Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2571117-2571144-2571146--235-2571545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 der Steglitzer Katastrophe zu, Die Sch ul r e s o r me r machen den Lehrern den Vorwurf, daß sie der Entwicklung junger Mensch.'» bcrständniskos gegenübersichen: die Pädagogen vom allen Schlage werfen den Reformern vor, dasi ihre Einwirkung von Unheil ans die jugendlichen Seelen gewesen sei. Und damit in der Tragödie das Satyrstuel nicht fehle, stellt eine gewisse Presse, iibcrraschcndcrweise erst sehr spat, fest, daß eigentlich schuld a» der Katastrophe die-Juden seien, nämlich: die angeblich jüdischen Freunde der Hilde Scheller, die „nach dein Gebot des Talmud" die Nichtjüdin verdorben hätten. In dem jungen Krantz spiegelt sich in den Tagen, In denen er aus der Anklagcbniik sah, die Zerrissenljeit und Haltlosigkeit der Gegenwart. Es ist kein Wunder, das; die Jagend bcn festen sittlichen Halt leicht verlieren kann, wenn die Generation vor ihr, die Erwachsenen und Führer, in Streit und Has;, einer gegen den andere» stehe». Nur dann geivinnt der Freispruch eine über den Fall hinausragende Bcdentnng, ivenii er zum A n s g n » g s p u » k t einer S c l b st b e s i n n n » g d e r G c n e r a t i v „ der A e l t e r e » ans ihre Verantwortung gegen Volk und Jugend ivird. Vas „Geistchristentum. Von Negterungsrat Dr. Alfons Steiger (Berlin). Bereits im Jahre 1925 habe ich in meinem Buche ..Ter Jicubcutftfjc Heide im Kampfe gegen Christen und Jude»"') darani hmgewiesen, das; gerade vom Standpunkt der christlichen Bclenutnisse auS jene Sonderform von Antisemitismus, wie sie Von einer Reihe völkisch orientierter Leute gepslegt wird, dem Katholizismus wie dem Protestantismus in gleicher Weise nahegehen wird. Leider habe ich hcuie eine vollkonunene Bestätigung der vorstehenden Auffassung zu nielden, über die ich an dieser Steile sprechen darf, weil ich nach wie vor der Meinung bin. dasi d i e G n k w o l l e u d c n i n a l l Bekcnntnislagern zur gemeinsamen Abwehr all „Äl n t i" - B e w e g u n g e n sich z » s a m m e n I ch l i e si e n »' i, (| ( Eben jetzt im Februar 1928 versendet der Kommissionsverlag Fr. 1 o n n i n o« t in Nürnberg, Maxplatz 42-—44, die erste Nummer einer Monatzschrist, die sich „Das Gei st ch r i st c n t n in" nennt. Herausgeber ist der überall bekannte Tr. Artur T i n t e r, der hiermit eine „Monatsschrist zur Vollendung der Rcsvrmatiou durch Wieder- Herstellung der reinen Hcilandslehre" begründet. Diese Monatsschrist ist das „Organ der Eeistchristlichen Religivnsgemeinschast c. B.". Ticse neue N e l i g i o n s g e m e i n sch a s t. wie Tiiitcr seine» am 8. Noveniber 1927 in Nürnberg begründeten Verein nennt, hat als Grundlage eine am 2. November 1927. „am 100. Geburtstage Paul de Lagardcs", von T inter gezeichnete Satzung. Das Symbol der neuen Dinterschen Religionsgemeinschaft ist das übliche C h r i st e n l r e n z, auf dein aber im Schnittpunkt der Ballen ein im Sinne des Uhrzeigers geflügeltes Hakenkreuz nusliegt, dessen Vallen von denen des milerliegcndcn Kreuzes um 45 Grad disserenziercn »»d dessen Flügel cincni »in den gemeinsamen Schnittpunkt b-.'ider Kreuze gezoaencn Kreise angepaßt sind. Aon diesem gemeinsamen Schnittpunkte beider Kreuze geht außerdem ein Strahlenkranz ans, der in einer g u n d r a t i s ch e n Umrahmung endet. Wir haben es also wieder einmal mit einer neuen F o r in des Hakenkreuzes zu tun. Die neue Monatsschrist, die In der vorliegenden Form alß Dvppelnummer für die Monate Januar und Februar 1928 bezeichnet wird, umfaßt SO Seiten. Aus diesen linden sich säst ausschließlich Tinicrsche tilerarische Arbeiten. Vor der ersten Seile befindet sich ein aus Kunstdruckpapi.r gedrucktes Bild des Stifters Dr. Dinier mit einem Faksimile seiner Itnierfchrist. Es solgen die von Tinler versaßlcn „Richl-Rnncn", deren letzte und IO. im Sperrdruck