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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1928
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 Oie ihn als Juden in Deutschland schmähen, schonen sieh nicht, int fremden Land ihre Bisitenlarte voll Pietät an seinem Grabe niederznlegen, denn draußen in der Fremde ist er der Deutsche: Ein Jude in Deutschland. Immer wieder habe ieh gefordert, die aufgeklärte, bornrteilAlvse Presse möge dieses Berhalten vor aller Oefsentltchkeit anprailgern, so oft, das; selbst taube Ohren hörend werden nnd daS Unrecht erkennen, das hier tagtäglich begangen wird. Die ausländische Presse hat es während des Krieges nur zu gut verstanden, die Lü^en- Märchen über Deutschland in der Welt zu verbreiten. So stand letzt erst wieder in der „Deutschen Zeitung" zu lesen, wie gut es die deutschen Juden verstanden hätten, sich vom Frontdienst zu drücken, wie sehr ihnen soldatische Tugenden gefehlt hätten, wenn sie trotz aller Anstrengungen zum Frontdienst gezwungen worden seien. Und deshalb schreibe ich diese Zeilen, der Ich vor wenigen Tagen, umgeben von jüdischen Kriegsteilnehmern, in Hamburg sprach, unter denen einbeinige und einarmige Krüppel saßen; um der Wahrheit Ivillen will ich mir einiges von ineinen Kriegserlebnissen berichten. Da ivar mein Olwrarzt. Nichts hielt ihn zurück, seine ärztliche Pflicht zu erfülle». Freundlich im Umgang, in Berti» in friedlichen Zeiten hilfreich, ausopserungtzvoll draußen, wo Blut floß und die Granaten heulten. 1917 ist er gefallen am Cheniin des dames im Dienst der 3. Feldlompagnie des Pionierbataillons Nr. 5. Einmal war ich ivieder abkoinmandiert zum Armeeoberkommando nach Marie bei Laon. Vom Osten trafen Mineinverserkompngnien ein, die mit der Kampfesweise an der Westfront vertrant gemacht werden sollten. Auf Anforderung wurde »ns von einer Division, die gerade in Ruhestellung lag, als Jnstrnltionsoffizier ein Leutnant der Reserve Cphn zugewiesen. Eine vorzügliche militärische Erscheinung, mit dein E. K. I geschmückt, Kriegsfreiwilliger. Er löste seine Aufgabe zu meiner und der Division vollste» Zufriedenheit. Bald darauf deckte auch ihn der Rasen. Vielleicht ehrt letzt sein Andenken irgendeine Gedenktafel in der Vorhalle einer Berliner Großbank. 12000 gefallene Mitkämpfer jüdischen Glaubens verlangen von uns allen, die mir Sinn für Gerechtigkeit!>aben, die wir im neuen Staat gegen Unrecht und Vorrecht tvirken »vollen, dasi mir den gehässigen Angriffen gegen unsere Volksgenossen jüdischen Glaubens, >vo auch immer es sei. entgegentreten. Drückeberger gab es überall. Nerven, Selbstbeherrschung und Pslichterfüttiing — iver von »ns ging gern ins Feuer? — wäre» Gaben, die ans Menschen und nicht auf Konfessionen verteilt sind. Man sah „stammesreine" Truppenteile Panikartig versagen, während weniger kriegerisch sieh gebärdende TrliPPen vor dem Feinde ihren Mann standen. Am nieisien wird stets der freie Mann als organisierter Bestand» teil des Bockes für den Staat leisten. Das schlechteste Mittel, die Bolksmasse zum Opfersinn z» begeistern, ist die Verfemung einzelner Schichte». Wenn ich mich an die Gespräche entsinne, die ich nüt Kameraden führte, die heute der Nasen deckt, so stand der Gedanke, daß init diesem Krieg der Krieg überwunden werden in ü s s e, i m Vordcrgru n d. Nur hinten, iveitab voin Schliß, diskiitiertc man über materialistische lind Phantastische Kriegsziete. Wer heute versteht, in die Seele derer cinzndringe», die den Krieg erlebt habe», nnd die ihre Gesundlieit t» diesem nuseligen Kampfe verloren haben, der wird in