Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2571117-2571144-2571146--237-2571547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Alte MWe Kunst ln Balmn. Von Theo Harbnrger (München). Der Aufenthalt der Juden im Gebiete deS jetzigen Bayern während des hohen Mittelalters ist überwiegend durch literarische Denkmäler bezeugt. Die umfassendste und leider auch betrübendste Quelle können mir in der Auszählung der Märtyrerorte erblicken, die in den Memorbüchern, am ausführlichsten im sogenannten Nürnberger Mcniorbuch in Mainz, uns erhalten geblieben ist. In den meisten der ausgezählten Orte, wo einst blühende Jndcngemeinden -er Mordlust der ansgehetzten Volksmenge znm Opfer sielen, hat das umfassende Zerstörungsmerk dazu beigelragcn, die kürperhasten Spuren unserer Väter fast völlig zu verwischen. Wenn nicht manche Synagoge, manches Judenbad den ursprünglichen Zwecken entfremdet, aber doch erhalten geblieben, mancher Grabstein fern seiner Bestimmung wieder ansgcdeckt worden >väre, nur die Erwähnung in den ans alle lleberlieferung gegründeten Mnrtyrologien oder gelegentliche Hinweise i» Urkunden und Handschristen gäben uns Kunde vom Veüt'ii unserer Ahncn. A.s einer dieser ivemaen erhaltene» Ucbcrrrstc in dem bayerischen Anteil des ältesten jüdische» Siedlungsgebiets Deutschlands, dem rheinischen Land, sei die Mi k weh ,in Speyer erwähnt. Bis ins frühe 13. Jahrhundert reicht dieser Bgn.zurück, von nicht minder hohem Alter >md die noch erhaltciic» Reske im benachbarten Woriiis. Die Jahrhunderte der Verfolgung haben dann den Inden ein wertvolles Gut fast völlig geraubt: die Sch hastig Kit. Kanin daß sie, rechtlos und von jedem Anteil au ruhigem Besitz, am Boden und jeglichem Gewerbe ausgeschlossen, einige Jahre ungestört sich niederlassen durften, so mutzten sie erneut zum Wanderstab greise», wenn ihnen nicht schlimmeres Geschick beschicden war. Diese ständig drohende Gefahr der Heimlosigkeit nahm naturgeinätz da festere Gestalt an, wo ein größeres Gebiet dem Willen eines Herr» untertan war, aI8 in Landcsteilen, die in viele kleine Herrschasten zersplittert waren. Dies sehen wir im stninmbaycrischen Herzogtum, wo nach vereinzelten blutigen Verfolgungo» i»i 15. und mit dauernderer Wirksamkeit in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine allgemeine Jndcnansweisniig durchgesnhrt wurde, deren strenge Handhabung nnseren Vorfahren das Land auf Jahrhunderte hinaus versperrte. Die Anssührmig dieser Maßregel war deshalb um so leichter, als infolge der geringen Bcvolkernngszifscr auf den, flachen Lande die Juden in den wenigen Städten znsanmiengedrängt waren. Anders verhielt es sich in den znm ehemalige» Franken und Schwaben gehörigen Teilen. Hier boten nicht allein die vielen, durcheinander gelagerten kleineil und kleinsten Gebietsteile der Grafen und Herren, wie auch der Bistümer und geistlichen Herrschaften immer irgendeine Möglichkeit des Unterkoniincns. hier waren die Inden, die in de» Reichsstädten als wirtschaftliche Konkurrenten veririebe» wurden, als bequeme Steucrquelle hochwillkommen. So finden wir bis in kleinste Dörfer in diesen Gebieten Juden, denen allerdings die Not der Zeiten kaum mehr als ei» durstiges Leben gestattete. Erst als »ach dem Dreißigjährigen Kriege daS Bedürfnis nach Frieden sich allgemein zeigte, als diese Lande, die mit am heftigsten von den Heerzügen gelitten hatten, den wirtschastlichen Wiederaufbau begannen, konnten die Juden als ruhige »nd nützliche Glieder sich fühlen und nun auch tr"tz nutzerer Beschräiiknngeii einen höheren Grad der Sicherheit empfinden. Mit der zweiten H ä l s t e des 17. Jahrhunderts beginnt daher eine Zeit des W i e d e r n u s b l ü h en s der Gemeinden, die dann-erst im 19. Jahrhundert durch eine aus dem Judentum heraus sich entwickelnde Einstellung, dm» Streben nach den Städten, ein Ende nehmen sollte. Aus diesen Zeiten, in denen sich auch g e i st i g eine Wandlung »nr Judentum vorbereitete, sind naturgemäß die Zeugnisse der knltnrellen Wirksamkeit unserer Ahnen zahlreicher. In diesem Zusammenhang kann ein wichtiger Teil des jüdiscljen Geisteslebens nicht übergangen werden, die hebräischen Druckereien, dischon Im 16. Jahrhundert eine große Bedeutung gewonnen hatten. Hier kann nur kurz auf dieses Gebiet hingewiesen und der Druckereien von Thannhausen, Sulzbach und anderer Orte Erwähnung getan