Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Grundlage des Gtalibens ist, ist es unstatthaft, das cnropäl-schc Christentum als „sanstifche" Kultur von seiner Quelle im Orient abzuschließen,?W im ZnsammenbrNch der kirchlichen Dogmatik daS Zeitalter des Humanismus und der Aufklärung die Stoa zu neuer Bedeutung und Wirksamkeit erhob, trat die Nahe der stoischen Ethik und Gottescrkenntnis Zur Weltanschauung -des Judentums deutlich hervor. Bo di uns, G rot ins, Herbert v. Chcrbnrh heben diese Uebereinstimmung hervor, Spinoza bringt sic zur Geltung, merk» würdigevwcise ohne sich dieser llebereinststmnuug bewußt zu werden. Kein Geringerer als Ernst Trocllsch hat in der Ethik und Rcligionsphi'losophie der Nusklärung in Lessings ..Nathan", in Herders „Geist der hebräische» Poesie" und „Aclteste Urkunde des Menschengeschlechts", in Kants „Ethik" geradezu eine Wicdcrausrichtung des Geistes der Bibel gesehen. Und dies ist kein Gelegenheitsurteil, sondern bringt zum Ausdruck, das, das Bernuustprinzip der Aufklärung kein subjektives Meinen ist, sondern die Aeruuust bis in Kants „Ethik" hinein die rationale Ausdruckssvrm der rcligiös-siiMchen Kräfte der Bibel ist. Desgleichen sehen wir in, Zeitalter der Romantik de» innige» Zusammenhang des Gebens und Nehmen?-, ivie einerseits Sclsteicrmacher die religiösen Energien von ihrer Intellektualisierung durch die Aufklärung befreit und. im Gofühlscrlebnis die Osfenbarnngsgrundlage der Religion feststellt, anderseits die Begründer der jüdischen Wissenschaft im 10. Jahrhundert dem Kulturkreis der Roinantik innerlich angchören. Das aber bedeutet, dast die jüdische Ehrsurchts- und Hnmanitütsrcligion in den verschiedenen Konsessioncn ein wesentliches Monrent ihres Seins ist. Damit soll die Verschiedenheit der Symbole und Kulte der Konfessionen durchaus als wcscnhast anerkannt werden, aber in ihren, seelischen Gehalt ist die Kultur des europäischen Idealismus durch die Bibel entscheidend bestimmt. Neben diesen religiös-sittlichen Krästen ober wirke» aus unser Kulturbewutztscin die Kräfte der Gegenwart, die nnsticrne Wissenschast, Technik, Wirtschaft, Politik, und geben unserem Leben seine Prägung und seine Probleme. Unsere Zeit hat den Zusanuncnprall religiös-sittlicher Energien mit der Wirklichkeit in Wirtschaft und Politik .so schwer durchlitten, das, das Kulturbewusttsein selbst erschlittert wurde. Darum gilt cs, alle, die guten Willens sind, zu der Kultursynthese zusamincnznfassen, die die zentrale Ausgabe unserer Zeit ist, zu der S y n t h e s e d e r r e l i g t v S - s i t t l'i cf, e » » nd wirtschaftlich-politi schen Kräfte in der Einheit n, c n schl i che r K u l tu r. Nicht aber geht es an, daß die religivssittliclM Kräfte des Judentums und Christentums ans Grund einer Theorie, deren Unrichtigkeit wir glauben erwiesen zu haben, aus dem europäischen Kulturkreis verwiesen werde». Daraus aber folgt die Verpflichtung für uns, den seelischen Gehalt unseres Schrifttums als lebendige Kraft unseres Lebens, als Macht der Weltanschauung in uns wirken zu lassen, nicht als bloße Buchgelchrsamkeit um unser Judentum zu wissen, sondern cs eimvirken zu lassen als ausbaucnde Kraft in das gewaltige Ringen unserer Zeit zur