ihrem Innersten die gleiche Gesinining finden. Rems aus der Rassenkunde. Rassenwissenschaft nnD Dilettanttömns — Der fehlende „nordische Raffekopf" — Das n»is;gliickte Preisausschreiben nnd die Folgen darans — Professor Heidenreich (Heidelbergs über „Nasse nnd Körperba«" —Einteilung nach dem Konstitntionstypns — Die Nolle der Ander» vabel. Seit ungefähr einem Menschenalter sind die vorher mw die Wissenschastler angehenden Nassenfraben auch in weiteren Kreisen populär geworden. DaS ist einerseits freudig zu lwgrüßeii; anderseits aber ist die Entwicklung, die die Popularisierung »ahm, nur mit Bedauern zu registrieren. Denn statt unpnrteiisck)er, Wissen nnd Nichtwissen gleiehinäßig bekennender Darstellnngen der schivierigen Materie sind zweimal seit H. St. C ham be r la in 8 „Grimdlagen des 1V. Jahrhunderts" (zuerst 1898 erschienen) diejenigen Bücher am verbreitetsten, die das Problem der Rasse von, einseitig iiallonalistischen Standpuiilt ans behandeln. Wie dilettantische Anthropologen oder der Prähistoriler Gustaf (!) Kossinn a und seine Anhänger die nordische Raste als körperlich und geistig hervorragendsten Menschenschlag proklamieren, die als Kiiltnrbriiiger für die gnirze eurasische Welt gedient haben soll, so hat der Architekt Dr. H. F. St G ü nthe r (zuerst 1922) eine Jl af se n kn n de des deutsche u Volkes" erscheinen lassen, die, in vielen Auslagen verbreitet, ebenfalls den nordgermaniselM Typus als den „erwünschtesten" Atenschenschlag fiir unser Vaterland hinstellt. Das heißt, ivohl gemerkt, biejenige Varietät des »ordeuropäischen Menschen, die dem Verfasser als die idealste erscheint. Denn man darf sich nicht etwa einreden, daß, wenn schon nicht alle, so doch die Mehrzahl der Bewohner NordeuropaS dem Proklamierten Idealbild entsprächen. Das haben die Anhänger dieser Theorie übrigens praktisch in diesem Jahre selbst erfahren müssen. Die in demselben Verlag >vie Günthers Rassenlnnde erscheinende, also mit ihr eng zusammenhängende Zeitschrift „Volk und Rasse" hat jüngst die Ergebnisse eines vom Werkbund für deutsche Volkst-mnsnnd Rassensorschung veranstalteten. Preisnnsschreibeirs sür den besten „nordischen Rassenkopf" vcrösfeiitlicht. ES beteiligten sieh an dem Wetlbeiverb 703 Männer und 800 Frauen, znin Teil mit mehreren Wildern. DaS Ergebnis ivar, nach dcur Urteil der beiden Preisrichter, Dr. Günther und Professor E. Fischer, jedoch recht betrübend. Es wurden zivar an Männern zwei Preise verteilt, jedoch mirb dabei bemerkt, das; der ziveite der preisgekrönten Köpfe .„ungünstige Merkmale" aufivcise, iliid dann fährt der Bericht so L.fort: „Dagegen ivar bei de» Frauen die Auswahl derer, die überhaupt in Betracht knmeii, viel geringer ... ja, eS ivar kein Bild darnnler, daS den ersten Preis glatt verdiente." Also mit der „Wiedervernordung" des deutschen Volkes, die von Günther nnd nianehen verstiegenen Rnssehygienikerii gefordert ivird, durste es noch gute Wege haben, da es offenbar mi rassereinem Znchtmaterial fehlt. Aber der Gedanke der Wiedervernordung an sich ist töricht. Die Rasse ist, wenn sie dauerhaft sein soll, an eine bestimmle Gegend geblinde»; die nordische Rasse an den Norden Europa?. Das deutsche Volk ist aber inr Lause der Zeit über die Germanenheimat hinausgewachsen, es hat Südnnd Westdeutschland, die Schweiz, Tirol, Oesterreich risiv. lolviiisiert, und die nordischen Menschen haben sich hier überall mit de» bodenständigen Elemente» vermischt. Wie soll dieser mehr als tansendjährige Prozeß rückgängig gemacht werden? Sollen die Deutsche» sich ans Norddeutschland etiva znrückziehen, um