Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Don jüdischen Namen. Von Dr. Feltx Golvmann (Cetpgtg). DaS neu erwachte Selbstbcwichtscin des öeutfdjeu Inden wirkt ) and) ouf deni Gebiet Ser Fcr m l l i e n s o r s ch u ii g aus. Schon -ge gibt es eine „Gcsellschask für jüdische FamUieliforschimg", die - überaus interessante Zeitschrift erscheinen laßt, llnd auch die -rsuchuugen über jiidische Rainen beginnen aus der Sphäre Wiedergabe der amüsanten Anekdote in die der exakten histvri» Heu Forschung einzntreken. In mustergültiger und vorbildlicher Weise hat Tr. Erwin Manuel D reif n s, die Familiennamen der Inden in Baden*) untersucht. Leine Arbeit ist mehr, als der Titel besagt. Methodisch M sie fraglos für alle spateren Arbeiten dieser Art, deren Turch- ^ührimg änsjerst wünschenswert ist. richtunggebend. Sachlich aber tareift sie weit über das Gebiet hinaus, das sie in vorsichtiger Selbst, lheschränknug behandeln wollte. Tenn wenn auch das wissenschaftlich Erarbeitete Material lediglich den badischen Archiven enluvmuien haben die Gedaiikengänge dcs Buches allgeineingültige Bcden- Jnsbefvndere wirft es ein Helles Licht auf die psücho- Mo gische Leite der Borgauge, sowohl was die Beweggründe der Mtzesetzgeber. die die Juden zur Annahme fester Familiennamen ver- ^anlnsttcu. anbetrisft. wie auch im Hinblick aus die Aloiive der Inden, die freiwillig ihre Binnen wählten.! historisch.'» Vorgänge dürfen in ihren Grund ziigen als begannt vorausgesetzt werden. Gegen Ende des neinzehmen Jahr Hunderts drängten die Regierungen vieler Ltaaten darauf, das; die -Juden allesamt feste Familienname!, bekamen. Nicht als ob nicht -bisher eine groste Menge von (Geschlechtern solche besessen hätten, -aber die Regel war es nicht. Im Jahre 17S7 begann die Bewegung einem Edikt des österreichischen .Kaisers Josef II., in> Jahre! fand sie in Lachsen ihren Abschlus;. Zwischen beiden Terminen -hegt auch das preusstsehe Gesetz! vom ll. Al arg, Isis, das neben -der ganzen Aechtsstellniig der prenhiichen Inden ,mch die>'e Alaierie Niehl überall vollzog sich die Namensgebung der Juden unter chen gleichen Verhältnissen, nicht waren die Jndemiinsici: in Rnluir -unü Bildung überall gleich. Lchtimm erging es den Inden in Eakizien, >vu einerseits das Beaintentum. geschult ui 2er Beherr- »schung polniselier Leibeigener, bei der Beilegung von Namen seinem bah und seiner hochmütigen Berachtmig gegen die Jude,, frei die Zügel schienen lieh, wo anderseits die Inden selber ohne westliche .Bildung und ohne weltliche Rnllnr i» ,innerster Aruiul und unler ekurchtbareni politische» Truck lebten, so dasj sie der Willkür ihrer zPciniger keinen Widerstand enlgeeienznsetzien waglen. Tie vsi furcht;baren galizischeu Judennamen. die in ihren unasiheli scheu und her rLblvnrdigendeii Formen ein ewiges Zeugnis l: e s st e h e nder menschlicher Roheit' dar stellen, mi denen sich der wohlfeile, geistlose Spott der Judeiiseinde feit mehr als einem Jahrhundert erprobt, sind auch bezeichnend für die Juden, inr ihre Schwäche. ine die Einschüchterung, der sie erlagen. Biel lu-fv;o 'Ligendere Blicke sind es, die wir durch die Vermittlung von Trei jsuü' Buch in die Leele des badischen und damit des denstcheu Juden tums um die Wende des achtzehnten Jahrhnnderr---!UU dur'en. durften in voller Freiheit >väh!en, und die irfr-;i , iuees -Willens ist bezeichnend. , mfiiB neun! mit vollem Recht ieiue Ansführuugen erneu Bei- »trag zur Emanzipation. Lic sind es vom Standpunkt der indischen Keele ans nicht minder gewis; als ov» dem der Regiertnigen, die mit Area Mmmahmen nicht nur eine Festigung des Reehlslebens und mi -vandelsverlohrS. sondern