Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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n de r M ei » ung (iifjt, Z» de» Tinge», die verschiedenerlei Meinung Anlassen, gehöre oucfj das Palästina-Problem, lieber dieses Problem könne >na» jrl]i' wohl in einem Gksinnnngsverein, ivie der Centrnlvcrein es |ci, verschiedener Meinung sein. Das Problem stehe nicht im Mittelpunkt nnlerer Ausgaben; wir haben wesentlichere Gesichtspnnltc iu unserer Arbeit zu beachten. vier solle j>ch jeder seine eigene Meinung bilden können mid jeder tun, was er siir richtig hält. Alle seien sich darüber im klare», das; Palästina unser« warme Liebe besitzt. Verschiedener Meinung sei mmi darüber, ob der jetzt von den Zionisten angestrebte Vluftau, dessen Grundlage nicht die Wirtschaft, solider» die Diirchsetznng volklich-nntiviniler Prinzipien sei, richtig wäre. Das tmifjte» wir verneinen, und darum lehnten wir den lieren llchcw-nc! ab. Aber wir nwchen daran?- leine Kardinalsrage. Hier müßte jeder sich seine eigene Meinnng bilden. Das Entscheidende sei, das; Kompromisse in der Hauptfrage; Jüdischnationnl oder nationaldcmtsch? nicht geschlosscil N'erdcii können. Unsere Ans», gäbe für die Intimst sei ebenso wie es die Ausgabe der Vergangenheit geircseii wäre: Mreiniguiig zwischen einer echt jüdischen See!« nnd gutem dcnlschcn Vollstnm. Darin liege die Lösung der Judcnsrage Uiid in nichts anderem. Und wenn es gelänge, über diese Grnudlintcrscheidiiiigeii heule Klarl>eit z» schaßen, so iverde das vielleicht der größte Segen der Hnnpivcrsammlniig sein. Dr. Holländer legt« dann svlgende Thesen vor, die später von der Hanptversammlimg genchinigt wurden: 1. ZI unserer Satznnn bleibt die unveränderte Grundlage unserer Arbeit. Er lautet: „Der Ccniralverein deutsther Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V< bezweckt, die deutsche» Staatsbürger jüdischen Glaubens ohne NntcrschlcS der religiöse» und politischen Richtung zu sammeln, »m sie in der tatkrästlgen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gcsellschastlichcn Gleichstellung sowie in der nnbclrrbaren Bjlrge deutscher Gesinnung zu bestärken." 2. Unser Arbeitsgebiet ist nnd bleibt vor allem die Bertretnng der politischen, wirt,chastlichcn nnd gcscllschastlichen Interessen der jüdischen Deutschen in der gesamten Ocsfcntlichkel«. iJ. Diese Arbeit ist nicht möglich ohne die unbeirrt« Bslene deutscher Geslnnung. Die Liebe zum dcntschen Vaterland kann durch keinerlei Bcrfolgnnaen und Beschimvsiingen beeinträchtigt werden, weil sie nichts AeuKcrllchcs Ist, sondern die tiefe Verbindung dcs Menschen mit seiner Heimat bedeutet. 4. Die Pflege dieser Gesinnung ist sür »ns eine innere Notwendigkeit. Es ist unsere Grundsordernng, wie es schon die unserer Bäter gewescn ist, dasi wir dem deutschen Baterlanve, dem wir seit mehr als 100« Jahre» angehörcn, als gleichberechtigte Glieder deS deutschen Volkes und nicht nnr «IS keine Mitbewohner dienen wollen. 8. Wir lieben unser Tentschtnm und unser Judentum. Unsere ganze staatsbürgerliche Arbeit, erfüllt von diese« Liebe, zielt darauf, eine harmonische Entwicklung von Dcntschtuin und Judentum und ihrer Beziehungen »ueinander z» sördern. «. Wir sind überzeugt, vasi eine wahrhafte politische Arbeit von Männern und Frauen n»r geleistet werden kan», wenn di« entscheidende innerliche Betonung der Zugehörigkeit zum deutschen Vollstnm und zur jüdischen Gemeinschaft alS eine sittliche Forderung sowie als politische Notwendigkeit angesehen wird. 7. Die sogenannte Abwehrtätiakeit ist nnr rin Teil unserer Arbeit. Aber auch hierbei handelt cs sich