung vor -em geistlichen Gewanöes Der ,,Ltür»«»er" gegen De. Hgpüvich. Wie sind cs o((uuitjfirij ncluütjnt, baft jeder cfjvcntwcrtc SiicOtjubc ,wn l;6l(ifd;er Seile nnRCflviifcn U'itb, Ioenn er in der „E, P, -Zeit» ng" schreibt, »nd diese -lnnrisse sind »m sv gröber, je grösser des Ansehen ist, dessen sich »nser Mitarbeiter erfreust Tiksmal gil! der istngriss dem Dvmprrdigcr I). tlicol. li. e. D. H a r tw i eh (Breme» >, der n»s im Dezember v. I, seine Empörimg Uber die Jude n Versal g n n g e „ in Rumänien »litgcteilt huste. Tiefe» Brief, den wir mit seiner Erlaubnis algedruckl halten, Ivähll der „Stürmer" in seiner Apniunnimer als Angriffspunkt. Gros; überschreibt er die erste Seite „Ser Tvmprediger", druckt daun den Brief des Tvmbredigcrs ab und verungtinipst daun das Ansehen dieses gerechte» 'Mannes aus das schlimmste, Zur Bcliästigimg seiner Empörung über diesen seiner Ansicht nach „vrrjiidcicn" Tmnpredigcr bedient er sich eines Luther-Zitates, in dem Luther jeden Ehristen, der den Juden hilft, mit höllischem Feuer bedroht, Tas Blatt wurde Herrn Tomprediger Hmiwig aiwuhm zngesnndi mit der Aussehrisl: „Ihnen zugcsandt von einem entrüsteten Kulte gen, der den Ausführungen des ,Stürmer' znstiimnte," Und das Lnthcr-Wvrt tunrde mit einem „Brabu, das heiße ich heranSgegebcn" brlräsligt. Das; der „Stürmer" mit derartigen Massen läinhst, wundert uns nichts dass ein Aintskullege des Herrn Doniprcdigcrs diesen Aiissührimaeii zustimmt, tonnen wir launi aimehmcn: denn ein Mann int Range eines Geistlichen hätte sicherlich den Mnt gehabt, auch seinen Namen zn neunen. Dieser Anonhmns wird wühl eher in den Reihen der üblichen „Slürmcr"-Leser zu suchen sein. Daß cs in Tcnlschland immer noch Menschen gibt, die ein suliheS Blatt lausen und denen man es wagen darf, derartige Pernngtlmpsmig dvrznsctze», ist tief bedauerlich. An der Ehre eines Mannes wie des Don,Predigers Dr. Hariwich kann weder ein solcher Artikel noch die Mcinungöünherniig eines aiionhmcn „Kollegen" etwas rühren. Wie huch erhaben Tr, varlwich selbst über diese 'Art der Polemik ist, geigt uns sein Brief, mit dein er »ns den „Stürmer" übersandte, n»d den wir mit seiner gütigen Erlaubnis nachstehend wiedcrgeben: Bremen, den Ich April 19SS. Tvmshcidc 2. An die Schristleitnng der „E, B, - Zeitung" Beifolgendes Blatt ans dem „Stürmer" ging mir heute anonym ans Nürnberg z», Ta der Artikel sich mit Ihnen und mir beschästigt, so sende ich Ihnen das Elaborat ein. Der daraus erkennbare Lebenshvrizvnt Nnrd Sie vermutlich ebenso zn einem Kvpfschütleln veranlasse,: luie mich, 'Aber es liegt Methode in dem Wahnsinn, lieber das Zitat ans Luthers Schriste» kann cs vom christlichen Tenken aus nur das eine Urteil geben, daß der sonst sv grosse Mann hier i» ähnlicher Ar! entgleist ist, wie einst der nicht minder grobe Apostel Paulus im Brief an die Galater, als er dort den Petrus „verstuchte" mit den äußerst nnchristlichen Worten, „Und wenn ein Engel vom Himmel käme und würde euch das Evangelium anders predigen als ich, der sei verflucht!" Derartige? kommt leider auch bei großen Männern vor. Bedauerlich ist nur, das; die fleinen Geister nachher immer nn diesen „Entgleisungen" nagen wie der Hund am fleischlosen Knochen, und der Melk weißmachen wolle», dies fei die einzig wahre Ernnhruugssorm, Wenn Sie glauben, das; man durch Bekanntgabe meiner Worte eine bessere Einsicht anbahnen kann, so habe ich nichts dagegen, ioenn Sie öffentlich Gebrauch davon machen wolle!,. Hvchachimigsvvtt O, tlieol. ],. c. D. E a > lwich , Domprediger in Bremen. Nürnbergs „Zöröerer". Eine Stimme aus den Vereinigten Staaten. Wir veröffentlichen in folgendem den Brief eines Freundes unseres Vereins, eines hochgeachteten Deutsch-Amerikaners, Ixn er au deutsche Verwandte soeben geschrieben