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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 9 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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öH übrigen wurde den, Rabbiner angebvien, daß er dieselbe An. spräche nach dem Feldgottesdienst i» dem Ehrenhof des Denkmals vor beschränkter Oessentlichkeit bei der Niederlegung der Kränze halten solle. Man versuchte auch, eine Aenderuny des Programms damit zu rechtfertigen, das; aus der Teilnahme des jüdischen Geistlichen der Wunsch religiöser Minderheiten erwachsen könnte, gleichfalls einen Vertreter beim Feldgottesdienste sprechen zu lassen. Wir wissen nicht, vb ein solcher Wunsch geltend gemacht wurde, w i r müssen aber betonen, das; die j tt d ische Nel i gi on sge mein sch as t zu den sta atl i ch anerkannten deutschen Glaubensgeineins ri) a {t e n gehört. Der wahre Grund für die Aenderung des Programms ist bekannt. Die Spatzen pseifcn es in Ostpreußen von den Dächern. Der hochmögende Führer einer grvszen völkischen Organisation hatte erklärt, das; s e i n e L e u t e v st e n t a t i v dein; F e l d g o t t e 8 d i e n st a b r ü ck e n w ü r d e n, s ob a l d d e r R a b b i n e r a n s d e r F e l d k a n z e l e r s ch ei n e. Diesem Wunsche mußte in Betätigung des „Geistes von Taimenberg", den unser Reichspräsident so schön gekennzeichnet hat. selbstverständlich Rechnung getragen werde«. Die Feldkanzel durste nicht durch den jübifdjcn Geistlichen verunziert werden, der im großen Kriege seine Pflicht als Feldgeistlicher erfüllt hat. Den jüdischen Frontsoldaten mußte es so «nmög-- lich werden, in Erinnerung an de» heldenhaften. rmt gleicher Begeisterung von Christen und Juden geführten Kampf und an die Helden jeglichen Glaubens, die auf dem Schlachtfeld ruhen, dmr Repräsentanten deS Geistes von. Tannenberg, dem Sieger v. Hrndenburg, ihre Huldigung darzubringen. Die Feier war eine private Veranstaltung. Die Vertreter der Staatsbehörden waren nur als Gäste anwesend. Ein Appell an die Staatsbehörden war deshalb nicht möglich. Unsere selbstverständliche Pflicht war es. an maßgebendster Stelle ivarnend unsere Stimme zu erheben. Wir fanden hierbei vollstes Verständnis — aber der hochmögende ostprenßische Herr war mächtiger als alle Gründe der Vernunft, lvar mächtiger als der „Geist von Tannenberg"! Es hieße die Bedeutung der Vorgänge herabdrücken, wenn man den vorstehenden Feststellungen ein Wort noch hinzicsügen wolltel Wer find die FriedWsWnder? Die völkischen Zeitungen haben sie entdeckt . , . Wir haben bereits in der Aiignstnummer aus Anlaß der Schändung des Belgarder evangelischen Friedhofes die Verniulnng auSgesp . 'chen, das, die völkischen Zeitungen de» Inden selbst die Schändn g des VelgarDcr cvangelisclM Friedhofes die Verniulnng Friedhöfe demnächst zur Last legen werden. Jetzt haben wir ganz deutlich die traurige Bestätigung dessen. >vas wir damals erst alS logische Folgerung aus völkischer Dnrstellnngsknnst schlossen. Ta8 „Deutsche Tageblatt" beschäftigt sich in seiner Nummer vom 10. September mit unserem Arlikel „Ein evangeli-Mr Friedhof geschändet", behauptet, daß seine Beschuldigungen — gegen die wir unS in eben diesem Artikel wehrten — uiis „die Rede so ziemlich verschlagen haben" und führt dann aus: - . Wir sagten des weiteren, das, dieser Geist des Verbrechens von der jüdischen November-Revolution, der jüdischen Presse, den jüdische» Theatern und Kinos erzeugt worden wäre, »nd wenn das Vlalt zuin Schutz der