Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hfc .. Jt / Au« den Kriegseelebnlffen I / einesdeuischenOsfizier«. Berlin SO 39, 24. April 1928. An bon Eentrul-Vercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Berlin, Liudcustraße 18. In letzter Zeit finde ich - vcmnlllich int Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen -.wieder so zahlreiche Herabsetzungen von ehemaligen Solduteu jüdischei; Glaubens, das; ich mich, empört hierüber, veranlastt sehe, einige Persönliche Erlebnisse ans meiner langjährigen Dienstzeit Ihnen ,;u beliebiger Verwendung, auch unter Angabe u,eines Namens, zur Verfügung zu stellen. Meine A'iederschrift soll nicht nur eine Ehrenerklärung für ehemalige Untergebene, die Indeir nmren u-nd auch blieben, sein. Tie soll auch Klarheit bringen, vast ein selbstbewußter deutscher Jude sich politisch nicht den Parteien anschließeu dürste, die es sich angelegen sein lasiert, die Jude» zu verleumden, ja sogar sich nicht eutblöden, die zahlreichen aus Vaterlandsliebe gebrachten Blutopser zu bestreiten und die Angaben darüber als Fälschung a»zurechnen. Man kam; sich nicht wundern, daß verhältnismäßig viele Inden, manchmal sogar mit wirtschaftlich anderer Gnindeinstellung sich den Linksparteien bzw. denen mit liberaler Tendenz angcschlvssen haben. Sich Parteien anzuschließen, die Juden ihres Judentums wegen verfolgen, halte ich für ebenso charakterlos uneben Konfessionswechsel um äußerlicher Vorteile oder Anerkennung wegen. Als ich noch Leutnant war, wurde bei meiner Kompagnie in Düsseldorf (Füsilier-Regiment 39) ein Jude wegen seiner vorzüglichen Leistungen als Soldat Unteroffizier und Dizefeldwebel. Als ich ihn bei der Verabschiedring fragte, ob er nicht versuchen wolle, Reserveoffizier zrr werden, erklärte er mir in großer Bedrücktheit, er wolle lieber die Proviantamtskarriere einschlagen, weil er doch nicht zum Offizier gewählt werden würde, so aber dvch wenigstens eine dem Ossizierstand nahestehende mWärische Stellrmg erreichen könne. Sein damaliges Ziel hat er erreicht. — Bei meiner Kompagnie, 2/57 in Wesel, diente ein Jude sein Jahr ab. Es war dies ein Mensch, dem keiner von uns feine Achtung versageir konnte. Deshalb qualifizierte ich ihn aus vollster lieber,zeugung zur Beförderung, und hatte die Freude, das; er nach, den vorgeschriebenen Uebuugert als zum Reserveoffizier geeignet entlassen wurde. Auf mein Zureden stallte er sich bei dem zuständigen Landwehrbezirk zur Wahl. Der betreffende Bezirkskommandeur forderte von mir eine vertrauliche Aeußerung über de« Aspiranten, sowohl als Mensch wie als Soldat. Trotz meiner Besnrwortuug fiel er bei der Osfizierwahk dirrch, weil das Landivchrosskzierkorps sich dagegen gesträubt hatte« eine« Inden aks Offizier in sek,ui,» Reihen a,»sz,»ueh,„e,». Leider sind mir die Namen dieser wertvollen Soldaten und Menschen nicht in Erinnerung geblieben. Wenn ciirer von diesen meinen Namen und meine heutige Ansicht erfährt, würde cs mir Freude machen, ihm zu beweisen, daß mein Urteil ihm noch fjeitte gerecht wird. Dagegen kann ich zlvei Fälle aus dem Kriege mit Nanren belegeir. Ms ich nach schwerer Verwundung Ende 1914 mein Bataillon« III. Resürveinfanterie-Regunent 13, wieder übernommen lind an; eliemin clvZ dames eine schwere Ausgabe ju losem hatte« war mir wiederholt eiik -Offizierstollvertreter durch seine geradezu hervorragende Tätigkeit als Soldat und als Vorgesetzter ausgefallen, das; ich mich veranlaßt fühlte, ihm durch Baiailkonsbcfehl meine besondere Anerkennung cmsznsprechen. Dieser bat mich mm eines Tages« in persönlichcr Angelegenheit sprechen zu dürfen und erzählte mir folgendes: Während meiner Abwesenheit hätte er eine Eingabe gemacht, nm zru Offizierwahl gestellt zu werden, und der RegimentskomMandell-r hätte seine Bitte auch unterstützt. Bei dev Wahl sei er «der trotz Vorschlages des Regimentskommandeurs durchgefalkeu« weit er Jude sei. Da in- - zwischen aber bei dem Nachbarregimcnt, Reserveinsanterie- Regiment 39, zlvei Glaubensgenossen Offiziere geworden wären, bäte er mich rnn Rat« was er unternehmen könne« um. doch noch Offizier zu werden. Ich war starr über diese Schilderung. Es erschien mir undenkbar, das; in