werden. I» den im gleichen Zeitraum aufblühenden neuen Zentren des Jndentums entwickelten sich Lehr statten, deren bedeutendste Fürth wurde. Wie diese ganze, damals erst auftretende Gemeinde ihr Wachstum denk Zuzug der Wiener Exulanten und anderen Persönlichkeiten verdankte, so wurde das damalige Judentum ans diesem Kreise auch geistig bereichert. Bedeutende Gelehrte, die mit dem Strome der vor den Chmielnitzki-Horden Flüchtenden sich dem Westen zngcivandt hatten, befruchteten durch diese- Ieschilah annz öüddeuischland. Aber nicht nur geistig machte sich der Einfluß des Ogens bemerkbar, die eigeritünil.chen Cchmuckfornien Polens iourden mit herübcrverpslanzt. So weist ei» in Augsburg aufbewahrter Thoravorhang, der von dem Fürther Vorsänger Elkan für Juda Loeb, Sohn des Landesparnaß Simon Ulmo. und seine Frau Guendlc, Tockiter des Landesparnatz Jssachar Baer, im Fahre 172-1 als Schmuck der Synagoge in Krieg? Haber vvgesertigt wurde, diese bezeichnende reiche Formensprache auf. Der in umstehender Abbildung gezeigte, heute in Augsburg befindliche Borhang vom Jahre 1751 mit zweiter Widmung ans dem Jahre 1802 zeigt bereits daS Eindringen westeuropäischer, barocker Schmuck formen. Aehnliche Stücke finde» >vir in H ü r b e n - K r » m b a ch und Jchen- Hansen, wobei wir als HerstcllungSort auf H ö ch st ä d t a. d. Dona» verwiesen werden. Neben Fürth hat im Fränkischen als Zentrale Baiersdorf eine große Rolle.gespielt, wo der Gegenschwäher der Glücket von Hainel n. Samson Baier 8 dorf, Sohn des I u d a S e l k e. im Jahre 1711 eine Prächtige Synagoge errichtete (Abb. 2, S. 14). Sie ist. abgesehen von ihrer stilistischen Gestaltung, schon durch ihre Lage unmittelbar an dem altertümlichen Friedhose voik hohem Interesse. Wie die Synagoge neben anderen wertvollen Gerätschasten eine von Rabbiner Moses Hameln, dem Sohn der Glücke! und Abschreiber ihrer kulturgeschichtlich hochivichtigen Denkwürdigkeiten, gestistete Chupah-Dccke vom Jahre 1713 verwahrt, so hat uns der Friedhof, der ins 17. Jahrhundert zurückrcicht, die Grabsteine des erwähnte» Rabbiners Moses Hameln und seiner zweiten Frau Kelah, des Synagogenstifters Samson Baiersdorf und seiner Frau Rebekkah, Tochter des Wiener Dnjan Hirsch, der Rabbine» familie Disbeck und aus neuerer Zeit des Erlanger Professors Dr. Jakob Herz ans Bayreuth erhalten. Nicht minder reiche? jüdisches Leben, wie im ehemaligen Gebiete der Markgrafen von Ansbach-Bgyreuth, blühte im Bambergischen, wo in vielen heute völlig vereinsamten Dörfchen jüdische Siedlungen ihre Spuren hinterlassen haben. MainabwärtS war trotz der judenfeindlichcn Politik des Würzburger B i s ch o s s JnliusEchtervonMespclbrunnaus ehemals bischöflichenk Gebiete ein iveitreichender Kranz von ansehnlichen Jndengemcinde» in steten» Ausstieg. Ihr Vorort und Sitz deS Würzbnrgschen Landesoberrabbiners war He i d i n g s s e l d, dessen prächtige Synagoge im Jahre 1780 an Stelle eines älteren Gotteshauses errichtet wurde (Abb, 3, S. 14). Ter stattliche Ban. dessen Wiederinstandsetzung der „Verband Bayerischer Israelitischer Genieinden" durchführt, gibt in seiner Größe so recht ein Bild der Größe der Gemeinde zu Ende des 18. Jahrhunderts. Neben einer großen Anzahl von Thoravorhängen, die znm Teil die oben.geschilderte reiche Form aufweifen und aus der früheren Synagoge stammen, bewahrt die Gemeinde dort al8 großen Schatz eine von A r sie h I e h u d a L ö b K a h a u n aus Trebitsch in den Jahren 1730 bis 1735 in Wien geschriebene Th'filleh. Sie ist reich mit gezierten Buchstaben und Vignetten geschmückt und ein besonders eindrucksvolles Erzeugnis jener mährischen Schreiberschule, von der D. Kauf m a n n bereits verschiedene Werke namhaft gemacht hat. Auch ihres Geschickes wegen ist sie von großem Interesse, weil ihr Wandern auch für das jüdische Schicksal bezeichnend ist. Vollendet wurde sie in H a n a u und kam dann in den Besitz deS Rabbiners Löb. Sohn des Fürther Rabbiners Baruch K a h a n e - R a P« p o r t. der sie dann anläßlich der Synagogeneinweihung ferner Gemeinde HeidinaSferd schenkte. Aus dieser Familie Kahane-Rapaport stammten auch zwei Rabbiner, die in Waller stein, der Heimat des berühmten späteren Wiener, Prager und Krakauer Rabbiners Lipmann Heller (Tossaphoth Jvm-tob), sin. 18. Jahrhundert wirkten.und Erumhunng im dortigen Memorbnch fanden. Ihre Nachkommen