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Central-Verein-Zeitung · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 4 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3$ Der deutsche StmtSblirser Wichen Klaubens. Professor Heinrich Frick (Gicszen) über Goldsteins ,,Deutsche Volksidcc «nv dentschvölkische Idee". Im Märzhesi (Nr. & bei lum Pivfesiei I). M n v I i n Hl n b c (Mml'uvfl) l)ctau?flcacl'cncu ftoUid'vijt rtniitlidw äVcU" besvricht Presesser Heinrich Flick btc mich in bei ,,('. P.-Leitung" bim Prvsesser Erik Nöliinn cinsicheud ocuutibtßlc VhTcit Pivscssor Dr. I. Gvlb-- stcins „Deutsche Bollsidre und beiiijckivölliiche Idee"') in einem Artikel, in dem er sinmbsäljiich die neisligc und l’utitihtic Glvnliuf beä bcnischcn' Limil-Zbiir,iers jüdischen Ghmbc»?- initcifudjt imb feine Pfiflcnj bcjntjt. Ans den, inteu'fiantcn Vlnffiil! sieben luir im selben die wichtigsten Teile wieder. Die Schristleitnnsi- „Mir sind aus religiösen und nu? imtiomile» Gründen mit verantwortlich für de» Ansgang des Streites mn die „Jndeusrage". Wic immer man zu Inden und Judentum oder mich zu einzelnen dmnit zusanmienhängenden nftitelten Fragen stehen nuig, cs dnrf uns nicht gleichgültig sein, ivenn um uns herum mit einer tief silifivühtenden Leiden schuft du nun gestritten wird. Mir scheint, das; eS für den Leserkreis der „(christlichen Wett" desvnders nnchtig ist, eine bestimmte Art von Juden genau zu kennen und — tvciiigsteiis ihr Dasein — auch anzuerteuncn. Ich meine den „dentsehen Staatsbürger jüdischen Glauben»", einen Menschen mit „geeinter Zwienatur", Er nitnmi typologisch einen besonderen Plast ein. Tenn er erhebt den Anspruch, gleichzeitig natirmal beutfdj und loiisessionell jüdisch zn sein. Dieser Typus braucht nicht zu leugnen, daß historische Abhängigkeit ihm Eigenschaften eingepflanzt hat, die der Mehrzahl der Deutschen frenid sind. Ja, er braucht nieht einmal davor znrückz»schrecken, das; familiengeschichtkiche Abstammung ans eine andere Bergangenheit znrücksührt, als sie die meisten Deutsche» heute bon sich nnnehmen »uiffen. Wesentlich ist nur dies, dns; hier Deutschtum und Judentum gleichzeitig ganz bejaht werden, Eo steht dieser Mensch in der Mitte zwischen anderen mögliche» Falten, deren Extretne auf der einen Seite der jüdische Nationalist, der Iio»ist, auf der andern der deutsche Rationalist, der völkische, Es ist kein bequemer Stnndpnnkl, den sich der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens erwählt hat. Fortwährend muß er sich gegen z>vei Fronten berteidigen, sowohl gegen den Vorwurf mangelhasten Judentums, als auch gegen de» Verdacht, im Grunde doch eigentlich kein Deutscher zu sein. Wenn in dieser Lage die Verteidigt, ng in den Angriff übergeht und der Kampf mit brauchbare» Waste» geführt wird, berdient allein schon die Tatsache Aufmerksamkeit und Bewniideriing, Julius Goldstein, der Herausgeber der vortressüchen Zweimonatsschrift „Ter Morgen", ist bereits in diesem Zusammenhang bekannt geivorden durch sei» wiederholt aufgelegtes Buch „8t n s s e u »d P v l i t i k" (-1, Auslage. Leipzig-Berlin Ruumehr legt er eine tveilere beachtliche Schrift über das Problem vom „Deutsche Bolksidee und dentschvölkische Idee" (Berlin 1927, 181 Seiten), Die gedrängte Kürze des Buches erlaubt nicht, nnSzngsiveise den Inhalt wiederzngebe». Ich must mich daraus beschränken, einige