Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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20 Solrljc üiirfjüiitu’u der j ii b i f ch c 11 2 c 1 b it 1) t1 j c bcnfc ich mir (jcirngcn von drei Elemcnieiu 8 r k c u n Pu i s der nllgem einen <? n i nu cf 1 u n n; 8 rkoi, n inis dcw eigenen L c i st u n q s g r c »z e, aber nncli Erkenntnis der eigenen L c i st n n g s k r n s t n » d W i l l e ihrer v o l l c n E i n s e tz n n g. Diese niiissc» hinnttssühren über die rein juristisch orientierte Abtvehr irgendwelcher Ungleichheiten in der Behandlung, die gewiß notwendig bleibt, zu wirtschaftlich organischer Zielsetzung. Dabei scheint es mir nicht zweckmäßig z» sei», auch in Untersuchungen über jüdische Betätigung in der Mirtschast innner nnr nachtveisen zu ivollen, daß der jüdische Einfluß imbedeniend ist und ständig znrück» geht. Das trisst hier und da zu, und hier und da stimmt cs auch nicht, lind man übersieht dabei doch schließlich das eine, daß der Jude eine bedeutsame Stellung in gewissen wichtigen Teilen der Wirtschaft bei offenciff, freiem Vi'arkt und Wettbewerb nicht iimchaben würde, uw er nicht'für die Allgemeinheit eben einen höhere» Dienst als a derc leistet. Sv scheinen mir die folgenden Pnnlie der jüdischen Selbsthilfe einer Erörterung im positiven Geiste, im vorwärts und answärls wollenden Geiste, wohl wert: 1. Die Abtvehr der ungleichen Behandlung mit jurisiisch'poliiischeu Mitteln bleibt unverändert. Aber die politische Kraft muß hexte mehr denn je cnttvcder gestützt sein ans ivirtschastliche Potenz oder ans breite Massen. Auch in Parlamenten ist der Sah von d starken Bataillonen recht bedeutsam. 2. Bl an suche ke i n e k ü n st l i ch e A » g l c i ch n n g des jüdischen Bolkselements an die allgemeine Bolksznsainmciisetzung »nr zwecks AerschwindenS, nnr zwecks Anglcichung, nur für Miinikri. Sondern ivir wollen den bewnstten Willen zum höchsten Dienst am Volk, z n in I n - d c n - D i c n st - S t e l l e n d c r b e s o n d ren jüdischen Leistnngskrast in de» Ncuausban d Wirtschaft der Nationen betonen. Wir wollen iniscre Geltung durch Leistung beweisen und bewußt durch höhere Leistling. Das bedingt das bcivnsstc sich Einsteilcii ans die Eniivicklnng, die Europas Wirtschaft ziemlich weitgehend »ach Amerikas Vorbild jetzt zu nehmen sich anschickt. Deshalb 8. keine Versuche, Bctriebsformcn zu heimncn, die ans der Entwicklung iioiwcndig hervorgelicn, auch wenn sic dem niigciibticklichen Interesse jüdischer Wirtschaftler entgegenstchcn. Also keinerlei Hemmung oer landivirtschastiichen Genossenschasien, der .stünsimigeiwsseiisclinsien, soweit sie nicht gesetzlich oder behördlich besonders bevorzugt werde». Um so entschiedener bewusst -t. die K l a rste t l il ng der a n s s i ch t 8r ei che» E n twicklniigslinieit ln der Wirtschaft und ein tätiges sich Einstellen darauf. Dies durch Vier Reihen von Gcdankengängc». s) nicht nur ciblenkeit von den „überfüllten" Bernsen, sondern auch nachdrückliches Hinlenken ans die aussichtsreichen B e r u s e und Wirtschaftsgebiete. Stützung alt derjenigen Bestrebungen, die in der Wirtschaft ans nie objektive Feststellung der Leistung, ans die Wertung der Person nach der Leistung allein htiizielc». ej Svtche Objektivierung innst insbesondere dringlichst auch bei den ö s s e n i l i ch e n Hute r n c h »t» ng e „ erst rebt und propagiert werden. Gegen ihre Anßwetsung poiiiisch zu kämpfen, ist aussichtslos. Um so aussichtsreicher aber das bewußte, organisierte Verlangen, die Gestaltung der öffentlichen Unte n e h »Ni n g e n der Willkür zufälliger Mehrheit... zu entziehen und zumal die MciischeiianSwahl in ihnen nach der Leistung, nach objektiven Merkmalen mehr und mehr zu bestimmen. <l) Die Grohkonzerne bedürfen sämtlich des Knpiialmarkies. Niemand wird cs dem jüdischen Knpiinlgeber verdenken können, wenn er auch hier die Objektivität in der Menschenanswahl bei der Kapitnlgabc fordert. 