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Central-Verein-Zeitung · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Date
1927-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ltei b,.. aßeA olcher -tisch, *9 Zu Tie letzter erndere cntgcndrten- ( ent-Z ui |V ick - men, lben rkdung prakichtsmit bei hmen vrien kennt nicht, stand (bau übervrim seine Wege onnlodor )ahrder egenner aß-' ern alleiNZU-i sch« , cheirL rches eu hn 2ta; «[ ui me M eifert von Zion" fast ganz übereinstimmt, so daß die bereits ^rhandenen Kritiken über dieses Machwerk auch ihm gelten, r moralischen Seite sei aber ein ernstes Wort gewidmet, kenne in der ganzen antisemitischen Literatur kein Buch lim einer so widerlichen inneren Verlogenheit! Unter dem »scheine des Wohlwollens predigt es durch die iedergabe aller nur erdenklichen unbeweisbaren eschnldignngen Hatz, unter Dem Vorgeben, ob- ,ektib zu sein, gibt es diese «nd jene Methode des ntisenlitischen Kampfes tadelnv preis, mit andere m so intensiver zu empfehlen, unter dem Vorwände, in gerechtes und friedliches Verhältnis zu den Inden i« ermöglichen, weist es auf den Weg der Trennung, er Ansnahmegesehgebnng, der Des Ghettos hin, nd cs droht — gewis; gewunden und verblümt, aber och klar erkennbar — mit dem Pogrom! Und alle iese üblen Bestandteile des von ihm servierten Gerichts sind mit der Tnnke der widerlich wirkenden Frcnndschafts- und 2lchtungsbete«ernngen übergofsen. Gelloc will Frieden für Israel'. Wenn seine Wünsche Erfolg hätten, wäre es der Friede des Grabes, der der völligen Vernichtung folgt. Wer uiibcfangcn die Entwicklung des jüdischen Problems -in der Geschichte der letzten zwei Jahrtausende untersucht, wer insbesondere die geistigen und politischen Ströinuugcü^^^ achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts in ihrer Wirkung ' sj-si Kultur und Rechtslage der Juden kennt, weiß, daß cs in Wahrheit nur erne Lösung der Judenfrage gibt, die Hardenberg m die klassischen vier Worte goß: „GleichePslichten, glerche Rechte. Und wenn auch de'r geradlinige Weg zum Ziel oft genug versperrt wurde — die Zeit des Petljura- Prozesses ist gewiß geeignet, die Erinnerung an ganz traurige Ruckschlage zu wecken —, so ändert das nichts daran dach — vom Standpunkte der Weltgeschichte aus — der langsame Aufstieg unverkennbar ist. Solange in der Welt die sittlichen' Postulate des Rechtes und der Menschenliebe gelten, solange die Gewissensfreiheit als ein Ziel der sittlichen Entwicklung gilt, solange wird der Antisemitismus ein Unrecht sein, das von allen ehrlichen Kulturmenschen bekämpft werden muß. Wir verkennen nicht, daß unsere von nationalistischer Engherzigkeit und Menschenhaß bestimmte Zeit für den Ausblick auf die Höhen reiner Menschlichkeit wenig Sinn hat. An der Nichtigkeit der Ziele und an der Notwendigkeit des Kampfes ändert das nichts. Und antisemitische Angriffe jeder Art, vor allem so scheinheilige ivie die Bcllves, rnögen wohl hemmen, nie aber dürfen sic das Ziel verwirren nnd unseren Willen ablenken. Tr. Felix Goldman» (Leipzig). Der „Stürmer" auf öer Anklagebank Geschimpfung öer Mischen Gefallenen — Streicher unö Genossen „wissen von nichts" Der „Verantwortliche" bleibt fern - verhanölung ausgesetzt ' Gin Prozeß, der die völkische Kampfcsweise wieder cimnal in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zeigt, fand am 29. September vor dem (Nürnberger Schwurgericht statt. Angeklagt waren die drei bekannten Nationalsozialisten La n d ta gs ab geor d ne t« r und Stad trat Streicher unb seine zwei getreuesten Jünger, die Dt nd träte Holz und Ertl, ivegen Beleidigung, begangen ^durch -die Presse. Zur Vorgeschichte des Prozesses sei folgendes Mitgeteilt: Jur Oktober 1626 ivurde in RegenZburg ein Gefallenendenkmal enthüllt, ivozu siiiniliche militärische Verbände, also auch der Ncichsbund jüdischer Frontsoldaten, cingeladen waren: nur den Völkischen Frontkricgerbund Negcnsburg hatte man Umgangen. Dessen Vorsitzender, der Verwaltungsassistent Grosser, (wandte sich nun tiesgckränkt mit einer Beschwerde an die Redaktion s „Stürmer", Ivo man das Material mit Begeisterung aufgriff. An einem anfangs Januar erschienenen Artikel, betitelt „Negensurgar