lautet: „Schweige!" Weiterhin ein Dintcrscher Aussatz über das Thema: „Politik, Religion und Rasse", die Satzungen: außerdem crsährl man aus einer Polemik Dinlcrs mit der in Nürnberg erscheinenden „Fränkischen Wacht", die eine Besprechung der vorgenannten Rede in ihrer Nr. 49 vom 8. Dezember 1027 gebrach! hatte, eine Reihe neuer Mvniente aus Dinters jüngsten ForschungSresultalen. Tie Hauptsache scheinen 12 Seiten unter der Rubrik „Umschau" sein zu sollen, denn man sinket hier eine Reihe sehr merkwürdiger Nadelstiche: so zum Beispiel: „Der Papst als Philoscmit", „Die zunehmende Macht der jüdischrömischen Kirche", „Tie Mischehen im Lichte der jüdisch-römischen Kirche", „Tie Derjudung der christlichen Kirchen in Amerika" u. a. Was Wunder, daß in der „Bücherschau" wieder Dinkers literarische Arbciien besprochen werden? Das Heft schließt mit „Mitteilungen" und einem zweiseitigen Verzeichnis der Dinterschen Schriften, beginnend mii dem von ihm einmal früher herauSgegcbenen „Herbariumschlüsiel" und endigend mit seinen „Evangelium", den „197 Thesen znr Vollendung de: Reformation" und den „N ich t-R n n en" aus Büttenpapier. Nach diesen äußerlichen Feststellungen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß trotz aller A b l e u g n u n g s v er s u che, die Dinker in dem Hest selbst da und dort ausspricht, mit der Gründung der neuen „RrNgivnsgemeinschast" doch völkischpslitischeZiele verfolgt werde« sollen. Hierfür spricht vor allem der Zeitpunkt des Erscheinens der ersten Nummer. Warum gerade im Monat Februar 1928, wo wir vor poli- ItschenRenwahlen stehen? Abgesehen von politischen Erwägungen ist dns Beginnen TInters äußerst bedenklich und beachienswerk für jeden religiös Orthodoxen. Das ergibt sich aus 8 2 der Sntznug, der wörtlich lautet: „Tie völkische und politische Zerfahrenheit des deutschen Volkes hat ihre letzte und ticsste Ursache in der unheilvollen religiösen Zerrissenheit wie sie durch die verschiedenen christlichen Kirchen und Sellen begründet ') Verlag Germania, Verllu, 1920. . ist. Diese sind dank ihrer dem arischen Geiste artfremden jüdischen Ernndlagcn schuld an der geistigen Verjudung und stossanbrterischen materialistischen Versumpsung nicht nur des deutschen Volkes, sondern aller arischen Völler der Welt. In dieser Erkenntnis erstrebt die Geistchristliche NeligionSgemeiiischast die Veseiligung dieses Zustandes durch Rückkehr zur reinen, von allem jüdischen Beiwerk befreiten Heilandslehre, wie sie von Il>r. pliil. nal. Artur Sinter") in seinen Werken „Das Evangelium unseres Herrn und Heliands JesnS EhriftuS nach den Berichten des Johannes, Markus, Lukas und Matthäus im Geiste der Wahrheit neu übersetzt »nd vargcftcllt" und „197 These» zur Nullendung der Reformation. Der Wiederherstellung der reinen Hellandslchre" ansgezelgt worden ist. DaS Endziel der Rcligivnsgcmeinschast ist die Gründung eine, Deutschen Vollskirche ohne trennende Sonderbekenntnisse aus der Grundlage eben dieser Werke und die prallischc Verwirklichung der reinen Hei'-"»>e','brg ack ollen Gebiet-,, des kulturellen und politischen Lebens. Sobald die Geisichristlichc Religionsgemeinschast durch die ganz nalürliri,.' m,somit,„n ujrer Neghahcn Idee die Mehrheit der Volksgenossen sür sich gewonnen Hai, soll sic durch Bolksentscheid znr Deutschen BolkSkirche crhobcu werden." Dem deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens dars ich aus A 20") der gleichen Satzung folgende Sätze initleilen: „Inden und Judenbllitige sowie Angehörige und Mischlinge sarbiacr Nassen künncn die Mitgliedschaft nicht erwerben . . . Als Inden, Indenblütige und Farbige im Sinne dieser Bestimmung gelten alle Menschen, die in der großväterlichen Generation noch Blutsverwandte hattcn, die stch znr mosaischen oder einer nlchlchristlichen Religion bekannten." Dr. Dinier ist nn8 allen bekannt. Sein „Evangelium",' die sahnngSmiisiige Grundlage der