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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Anschließend hebt Prostssvr Weidcnrcich hervor, daß bisher seine beiden KoiistitutionStYPeii bei Angehörigen derselben Rasse falsch gedeutet worden seien, indem die Typen verschiedeuen Rassen Zugcschrieben wurden, während sic der gange» Menschheit eigen seien. Natürlich kann eine bestimmte Nasse mehr zur Ausbildung des einen oder des anderen Typus hinncigen. sstach diesem Gesichtspunkt werden die historischen und Prähistorischen Nassen näher betrachtet. Der muskuläre (athletische) und der cerebrale (Hirn-) TyPuS werdm in ihren anatomischen Beziehungen zu den beiden Hciuvilonstitutionsiypen nntersncht und die Körperbmiformcii nach Eiitstehuug, Veränderlichkeit, Ableitung und Wesen ersorscht. Das Knch schließt mit de», Ausdruck des Skcptizismlis des VersasferS in bezug aus die Rasscneinteilung »ach der Kopfform; er sieht darin viel eher ein konstitutionelles Merkmal, daS natürlich als Mehrheitskomplex sekundär zum Rassciiiiicrliual werden kan», Damit ist über die ftbcyfumincue Nasseulchrc und auf sic misgebaulc» Lehrbücher (z, B, des Gii n t h c rscheii) der Stab gebrochen. Lignumd Feist. Judentum unü Rultueiüee. Aon Dozent Dr. Albert Lewkolvitz (Breslau), Vor einigen Wochen hielt Professor Dr. Jäger, der Rachsoiger vonW i l am oiv i tz - M ö l le n d v r f f, in der hiesigen llniversiknt einen Vortrag über „Das Griechentum und die Knltnridee". In diesem Vortrag suchte Professor Inger die Bedeutung der Antike für uuser Kiilturbewußtsein aufziiweiseu, Nicht um die Frage, inwieweit Reste in die Kultur Europas eiugegaugcu sind, handelt es sich, sondern run die Grundfrage, ob die Weltanschauung der Antike!>ns Heutigen etwas bedeuten kann, ob sie der Knltnridee Europas zugrunde liegt. In der Beantwortung dieser Frage sah Prvsessvr Jäger das Eigentümliche der Geisteshaltunn der Antike darin, daß hier »tm ersten Male der Mensch der freie Schöpfer seines Geisteslebens ist, in Wissenschaft, Sittlichkeit »nd Kiuist der Mensch das Maß der Dinge ist, tvie diese geistigen Schöpfungen wiederum der Entfaltung der seelischen Kräsle des Menschen dienen, die Kultur der Persönlichkeit begründen, Co ist die Antike die Kulturidee die Hnmanil-st. In dieser Eeisteshaltung der Antike sieht nun Professor Jäger das Kultmbewußlsei» Europas begründet, dessen Wissenschast, Sittlichkeit und Kunst die schöpferische Freiheit des Blenschengeistes zur Grundlage haben, der Autonomie der Persönlichkeit enistannneu. Aus dieser Begründung der europäischen Kullnr auf die Anlike folgert min Jäger nicht allein die dauernde Bedeutung der Antike, sonder» zugleich, und damit schließ! sich Jäger in dieser Hinsicht Spengler an, das) Judentum und Christen tum als Repräsentanten einer magischen Kultur dem Orient ,angchören und nur dem Namen, nicht dem Geiste nach aus das europäische Kulturleben gewirkt haben. Der wahre Orient des Geistes, so formulierte Jäger, liegt für Europa in der griechischen Idee der Autonomie. So widersprechend diese?lii fidjt Jägers der all gern einen kulturgeschichtlichen Anschauung von der Bedeutung des Judentums »nd des Christentums für die Kultur Europas auch ist, dürfen wir eine solche Ansicht, zumal da sie von so autoritativer ivisscnschaftlicher Stelle ausgeht, nicht ohne Widerlegung lassen. So erwächst uns die Ausgabe, diese These ans ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und insbesondere die Bedeutung des Judentums für das europäische Kulturbewnßtsein auszuweisen, Auch hier aber kann es sich nicht darum handeln, Elemente der jüdischen Kultur in ihrem Fortwirken im europäischen Geistesleben zu criveiscn, sondern, in der gleichen prinzipiellen Fragestellung, die G r n n d h a l t n n g d r S I u d e n t u m s i u i