Neubcgründnng eines europäischen Kultnrbcwußtseins. Hebräisches im Deutschen. Wie sehr auch Antisemiten und deutsche Judeichasscr sich ob der Tatsache erbosen mögen, wie geringe Kapitel auch germanistische.Philologen der Tatsache in ihren Büchern über die deutsche Sprache einrnumen mögen, so steht c? dennoch fest, das, zu einem Erheblichen Teil hebräische Elemente in das Deutsche cingedrnngen sind und sich hier dnrchgesctzt haben. Hebräisches Element ist das Sprachgut, das sich, durch Luthers Bibelübeisetning hervorgeniscn, in Form von Sprichwörtern (ursprünglich biblischen Zitaten) in der deutschen Sprache tmrchgeseht hat, so zm» Beispiel, Bleibe in, Lande und nähre dich redlich (Ps. 37). Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein (Spr. 26, 27). Unrecht Gut gedeihet nicht (Spr. 16. 2). Hochmut kommt vor dem Fakt (Spr. 16, 18). Seinen Mut an jemand kühlen (2. B. BI. 15) n. «. in. Aus der Bibel sind in den Vvlksmund gedrungen: „so alt wie Methusalem" (er ivnrde 969 Jahre), „ein Jäger wie Olimtob", eine „Rotte Kvrah", ein „Tohuwabohu" — ein wüstes Durcheinander, >vie „Sodonr und Gomvrrah", die „Krcthi und Pleihi", ursprünglich die die Leibwache Davids bildenden Leute, „Schibbvleth", wörtlich Aehre, als Erkennungszeichen, im Nichterbuchc 12,6, „Beelzebub" ----- Fliegeiigolt im 1, Kapitel des 2. Känigsbnches. „Jubiläum", um 1800 von .Papst Donisacius III. in der christlichen Kirche cingcführt ititlb aus weltliche Feiern übertragen, hat seinen Ursprung in dem „Jnbcl'horn Widder- Horn, durch dessen Posaunenschall (3. B. M.) das je und je f>0. Jahr, das Erlasijahr, cingeleitet wurde. Die Ableitung aus dem lateinischen jubilare ist falsch. Durch Juden deutsch (siche Artikel „Tentsch", „E. B.-Zeitung" vom 15. April 1921) uick Eanncrsprache, da? sogenannte Rotwelsch, wurden viele andere uvsprünglich hebräische Wörter in daS Deutsche eiiü gefichrt. In den ältesten Glossaren (1510 „Uber vagaborum" »i, «'.) siitdcn sich schon: achcl» ---- essen, l>cschöckcr» — trinken (l,eute schicker», beschickert); leche» — Brot, bvssart =- Fleisch; Kaiser ----- Bauer, dass ----- gut (heute spricht inan von einem „duften" Jungen), Schmiere stohcn — Schildwacht stehen beim Stehlen, kieseln — boutetschneiben (der Geldbeutel, heute Kies ----- Geld, wie Moos =. Geld), Klufst Rock, Schicksele Magd, Mägde (die Verächtliche, heute „Schickse"), Dastcs — Armut, Pleite gehen, hebr. ----- die Flucht, (durch die man sich dem Unheil entzieht, daher als abgeleitetes Mnuschclwort Plcitegcier), flöten gchc» — pleite gehen. Kokst in der Bedeutung: jemand ankvhlen, Kohl — Unsinn, Schaute-----Dun,mkvps, Stnsi Uiisimi, Frohe ----- Gesicht, mvle sein in der Bedeutung betrunken sein — voll sein (das ist mit Bier). Da die räumliche Beschränkung nicht gestattet, alle in Frage kommenden Wörter »nd Sinnsprüche anszufrchren und eine eingeheiide geschichtliche Entwicklung »nd Erklärung zu geben? so mögen 'die angeführten Tatsachen wenigstens genügen, um die Aufmerksamkeit aus diese hebräischen Bestandteile hinrulcnkcn »nd sestzustellcn, daß nicht nur der Kabarettkünstler -mit „jüdischen" Wörtern hantiert, um seinen Wih z» Ivürzen, und doch immer in das Komische eine gewisse Berächtlickikeit