hat. Der Inhalt ist für das deutsche Ansehen erschütternd. Eine Erläuterung ist unnötig. New-Port, Mär; W2.A „Gestern abend war ich bei einem Kommers, dem HO. Stisinngssesk der hiesigen .Vereinigung ehemaliger Deutscher Studenten in Amerika', deren Mitbegründer ich bin. Es ivurdcn Salamander gerieben aus das Wohl der Veteranen, die .so tapfer lvährcnd des Krieges die Fahne der denlscheii Akademiker Hochhielten'. Es Ivurdcn auch ans mein Wohl anlässlich meines 10. Geburtstages Salamander gerieben, nicht allein vom Präsidenten des Vereins, dessen Präsident ich wiederholt gewesen bin. Du kannst Dir wohl denken, das; ich in gehobener, wenn ich so sagen darf — deutscher — Stimmung war, als ich nach vnusc kam, 'Als Eöegciistück hierzu erhielt ich heule früh den Ausschnitt eines Blattes .Stürmer' (oder sv ähnlich), wie es mir noch nie vorgekoininen ist . . . Ter Schade», den diese .Bolschewisten' vom Schlage des 'Nürnberger .Stürmer' fiiv Deutschland anrichleu, scheint sic nicht int geringsten zu stören, Tie derüsche Negierung hat ein Bureau hier in der Stadt etabliert, iim sur den Besuch deutscher Bäder z» agitieren. Mau ist sehr froh, Ioenn jüdische Aerzte ihre Patienten hinüber senden, und mit Recht. Tie Stadt Nürnberg entsendet eine Kommission »nicr der Führung des Herrn Oberbürgermeister Luppe, die in würdevoller Weise Propaganda für Nürnberg machst Ta kommt mit dem .Stürmer' meuchlings ein Wlenint gegen diesen Herrn und gegen n l l e I u d c n , das altes über den Hansen zu Wersen droht. Welche jüdischen und selbst n i ch t jü d i s ch e n Amerikaner werden fid) der Ge fahr aussehen, Nürnberg zn besuchen, um eventuell von diesen Stürmcrlenten angegrissen zu werden? Obwohl solches Treiben von einer Minorität in Teutschtand herrührt, so wird cs doch bestimmt viele Ausländer von dem Besuch in Nürnberg sernhaltcn, die inst vssenen Annen sonst in ganz Europa empfangen werden. .An Lichpes Tisch', sv heißt cs im .Stürmer', .hatte sich auch der Jude Tr, F, gefetzt'. Infolge ärztlicher Tätigkeit tonnte ich nicht an dem Essen ieilnehmen, Konst hätte ich cs wohl gerne getan. Ich kenne auch weder Herrn L. persönlich noch seine Begleiter, Richtig ist nur, daß ich Jude bin, und daraus bin ich stolz." von -er Mischehe. Die Neintzcit des Blutes nach dem jüdische«» Gesetze. Von Ravbincr Dr. B. Jacob (Dort«,«»„«-). Als ein Axiom gilt den Antisemiten der Sah, daß das Judentum leine höhere Sorge kenne, als die Reinheit deS Blutes seiner Angehörigen mit alter Strenge zn bewahren und jede Bermischung mit fremdem Blute zu verhüten oder unerbittlich ,zu bestrafen, Kein Voll, so lehren z, B. Ehambcrlai»') und Günthers, beobachte so lonsequeni das „Gesetz des Blutes", zeichne sich durch ein gleich lebendiges „Blutbeivnsslsein", durch solche „Blnttreue" aus. Dar» aus machen sie ihm nicht nur leinen Vorwurf, sondern geben sich den Anschein, als wenn sie ihm dafür Anerkennung »nd Bewunderung zollen, «ie steile» es dem eigenen Volke als nachahmens. wertes Beispiel hin und können nicht genug beklage», das; es in diesem Punkte vo» so freventlicher Lässigkeit sei. Zu diesem Jivecte der Reinhaltung des Blutes sott sch o u d a s m o j a i f ch eGesetz die Mischehe mit Angehörigen anderer Rasse streng verboten haben, und Es ra sei es getvesen, der nach der Rückkehr ans dem babylonischen Exil diese Verbote mit snnatischcm Eifer dnrchgesetzt und damit das blutreine und rasscnbelvnsjte Judentum geschaffen habe. Vorerst eine sprachliche Bemerknng, Diese Begriffe sind dem Hebräische» so »nbelnnnt, das; es dafür nicht einmal 'ein Wort hat! Niemals wird in ihm Verivandtschast durch das Wort „Blut" oder eine Zusammensetzung damit nusaedrückt (wie z. B, im Lntcinischoii ecmsanguinilas). Tie Bezeichnung dafür ist entweder „Bruder" oder „Fleisch und Bein". So ruft Adam, als er das ans seinem Körper gebildete Weib erblickt, ans, „Diese ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch". Als die Brüder Josephs davon abstehcn, ihn zn ermorden, sagen sie, „Ist er doch unser Bruder, unser Fleisch!" Und zwar ist nach dein Alten Testament j e d e r Mensch „unser Fleisch", so das; es geradezu für Mitmensch steht, „So du einen Nackte» siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deinem Fleische," Etwas anderes ist ja auch nicht vvn einer Schrift zn envarten, die ans ihrer ersten Seite erzählt, das; Gott nn allem Anfang in seinem Ebenbilde Einen Menschen erschuf, von dem sonach die gesamte Menschheit, in so viele und verschiedene Böller sie sich auch gespalten haben mag, abstammt, Es ist bemerkenswert, das; in dieser Schöpfungsgeschichte bei allen anderen organischen Wesen nachdrücklich immer wieder hervorgehoben wird, dass sie nach ihren verschiedenen Arten geschaffen worden seien: die Kräuter, die Bäume, die Fische, die Vögel, die Landtiere, nur nicht beim Menschen. Alle Menschen bilden eine Art. Und als nach der Sintflut eine neue Menschheit entsteht, stellt das zehnte Kapitel des ersten Buches Mose alle betannten Völker als Abkömmlinge der drei Brüder Sem, Hain und Japhel, Söhnen des einen N v a h, nebeneinander. Nach dieser Grnndanschannng konnte es keinem Israeliten jemals in den Sinn kommen, von Natur minderwertige Rasten, mit denen sich zu vermischen das eigene Blut verfälscht hätte, anzunchmen. Daher war die M i s ch e h e wegen fremder Nasse niemals verboten, Abraham zeugt mit der Aeghpterin Hagnr den Jsmaei, Joseph heiratet die Tochter eines ägyptischen Priesters und von ihr stammen die beiden grossen Stämme Ephraim und Mannsse ab, Moses Frau war eine Kuschitin nsw. Ein ebenso schlagender Beweis für die Gleichgültigkeit des Judentums gegen das Blut ist die zu allen Zeiten für zulässig erklärte Ansnähme vo» Prvseihte», gleichviel welcher Abstammung, in die jüdische Geineinschast. Ist der liebertritt vollzogen, dann gilt der Prvselyt in allen Stücken ohne jede Einschränkung als Vollisraelit mit allen Rechten und Pflichten, Solche Uebertritte sind denn auch zn allen Zeiten vorgekommen und bisweilen in solcher Masseuhastigkeit, dass manche Forscher es schon aus diesem Grunde für verfehlt halten, von einer „Rassenreinheit" der heutigen Juden zn sprechen. Wie häufig sie auch heutzutage sind, kam, man von jedem Rabbiner erfahren, es gibt sogar Rabbiner nicht jüdischer Abstammung. Alles dies ist selbstverständlich für eine Gemeinschaft, die durch ein geistiges Prinzip zusainmengehnlten wird, für jede Ncligion, für jede Gesinnnngsgcmeinschast, für jede Nation, für jede Partei, Bestand sie ursprünglich aus einem Zusammenschluß von Menschen gleicher „Rasse", sv «uivb sie um so stolzer, wenn ihre Idee sogar die ,,s r e m d r affig st e »"• zu gewinnen vermocht hat. Selbst die konservative Parte, Preußens, aus deren Schoß die Antisemiten hervorgcgangcn sind, verehrt als ihren geistigen Vater, der ihre Gcdnnkemvelt in ein System gebracht hat, eine» Juden, Julius Schlesi n g c r (St a h I), ' Es gibt nur eine Partei auf der Welt, die auf Nassenreinheit bestehtdie Antifemilen oder Aöllischeu. Gibt es denn aber in der B ib el nicht wirklich Gesetze, welche ausdrücklich die Mischehe verbieten, und ivar es nicht in der Tat Esra, der sie durchsetzte? Allerdings. 2, M, 81, 12 ft. wnd den Israeliten verboten, mit den kanaanitischen Völkern einen Bund zn schließen, lvornnler nach V. 18 zu verstehen ist, „daß du Vvn ifnciv Töchtern nicht für deine Söhne nehmest", 5. M. 7,8 ist dies dirett ausgesprochen: „Du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern, >) Grundlage», I NI, -) Nassrulimde, 105 f. und an vielen Clesten,