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Central-Verein-Zeitung · 1927-11-01 · Heft 11 (November 1927) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 11 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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die „Sprüche der Väter"/ »*«*.*,$ '' G8 gibt wohl kaum ein Buch, das sv heftig umstritten ist wie der Ta imub. Als die Quelle tiesstcr Weisheit und erhabenster Sittlichkett wird er von seinen Freunden verehrt, als Tcusclswcrk voller Lug und Tücke von seinen Feinden verschrien. Immer neue Maßnahmen wurden zu feiner Unterdrückung unternommen. Alle aber scheiterten an der Zähigkeit, mit der seine Verehrer an ihm hingen. In nciierer Zeit erwachte in den iveitestcn Kreisen der zivilisierten Böller das Verlangen, einen Einblick in dieses so heiß umstrittene Werk zu gewinnen. Nebersctzungen auf Uebersetzungen sind zu diesem Zweck entstanden. Aber der Talmud ist nicht nur durch die Sprache, sondern auch durch die Form dem Uneingeweihten imzugänglich. Aus mehrgliedrigen Sähen werden häufig nur einzelne Glieder hervorgehobcn. Die übrigen werden als bekannt vorausgesetzt und schweigend ül>ergangeu. Schon aus diesem Grunde kann die Ilebersctzung. wenn sie nicht zu einem unübersichtlichen Kommentar entarten soll, den Sinn des Talmudsnicht erschließen. Dazu kommt noch die im Orient übliche Art, die Gedanken anstatt sachlich, chronologisch zu verknüpfen. Selbst die Eingeweihten können sich deshalb in diesem mehrere tausend Seiten umsasienden Werk, in den, die Ansichten kreuz und guer durcheinanderlauscn, nicht zurecht finden, wenn sie nicht die zahlreichen Kommentare. Kodizes und Kompendien, die in der nachtalmudischen Zeit entstanden sind, zu Rate ziehen. Indessen gibt es selten einen Laien, der zum Talmud greift, um. dessen ganzen Inhalt zu ergründen. In der Regel ist cs 'ihm dabei einzig darum zu tun. den Geist der Männer kenncnzulerncn, die dieses Werk geschaffen haben. Glichen sie wirklich, >vic das Neue Testament von ihnen unter der Bezeichnung „Pharisäer" behauptet, den übcrtünchten Gräbern, „welche auswendig hübsch scheinen, inwendig aber voller Totenaebeine und Unflats sindi" Um darüber eine sichere Auskunft zu erhalten, braucht man nicht den gairzcn Talmud zu studieren. Zu diesem Zweck genügt schon eine llrbersicht über den winzigen Traktat, der eine Reihe von Sprüchen dieser Pharisäer aus der Zeit vom zweiten vorchristlichen bis zum dritten nachchristlichen Jahrhundert enthält. Es ist gesagt worden. das; man sich nicht nach den Worten, sondern irach den Taten richten soll. Läsit man dieses Mißtrauen gegen blosie Worte ohne Einschränkung gelten, dann sind mit nie imstande, etwas Zuverlässiges über den Charakter eines Menschen zu erfahren, wenn wir nicht dessen Leben vor unseren Augen abrollen sahen. Indessen mi x,; r,tc' on deren Zuverlässigkeit wir nicht zweifeln können. Bo,> dieser Art sind die genannten Sprüche. e*.nc§ Beweises für den esoterischen Charakter des ^akmudS bedürfte, könnte es durch den Platz erbracht werden. den er rn der Reihenfolge dieses Werkes cinnimmt. Hätten die Verfasser an niieingeiveihte Leser gedacht, dann würden sie ihn zweifellos an die Spilic gesetzt haben. Ein besiereü Zeugnis für den lauteren Charakter der Lvlmudlehrer hätten sie kaum wällten können, für die Eingeweihten aber war das Zeugnis überflüssig. So wurde dieser Traktat cm enie unauffällige Stelle gesetzt. ... J]n der Folgezeit wurde er ins Gebetbuch übernommen mit der Bestimmung dass er an den Sabbattagen von jederniann gelesen werde. Trotz der vielfachen