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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 9 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Das Such vom -Kahal. Nrofksfor Assam schasst Ersatz sür die erledigten Protokolle. Die Protokolle der „Weift» von Zion" sind. nicht zuletzt durch unsere Aufklärungsarbeit, in nlle» gebildeten Jltetfeit als eleiibeS Machwerk erkannt worden. Henry Ford schäurt sich seines „Internationalen Inden". Die Völlisckjen sehen sich also ihrer Hauptstützen sn dem sogenannten geistigen Kampfe gegen das Judentum beraubt. Sie müssen neue Quellen, Enthüllungen, Senscrtiouen suchen. ES ist daher fein Zufall, datz jetzt säst gleichzeitig zwei neue völkische Bückzer In sensationeller Aufmachung ans dem Markte erscheinen: Erich Ludendorsss „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse", und eine neue Ausgabe des alten Buches vom Kahal, das Theodor Fritsch in Leipzig in der Uebcrsetzung des als völkische» Hetzers bekannten Hamburger ItnivcrsitätSprosessors Passarge ankündigt. Da die Völkischen sich einen Bombeuersolg von diesem Bucl)e versprechen, ist cs notivcndig, che eine allzu große Verwirrung angerichtet wird, die Wahrheit (iber dieses Machwerk i» tveiicste Volkskreift zu tragen. Der genaue Kenner der jwdenscindlichen Literatur, B e n j a m i n Segel, schreibt uns über die Entstehungsgeschichte und Entstchnngsart dieses Buches: Das „Bach vom Kahal" ist ein virekter Borfahr der Protokolle. Fm Jahre 1869 erschien in Wilna aus Kosten der G u b c r n a l r e g i e r u » g ein Buch „Kniga Kagala (Das Buch vom Kagal)'), eine Sammlung von Artikeln, die zuvor im offiziellcn „Wilenski Wjesinik" abgcdruclt waren; der Verfasser, ein gciauster Jude namens Jakob Brasman, denunzierte darin vor der russischen Regierung seine ehemaligen Glaubensgenossen, daß ihre schon 1844 aufgelöste Organisation, ..Kagal" genannt, fortsahre, insgeheim z» existieren; sie sei es, die die Absicht der Regierung, den S e p a r a t i 8 in u s der Juden zu beseitigen nnd sic in die russische Gescllschast ausgehen zu lassen, vereitle; der Kahnl stutze sich ans den Talmud; durch die zahlreichen charilativen und kulturellen Institutionen, die dein Kahal nnterstehe», übe er einen unentrinnbaren Zwang aus jeden einzelnen Juden aus, der in dem schrecklichen Che rem seinen stärksten Ansdruck finde. Wolle die Regierung ihr seit Jahrzehnten erstrebtes Ziel erreichen und die Inden gänzlich m i t d e r russischen Bevölkerung verschmelzen, so müsse sie nlle einzelnen jüdischen Institutionen anslösen; dann ivcrde der surchtbare Kahal und mit ihm der Talmud von selber sterben, mrd der ganze „jüdische Aberglaube" werde dein Kahal bald ins Grab folgen. Kagal (Kahal) — das w a r die jüdische G e m c i n d e. Das Buch ivnrde an nlle Aintsstellen verteilt, um ihiien als Wegweiser in'der Behandlung der Juden zu dienen. Es bestand hauptsächlich ans den BcrhandlungsprotokoUe» des Vorstandes der jüdischen Geiucinde in Minsk, der Gebnrtsstadt Brafuinns. während der erste» Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Protokolle waren hebräisch, teils jüdisch, dir russische Uebersetzuiig war sehr mangcl- >) Im Russischen wird g sür h gesetzt. hast, teils, weil Brasman Russisch schlecht konnte, teils, weil er die technischen Ausdrücke im hebräischen Original nicht verstand. Dafür waren zur Erklärung angeblich eZitateausdem Talmud h er be t gezoge mißverstandene. aus dem usamiilenhang gerissene, verstümmelte Zitate, az» kamen