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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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i. . . . Im Reich fand mau sich ja wohl mit dem staatsbürgerlichen Wnzip ab, aber den Exzessen eines fanatisiertcn Ariertums im be- Lichbarten Oesterreich gegenüber bewies man ein Entgegenkommen, W den Verdacht erwecken mubtc, das; man es auch daheim mit der Duldsamkeit und mit dem Willen zur ivirklichen Dollsgemcinschast nicht »sehr so ernst nahm, wie cs ursprünglich der Fall gewesen war. Es mag »in, das; in Oesterreich nicht alles z» erreichen war, auch wenn die »reuhischen Studcntcnschasten das äußerste, was ihnen an Zähigkeit Wd Energie zu Gebote stand, zu diesem Zwecke answandten, das nicht erreichen war, das; man sich dort wie hier einfach ans den Boden des ßtaatsbürgcrprinzips stellte. Ich gebe das rundweg zu, aber eins habe sch vermisst: man ijot sich nicht mit der Energie, die nur bei der Bedeutung der- Angelegenheit geboten erschien, bemüht, wenigstens die Mindestforderungen der prenhische» Negierung durcl,Zusehen. Ainu hätte tvenigstens daraus unbedingt bestehen müssen, das; das Arierünn ch Oesterreich nicht mit unduldsamer 'Ansschließlichleil für sich allein linen Platz in der Tcuischcn Ltudcntenschajt beairspruche, sondern aueli den nniionalsrciheitlichen und den republikanischen Organisationen das gleiche Rocht znerkgnnte , , | .cs ist auch nicht so, wie inan immer wieder Innen kann . . . , bau an de» österreichischen Ovetischnlen das dentsckirassige Element einen PP Seit Beginn dieses Jahres wurde gcgeir B. «egel. der in iner Schrift „Tie Protokolle' der Weisen vvn Fivn, eine ijgunts' lPYiio-Verlag) dieses stärkste llainpfmirwl der Antimitcu als Fälschung entlarvt hatte, der Vorwurf erheben, er che einen von ihui zittcrten Brief Rudolf Enckens geiälscht. n diesem Schreiben hatte Enekcn seiner Entrüstung über ie „Protokolle" und seiner Bcivnndernug der Sogoischen iegcnschrist Ausdruck gegeben. Als auch die Familie Encleu cheifel au der Echtheit des Briefes äuftcrte. wurde eine leihe von Besprechungen zwischen einem Mitglied de r amilic Eucken, einem Vertreter des Ce nt rat perins und Bertretcrn des A b w c h r v e re i n s veranstaltet. | In einem Schtnßprvtvkvli kvurde sestgestellk. Vas; Vie Emilie Eucl'cn an vie absolute (Äutgläubigkcit unv ^enhastigkeit vcs Herrn Segel glaubt und lediglich Dnkutcn mrtß, das; er einer Mystifikation von dritter Seite mn Lpser gefallen ist. Fernerhin heißt es in dem Protokoll: I „Es besteht Klarheit darüber, daß die Intervention der -.Familie (Surfen gegen die Vcrvffentlichnng des Encten- ^Brieses nicht ans antisemitische» Grnnvcn entksprungcn lvar, sondern daß die Familie Eucken einzig und sallein bestrebt ist zn verhindern, daß der Brief, insibesondere seine stilistische Abfassung, ein falsches Bild über |btc lebten Tage Nudolf Enckens gibt." \ Tie unerhörte Form, in der neuerdings die völkische Presse ie vvn allen Beteiligten in einer zwischen D,'nimmt vvn Ehre inö Anstand üblichen Form geregelte Angelegenheit nunmehr II die breiteste Leffcntlichkeit zerrt, zwingt verrn Segel zur flurfit in die Seffcntlichteit. Er wendet sich in einem Schreien an unseren ihm befreundeten Mitarbeiter, der das