tvieder rasserein zu werden? Aber auch das wäre kein Allheilmittel, wie das Ergebnis des genannten Preisausschreibens beweist; denn auch im Norde» ist die langschädlige langgosichtige, blauäugige nnd blondhaarige Rasse mit den schlanken Gliedern, der „Edelthpns", keineswegs allein vertreten, sondern es finden sich überall in Nordeuropa auch andersartige Menschen in mehr oder minder großer Anzahl. Das weiß jeder, der in Norddentschland wohnt und Dänemark oder Skandinavien einmal besticht hat. Bor nur liegt eine Sammlung von Bildern isländischer Intellektueller aus den Jahren 1860 bis jetzt, den Schriftleitern der angesehenen Zeitschrift „Skirnir". Wenn irgendwo auf Erden reinrassige Germanen anzutvefseii wären, so dürfte man sie auf dem entlegenen Island, daS von Norwegen ans seine Bevölkerung erhielt, doch am ehesten erwarten. Die Namen der betreffenden Persönlichkeiten sind rein isländisch Aber unter ihnen finden sich nur vereinzelte Männer, die dom germanischen Jdealtypns entsprechen; die Mehrzahl zeigt die Merkmale, die G ü n t h e r für seine „ostische" Rasse als charakteristisch ansieht. Ob sich auch „westische" oder „dinarische", also dunkelhaarige imd brannüiigige Typen darunter finden, läßt sich nach den Bildern nicht sicher entscheiden, aber als wahrscheinlich verniilten. Bei der Unsicherheit der Einteilung der europäischen Menschen nach Günther scheu Rasserezepten ist es begreiflich, daß die Forscher nach anderen Thpensorme» Nmschau gehalten haben. Ans dieser Erwägung heraus hat Professor Franz W e i d e n r e i ch (Heidelberg) ein reich illustriertes Buch erscheine» lassen*), in dem er (Seite 58) über das Rassenproblem in Europa urteilt: W i e schwierig es i st, an 8 dem R a s se n g e m i sch. das die gesamte europäische Bevölkerung d a r st e l l t, die ursprünglichen „r e i n e n" RassenthPen wieder herst u s s ch ä l e n zu wollen, habe ich an einem besonders gut belegbarem Beispiel (den zentraleuropäischen Brachykephalen, d. h. kurzköpfigen Blonden) gezeigt. Deshalb will W e i d e n r e i ch vollkamnien davon absehen, die üblichen Rassentypen zu beschreiben; er schlägt eine neue Einteilung nicht nur der europäischen, sondern der gesamten Menschheit nach Konstitutionstypen vor. Der Gedanke ist zwar nicht »eil, deutsche, italienische, englische und französische Forscher, wie B e - neke, S tiller, Viola, Manouvrier, Chaillon, Bauer, Bea», Kretschmer und andere, haben solche Typen bereits ausgestellt (Typs cwrsbral, respiratoiro, digestif, musculaire). Verfasser beschränkt sich aus die zwei Haupttypen: den leptosoinatischen (schlanken) und den enrysoniatischen (gedrungenen) Typus, die er auf S. 26 sf. näher beschreibt und deren Hauptmerkmale S. 48 sf. zusainmengestellt ioerden. Im Kap. 3: Rasse nnd konstitutionelle Haupttypen ivird zunächst gezeigt, daß die Konstitntionsincrkmale nicht durch die Rassezugehvrigkeit bedingt sind, indem sie bei allen Rassen der Erde uachgeiviesen werden. Durch zahlreiche Abbildungen wird dies veranschaulicht. Dabei kommt Weiden reich ans Seite 111 bis 113 kurz ans die Juden zu sprechen. Er Ivill die Sephardim vornehmlich dem leptosomen, die Aschkenasim dem enrysomen KonstitiitionSthpns zuschreiben, bekennt sich jedoch zum Schluß zur . Ansicht, daß bei allen Inden, unabhängig von der bei ihnen voranszusetzenden Rassenmischung, beide Haupttypen „achiveisbar sind. Wie sie sich ans die beiden jüdische» Gruppen verteilen, iväre noch zu nntersnchen. *) „Rasse und Körperbau". Mit 201 Abbildungen. Julius Springer, Berlin

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