Uebersetzungcn, die er dadurch erhielt, wurde er dennoch wegen seiner wenig einladenden Form von den Außenftelienden nicht beachtet. Wohl weist er. seinem schlichten Stoff gemasi ,n seinem Satzgefüge weniger Lücken auf als die andere!, Tniktate. die cs mit juristischen Fragen zu tun haben. Dennoch wirken die nfronologische Ordnung und die Nennung des Autorennamens eines jeden Spruches störend und ermüdend aus die Leser, die an eine such iche Ordnung gewöhnt sind und mit den angeführten .mnien nichts anzufangen wisien. Dazu kommt noch die ivenig gepflegte Ausdrncksiveise der vorhandenen Nebersetzungcn. In der folgenden Uebertragung dieses Traktats habe ich nun die einzelnen Sprüche sachlich geordnet und die Aiitoremiamen weqgetasicw Sonst hielt ich mich stn-ng an den Tert, war jedoch bemüht, den Ausdruck rhvthmisch zu gestalten. Die notivendigcn Ergänzungen setzte ich in die Klammer. Lob und preis -er Gottesichre. 1. Ein köstlich Kleinod ist die Gotteskehrc. sic beglückt in diesem und im künftigen Leben. 6, 7. — Wer sie ehrt, wird geehrt, wer sie mißachtet. wird verachtet. 4. 8. — Wer ihren Dienst auf sich nimmt, wird von den iveltlichen Losten befreit; wer sich ihr entzieht, dem wird der Gesellschaft Joch aufgebürdet. 3. 6. — Seinen Liebling, seinen Freund nennt dich Gott, so du dich ihr liebevoll ergibst. Eie 'schmückt dich mit Demut und Gottesfurcht. begnadet dich mit Gerechtigkeit und Redlichkeit. Frömmigkeit und Treue.' Sie bekleidet dich mit Macht und Würde, verleiht dir Einsicht und Schars sinn in der Rechtsergründung. so daß alle deines Rates und deiner Tatkraft sich erfreuen. So erhöht und erhebt sie dich über alle Menschen. C>, 1. — Eher kann man zum Hohenpriester«»,! und zur KönigLwürde gelangen als zu ihr. Zahlreiche Tugenden l-eischt ihr Erwerb, einstgen Fleiß und unermüdliches Forschen, Ohrenspitzen und deutliches Sprechen. Einsickit und Berftand. Gottesfurcht und Sündenscheli, heiteres Gemüt und lauteren Sinn. Verkehr mit Lehrern, Umgang mit Genossen und Auseinandersetzung mit den Schülern, Einschränkung^ lichen Erwerbs und des weltlichen Verkehrs. MätziMMder Unterhaltung und Zerstreuung, Langmut und HerzeM Glauben und Geduld im Leiden. Bescheidenheit m,d ©jK, Knappheit im Reden und Prunklosigkeit im Handeln; Liebe und zu den -Menschen. Liebe zur Tugend und" zur Redlichkeft Hinnahme der Zurechtweisung und Flucht vor EhrenbezeüA 2. Trachte inimcr tiefer in die Gotteslehre einzudrinaeM alles ist in ihr enthalten. Bis ins höchste Alter las; nicht ab t» denn die Beschäftigung mit ihr ist der beste Beruf. 5, 25_Mi lernen will, ist des Lebens mnvcrt; wer nicht zulernt, nimrÄ» Wisien ab. l, 13 — Befleißige dich ihrer, denn sie ist kein' erblich fflL 2, 17. — Sprich nicht, „wenn ich Muße habe, will ich lernen*^» möchtest dann nie Muße haben. 2. 5, — Wer sie pflegt in der No der ivird sie auch im Wohlstand pflegen können. Wer sie im M verschmäht, der wird sie auch in der Armnt vernachlässigen mflfW 4, 11. — Wer nur eines ihrer Worte vergißt, der hat sein Seelenbi verwirkt. 3, 10. — Wer sich mit ihr auf dem Wege beschäftigt, m sich unterbricht und sagt: ivic schön ist dieser Baum. >vie dieser Acker, der vergeht sich an seinem Seelenheil. 3, 9; g, g, Sitz der Spötter ist der Ort. wo zivei znsamnicnsitze» und nichtig der Lehre reden, ein Auscnthait Gvtte-S aber, >vo sie sich mit der M , befassen. 8. 5. — Wenn drei au eiucm Tische essen, ohne von GoM Wort zu reden, ist cs. als ob sie ein Götzenmahl zu sich nähmen, redend sie aber von Gott, dam, ist es. als äße» sie am Tische Gottes. 