Schlnßrotokoll mit unterzeichnet hat, gegen die Berlenmdungen, ie man gegen ihn erhebt, Tic S ch r i s t l e i t n it g. [ Wien, den l»i. Dezember 19-7. t Lieber Freund! f Tie beiden antisemitischen Zeittingsblätter („Fridericus" und höllischer Beobachter") mit dem Artikel über den „gefälschten" »uckcn-Brief, die Tie mir ztigesandt, haben inich höchlich amüsiert. j§ ist ergötzlich, die ohnmächtige Wut der Herren zu beobachte», die tirch Verdächtigung meiner Person die Ausmcrksauileit von der ncderlage abzulenken suchen, die ich durch die E n t l a r v n n g d c r Protokolle dem NnlisemitiZmnZ bereitet habe, mid zugleich Rache st mir nehmen wollen sür eben diese Niederlage, Leit AnZgang des ührcs 1919 waren die Protokolle die wirksamste Waise in ihren landen, keine der früher gegen die Juden gerichteten Berleumtingen, mit Ausnahme etwa der des N i t it n I ttt o x b c 3 , hatte sich | tief in das llnterbcwußtsein der Aieuge eingesressen, wie die von kr „Weltvcrschwörung" der Inden, für die die Protokolle, wie es Dien, unwiderlegliche Zeugnischnst ablcglen. Alle früheren Berfiimdungcn waren in den Protokollen organisch zusammengesaßt 'P in die Form eines zynischen Selbstbekenntnisses gefsen. Si-c machten alle andere antisemitische Literatur überflüssig. verzweiselten Existenzkampf zu führen hätte, dem man ein Sonderrecht zngestrhen müßte. .Herr Oclze hat Zahlen genannt sür die Hochschule Wiens, aber was beweisen diese Zahlen? Jedermann von uns weiß, daß das semitische Element iu Oesterreich viel stärker vertreten ist als bei uns. Aber hat denn jemand jemals der Deutschen Studentenschaft zugcmutet. restlos alle Inden in die Tonische!»iu>d«ntenschast ausznnehinen? O nein! Es ist immer betont worden — das übersehe» sie geflissentlich —, das; das nativnalknltnrell« Prinzip den bititzschlag zn geben habe. . Professor Laus ch e r nannte dann Zahlen von den österreichischen .Hochschulen und führt daun fort: „'Angesichts dieser Zahlen gehl es wirklich nicht an, hier Vvn einer ansgezwungencn Notwehr des' Denischtums argen ein übermächtiges 9>ichtariert»m zn reden. Teslialb ist cs unverständlich, daß die Deutsche Stndentenschast sich entschlossen hat, lieber sich selbst in die Lust zu sprengen, als einer vernünftigen sachlichen Würdigung der Dinge, wie sie ln Wirtlichkeit liegen und nicht, wie eine anfgereizte Phraseologie sie dnnnstelleii beliebt, Rechnung zu trägem, ran die Ternsche Studentensebajt den Weg zum Bolle — im sozialen Sinne dieses Wortes — nicht gesunden hat, wird un'Iil niemand beücciten ivoileu . . Und tum stellte sie!) s auf eiiitnal heraus, das; diese Protokolle nicht Ente Augiiii im>7 in Basel vor einer eöeheiinversanimlung der „W-eiien m.; Zston" vorgeiragen ivorden »in t ö n neu, >v e i I sie e r it i »> Ö e r ö st I 9 n ö i n P! e: e r s i> n r o v v n d e r v u > > i - i fl; e ii C et! v a n a f n b r i z i e v t ,i> u r d e u. Das macht min diese Wnsie meist nur oolllvinmen ftiuupf, sondern es wirst ans die Partei. die siel, ilsrer >o lange mir nt:erhvr!er Diiut-- slästslosigkeil bediente, ein melir gerade günstiges Lietit, gib: sie vor allein der Lächerlieitkeit preis. W i e s v t! m a n d a a n d e m 11 r - 1) e b e r di es e e Eutd e et n n g n i et)! s! g eh e n e h in e n s Am