jüdischen Staatsbürger mir einen, Blick i» die Spielpläne der silbischen Theater oder irr die Feuillctonfpalten der jüdischere Presse werfen wollte, würde es unsere Ansicht als richtig erkennen. Statt dessen sucht cs zu einem sophistischen Widerspruch zu kommen, indem cs beinerkt, daß toit also die Schul» kür die Schändungen der lüdlkchen Friedhöfe aus die Juden legten, was eine vollkommen -ungereimte Gackle sei. Natürlich tun wir das. (Von »ns seit gesetzt. Schriftleitung.) Wenn der Geist des Verbrechens erst einmal enlseslelt ist, wendet er sich auch gegen die, die ihm die Fesseln lösten. Kennt nra» in der Redaktion nicht das Wort des Goelhcschen Zauberlehrlings: ,Dis ich ries, die Geister, werde ich nun nicht tos'? . . ." Aber was dag „Deutsche Tageblatt" kann, kann Herr Alfred Roth in seiner „Reichssturmfahne" iwch besser. Wie erinnerlich sein dürste, hat der gewiß „deulsckst" Schriftsteller Wilhelm Michel in einem Aussatz „Kamps gegen Gräber" im „Morgen" (Juiri 1927) als Deutscher gegen die Schändung jüdischer Friedhöfe Protest erhoben. In der „C. V.-Zeitung" Nr. 2g wurden aus diesem von echter Vaterlandsliebe getragenen Aufruf einige Sätze Zitiert. Herr Alfred Noch hat darauf an, 25. Juli in einen, Aufsatz „Eine offene Antwort" Michels Notruf, der ihn, als Sonderdruck Zugegangen lvar, niit den üblichen Schlagmorten völkischer Journalistik zu entlrästen versucht. Er ist allerdings dabei dein Irrtum zum Opfer gefallen, Wilhelm SJHdjel sei ein „Deckname, hinter dein sich ein eifriger Söldling des Antianti-Vereins verbirgt. Stil. Gedanke,-gang und AntzdruckSweise verraten «ine Denkweise, die als ausnehmend jüdisch anzusprechen tst, ein deutscher Verfasser hätte grlviß nicht notig, seinen wirklichen Namen zu verberge», Wofern er für eine gerechte Sackw im Dienst der Wahrheit stritte. Älber «erade die Ueberlreibungen des Auf.satz-S und die offensichtlich gar nicht verfolgte Absicht 'der Teudschenhetzo stoßen den unverdorbene,, Leser ab". Herr Alfred Roth mußte nun die bittere Enttäuschung erleben-, daß Wilhelm Michel ihm selbst mitteilte. sein Name sei kein Deckname. er selbst kein Jude, und sein Notruf den, Herzen eben eines echten Deutschen cnisprunaen, das sich gegen das U n - deutsche, ja das „extrem W, der de n t sche" der Friedhossschändungen auslehnte. Diesen Brief bezeichnet Herr Alfred Roth in der „Reichssturmfahnc" vom 5. September, ivie cs ja bei seiner Denkweise selbstverständlich ist. als ein „RechtfertisiungSschreiben", und er billigt auch dem Verfasser zu, daß dieser immerhin „den guten Willen gehabt habe, dem deutschen Slawen zu dienen", aber: ,M>8 wir Deutsche einander zu sagen haben, das brauchen wir mcht durch die Vermittlung der Inden zu tun." Er rückt dam, eindeutig vim den Gräberschändem ab und versteigt sich nun zu der. Ungeheuerlichkeit: „Aber Ich bin «och nicht davon überzeugt, daß die Täter überall Anhänger der völkischen Sache geivesen sind. Ja, ich scheue mich nicht, den Berdach« ausznsprechcn, datz cs sich mancherorts »,m gekanfie Mietlinge handeln kann; den» was bietet Juda eine wirkungsvollere Möglichkeit, seiner Entrüstung über deutschvölkische Verworfenheit sreien Lauf zu lasscn, als Borkommnisie solcher Art? »nd die Totenehrung bei den Juden und semitischen Völkern überhaupt lkt la doch nicht so groß, datz es gewissen Elementen nnter ihnen schwer fallen könnte, an entartete Subiekte solch« Aufträge zu «rtellen. Wessen Juden in der Aufstackiclung der Leidenschaften fähig sind, wenn sic damit ihren Zwecken