3, 4. — Wo zehn zusammeiisitzen und sich mit der Thora befasien, weilt Gottes': Geist unter ihnen und sie bilden eine Gottcsgemeiiidc... 3, 7. Wer ist weise! 8. Wandere dahin, ivv die Thora heimisch ist. und ivähue nicht, da sie zu dir kommen ivcrde. Nur im Verkehr mit Leriigenosien echälk du dich in ihrem Besisi. Verlaß dich nicht aus deinen Scharfsinn. 4.!8. — Verschaff dir einen Lehrer, um den Ziveifel zu umgehen. 1, 16. — Ein Sammelplatz der Weisen sei dein Hans. Sitze zu ihren Füßen und trinke dürstend ihre Worte. I, 4. — Wer ist weise? Der sich belehren läßt vvii jedermann. 4, t. — Sei lieber ein Schweif vom Wwei, als ein Haupt vom Fuchse. 4. 20. — Wo es l jedoch, an Männern fehlt, sei bestrebt, ein Mann z» sein. 2. 6. — Ein Rabbi erzählte: Einst ivanderte ich des Weges, da begegnete mir ein Alaun. Er bot mir.' den Friedensgruß und ick erwiderte ihn. Er fragte mich: Rabbi, von welchem Orte bist du? Ick crividcrte ihm: aus einer großen Stadt,-, reich an Weisen und blelehrten. Weiter fragte er: Rabbi, möchtest^ du dich nicht entschließen, deinen Wohnsitz in unsere!» One zu nehmen? Ick, würde dir Taufende von Gvlddeuare», Edetsteine» und Perlen Reichtümcr der o die Thora heimisch :tc» ihn nicht Silber in Wissen und seine Lintenschwürze, die. r im Alter erlernt,. - (nit Rabbi saM geben. Ich aber sprach zu ihm: 21'cm: du n Welt gäbest, ich '.vvtmte doch nur an einem Ort ist... Wem, der Mensch von hinnei! sche:Let. g iind Gold, nicht Edelsteine und Perlen, sonder: guten Werke... 6, 9. 4. Was man in der Kindheit lernt, gleicht aus neues Papier ausgeiragen ivird. Was ma, das ist wie Tinte auf beschriebeuem Papier. 4.. . einst: „Wer von de» Kindern lernt, der ist, als ivenn er nicht gerer Trauben äße und Wein aus der Kelter tränke. Wer aber von deK Alten lernt, der gleicht dem. der die Trauben genießt, ivenn sie reiß sind, und den Wem trintt. ivenn er alt geworden ist." Ihm eiM gegnete ein anderer: „Achte nicht auf den Krug, sondern darauf, Iva darin ist. Mancher Krug ist neu und hat doch alten Wein, unö mancher Krug ist alt und hat nicht einmal junge» Wem." 2S-M — Bier Arte» gibt es unter de» Jüugern der Weisheit: SchwaiM Trichter, Seihe und Schwinge. Der Schwamm saugt alles c Trichter läßt hinaus, was er eingenommen hat; die Seihe ü Wein hindurch und behält die Hese zurück; die Schwinge w Kleie hinaus und behält das Mehl. 5. 17. — Vierfach untersch sind die Fähigkeiten der Schüler: leicht fassen und leicht vergessei wird der Vorzug von dem Fehler aufgcivogen. Schwer fassen schwer vergessen: da ivird der Fehler von dem Vorzug misgeW Leicht fassen iind schwer vergessen: das ist das Beste. Sc und leicht vergessen: da8 ist das Schlimmste. 5, 15. — D> der Weise verraten sich in siebe» Dingen. Der Weise s. dem. der ihn an Einsicht überragt; er fällt dem andern rnq Wort und ist bedacht,am in der Antwort, er fragt zur t antwortet nach Gebühr, spricht vom ersten zuerst und vom l zuletzt, wovon er nichts iveiß, sagt er, ich weiß eS nicht. Wenn sieht, daß er sich geirrt hat. gefleht er seinen Irrtum unumttH ein. Gegenteilig von alledem handelt der Tor. 5. w. — einem anderen einen Abschnitt ober einen Satz, einen Vers, .s nur ein Wort oder einen Buchstaben nur gelernt hat, »ft vl diesem ehrerbietig zu begegnen. 6, 8. —... Frage immerw" du nicht verstanden hast. Der Schüchterne rangt nicht -un jünger. 2, 6. — Die Achtung vor deinem Genossen g> furcht vor deinem Lehrer, und die Ehrfurcht vor der neu der Ehrfurcht vor Gott. 4. 15. — Wärme dich am, und nimm dich in acht vor ihren Kohlen, damit;

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