nla;t blök um eine Abwehr von Angrissen. Der Kampf gilt vor allem auch dem Fehlurteil einer verhältnismässig groben Zahl nnsercr christlichen Mitbürger, welche i» dem jüdischen Deutschen immer noch etwas ihnen Wesensfremdes oder etwas Minderwertiges sehen. Diesen Kamps kann nur der deutsche Jude führe», der sich ans Grund der Kenntnis unserer Lehre und unserer Geschichte, insbesondere unserer Vcrginigcnhelt aus deutschem Boden, dcs Wertes unseres Deutschtums nnd unseres Judentums und ihrer unlösbaren Verbundenheit verantwortungsvoll bcwussi ist. Wir lehnen icde blutleer« Assimilation ab. Wir ersüllcn unser« schicksalsmäsiig« Anfgabc, indem wir das cntwicktln, was wir alS kostbares Erbe In uns tragen: nnser deutsches Fudcntnm. 8, Die Erkenntnis unseres Selbst sowie die sich ans dem deutschen Volkstum und dem jüdischen Glauben ergebenden Bslichtc» ermöglichen uns einen sicheren Halt und eine znverlässine Stellung in allen Fragen deS Tages, mögen sic von brr christlichen Umwelt ausgcworscn werden oder durch innerlüvische Erörterungen entstehen. Bon dieser unverrückbaren Grundlage anö Ist es unsere Aufgabe, die Verteidigung nnsercr Glnubcnsncuosscn zn sührcn, ihre Töchter und Söhne in unscrcr Weltanschauung zn erziehen, die völlige Harmonie zwischen Dcntschinm und Judentum her» zustellen und dadurch die Stellung des deutschen Judentums für alle Zeiten zu festigen. k». Als unbedingte BoranSketznng der Arbeit, die uns diese» Zielen näher bringen sott, erstreben wir und fordern wir von «»seren Freunden: Vertiefung jüdischen Wissens und Förderung aller derjenigen Beftrebnugen, die — bet Ablehnnna alles Phrasen» hasten — unsere jüdischen Lebenswerte zu erhalten nnd zu heben vermögen. Ebenso auch Vertiefung und Fördern,«g aller de», Interesse dcs dcntschen Volkes nnv Vaterlandes dienenden Bestrebungen Nach einem Korreferat von Dr. Eduard St rauh lFrankf n r t et. M.) wurde in einer vielsiündigcn Anssprache über innerjüdische Fragen die Stellnng des Centralvereinkinnerhalb dcs deutschen Judentums von allen Seiten her erörtert. Die StimmunA der Hauptversammlung kommt in der Annahme der nachstehenden Äesolntionen ztim Ausdruck: „Die von den Zionisten in der vessentllchkeit betriebene Propaganva hat es dahin gebracht, datz die früher nur von den Judengegnern betonte Trennung von „Dcntschen" und „Juden" in der üfsentlichen Meinung mehr nnd mehr an Boden gewinnt! innner mehr verbreitet sich die Vorstellung, a»S g«l)örten die dcntschen Juden nicht zum deutsche», sondern vielmehr zu einem über die ganze Erde verstreuten, in Palästina beheimateten jüdischen Volk. Dieser Zustand bringt die Errungenschaften eines mehr als hundertiährigcn Emauzipationskampscs in crnstcst« Gefahr. Der «. V. mnh daher wirksamer alS bislper der zionistischen Anschauung entgcgcntretcn, nach welcher das J-ud«ntum die Bolks- «nd Knlturgcmeinschast aller Inden in Balälnna ihr nationales nnd kulturelles Zentrum sein soll. Das von den Zionisten behauptete oder angestrebte jüdische Volk ist nicht das der aus dem C. B. - Standpnnkte stehenden deutsche» Inden, da diese l» nationaler nnv kultureller Hinsicht ausschiieblich dem deutschen Volke angehören. Das Vorhandensein einer nationalen Einheit der Inden aller Länder wird schon durch diese Tatsache widerlegt. Gegenüber den Wirkungen der zionistischen Propaganda sicht der E. B. keine Ausgabe darin, seiner Aussasiuna von Deutschtuu, »nd Judentum in der Oefsentlichkclt Geltung z» verschossen. Der C. B. Sachsen erwartet energisches Vorgehen im Sinne dieser Resolution." „Die erste Aufgabe dcs C. B. ist tatkrästige Abwehr dcs