auch eine Eiusügung der Inden in ^ie Gesamtheit des Volkes erstrebten. Tie Wahl, die die Inden grasen, in nun ein ovrtresslicher Beweis dafür, das; sie innerlich r rajau-ö e l n g e denk s ch t 10 a r e it und das; sie bereits da- «als ihrer deutschen Heimat gegenüber eine grosse Anhänglichleit «enneseu. Die weitaus grvstie Gruppe nimmt den Namen des prtcs an, ans dein die Familie stammt, eine Talsache übrigens, ie sich auch bei den im Mittelalter nach Polen geslüchketen deutschen lden feststellen läßt. Und der Lprachcharakter der onigenomnienen men ist säst stets ein deutscher, sei es. das; es sich iini alte Hansen handelt (die übrigens z„ einem groben Teil ans Frankfurt immen). sei es. das, »mit sich für Namen von Pflanzen. Tieren, lrusen oder Eigenschastcn entschied, sei es, das; man freier Phantasie konstruierte. Und die wenigen lbräischen Bezcichmiinzen, die eine weite Verbreitung Mdcn, >vie Kok,» und Meyer, verdanken diese Vorliebe offenbar km Umstande, das; sie an deutsche Namen anllangen. Man mag ielleicht — türm hat eS auch schon insbesondere in nativiialjudischen iteifcu getan — diesen Feststellungen gegenüber Oenimteit. das; in!£ fast durchgängigen Entscheidung für das deutsche Wort auch wächtliche Schwäche und ei» Vorsueh liege, den jüdischen Ursprung ' verwischen. Solche Meinung bedeutet aber ein vollständiges ji'*) ,ckd 11!f a m i I i 0 it 11 a ui e rt der Jude », u»I«r beloadercr s'eriilk- Drn» Srr VerhÄNnilse in Baden zu Ansang dea w. Jahrhunderts.- Cin Beitrag « iLclchichle der Lmanzipatian van Dr. E r w k u M n it it c I SttiUj, k. «auffma.»,, Verlag, Franlsur! an, Main. 1927, Preis broschiert (! Mark, Serien ne n der Geschichte uu.L der se el wichen .Ein. st e l l U n g der deutschen Juden m alter Zeit. Vom frühen Mittelster an herrscht berFamitiemrmnen nnLVornamen daSDru tsche vor ohne daß man diesen Trägern deutscher Namen den Vorwurf machen könnte, das; sic nicht treue »nd freudige Bekenner ihres Judentums gewesen ivacken Ihr, religiöses Judentum war ein so festes Eigentum ihrer Seelen, dag sie den Gedanken als lächerlich empfunden hätken, man könne durch das Führen eines profanen deutschen Namens ein minder guter Jude sein. Erst in unseren Tagen, als »ran au die Stelle von echten seelischen Werten den klägl'.chcn. Ersatz demonstrativen änsieren Aufputzes zu setzen begaim, stellten mauche .llreise das Bekenntnis zmn Nairrensautc unserer dcutschen llmMbnng als em Verbrechen dar. und hebrärkche Nainen genossen gerade in solchen «reisen eine Bevorzugung, die dem religiösen Indenlnm und innerer jüdischer Festigkeit' vielleicht a„t »leisten enlfremdct waren. In noch stärkerem Maße ist aber die ivisscnschasttiche Verarbeitung jüdischer Rainen geeignet, die von uns im Cenkralvrrein vertretenen Forderungen an den deutschen Inden zu »nterstühelt, wein, sie den Sinn für F-amiliengesäiichte und den Stolz aus den Namen weckt. Gerade in [cliterem Vnnlte ilt bei uns noch recht viel im argen. Mau tan» es verstehen, wenn lächerlich wirkende Name»,, wie die aus Galizien stammeitden. von ihren Trägern aus --ckstcklietNeilsgriinden oder ans solck;en des elementaren ästhekischm Enipsindeils geänden werden, .