Grundgedanken hervorzuheben, die gerade in unserem Leserkreis auf Verständnis rechnen dürfet,. Wichtig scheint mir vor altem zn sein, das; man der Schrift jene innere Wärme, ja Leidcuschnft abspürt, die für das Schrifttum Eoldsteius überhaupt bezeichnend ist," Projestvr Frick zitier! dann Professor Goldsteins Aussührmmen zu der »rage: Was haben wir bcitlfdjcn Juden mit den Nichijubcn siemoiiisam?, stellt fest, das; die Widertegung des Stapelschen Buches „Antisemitismus?" in politischer und philosophischer Richtung voll aclmigen ist und fährt bann fori, „Reißt er (Gotdstein) damit die Aolksidee aus der mnvürdigen Verkoppelung mit den Kategorien der zoologischen . Zuchtwahl heraus, so ist cs ihm doch eigentlich weniger zu tun um biologische und historische Tatsachenforschung. Goldstein braucht ja gar nicht die Bedeutinig der physischen Abstammung zn leugnen. Die Entscheidungsfrage lautet nicht, ob der Abstamimnig überhaupt ein Einslust zukommt — das lelignei auch Eoldstein nicht —, sonder» sie lautet: Welchen Machten gebührt in der Stufenfolge beherrschender Ideen der erste Plast? An der richtigen Hierarchie der Werte hängt für die Ethik alles. Daß der Völkische dem Volkstum den ersten Plast einräiimt und gleichzeitig dieses Aolkstum über das Leben herrschen läßt mit der tyrannischen Gewalt eines unabänderlichen Naturgesetzes, das ist der Knltnrmord, dessen er sich schuldig macht. Der Geist und alle seine guten Geister sind aber nicht die Sklaven unserer Abstammung. Denn, mit mit Fichte zn reden: „Es gibt schlechterdings kein Natnrgesest und keinen php *) Philo Bering, Berlin SW 63, Linde fischen Ziisammeuhang der Dinge, durch lvekchcn das Gute an uns kommt." (Staatslehre, 1813.) Schließlich inündet hier die Betrachtung ein in eine theologische Grundfrage. Es darf keine Größe der zeitränmlichm Wirklichkeit den Plast beanspruchen, der allein Gott gebührt. DaS BolkStum an die Spitze der schöpferischen Werte rücken, heißt heidnischem Aberglaube» verfallen. Ihm gilt die Warnung Tagores: „Wer Götzendienst mit seinem Aatcrlande treibt, ruft einen Fluch auf cs herab." Erst Vvn Gott ans, unter Gott bekommen Volk und Vaterland ihr Recht und ihren schöpft,iigsgemnßcn Sinn. Es heißt die geheimnisvolle Wirklichkeit vergewaltigen, wenn man aus dem tvnnderbnren, natürlichen, ans der Tiefe hcraufstetgenden volkstüinlichei, Einschlag, den alle große Menschlichkeit an sich trägt, ein wissentlich-willentlich vorgesesttes Aktionsprograimn macht. Völkisch sein tvotten ist Frevel am ewigen Geheimnis des Lebens. Der tvahre Deutsche bralicht nicht absichtlich deutsch sein zn ivolten, er ist deutsch im innersten Wesen »nd teilt dieses Wesen, so lange er nur echt bleibt, auch den äußerlichsten Kundgebungen seines Daseins mit. Dieses gewachsene Deutschtum kann auch ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens haben. Und hat er es, bedeutet seine Existenz mehr für uns als völkisches Heidentum." Des Kaisers Traum. Ein Aprilscherz i» vier Sprache». Der U, Bvdnng-Verlsig, Erfurt, den der Wannte radikalvölkische Major a. D. Fleischhauer leitet, läßt als sensationelle Broschüre, mit reklamehasiem Umschlag lierschen, soelwn eine Flugschrift erscheinen, die „DeS Kaisers Traum. In England aufgestöbert und der Vergessenheit entzogen bon einem deutschen GeneralstabSossizier" betitelt ist. Ans der inneren