8. Sozialpolitik ist sehr früh, wahrscheinlich vielfach zuerst, dein jüdischen Brauch und Schrifttum entnommen. Auch der grvstero Teil der jüdischen Menschen in Deutschland ist heule Arbeitnehmer. Wo c8 angeht, sollte man aber aus die besonderen seelischen Eigentümlichkeiten des jüdischen Arbeitnehmers sich einstcllen, die Einstellung aller Arbeitsbedingungen auf Leistung und Vorwärtskomme» ist hier entscheidend. Und schließlich entscheidend das Letzte, 6. die W! e de r.e i ii stcl l u » g unserer Jugend ans das Ivirtschastliche Denken. Nicht mit Gctdvcrdicnen kann man der Jugend den wirklichen Sinn solchen Arbeitens für Gegenwart und Zukunft näherbringcn. sondern indem man ihr die Freude vermittelt an der grandiosen Entwicklung dieser neuen Wirtschaft, die da binnen wenigen Menschenalicrn cmpvrgewnchscn ist n»d die gerade an die jetzt Kvmmciideii riesige, neue Aufgaben stellt. Das Mitwirkenwollen an ihr ist imacmcin bedeutsam von jedem, gerade auch vom jüdischen Gesichtspunkt a»8: Gelderwerb ist nur eines der Mittel, ei» äußeres Zeichen für den ge- Icisieien Dienst an der Gesamtheit für den geleisteten „Service". Die Hvssmmg mis svlche größere Entwicklung dem jungen Menschen zu zeigen, das ift n nch ein jüdi sches Atbcirsziel. Dcnischiatid hat, soweit ich sehe, zivei schwere Jahre vor sich. Das Abklin-gcn der jetzigen Hochkonjunktur, das schnelle Sieigeil der von Dcntsclmntioiinlen führend mit Unterzeichneten Ncparniionslast und die endgültige Regelung unserer Kriegslast, sie werden nicht ohne Erschnttcrnng vor sich gehen. Dahinter aber leuchtet sür jeden, der wirtschaftlich vvrauszublicken vermag, die Hoffnung einer besseren wirtschnstlichen Zukunft, wie sie das amerikanische Beispiel ja schon zu verwirklichen im Begriffe steht. Bier große Linien deuten an, daß wir in einem Wendepimkir der wirtschnfilichen Geschichte der Me»scl,hcit überhaupt stehen. Die Nvt der Vergangenheit war das B c v ö l k e r n n g s p r v b l e m war jenes Problem, daß immer wieder der Mensch schneller wuchs als das Brot sür ihn. Das war der Hintergrund der furchtbaren Kriege, letztlich auch allzu oft der Aersolgimg der Minderheiten. Wir stehen zweifelsohne hier an einem Wcnvcp ii ii k t. Das Sinken der Geburtenzahl, das zuerst bei de» Inden eingesetzt hatte, ergreift alle Nationen. Gleichzeitig steigt die Produktionsleistung der Larrtwirtschast durch die Industrie der künstlichen Düngemittel und durch die Maschine in nie geahntem Maß. DaS Malthussche grausame Gesetz kehrt sich um. Das Brot wächst schneller als der Mensch. In »ngeahistcr Fülle strömen der Menschheit die mechanischen Hilfskräfte neu zu, eine schnelle Steigerung der industriellen Produktivität in kommenden Jahren kann gar nicht bezweifelt werden. Sinkendes Angebot von Arbeiishänden und zugleich schnell steigende Nachfrage nach dem Produkt dieser Hände! Daß bedeutet eine H 0 h e r w e r t u » g d e s M e n f ch e n als Arbeitskraft. Schon beginnen die Nationen z» erkennen, daß das meistverachiete Gut in ihren Landen das wertvollste ist, nämlich die m e n s ch l i ch e A r b e i t ß r r a s t. Und vielleicht werden sic sogar sehr bald atich noch die verschiedene Wertung der verschiedenen Arten von Arbeitsleistung lernen und immer höher schätzen; ich gruppiere sic so: der höchste Wert der Arbeitskraft scheint mir bei der heutigen Lage die organisatorische, dann erst das technisch-konstruktive Denken, und in weitem Abstand davon das Denken, das nnr die nnssührende Arbeit begleitet. Svlche Linien erkennen, heißt Deutschlands wirtschaftliche