geheimnisvolle Hinweise aus die seit acht oder neun Jahren tu Paris bestehende Alliance Israeli to Universeile, die einmal an den Zaren sogar eine (natürlich höchst ehrerbietige) Eingabe im Interesse der Juden gemacht hatte. Die Alliance war nun der Wolt - K a h a l, gleichsam eine Vorläuferin der „Versammlung der Weisen von Zion", sie beherrschte alle die kleinen Kahale aus dem weiten Erdenrund, nährte in ihnen den Geist des „Separatismus", erfüllte sie, angeblich nach der Lehre des Talmud, mit H"ß gegen das Christentum, gegen die christliche Obrigkeit. die christliche Gesellschaft usiv. lieber dieses wüste Sammelsurium von Bosheit, Angeberei, Naivität, Unwissenheit und Schainlostgkeit lachten etwa ein Jahrzehnt später sogar die Judenfeinde vom Fach, aber zu seiner Zeit richtete e8 viel Unheil an; 1871 wurde eine neue Ausgabe veranstaltet. auch wurde es aus Negierungskosten ins Polnische übersetzt. Man »ahm es in ossiziellen Kreisen lange Zeit ganz ernst, ganz wie in unserer modernen Zeit hochgelahrte Professoren, Führer politischer Parteien. Generale, Diplomaten an die „Protokolle der Weisen von Zion" glaubten. Was für Verheerungen Brasman anrichtete, kann man daraus ermessen, daß die 1866 in Petersburg und Odessa gegründete jüdische „Knltnrg e s e l l sch a s t". deren Zweck war, den Inden „Aufklärung in russischen Geist" zu bringen, z. B. durch Uebersetzuiig der Bibel und des Gebetbuches die russische Sprache unter ihnen zu verbreiten, mit großen Schwierigkeiten zu kämpsen hatte, weil sie infolge der Denunziationen Brasmans verdächtigt wurde, ein Organ des „geheimen Kahal" zu sein. Den Kampf der russischen Behörden gegen die jüdischen Gemeindeorganisationen wird man zu würdigen wisse», wenn »ran die Geschichte dieser; Institution betrachtet. Sie reicht bis zum Jahre 1261 zurück, als Bvleslnw von Kalisch, Herzog von Großpolcn, durch sei» de» Inden des Landes gewährtes „Privileg" den Grundstock legte zn der Jndcngesetzgebnng der svlgcnden Jahrhunderte in ganz Mitteleuropa, besonders in Polen. Im miltelalterlichcii Ständestaat bildeten die Juden gleichsam einen besonderen Stand, eine besondere soziale Körperschaft. Zumal in Polen, >vo sie in wirtschaftlichem Gegensatz zn der nichtjüdischen Bevölkerung vornehmlich den Handel und das Handlverk vertraten. Gleichwie die städtische Bevölkerung, die überwiegend aus eingeivanderten Deutschen bestand, unter dem Magdeburger Recht (jus teutonicum) stand, das von einer eigenen Magistratur gehandhabt wurde, so standen die Juden unter dem mosaisch-rabbinischcn Recht, Ivelches von den rabbinischen Gerichtshöfen in den Gemeinden gesprochen wurde. Die jüdischen Gemeinden unterstanden »nniiltelbar dem König, der als Schntzherr der Inden von ihnen besondere Zudensteuern bezog. Da es für die Könige vorteilhafter war, mit wohleingerichteten (Fortsetzung von Seite 68.) stattgehmden hat; es erklärt sich dleS daraus, daß weder ein« energische Greuzüberwachumg stattsindcn konnte, noch bis dahin eine geordnete BerwaUung die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen in der Lage ,var; aus der Tatsache, daß jahrelang über die Grenzziehung Unsicherheit bestand, mrd daß während der Besatzungszeit ein Hlnüberivcchscln über die Grenze ohne schwere Folgen möglich rvar, ergab sich eine 9lit von Gewöhnung der östlichen Bevötkemmg darai'd datz sie unerlaubt auch weiterhin über die Grenze zn kommen versuchte, und, Ivo ihr Hindernisse in den Weg traten, diese zun, Teil durch Bestechung aiiszurnumen sich nicht