nütze» können, darüber bedarf cs sicher keiner iveitcrcn Auseinandersetzungen. Der Vanzelti-Rnmmkl. der Nathenau-Rummel oder auch die Wiener Vorgänge sind eindrucksvolle Beispiele dafür. Ich behaupte dabei nicht, daß di« eigentlichen Täter so gekauft worben feien, aber wie solche Dinge .gedreht' werden können, das wissen Sie gut wie ich." Derartige Ausführungen wären allerdings geeignet, uns die Rede zu verschlagen", wie das „Deutsche Tageblatt" sich so schön ansdrückt, wenn wir nicht so fest durchdrungen von der lieberzeugung uiisercZ guici. Rechtes wären. Unnötig, sich mit den einzelnen Anschuldigungen auScinandevzusetzen. Daß Banzetii nicht Jude, das; Rathena» ein Opfer völkischer Hetze, daß die Wiener Revolution keine „Judenmache" lvar, ist oft genug gesagt worden. Die Lästerungen unserer Religion von völkischer Seite sind wir leider gewöhnt; aber gcgcnülwr denjenigen Anschuldigungen, daß die Juden direkt oder indirekt sich Leute dingen, um ihre eigenen Friedhöfe zu zerstöre», kann man den Verfasser nur noch als das bezeichnen. womit er einige Zeilen später die Friedhvfsschändungcn überhaupt zu eutschutdigcn meint, nämlich: als pathologisch. Wir würden uns auch mit Herrn Alfred Roth nicht so ausführlich beschäftigen, wenn nicht diese neue Brnmienvergiftimg' schon wieder bis in die kleinste» Provinzbläitcr dränge. In den, „Täglichen 'Anzeiger", vereinigt „nt den, „Holzmindcr Kreisblatt. Stadtoldcndorfcr Tageblatt", also einen, offiziellen Organ, lesen wir in der Rubrik „Eingesandt", für die die Redaktion, wie ausdrücklich vermerkt ist, nur de preßgesetzliche Verantwortung trägt, eine Erklärung der „Bezirksleitung der N. S. D. A. P., Bezirk Oberwcscr" auf einen offene,!. Brief dcZ braunschweigische,, Abgeordneten v. Frankcnbcrg gegen die Nationalsozialisten wegen der Fricdhvfsschändnngcn: „In einer Numnier der .Oberwescr Bokkszeitung' läßt sich ein Zeitgenosse v. Frankenbceg, Mitglied des Hohen Hauses in Braunschwesg, flfncn die NatlonalsoziaMcn in offenem Drccs aus. Man muß bei diesem Schreiben unbedingt den Eindruck gewinnen, als vb dieser Zeit- ■flcnoffe im Trüben zu suchen versucht, denn seine Märchen von Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen durch Nationalsozialisten in Köln sind bereits durch die Entlassung der 17 sestgenom-menen Nationalsozialisten widerlegt, und eg liegt bereits zutage, datz die Schändungen durch Juden oder Fndengenosscn selbst gemacht worden sind, um den Rationalsozialiftn eins anszuwischen." Nun siegt es sogar schon „zutage", daß Juden oder Indem gcnossen die Kölner Juderrgräbcr zerstört haben! Die 17 Nationalsozialisten in Köln sind entlassen, zum Teile aber wieder festgenrmimen worden. Die Untersuchungen sichen dort noch weiter und werden hoffentlich ergeben, welches dre wahren Täter sind. Zn unserer Freude erfahren wir, datz auch der Belgarder Täter tu dem Bierkutscher Willy Röstling am 8. September bereits gefaßt wurde. Er tst Mitglied des Belgarder Stahlhelms. Auch die Burschen, die aus den, jüdischen Friedhof in G e r o l z - Hosen bei Schweinsurt in der Nacht vom 28. zum 29. August fünf Grabsteine umwarsen und Vas Leicheuhaus mit Hakenkreuzen besudelten, sind ermittelt worden. Sie habe» sich kurz vor der Fest- „ahme noch durch Absingen von antisemitischen Liedern und Ankleben von ebensolchen Handzetteln besonders verdimt ge,nacht. — Die Verhandlungen gegen alle diese Täter möge» min ergeben, ob sie „Mietlinge der Inden" sind, Dr. M. E.

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