Schlagkraft erhöhen. Jüdische Selbsthilfe fordert mehr und mehr Voran 8 s ch n ii e ii. Vorausschanen in der Wirtschaft heißt Vorausbauen für die anderen und zugleich auch sür uns. prejjeschau. Hu den KathMeiUmselsimen in Rerik«. In bev Dir. 56 der „Rmvergcr BolkSzcitttNg", dem Organ der Bäherische» Bell-variei, lesen wir in einem Aussatz ,,U eben AdoljHitlc t": . . Es war schon iiiimcr und wird immer ein ganz niihlvscß lt,,(crnrhmcn fein, sich mit Hitler sachlich über die politischen Probleme der Zeit ansriiiaildcrznseheii. Er ist üt>erhanpt kein politisches Phänomen. Wer ihn jemals in einer Volksversammlung wirken sah, weiß, daß seine Person um anderer Tinge willen Interesse erheischt. Er ist schon eine Zeitcrschciumig, aber eine andere, als cs ihm seine Illusion von einer ilmr ansgctragcnen bahiibrechenden iitrd prophetischen Mission vorgemkclt. Er ist das Kind einer Zeit, in der die Fähigkeiten des Mundes eine gewaltige Rolle spielen, tlnd Adolj Hiilcr ist vor allem Mund, vollkommen Mund. Was er ist, da« ist cr ganz durch seinen Mund. Nicht etwa, daß dieser Mund Ausgaiigsim und Vermittler von Gedanken wäre, die selbständig ihre Wandcrsctwst in die Vielt hinaus autlelrn könnten zu werbender Arbeit, Es ist die Hexerei eines MundeS, bei dein cs nicht daraus ankommt, ob das, was er sagt, richtig oder falsch, gut oder böse, gescheit oder dnima ist. Es ist der Mund eines Fanatikers, der fähig ist, die zu sanaiisicren, die nach solchem Diarkotikum verlangen. Freude am Sich-selbst-Beranschcii und an der Dcrnnschnng der Rattschsuchendei,, das ist Adolf Hitlers Stärke. Darin bestand die grötzie Gefahr seiner Tätigkeit in jener Zeit des psychischen und materiellen Zusammenbruchs der Jnjlaiivn. Man wirb, wenn inan die Hitlerschrii Reden und Schriften der Phrasen entkleidet, kein Programm Iittd keine wirkliche Idee entdecken können." Von verschiedenen Seiten wird behauptet, daß der Präsident von Mexiko, Calles, Jude sei. Wir haben diese Behauptung schon früher widerlegt: diese Mitteilung ergänzt eine Zuschrift von Kaplan Franz Rödel in München-Pasing, der »ns folgendes schreibt: „Calles ging aus einer iiwhniilmevünischei, Familie hervor, und diese Abstamimmg läßt auch die .Heftigkeit seines Kampfes gegen die katholische Kirche im dortigen Lande verstehe». Der Vorname Elias tut nichts zur Sache und beweist in keiner Weise die jüdische Herkunst dcZ Präsidenten Calles. Im mohammedanischen Bekenntnis findet sich auch der Glaube an di« Propheten, Mohammed und der Islam haben vieles ans dein Taurat, das ist dem Alten Testament, übernommen, wie sich auch sonst Aiiklänge an daS Judentum in dieser Religion sindcn. Bedauerlich an der ganzen Sache ist Nur, daß sich leider auch katholische Blätter dazim . hergeben, gleich die falschen Schlüsse Zu ziehen, au8 irgendeinem jüdisch klingenden Bornlamen und damit die ganze KircheNversotgung in Mexiko dem Jndciitmn zur Last zu lögen ~~ eine willkommene Nahrung, die natürlich mit voller Gier von den Aniiseniiten ausgenommen wird. Zu den bedauerlichen Vorgängen in Mexiko können wir nur heute wiederholen, was wir bereits iti unserer Zeitung vom 22. Juli 1827 zu den Katholikenvcrsvlgmigen in Mexiko geschrieben haben: . „88 bedeutet keine .Einmischung in die inneren Verhältnisse eines sremden Staates, wenn wir auch in diesen Blättern unserem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß in einem großen und blühenden Lande ganze Klassen von Menschen mit ihres Glaubens willen Gegenstand schärsster BersolguNg sind. Mehr als die Meisten Blätter hat auch wohl dieses Organ die innere Berechtigung zu einer solchen Aeutzerung; denn seit seinem Bestehen gilt sein Kamps allen B er solgun gen, die Menschen um ihres Glaubens willen erleiden müssen.'!