dadurch Istiicinzubringen, sondern das, mehr oder minder hebräische Bestandteile, obwohl sie heute von dein Laienpubliknm als solche nicht mehr erkannt loerden, sich in der Sprache de? deutschen Volkes dnrchgescht haben und darin behaupten. Hans I. Salomo». Durch Wahrheit zur Gerechtigkeit. Die falschen und schiefen Urteile über die Juden beruhen zum Teil auf Unkenntnis, zum Teil auf böswilliger Verhetzung. — Ein Wust von Jrrtümeru hat sich augesammelt, — nur ruhige und sachliche Aufklärung kann hier helfe». — I», Nahmen einer Zeitung kann diese Arbeit nicht geleistet werden. Der Leser wird aber den lnwechtigten Wunsch haben, sich ans Grund eigener Prüsung der Tntsack)en ein Urteil zu bilden, und >vird sachliche Literatur, die dieses Bedürfnis befriedigt, willkommen heiste». In der kleinen Schrift „Auti-Anti" ist das Material nach Stichworten geordnet, hier findet man Aufschluß über, alle einschlägigen Probleme. — Das Handbnch der Judeufrage von H. Ster« „Augriss »,id Abwehr" setzt sich in objektiver Weise mit de» antisemitischen Borwürfen auseinander. — Ein Vortrag von Dr. Alfred Wiener „Das deutsche' Judentum tu politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung" behandelt das Thema in großen Umrissen. Der Leser tvird hier eine Fülle interessanten Materials finden. Ausgezeichnete Auseinandersetzungen mit der Rassetheorie rmd der völkischen Ideologie geben die Bücher des Darmstüdter Philosophen Prosessor Julius Goldstciu: „Rasse und Politik" und „Deutsche Volksidcc «nd Deutschvölkische Idee". Die beiden Werke sind ans der lebendigen Fühlung mit den Tagesfragen erwachsen, —"aber sie haben keineswegs nur Eintagsgeltnng. Der ganze Komplex des Rasseproblems findet hier in straffer Form erschöpfende Behandlung. Die „Protokolle der Weisen von Zion", eine grobe Mischung, mit der gefährlichste Verhetzung getrieben wurde, sind längst entlarvt. B. Segel „Die Protokolle der Weise» von Zion" geben einen Einblick in die Werkstatt der Falscher, die in jedem Punkte sachlichen und stichscstcn Aussührungen Segels erledigen endgültig das antisemitische Machwerk, — Bon dein wisscnschnsilichen Werke Segels ist ein Auszug erschienen unter dem Titel „Weltkrieg, Weltrevolntion nsf." — Heftige Angriffe werden gegen die jüdische Religion gerichtet. Sachliches Material findet man bei I. Bernfcld, „Eid »nd Gelübde nach Talmud und Schulchau Aruch", bei Kaatz, „Talumdisch-wabbinische Sätze über Rcchtsbeziehuugci, zu Nichtjuden", bei Burmann, „Unser Judentum". — Das große Werk von Miachel Guttina»«: „Das Judentum und seine Umwelt" gibt eine breit snndierie Darstellung der Probleme. „Das Wesen des Antisemitismus" betitelt sich eine lesenswerte'Schrift von Felix Goldman«. Da in, Zusammenhang mit den Reparationszahlungen und den Wirtschaftskrise» gerade ans wirtschaftlichem Gebiet die schwerste» Borwürse gegen die Inden erhoben werden, so sei zum Schluß auf. die Schrift von Morus: „Indische Wcltsinanz?" Hingewiesel,. Der Philo - Verlag (Berlin SW 68, Lindenstrnße 13), von dem alle diese Schriften zu beziehen sind, gibt gern über weitere Literatur Ausschluß. Fite d. Schrisllcitu»» veranlworil,: i, V. A l f r e d Wiener, Derlin SW 68. Ptuef von Nudelt Masse, Berlin SW 19.