«einem Menichen ist znzumuten, das; er ireuvillig zum Geipotte wird! Es iit nncli kaum ekiuas da-- gcgen einz,»wenden, ivenn en, geiankter Jude füll mit einem funkelnagelneuen Aushaugeickrckd versieht. Be, dem grvsten Bruch mit Tradilivn und Ber.zaiigenheit lammt es ans io'ckie «teinigkeit gewis; nickil >1». und uns lanii e-o nur lieb sein, wenn Verivechslniigen Vorlieben,g ivird. BedeuNickier nt es aber, wenn and) ui den -streifen bewu-ner Inden sici, zniveilen das Be'trebeu regt, einen ..spezisisel," 'udn'cli tlingendeu Namen - der seinem ürjprnnae nncli gewöhnlich deutich ist. aber durch lange Zeiten von Inden gesilhrr wird und dadurch als ..chidiick,' gilt - durch einen ind,,,,-realen zu ersetzen. Nack, dem alten latnuidisehe» rpneuwvn ehr! inetit die Steile den Mann, sondern der Ma»>, die Stelle, und daweU-e läht sich nmh vom Namen sagen! Es lommt weniger aus Eitn»nvlogie und Mmg eines Namens an. „is ans die Bord reu sie. die , e b e r , i>ct >h » IM’vt, ii n mi 11 f 11 c l ui, r.ut i h in verbindet. Ein Name lvie Alendelsiohn l,at jeine ewige Bedenttina. nnnblntngig vom Lniltivert und philulvgiscl>er Hertunst. Und wenn mich Treis» s,. sofern seinen An-.-sühriingen nberliaup, eine Tendenz luneniolnis. »ielleicht mein e,an; mit den Ann»I,men und Folgerungen dieser Ailsmhi-nnaei, nbereiilstlmmt. iverdeu seine Forichiingen dock, den einen l'-rsotg aneli m unserem Sinne liaben: -ie werden den T tolz ans den Namen itarten. sie iveröen indijäie Eaniilieii in, Gml'lick an, ,l,re üertnnit niit einem Beiuiisitfei 11 ennlleu. das ui manchem beit ('beiimlei, adliger Gejehicchter en! iprucht. 'Nickst in eitlem' Tenn der Jude wird nie vergessen, dasi ein 'Name, der nur in der Berg»nge»l,ei! etwas bedeutet hat. Schall und Ranch ist, nnd das; man der Ritter Erbe innerlich erwerben musi. ivenn man des Besitzes froh meiben so,!. Welcher Familien stolz weist immer in die Zulnnit. Und dem herzlichen Wnnsclch sei Ansdriiel gegeben, das; der mwurn blrl'ett von Trelinh noch mancl>e andere ivlae. die ans dom Wege der Familien unö der Ramenüsorschung das Lelbstbewnichlem dedeutkelieii Jude;! und dann! leine Jnklinitsgeltimg üärle. Wie öas /luslanö öen öeutschen Antisemitismus einschätzt. Ein duiiilidta- »-reimt unürco Bianca, der h-iii?lg eluoliriidsrciicii niacht, schreib! uns: Aus immen lm-ilui Resten liebe ich ob cöel-.g,üben, mit hevoeutmeubcu Personen des In- und Anstandes ,11 Aernbning;n Ion,men. und bei diesen Gelcgcnlieitcn ivird auch v'I über die loaenanme .Judensrage'' gesprvchni. Tie 'ckusländer tonnen die Einstellim,, des deutschen Volkes überhaupt nicht bevitehen. -ie und der Rlenmiia. das; Teuischland gerode ietst allen Grnnd I, et 11 e, ('• i 11 1 „ t e 1 1 in leöec IJublun,,!jiu zu predigen, 11m amt, dem Ausland aea-'w-ber als e 1 1, e i 11 i g e S Volk da- .i'lstetze». das geicbloisen an dein rcaeoeaiinvau des Vaierlaudes arbeitet. Stack erstell netzt das Ausland m den, n.mdmen parieitiader und in dem Äamvi gegen die jüdischen Vvltsgeiie-iirit die Um-iiitafcit und svlgert daraus, das; T e 11 1 i 1111 a u b » ü (i 11 1,1, voll >1 ci 11 b 1 u n r e i; sei. Besonders in 'Mmeutu, umlun ult uiteixnu Jahr üemme, ist man ent: rüftet ü b e r die ttz ä ,1 d u n g der j ii b 1 i ti) e it Friedtzüs e, über die U n t e r it e l l u n a, van die Inden sstiutd seien a» d« m ve r l 0 r e n e „ « r i e g und sein e n I 0 l g e n. und man lächelt dort über die unüniiige Brhanvtnng. dal; eine halbe Rtillion Jaden in Ternschlaiid aä Ätillionen Pottsgeiwsten stirisllieben bilaubens am Gängckband jühren sollten. Tie Jndeabetze -Teinsehlaads seitens Lndendorsss. Hitlers, ----traffers und wie sie alle tzeitzen, verhindert Iveientlich das Aaschen des wenlicbnnns im Auslande. Besonders die Einstelünig. der anliseiiiiNschen «reise zur christliche» Religion und Bestrebungen. einen Wolam-stult eliizusühreu, verringern da» Ansehen der deutschen Kultur im Auslande. ES tan» ans nicht gleicktgnlllg sei», wie man über uns im Auslände denlt, und die geivisienlvseu -s)etzer der sogenaunten „nattonalcii" Parteien bringe» Deulschkand gerade im Auslände in Verruf. W. G.