neuen Religionsgemeinschast, ist eine fortgesetzte Reihe von tcndenzmäßigen Entstellungen und Aerzerningen des nentestamentlichen Textes, gemischt mit unendlich vielen Angriffen auf das mosaisclie Bekenntnis. Ter von Dinier nach seiner Meinung notwendige Kampf gegen den Goit des Men Testamentes ist in Wirklichkeit die Zerreißung aller Zusammenhänge, die zwischen dem Akten und dem Neuen Testamente bestehen. Aus diesem Grunde ergibt sich schlüssig die. Notwendigkeit, mit der w i s s c n j cha s t l i che n Abwehr gegen die neue Religionsgemeinschaft D i n t e r s so so r t n nd c n e rg i sch zu b e g i» n en. Die bayerischen Bauernhöfe. Angriff nnv Abwehr. Das „Roscnhcimer Tngblntt, Wendelstein", katholisches Aolksblatt für alle Stände, Halle in seiner Nuimncr vom 23. Januar in dem Bericht über einen Bortrag des Expositns Roderer von Rimsting über „Alte Heimatwerte und moderne Kultur" n. a. geschrieben: „. . . Alter, ererbter Besitz in Stadt und Land ist auf heimnifrcmde Spekulanten Übergegniigen. Die schönste» Bauernhöfe gerade im bäuerischen Oberland sind in de» Händen von Juden und Neureichen, die ihren zersetzenden Geist auch in die Umgebung nussirnlilcn . . ." Der Landesverband Bayern des Ccntral-Vereins wandte sich hierauf an ein hervorragendes katholisches Mitglied des Bayerischen Landtages und teilte ihm mit, daß diese Angaben des Exposilus Roderer durchaus unzuirefsend seien. Der bayerische Parlamentarier hat dieses Schreiben an die Redaktion des „Wendelstein" weitergegebcn und die falschen Angaben berichtigt. In loyaler Weise hat dnraushin auch das „Rosenheimer Tngblntt" in einem Aussatz „Inden und Neureiche" am 8. Februar die Richtigstellung veröffentlicht. Es schreibt: „Unsere Zeitung brachte in Nr. 18 clnen Vcrsammlungsbericht. in dem ausgesührt war. daß die schönsten Bauernhösc gerade im bayerischen Oberland in den Händen von Juden und Neureichen sind, die ihren zersetzenden Geist auch in die Umgebung ausstrahten. Der Ccntrnlverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens fühlt sich durch diese AuSsührungen verletzt und wandte er sich mit nachfolgendem Schreiben an einen sührcnden katholischen Parlamentarier BaycrnZ: ,Z)ch gestatio mir, Ihnen in der Anlage das Schreiben unseres Vertrauensmannes aus Rvsenheim zu überreichen. Cs gibt nach unsere» Informationen nur einen einzigen jüdischen Hosbesihcr in der ganze» Umgebung. Und dieser benimmt sich durchaus nicht in einer Weise, die man als „zersetzend" auslcgcn könne. Auch erscheint die kategvriale Zusammenstellung von Juden mit Neureichen außerordentlich verletzend. Man sollte doch wissen, daß eS auch einen zusammengebrvchcneii und leidenden jüdischen Millelstnnd in Deutschland gibt, und daß cs unberechtigt ist, jüdischen Reichtum ohne weiteres als unrechtmäßig erworben oder durch Glückssall und nicht auch durch Arbeit erreicht durch solche Zusammenstellung versteckt zu kennzeichnen. . . .' Wir nehmen, von diesem Schreiben gerne Kenntnis und stehen nicht an, dasselbe hier zu verösscntlichen. Nach unseren Prinzipien lassen wie allen Konfessionen Gerechtigkeit angedcihen.. Wenn also die Behauptung unrichtig ist» Vatz stch die schönsten Bauernhöfe in Oberbabern in Händen von Juden befinden, dann darf st« nicht gemacht werden. Nach anderer Darstellung waren «S in der Sanptsache Industrielle «nd penstonierte Offiziere, welche die Bauernhöfe ln Obcrbahern anaekauft haben. Es wäre intcresstmi, wenn unsere bayerischen Siedlungs- und Landbanken, oder noch besser unser staiistischeS LandeSamt, einmal eine Zusammenstellung der Dosübergänge im Alpcnlande machen würde. Es wäre wirlschastlich nicht ohne Bedeutung zu wissen, wer denn eigentlich die ehemaligen Aanernhöse angekaust hat, um sic zu Dillen mit ErholunOgärkcn umzugestaltcu." 2) Der Fettdruck bei der Wiedergabe des 8 2 entspricht dem Orlglualdriick. 8) g 20 von uns in Fettdruck. (Die Echristleitung,)