diesen» Kriege ein wertvoller Mensch seiner Konsesiion wegen geivisiermatze»» als imwürDig angesehen sei»» sollte. Mein Vortrag beim Regimentskommandeur bestätigte die Angaben des Mannes, der im Zivilleben Referendar und als Soldat der besten einer war. Meine Empörung trieb mich zu dem ungewöhnlichen Schritt, in einer Eingabe die Ansicht der hohen und höchster» Vorgesetzten, ivemr nötig des Militnrkabinetts, zu erbitten. Nach einigen Wochen erhielt ich die Entscheidung des damaligen Militärkabinetts, das durch seine objektiven Entscheidungen bekannt war«in der Sache teile das Kabinett »»»eine Auffassung, könne aber in keiner Weise eingreise,», »veil eine Kabknettsordre dem OfsizierkorPK das Recht z,»gesprochen habe, bei der Wahl eines Aspiranten allein Den Ausschlag zu geben: Das Bezeichnenste war aber, das; dieser Ofstzicrstcllvertreter, der durch und durch Frontsoldat >var, um ihrr gewisser-- maßerr für das Wahlunglück zrr trösten, zur Bea nf sichtig rrng der landwirtschaftlichen Arbeiten hin t c v der Fr v n t a b koin m a.ndiert wu r d e. Der Mann hieß Lob. Ich habe nicht gewußt, daß er Jirde war- bis er es mir selbst erzählte. — Ein jüdischer Kriegsfreiwilliger der Garde-Feldartillerie namens Helmut Schur gast war nach zweimaliger Verwundung hier in Berlin bei seiner Abteilung. Ta er alle Stadien der militärischen Nnfordorungen mit Erfolg absolviert, also auch die Geeignetheit zum Offizier zugefprvcherr bekommen hatte, hoffte er auf eine Wahl. Statt dessen stellte ihn eines Tages sein Abteilttugskommandeur vor die Frage, ob er nicht znn» christliche»» Glaube»» übertreten »volle, da nnr seine Zugehörigkeit znn» Jnden- 1»,n» seiner Ernennung zum Offizier hinderlich sei. Helmut Schur gast gab zur Antwort, er könne sich nicht denken, das; er durch eine Charakterlosigkeit beweisende Handlung besser zum Offizier geeignet werden würde als ohne dieselbe. Einer seiner in derselben Lage gewesenen Kameraden trat znur Christentum über und wurde Offizier. Helmut Schurgast lebt noch jetzt in Hamburg. Mit meiner Hilfe ist es schließlich gelungen, die verdiente Anerkennung durch Ernennung zun; Reserveoffizier vom Persvnalamt inr Reichswehrministerium zu erlangen. Diese Tatsachen« für die ich jederzeit einstehe, und als deren Verbreiter mich zu nennen ich gerne gestatte, sprechen dentlich genug. Ein klar denkender Deutscher jeden Standes undjeder Konfession kann sichnicht zu solchen Parteien bekennen, die solchen blödsinnigen Rassen- und Klassenhaß verteidigen. Mit vorzüglicher Hochachtung Max Bruuzlow, Oberstleutnant a. D. der Wegerrnajov Ktzmamke 11$. Ter Ost-West-Fkng bei- „Stenten", an. dem neben zlvei deutschen Flieger» auch einst rischer Fliegerossizier beteiligt war, wird« ohne daß ei» Aormalmensch hierfür besondere Gründe nussinden kmm, iu den Blättern der völkische» Gruppen als- S i e g des v vlklsch-»ationalistischeu Gedankens-, gefeiert. Man braucht sich nur an den großen Lindbergh-Flng zu erinnern, oder on den Weltrekordflug Cy a m bc r l i»-Lcv in e, ui» die Gewaltsamkeit dieser Beweissührung sofort zu erkennen. Dem „Völkischen Beobachter" gelaugt nnnmehr die nachträgliche Entdeckung, daß. Fitzutauriee am II. November 19 48 mit der Durchführung eines umfaffeuden Bourbt»»- «»»»grksfes a»«s Berlin bencistragt war. Las Blatt des Herrn Hitler knüpft an diese Nemniiszeuz svkgende Bemerkung: „. . . . Der LSafseustillstaud, das Werk einer entmannten Heimat« verhinderte diese Schreckenstat. Sott »nan aber besondere Genugtuung darüber empfinden» daß es nicht mehr da,;« gckommerr ist? Wir konnten uns dem ke»r, daß auch deutschen Frontsoldaten dir Person Fitz- »nanrices noch sympathischer wäre, »nenn er damals, trotz des Waffe,»stilkstandes, de»» Deserteur- «>»b Menterersirmpf Berlin ordeiktlich verbomvt hätte. Bkelleicht hätte er damit eine Tat vollbracht» die seine» heutigen Fl»»g an Tragiveite noch übertroffeir hättet Tor Standpunkt des „BölkischLU Beobachters" ist also: ein Feind, der die eigenen Landsleute, sofern es sich um Menschen anderer- V>olUifdjrv Gesinnung handelt, tötet, steht uns näher als die eigenen Bvllsgciivssen. N i e d e r d n s V a i c r k a n d, h o ch d i e P a r't c i I