Tcnkmalswcihe" erging sich nun der „Stürmer" in den unheuerlichstcn Angriffen g-gcn den Reichsbund jüdischer Frontpldaten und dessen Teilnnhine an -der Regensburger Feier und Meie sich u.a. folgende Sätze: „Wenn ein Kriegerdenkmal zu hre» der gefallenen Frontsoldaten enthüllt wird, gehören «den nicht dazu. Wenn auch hie und da einmal ein Jude efallcn ist, dann ist er für ein anderes Ziel gestorben, nämlich für die Errichtung der jüdischen Weltherrschaft und für n weiteres Ziel der Inden, nämlich die Vernichtung Deutschlands." Ferner wurden die jüdischen Frontsoldaten als „Markend e r", „ P l a t! f u ß i n d i a n c r * und Etappen- Pme tue" bezeichnet und sogar der Ausdruck „Zuhälter" aus angewandt. Wegen dieser unerhörten Angriffe erstatteten 52 Angehörige des ichsbundcs jüdischer Frontsoldaten, darunter der 1. Vorsitzende Bayerischen Landesverbandes des Frontsoldatenbundes, Herr chtsamvalt Tr. Landenberger (Nürnberg), Strasanzetge, auch stattgegeben wurde. In der Schwurgcrickstsverhandltmg ken die drei völkischen Heroen ein trauriges Bild: keiner p 111 e b t c Verantwortung für den ominösen Ptikel übernehmen, keiner wollte etwas davon Vts u 11 oder ihn geschrieben haben, mit der Unschuld neugeboer Lämmer saß man da. Die Verantwortung trüge einzig nnd sein der Reichstags ab geordnete Dietrich (K o b u r g), te das edle Trifolium, der zu jener Zeit Redakteur des „Stttrgewcsen sei. Zwar hatte Abgeordneter Dietrich ausdrücklich iftlich erklärt, daß er mit den Redaktionsgeschüften doS „Stürnie etwas zu tungehabt habe und die „Stürmer"-Nummern erst nach ihrem Erscheinen zu Gesicht bekam (eine merkwürdige Ausfassung redaktioneller Tätigkeit, für die inan die preßgcsetzliche Verantwortung übernimmt). Allein auch diese Tatsache hinderte Streicher und Konsorten nicht, sich frei von jeder Schuld zu bekennen. Natürlich benützte Streicher die Gelegenheit, wieder eine seiner bekannten Nassereden vom Stapel zti lassen! er war sogar: großmütig genug, zu erkennen^ daß nicht alle Juden Feiglinge seien und gerade Herr Dr. Landenberger im Krieg seine volle Pflicht getan habe und das E. K. I. mit der gleichen Berechtigung trage Ivie er — Streicher — selbst. Der als Zeuge vernommene Tr. Landenberger schilderte in eindrucksvollster Weise die Gefühle tiefster E,nt Porung und E r b i i t e r i! n g, die nicht nur die jüdischen Frontsoldaten bei der Lektüre dieses gemeinen Schmähartikels, sondern auch vor allem die Hinterbliebenen, die Witwen und Waisen der Tausenden von jüdischen Gefallenen ergriffen habe. Er gedachte der 100 000 jüdischen Kriegsteilnehmer, von denen 12 000 gefallen feien, davon beklage die Nürnberger Gemeinde allein 178 Söhne, darunter 20 Offiziere. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der 40 000 Mitglieder zähle, nimmt mir Kämpfer aus der vordersten Front auf, eine Aufnahmekommission entscheide über jedes einzelne Aufnahmcgesuch, wie die Verleumdungen des „Stürmer" bei seinen Kameraden gewirkt hätten, könne man selbst ermessen. Totenstille Herrschic während der Ausführungen Dr. Landenbcrgcrs. die ihre tiefgehende Wirkung nicht verfehlten. Nun ergriff der Staatsanwalt das Wort und kcnnzeichnete Verhalten der drei Angeklagten in treffender Weise. Besonders' rügte er die versteckte Art des Kampfes und wunderte sich, Patz die sonst so Mutigen sich hier vor der Verantwortung zn drücken suchten. Der Artikel cnthalie nicht mim Verbal, injurien, sondern auch, da die Behauptungen wider besseres Wissen gemacht seien, den Tatbestand vcrleutnberifdjer JBe» leidignng. Er beantragte gegen Streicher drei Monate, gegen Holz zwei Monate Gefängnis! da Eriks Schuld nicht erwiesen sei, für ihn Freisprechung. Der Anwalt der drei Beklagten beantragte die Vorladung des Reichstagsabgeordneten Dietrich als Zeugen. 2« diesem Antrag stattgegeben wurde, mußte die Verhandlung' ausgesetzt werden. Dor bisherige Verlauf hat aber bereits mit aller Dcutlichktt). gezeigt, wie gewissen- und skrupellos die drei Angeklagten mit der Ehre ihrer Nebenmenschen umgehen und wie sie anderseits feige z-nrückwcicheii>, wenn sie die gerechte Strafe für ihre Bosheiten zu gewärtigen haben.

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