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Central-Verein-Zeitung · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Date
1927-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Herr Gtöhr M.d.A.! „National" und „sozial". Mg. Die iintionalsozinÄstischen und völkischen Abgeordneten im Reichstag bilden, da beinahe jeder einzelne eine Splittergruppe für sich darstcllt. feine [J v a E t i o n m c h r. Zwar hat man vem dieser Seite auch in jenen wenigen Monaten, als noch eine völkische Fraktion bestand, von a u s v a n e n d e r Arbeit weder in nationaler noch in sozialer Hinsicht gehört. Jetzt aber haben die Herrschaften gegenüber ihren enttanichten Wählern die Ansrede, sie seien zu schwach, als dast ihr I a " bedeutungsvoll sein könne. Tie Geschäftsordnung des Reichstages macht nun unter bestimmten. Umständen das „Rein" jedes, einzelnen Abgeordneten ausschlaggebend, und dieses „Nein" ist von mMhnlji'r Beite gesprochen ivorden, als cs galt, für einen, nationalen nnd sozialen Z >v c ck Mittel bereitzustellen. Bor wenigen Tagen, als der Reichstag sich auf einen Monat vertagte. sollte noch eine Vorlage verabschiedet werden, durch die man g c b i c t. die dringendste Rot lindern tvollie. Im Aettcsicnnnsschiiß ivar beichioücn worden, die Vorlage ohne Aussprache int 'lUt'uum aiiznnehmen. Tie Olationalsvzialisten, die im Aeltestenausschui'i ilirer geringen Zalil ivegcn nicht vertreten sind, erhoben hiergegen durch den Abgeordneten Stvhr Einspruch. Es fand also eine Ansivraehe 'lmr. »ach der die Vorlage in erster nnd zlveiter veiung angeiwuuncn nutv&c. Tie sofortige Vornahme der dritten Vening ist ivdoch davon abhängig, daß kein Abgeordneter widerspricht. Und hier zeigte sich die Größe des Herrn Ltöhr: er s a g i e „ si o i ii '. Ter Reichstagspräsident redet ihm zn: „Bis z u in I a n u a r müssen d i e S o z i n l r e n t n c r i in Saarg ebiet niii die Erhöhung ihrer Renten warten, H o rr St ö h r, menn Sie bei I h r e in W idersp v u ch bleib eit. Ich Ivcist nicht, ob Sie das verantworte» können!" Herr Stöhr fühlt sich als Macht: „Ich halte meinen Widerspruch aufrecht." Ungeheure Entrüstung.durchtobt den Reichstag. In der Verachtung eines solchen Verhaltens sind bis auf Herrn Stvhr und seine Freunde alle Parteien einig. Ter Reichstagspräsidcnt erklärte unter Zustimmung des ganzen Hauses: „Ich must bekennen, cs ist in der Geschichte dieses Hauses noch nicht vorgekommen, dast jemand ohne jeden Grund die Verabschiedung einer Borlage vereitelt, die für viele Tausende Sozialrentner von so grober Bedeutung ist . . . Es ist unerhört i» der Geschichte des Reichstags, dast durch einen derartigen Widerspruch ein solches Gesetz vereitelt wird." Herr Stöhr bleibt stur, und der Reichstags- Präsident, auch in solcher Lage Hüter der Geschäftsordnung, muß erklären: „Ich kann nichts dagegen tun, wenn auf diese Weise die -18 WO Sozialrentner des Saargcbietes geschädigt werde..; ich kann nur die Oesfcntlichkeit als Zeugen dafür aufruscn." Tic Führer aller Parteien geben ihrer Empörung Ausdruck. Tie Bayerische Volkspartci spricht von einem Trauerspiel, die Abgeordneten -5? o ch und K a h l suchen nach einem Ausweg, sogar der Tentschnationale Graf Westarp bemüht sich um eine Lösung. Herr Stvhr hat den traurigen Mut, festzublciben. 46 000 Ncntncr im Saargebiet können ihm ihren Dank abstatten. Tie öffentliche Meinung, die Präsident Lobe als Richter angerufeu hatte, hat ihr Urteil gesprochen. Es stimmt mit dem. der Parteien überein. Es nützt dm Herren vom äußersten rechten Flüge! nichts, wenn der „Völkische Beobachter" mit einer „Haltet den Dieb"- Taktik versucht, gerade die Unzulänglichkeiten der Vorlage als Grund für das Verhalten des Herrn Stöhr ins Treffen zu führen. Tie wenigen Nationalsozialisten hatten diesmal Gelegenheit, zu zeigen, daß sie die beiden Hauptpunkte ihres Programms, national und sozial zu sein, nicht nur als Phrase empfinden. Soziale Pflicht war es, armen Menschen zu helfen, Nationale Verantwortung gebot, Volksgenossen, die politisch voin großen Rcichskörper abgetrennt leben, die Fürsorge der Heimat empfinden zu lassen. Die Herren Nationalsozialisten haben versagt. Mag eine ganze Volksgruppe ins Elend geraten, wenn nur ihr Eigensinn siegt! Das Partcimtercsse über alles! Die Oessentlichkeit wird