llmschlagseite ist die Beglaubigung eines Erfurter Notars abgedruckt, das; der Inhalt des in der nachfolgenden Broschüre veröffentlichten Textes wörtlich mit dem ihm borgelegten Exemplar von „Th© Truth" übereinstiinmt, Umschlag, notarielle Beglaubigung, Vorwurf und Inhalt sind in vier Sprachen gedruckt: englisch, deutsch, französisch und spanisch. Das Vorwort weist darauf hi», daß die englische Zeitschrift „The Trulh" zu Weihnachten 1890 eine mit begleitendem Text versehene Karte veröffentlicht habe, die Europa merkwürdigerweise mit derjenigen Grenzziehung darstellt, die durch den Versailler Vertrag späterhin Wirklichkeit geworden ist. Die Juden Hütten ans geheimnisvolle Art und Weise die WeihnachtSmmnner des „Truth" und die Originalkarte zum Verschwinden gebracht, so daß sie in der ganzen Welt nicht mehr aufzutreiWi gewesen sei. Dein 1t. Bodimg-Berlag sei endlich von Privater Seite ein Exemplar überreicht worden, und so sei der Verlag in der Lage, diese „hiermit anszngsiveise den ausgcplünderten Völkern" zu zeigen. Major a. D. Flei schh a uer tut sich auf seine Entdeckung viel zn viel zugute, denn in den „Weisen von Zion" Hai Herr Gottfried zur Beck bereits ans Seite 215 die gleiche Karte veröffentlicht. Es stimnst, daß die Karte Weihnachten 1890 veröffentlicht wurde, aber Herr Fleischhauer und Herr Beek wußten nicht, das; die englische» Zeitungen zu Weihnachten in der Regel gcmeinsa«» mit einem Nenjahrskalcnder etwas besonders Spaßhaftes zu biete» Pflege». So ist des Kaisers Traniir eine in satirisches Gewand gekleidete Verhöhnung Wilhelms II., der in den letzte» Monate» vor Bismarcks Entlassung Europa durch seine impulsive Art zn überraschen begann. Ans der Karte sieht man links oben in einer Gruppe die stark verkleinerten Karikaturen der europäischen Monarchen, wie sie sich vor einem ArbciiShaus drängen, während ganz Europa in Republiken aufgelöst ist. Großbritannien, Schweden und Norwegen, Dänemark, Spanien, Italien, Serbien, Bulgarien sind Republiken, ebenso wie Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Rechts am Rand fängt Rußland an, und man liest die Worte „Russian Desert" (russische Wüste), ivie das damals im Westen noch so wenig bekannte Zarenreich von sorglosen Pnblizisteii im Srlzerz genannt wurde. Besonders amüsant ist daran, daß man auf der Karte Wilhelm II. mit e i n e r b l a u e n Brille sicht, und hier scheint den voransschauendcn Weisen von Zion in der Tat ein Irrtum passiert zu sein, denn bekanntlich hat spater nicht Wichelui II., sondern Ludendorsf die blaue Brille benutzt. Nun ein Letztes, um die Ucberzeugimgskrast der Karte zu erhärten. Der Herausgeber der Zeitschrisi „Th© Truth", Henry I<nboueli*re, war, wie allen bekannt, die die politische Geschichte des Antisemitismus kennen, einer der ganz wenigen tätigen Antisemiten, die England in jener Zeit hatte. Er war ans dieses Monopol ganz besonders stolz, und in London sagte man scherzl)ast, Labouchöre wäre bereit, jeden Engländer tolzuschlagen, der sich ebenfalls zur antisemitischen Gesinnung bekenne und ihm dadurch das Monopol streitig machen würde. Der „Truth" erschien zu Weihnachten als Scherz siir Neujahr, die Broschüre vom 11. Bodimg-Verlag erschien gegen den 1. April. Andere Länder — andere Sitten. Aber in England siel niemand auf den Scherz hinein. Nickens.

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