Juden» Halles. Zu seiner Errichtung ift die Zusammensaffung aller positiven Kräfte nötig, die sich zum Judentum »nd Deutschtum bekennen. Die Ansklärnngsarbcit deS Vereins, die Verbreitung des Willens von Inden und Judentum in unseren eigenen Reihe« und bei unseren andersgläubigen deutschen Bokksgenollen bat daS Ziel, die Ncberzcugung von der Gleichwertigkeit der deutschen Inden mit allen Bürgern unseres Vaterlandes durchznsetzen." Bei zwei großen Kiindgebmigen im Capitol und in den Unionssestsülen, Berlin, in denen Hunderte vvn jüdischen und christlichen Freunden des Cenlrnlvereins toilnahmcn, ivurden unter dem Motiv: „Lebensfragen dcs dcntschen Judentums" Ansprachen von R.°A. Dr. Cnrt Alexander (Krefeld), Chefredakteur Georg Bernhard, Jnstizrnt Dr. Julius Brvdnih, Slaalsrat a. D. Dr. Ludwig Haas, M. d. R. (Karlsruhe), Direktor Dr. Holländer, Rabbiner Dr. Paul Lazarus (Wiesbaden). Na>bbiner Dr. S. Levi (Mainz), Frau Paula Lllcndors (BreSlau), N.-A. Dr. Regensburger (Braunschweig), N.-A. Dr. Bruno Weil gehalten. Lucie Mannheim vom Staatstheater Berlin nnd Erna Feld sprachen einen von Fritz Engel verfaßten Prolog, und das Trio Eva He i n i tz, Georg K n i e st ä d t, Michael Ranch eisen erfreute die Hörer durch die Wiedergabe klassischer deutscher Musik. Nachwort zum Krantz-Prozeß. Ilg. Die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung hat sich in den letzten Wochen in besonderen, Ausmaße dem K r n n tz - P r o z c ß in Berlin zugewandt. Der Freispruch dcs Angeklagten hat der Erörterung der Vorgänge nicht Einhalt getan. Auch wir haben Anlaß, uns mit den Vorgängen, die dem Prozeß zugrunde liegen, zu beschäftigen. Der Revolver ist in der Nachkriegszeit zu einem Attribut der Jugend geworden. Die Schnßwasse als unzertrennlicher B,Gleiter des Vaters over alteren Bruders hatte die jüngeren Söhne an Auv u und Gebrauch der Masse gewöhnt. Die außerordentliche Beeinflußbarkeit der inaendlichen Seele, an nnd sür sich a„k da° ^"iwed-'- — Öder eingestellt, wurde durch die Steigerung der seelischen Erregungsmomenle in der Nachfrieas-eit in noch aeinhr'-oüerer Weise ver»"'"rt. Für solche jungen Mensche» bedeutet der Druck aus den Revolverabzug keinen nngehenrcn Enlschluß wehr. Gleichgültig, ob es sich um de» politischen Gegner hantelt, den man vernichten zu müsien nieint — Rathenan —, oder um den persönlichen Nebenbuhler, den zu beseitigen ein höheres Recht vermeintlich gestattet — die Grnndcinstellnng znm Menschenleben: die Geringschätzung seines Werics, ist die gleiche. Die Eigenart der jugendlichen Seele, das Weltgeschehen vom Ich als Mittelvnnkt ans z» werten, führt zu einer Verneinung alles dessen, was sich in das Wunschbild dcs eigenen Seins nicht einlngt. Bezeichnend dafür ist der Brief der jungen Leute, geschrieben vor der verhängnisvollen Morgenstunde, der mit „Liebes Weltall" beginnt. Das p c r s v n l i ch - seelische Erleben ist das Entscheidende, ihm soll sich die ganze Welt anpassen. Gcnal, dieselbe seelische Grundcrscheinung liegt vor, lvenn sich pmge Mensckjen des gleichen Alters und der gleichen Anlagen in kleineren oder größeren Bünden iind Gruppen politischen Charakters znsaiiimensinde» und ver- »leinen, die Erneuerung Deutschlands, ja der Welt, gemäß ihre n Wünschen und Vorstellungen herbeislihren zu können. Wenn man die Pressebericht' nebeiieinandersteslr, sicht man, wie jede Richtung in der anderen den Sündenbock sucht. Die Linkszeitungen iveisen ans die Zugehörigkeit der jungen Leute zum Jungdeutschen Orden hin und scheii darin die Quelle des Unheils. Die Rechts presse schiebt den Folgen der Revolution die Schuld an