h r e r B e d e n t n n g f ü r d a s europäische Kulturbewnßtsein auszmveisen. Wenn wir nun die Definition der Antike, die Jäger hierin im Gegensatz zu Spengler gibt, anerkennen, vorbehaltlich der Modifikation. die insbesondere die Berücksichtigung der hellenistischen Kultur erfordert, so müssen wir sagen, datz das Judentum im Gegensatz zur griechischen Kultur nicht der Autonomie des Menschen entstammt, sondern theozentrisch ist. Nicht der Mensch, sondern Gott steht im Mittelpunkt der jüdischen Weltall sch a nun g, und nicht der Mensch, sondern Gott ist Begründer der j ü d i i ch e n W e l t a n s ch a n n n g als einer O s fe n ba ru n gs rel, g! on. Im Judentum ist Gott der souveräne Schöpfer und Erhalter der, Welt, deren Sein so wenig ewig rmd selbstverständlich ist, daß es dein Nichts entstammt und dem Nichtsein und seiner dauernden Nichtigkeit nur durch den Schvpfimgs- und Erhaltungswillen Gottes entrissen wird. Und wie das Sun, so ist die Ordnung des Seins nicht ans eigener Kraft, Ausdruck selbständiger, ewiger Formkrnste der Welt, sondern Satzung des allniächtigcn Gottes. Dieser alhnächiige Gott, der den Himmel ausgespannt „nd die Erde gegründet, vor dein die Berge beben und das Meer flieht, der Schöpfer und Gebieter der Natur, hat von seinen, Geiste dem Menschen gegeben, der allmächtige Gott hat die Seele des Menschen berührt und sie durch die Erkenntnis seines Wesens erschüttert. Die Offenbarung Gottes in der Mcnschenseele erschließt dem Menschen Sinn und Bestimninng des Menschenlebens, Die Träger der göttlichen Osfenbarnng sind die zmiralcn Pcrsönlichkeiken der Menschheitsgeschichte, die Führer der Menschheit Z» Evit, Im Judentum erschließt sich Gott nicht allein als der Allmächtige, sondern zugleich als der Heilige, der Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit fordert, der Wst iu-hix Geschicke hei: Völker - eingreii! als der gewaltige Richter der Erde, der fein Volk aus der Hand seiner Unterdrücker befreit, aber auch dieses Volk der Vernichtung rrahebringi, wenn etz seinem heiligen Millen znividerhandelt. Der Gvt! der Geschichte vssenbart sich in ihr, verkündet der Menschheit seine Lehre des Lebens »nd spendet durch seine Lehre Gotteserlenntnis und Erkenntnis des Menschenlebens, Gvttesliebe und Nachahmung Golks sind dem Judentum Grundlage des Menschenlebens, in ihnen eutsalkt sich die Vestimuning des Menschen, die Menschenwelt zum Reiche Eotles zu formen, Co scheinen jüdische und griechische Mcltniischammg einander entgegengesetzt, hier die Verherrlichung des Alenschen, dort die Verherrlichung Gottes im Zentrum der Wcltanschmpmg zu stehen. Und doch haben jüdische und griechische Weltanschauung im Judentum wie im Christentum und wie!»> Jslnur ihre Shulhese gcsnnden. Wie ist das möglich gewesen? Was bedenkt diese Synihele? Wäre die griechische Kultur in Wirklichkeit allein die Verherrlichung des Menschen im Gegensatz Zinn religiösen Bewußtsein, so wäre eine solche Synthese umnögtich, Aber tvie bei den Kriechen das wisteuschaiilichc Bewußtsein zugleich von den silllichen und künstlerischen Kräften bestimmt wird, ist es auch nicht vom religiösen Empsindcn zu trennen, Wie die Idee, der Zentralbegriss der griechischen Philosophie, zugleich tvisscnschastlichc, sittliche ri»d künstlerische Norm des Menschenlebens ist, ist sie Ausdruck der Gesetzlichkeii des Kosmos, dom der Mensch eingegliedert ist. Wenn es wahr ist, und vieles spricht dafür, daß die ionische Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik stanimt, also n»S religiösem Erleben, so ist jedcnsalls die Philosophie Platons die Begründung der Religion ans dem Geiste der Erkenntnis, Denn das ist ja das Chnratteristische der Platonischen Philosophie, daß in ihr die Welt der Wahrheit nicht bloß die Norm des Menschenlebens, sondern