sich erinnern. Die Wahlen werden die Antwort geben. Schulkinder als Friedhofsschäi Friedhofsschändimgen in Frankfurt a. und Ehvtkuhnen. Seit einiger Zeit schon beobachtete der Ausseher des A Friedhofs in der Sofienstrahe, Frankfurt a. M„ daß Schütz im Aller von 12 bis 16 Jahren das Gitter des Friedhofz' licrten, die Glasscherben, die zum Schutz gegen unbesugtF dringlinge an der Mauer angebracht waren, weggeiwmnicn hat nnd ähnlichen Unfug trieben. Einige Tage vor dem Neujahrs erdreistetcn sich einige dieser Schüler, die Frau des Friehh Wärters, die auf dem Friedhof beschäftigt war, mit rohen Schj^ Worten zu belästigen, ohne daß es möglich war, die Burschen fassen. Beim Betreten des Friedhofs am Donnerstag, 29. ij tcmber dieses Jahres, dem Tage nach dem Neujahrsfest, entdeckte Friedhofswärter, daß während der Nenjahrstage Eindringlinge Vandalen gehnnit hatten. A» dem einen Pfosten des Ei iiQanji, ors von der Sofienstrahe ans war ein großes Hakcnkre '* ii gebracht. Ter Weg von diesem Eingangstor zn der erhk liegenden eigenilichen eisernen Tiir zum Friedhof selbst war ti Gewalt ausgerissen und demoliert. Im Fricdhos ivaren Gräbj zumeist Kindergräber — teils beschmiert, teils geworfen; auo einem srisch angeps tanzten Bliinicnvcef: eines Grabes waren Blumen ansgerissen »nd am Weg' zerstreut, die Platte» der umgeworfene!» Gräber waren' gewaltsam zerbrochen und tage» in verschiedenen (frfett' und aus den Wegen des Iriedtzoss umher. Ei» Grabmal ist durch einen Sleiuwnrf erheblich demoliert. Tic Täter, Schüler der Volksschule, einer Mittelschule und einer höheren Lehranstalt in Frankfurt a. M., von 1 bis 18 Jahren, haben in vollem Umfange Geständnis abgelegt. Tb es sich uni einen Tmnmeiijniigensire'.ch handelt oder ob politische Verhetzung vorliegt, wird die weitere Untersuchung Auch aus dein j ü d i s ch e n Friedhof ln E p d t t n l, n« n wurde ein Grab in unglaublichster Weise besudelt und der Grabstein zerstört. Alan vermutet, daß die schändliche Tat von einem Jugendlichen begangen worden ist. Ter Täter ist noch nicht gefaßt. Die; jüdische Gemeinde in Eydtkuhnen hat «ne Belohnung von« M Mark ausgesetzt, die der L a n d e s v c r band £ st prenße n Des Centralvercins ans 100 Mart erhöht hat' Schützt öie Jugenö vor politischem Mißbrauch! AuS BotSdam schreibt uns Oberstudiendirektvr Dr. k. Müller: Im Schutze der Tnnkeihcit nnd der Stille, wie das „Potsdamer,- Volksblatt" schreibt, haben völkische «Hände in der Soimtagsnacht am 25. September die Synagoge am Wilhelms-Platz mit zahlreiches Krcidchakcnkreuzc» und Schmähwörtcrn besudelt. Es ist nicht das^ erstemal, daß in dieser Weise in unserer «riadt völkische SudelcieTan der Synagoge angebracht werden. Schon lange tonnte malist beobachten, wie sich der gleiche Unfug an Fensterläden, MaueriU Zäunen und Häusern brcitmnchte. Als ich während meiner Fcrienrcise einem Mitglied N. S. A. P. D. zti verstehen gab, daß ich an die Weitercntwicklur seiner Partei nicht glaube, vielmehr ihren Niedergang vor Au; sehe, da schickte er mir zum Beweis für meine irrige Ausfassteine Nummer des „Völkischen Beobachters", in der sich ein aussühi ticher Bericht über den Parteitag in Nürnberg befand. In gleichen Nummer aber war der Satz zn lesen: „In Preußen selbst realeren der in» Hanse des Kaufmanns S von dessen Magd geborene Innenminister Grzesinsky und Dr. k getreuer Marxist nnd zionistischer Führer." Das empörte mich so, daß ich dem betreffenden Herrn schrieb, c in Zukunft die Ucbersendung jener Zeitung unterlassen, die ich 4 eine Beleidigung empfände. Eine Bewegung, die das deutsche B" retten »volle und nicht vor der toten Mutter eines ParteigiW hallmache, habe das Recht verwirkt, sich als Reiter des denkst Volkes ansspielen zu wollen. Tie hier vorgenoinmcne Unterstelle liegt so klar aus der Hand, daß eine weitere AnseinanderseU nicht nötig erscheint. Wer so erbärmlich handelt, in dunkler Stunde Gotteshäuser sudelt, Friedhöfe zerstört. Tote verunglimpft, der verliert das in den Reihen der Anständigen geführt zu werden, der verliert 'Recht, als Christ geschätzt zn werden; dem, keine Religion Roheit der Gesinnung. Nnd noch ein anderes: Die Parteien der Völkischen versuc Höherznchtnng unserer deutschen Jugend. Wer aber den jg

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