scheuten. Es Ist aber eine erhebliche liebertrcibung, daß dieser sogenannt« Mensckx'nschmuggel einen erschütternden Nuckang angenommen habe. Rach sicheren Unterlagen wird es sich im ganzen um höchstens 1000 Personen handeln. . . Ein besonderer Abschnitt des Reiseberichts beschäftigt sich mit den Verhältnissen im Regierungsbezirk Breslau bzw. in der Stadt Breslau. Auch hier ist die Leichtfertigkeit bei Ncbernahme unkontrollierter Behauptungen nicht zu verkennen, trotzdem der Bericht auch an dieser Stelle den Anschein erwecken will, als ob seine Jnformationcn mrS amtlichen Quellen stammten. Er sagt: „Im ganzen Bezirk wurde» in den letzten Monaten «klein 100 Schmuggler scstgcstellt, und in Breslau selbst i» den ersten zehn Atonalen (1828) weitere 41 ostjndische Meiischenschmnggler, die wogen Patzvergchens sesigenvmiucn wurden. In der Regel greift die jüdische Arheilersürsorge in den Füllen der Festnahme derariiger Leute mit Gew mrd Anwälten ein, nm ihren Glaubensgenosse» zu helfen." So viele Behauptungen, so viele Unrichtigkeiten. Abgesehen davon, daß der Berichterstatter das Kunststück macht, Festnahme wegen Paßvergehcns in Festnahme wegen Menschenschmuggcls mriznbiegcn, treffen unserer Kenntnis nach auch die beigebrnchtcn Zahlen nicht zu. Wie wir ans zuverlässiger Quelle wisse», enthalten die Liste» des früher bei der Regier»ng in BreSlau bestandenen Grenzikommisfariat8 für einen sehr langen Z e i t r a n m zirka 250 Namen, unter denen wohl 75 von I n d e n sein mögen. Bon diesen Juden ist aber >mr einer wegen Beihilfe zum Gr c nzü ber tr i tt (also Menschenschmuggel) verurteilt. Alle anderen Angaben des Herrn Kundt sind falsch. Woher er seine Zahlen bezogen hat, wird später noch jestgestellt werden müssen, Die Behauptungen über die jüdische Arbeiterfürsorge in BreSlau können an Fehlerhaftigkeit ebenfalls kauin überboten werden. Durch einfache Anfrage beim Oberpräsidcnten oder beim Polizeipräsidenten in Breslau hätte der Berichterstatter ohne weiteres seststellcn können, daß cs gerade die jüdische Arbeitersttrsorge ist, die die Behörden bei Regelung der Rückwanderung ostjüdischer Flüchtlinge nach Polen in außerordentlicher Weise unter st tt tz t. und daß auch nicht der Schatten emcs Bciveiscs dafür gegeben ist, daß sie „derartigen Leuten" mit Geld und Amvälte» zur Seite steht; es soll gar nicht bestritten werden, das, die Arbcitcrfttrsorgestcllc in Breslau Auswanderern vielfach Rechtshilfe leistet, jedoch tut sie es in aller Ocffcntlichkcit lind mit dem absoluten Wissen sämtlicher Behörden, die sich bisher nur in Worten höchster Anerkennung über die Jüdische A r b e i t e r s ü r s o r g e st c l l e geäußert haben. Dokumentnrischer Beweis auch hierüber, sogar aus der Zeit der Menschenschnmggelprozesse kann erbracht werden. S. Sl.-R. Dem Deutschen Nationalkomitee gehören, wie bereits erwähnt wurde, auch jüdische Organisationen an — nicht der Centralverein. Daß diese nicht sofort Widerspruch erhoben haben, beweist keineswegs, daß sie ihn als den Tatsachen entsprechend hingenommen hätten. Er war ihnen vertraulich zugegangcn, und sie glaubten daher, mit Recht oder Unrecht bleibe dahingestellt, dagegen in der Oessentlichkeit nicht protestieren zn sollen. Die Berössentlichung in London hat die Vertraulichkeit gebrochen, die beteiligten jüdischen Kreise ins Unrecht gefetzt. Dag ändert aber nichts daran, daß sür den Bericht allein Herr« Kundt, als Versasser, die.Verantwortung trifft.

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