auch der schöpferische Grund der Welt ist, daß die Idee des Guten der Grund des Kosmos der Ideen ist. And so ist mich in der Aristotelischen Philosophie Gott der Urheber aller Bewegung als höchstes Ziel der Well, Dieser religiöse Charakter der griechischen Wissenschast tritt in der Philosophie des Hellenismus immer entschiedener hervor, bis cr in der jüngeren Stoa und dein Neu-Plalonismus zur Einheit von Wissenschast »nd Religion wird. Wie stark auch dev Einflnst des Orients ans die Philosophie des Hellenismus sein mag, gleich stark sind die Wurzeln, init denen der Hellenismus in der Antike wurzelt. Und ist cr eine Synthese von Orient und Griechenland, so zeigt cr, das; griechisches u n d orientalisches W eltb ew »s; ts ei n eine organische Einheit b i l d e n können, imt) nicht die Kulturen tvie Bäume nebeneinander sich entsalten, ohne innerlich auseinander zu wirken, das; der Geist ein Lebendiges ist, das mit Lebendigem eine organische Einheit bilden kann. Jedenfalls wurde der Hellenismus znrBasis, ansder d i e D u r chü r i n g u n g jüdischen, christlichen, islamischen und .griechischen G c i st c s l e b e n S sich vollzog, als die g e s ch i ch t l i ch c n O f s e n b a r u n g s r e l i g i o n e n mit der Welt der Wissenschaft zu sa in m c isit ra f e n und die Wahrheit der Offenbarung w i ss e n s ch a s t - lieh zu begründen suchten Diese Synthese, wie sie im Altertum von Philo einerseits, den Apologeten und Kirchenväter» anderseits und in; Mittelalter von der Philosophie des Islams, des Judentums und Christentums vollzogen wurde, verschmolz die OfsenbnningSgewißheit der geschichtlichen Religionen mit dem rationalen Gottesbegriff der griechischen Wissenschaft. Und es fehlte nicht an Spannungen und Gegensätzen zwischen den Religionen des geschichtlichen Osseiibarnngsbcwnßtsciiis und der Neligio» der rationalen Erkenntnis, Aber zweifellos verdankt dir griechische Wissenschaft ihre Erhaltung und ihr Fortwirken ans das europäische Abendland ihrer V e rs chme lz u n g nn d i h r e r Id e n ti f i z i e r u n g m i t d e >u O f fe n bn r u n gs b e >v n h tse i n d er ge sch i ch t l ich en N c l i - g ion cn, einer Synthese, an de r da S Iud en tn m m i t sei »ein Gottesbcgriss und seiner Ethik entscheid c n d b e t c i I i g t i st. Bestimmte das jüdische Gottesbewußtsein vor allein den Gottesbegriss der mittelMerlichen Philosophie, indem es die Dynamik des geschichtlichen Offenbarungsbewußtseins, die Erkenntnis des lebendigen Gottes in die rationale Notwendigkeit des wissenschaftlichen Weltbildes einfügte, so wurde die Ethik des Judentums in ihrer Identifizierung mit dein stoischen Naturrecht zur Basis der christlichen Sozialphilofophic nicht allein im Katholizismus,. sondern auch im Protestantismus und Calvinismus, Darum hat der Dckalvg eine so zentrale Stellung in der christlichen Ethik, iveil cr znr Grundlage der chriMchen Sozialphilosophie wurde, als sich die Kirche vor die Aufgabe gestellt sah, das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben des Mittelalters mit sittlichem Gerste zn diirchdringcn. So wirkte die Bibel nicht allein als geschichtliche Voraussetzung deS Christentums auf die mittelalterliche Kultur, sondern die Kirche begründet ausdrücklich auf dem Gedankengehalt der Bibel das System der chriMchen Kultur, wie sie die Arbeit der jüdischen Weligions- Philosophie für die rationale Begründung deS Glaubens verwertet. Wenn daher die Kirche die Bewahrerin der Antike nach dem Zusammenbruch der griechischen Kultur geworden ist, so darf der erhebliche Anteil des Judentums an dieser Durchdringung religiöser und griechischer Kultur nicht vergessen werden. Und wenn in der Kirche das lebendig« GvttcSbewnßtsein Der geschichtlichen Offenbarung

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