besten ist es, »ta» heilet ü)m einen p e r i an l i che n Bl a t c l an, dann ist >a seine Anssage tovhl abgetan. In .zwei Fällen haben die Herren solches schon mit Erfolg nmernonniieii. Warum nicht auch diesmal sich an einem armseligen Drnckfchlcr klammern und diesen verhasjken Menselsen als Fälscher des Enetc» Briefes hinstellen kch Tann sind wohl auch alle meine Bewelsnihrungeii falsch und die Glorie der Prvlvtolle ist tvicdee isergesleltt. Das ist jetzt um so nötiger, als Henry Ford, eine der Eanpliäuie» des Protokollglanbcits, utngesnllen ist lind die W a l> t e n vor der Türe stehen., die Wahlen, in betten die Entlarvung der Protokolle eine Rolle spielen könnte. Es wird sehr nützlich fein, da eine „j ü d i sch e F ü I s ch >> n g" zur Hand zu haben! Allein, hier protestiere iech schon: eine „jüdische Fälschn»g"k 9,'ein! chls nehme diese Füliehting a n s s ei> l i e s> i i ch für nt i d) allein itt Anspruch, Habe ich die Protokolle ettva eine „christliche" oder eine „russische" Fälschnng genanntk Bla» »ms! bei. der Stange bleiben. Also: Segel h a t d c n E n ct e n - B r i e f g e s n! i ch t. Wvztl all die Mätzchen tntd Ntttschreibmige»k Wozu die schnippische Frage nach dem rätselhaften -Absender des Briefes t Die Sache liegt ja so einfach! Ich habe den Brief gesalicht. seatürlich! Noch mehr! Ich habe auch eine ganze Menge anderer ähnlicher Briese gefälscht. Hier folgen die Anszügc der Beie'e in der R'eihenfolgc, tote sie „an mich" geschrieben ivurden. Kehciinrat Prof. Mar T c l (» r i> cf, Berlin, am 2'August 11)25: .,. . . Es war gewn; lehr nötig und nützlich, daß ein Gelehrter sich nnfopferte, »nt das ganze Lügeiigetvebe nrifzudrösel», und Sie haben sich dadurch ein Verdienst erworben, aver damit ist die Sache s tt r b i e öri i s e n! ch a s l a n ch a b g e t a n; höchstens, das; matt eitittia£ gelegentlich diese Schwindelei als ein weiteres Beispiel für diese Lin Bösarligkeiten ansühct, mit denen die Nlenschheit von je geplagt werden in und noch Heine geplagt wird." Gchcimrat Prof. Ferdinand T ö » i e s, Kiel, 30. Janunr 1926: „Tie -reche iit auch sür mich ivichtig genug, und ich würde gern mich an einem .Nollektivprotest gegen die dreiste Fälschnng beteiligen." (Schcimrat Prof. F c r d i u a u d T ö » i e s, Kiel, :!(). 'April I!)2(>: „Für die sozialpsychiatrifche Betrachtung sind die Erscheinungen interessant genua. Ich ''cmerke wohl, daß <sie um Schlüsse Ihres Buches diese Seite der Sache voUkoimnen. würdigen." (Bezieht sich ans das Schlusitapitel meine« Bnchcs „Zur Psychopathologie des Antisemitismus".) *) Eucken, schrieb feinen Brief au Mich am 15. Au„nst, und dieses Dalum war auch in der „W tone r Ä! o r g. c u 5 c 11 u tt fl", der das Ociflt aal ooi-tafl, a&flcbcuctt. 2» ben Berliner „A b w e h r - V l ä t t e r n" machte der Drucksehlrrteusct den 24. daraus. Nun war Eucken am lf>. August von Jena nach Wiesbaden verreist, Ei» scharlsmaiger völlischer Kops in Berlin konnte sich das Datum „Jena, de» 24." August iu dcu Berliner „Abwehr-DIiittern »ur dadurch erklären, daß der Brief gefälscht war. — „Eie werden nockl o» einem Druckfehler sterben", sagte Dr. Marcus Herz in Berlin zu einem Patienten, der sich »ach »ichern kurierte.

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