Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 9 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsausgabe September M7 pMtcr sürHciUscktmv^^^än des Lntml-^rems brutsck^ MM MHrrrtum., “ j2r4ttttt£i$fr£t£d / Von Or.Zulius Brodnih. „Einem Denkmal die Weihe des Glaubens geben — waS will das bedeuten? Nichts anderes heißt das, als die irdische Leistung, die da verherrlicht wird, aus ihrer Einmaligkeit und Vergänglichkeit herauszuheben. Die Ewigkeitswerte sollen zu Bewußtsein gelangen, die zu jener befähigten, in ihr sich verkörperten und offenbarten. Aus den Menschen, die man beklagt und rühmt, muß der Gottesgeist emporschlagen, der sie durchwehte, der nunmehr eingehen will ,n uns, in unser heutiges Empsinden, wie in unser künstiges Tun. Was war es, das die Kämpfer von Tannenberg, das Deutschlands Gefallene im Weltkrieg überhaupt stärker machte als ihr Einzelschicksal? lieber den Tod, dem sie selbst zum Opfer fielen, über das widrige Geschick, in das ein unseliger Kriegsausgang ihr Volk und Land verstrickte, ragt das Gef ühl schlechth inn iger Verbundenheit hinaus, die über alle Schranken von Herkunft und Bildung, von Stand und Bekenntnis, weil e i u Boden sie gebar, weil eine Heimat sie leiblich und geistig nährte, auf Gedeih und Verderb sie zusammenschloß. Wie die Feindeskugel keinen Unterschied karurte, so standen, so fielen sie einer für alle und alle für einen. Ihr blutbesiegelter Wille, von diesem Denkmal, dein jeder die Weihe seines Glaubens gibt, truhig gehämmert in Stein und Erz, bleibe rms heilig. Friedensarbeit zu leisten, ihres Kriegswerkes würdig, unserem Baterlande zu dienen Schulter an Schulter und Herz an Herz — dazu verhelfe uns der ewige Gott, der in diesen Toten lebendig >varl Aus ihrem Kämpfen und Sterben lasse er uns erkennen, lasse er uns beherzigen, was unsere Pflicht bleibt, damit in der Gemeinsamkeit unseres Strebens sich der Geist der Kämpfer von Tannenbcrg dauerhaft und wirksam erweise für alle deutsche Zukunft!" Wir bringen vorstehend die weihevollen Worte, die der Gemeinderabbiner Dr. Neinhold Lewin in Königsberg aus Anlaß des Feldgottesdicnstes vor der Enthüllung des Tännenberg- Dcnkmals sprechen sollte. Die Rede ist nicht gehalten worden. Bei der Denkmalsfeier sprach der Reichspräsident die schönen Worte: „In den zahllosen Gräbern, welche Zeichen deutschen Heldentums sind, ruhen ohne Unterschied Männer aller Parteifärbungen. Sie waren damals einig in der Liebe und Treue zum gemeinsamen Vaterland. Darunr möge an diesem Erinnerungsmale stets innerer Hader zerschellen; es sei eine Stätte, an der sich alle die Hand reichen, welche die Liebe zum Vaterland beseelt und denen die deutsche Ehre über alles geht. Mit diesem Wunsche öffne ich die Pforte zum Tannenöerg-Nationaldenkmal!" Wer verehrungsvoll die Worte des Reichspräsidenten, die sicherlich aus tiefstem Herzen gekommen sind, in sich ausgenommen hat, kann nur mit tiefster Trauer die Vorgänge erörtern, die es dem Vertreter der jüdischen Gei stlichkeit und dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten unmöglich gemacht haben, an der vaterländischen Feier teilzunehmen. Den Toten von Tannenberg auf den: Schlachtselde ein würdiges Denkmal zu errichten, war ein Herzenswunsch de8 ganzen deutschen Volkes. Es ist selbstverständlich und bedarf kaum einer Hervorhebung, daß mit allen Volksgenossen auch unsere jüdischen Glaubensbrüder es als ihre Bürgerpsiicht betrachteten, die toten Helden in dem Denkmale zu ehren und bedarf deshalb kaum der Hervorhebung, daß deutsche Juden dem Denkmalsausschusse angehvrten. Bei den Verhandlungen über die Gestaltung der Feier erkannte der Vorsitzende des Denkmalsausschusies, Generalmajor a. D. Kahns, den Wunsch unserer ostpreußischen Freunde als durchaus berechtigt an, daß bei dem Feldgottesdienste neben dem geistlichen Vertreter des evangelischen und des katholischen Bekenntnisses auch ein Rabbiner mitwirkt und eine Ansprache hält. Die Ansprache wurde in üblicher Weise im Entwürfe eingereicht und blieb selbstverständlich unbeanstandet. Das Festvrogramm wurde in Zeitungsnachrichten bekanntgcgeben und die Gestaltung des FeldgotteSdienstes in der gedachten Weise hierbei erwähnt. Nur eine große Königsbergcr Zeitung unterdrückte hierbei die Mitwirkung des Rabbiners, weil ihr noch vor Abschluß der Zeitung mitgeteilt wurde, daß die Mitwirkung des Rabbiners noch zweifelhaft wäre. Augenscheinlich war der an sich durchaus vorurteilsfreie Vorsitzende des Denkmalsausschusses inzwischen auf erhebliche Widerstände gestoßen. Es war gewiß keine neidenswerte Aufgabe, welche der Leitung des Denkmalsausschusies zufiel. Sie sollte es rechtfertigen, weshalb es geboten erscheine, das Festprogramm in einer Weise zu ändern, welche dem Gei st e der Gerechtigkeit und der Toleranz, dem „G e i st e von T a n n e n b e r g ", Hohn spricht, und dies angesichts der Tatsache, daß unsere jüdischen Glaubensbrüder in ihrer Begeisterung für die Feier sich nicht durch die Tatsache beeinflussen ließen, daß an der Feier — selbstverständlich an hervorragender Stelle — der General Ludendorff teilnahm, dessen jüngste Hetzschrift in der letzten Nummer unserer Zeitung beleuchtet und dieser Tage erst in der Erklärung der deutschen Großlogen, die wir an anderer Stelle veröffentlichen, von Männern, die überwiegend im politischen Leben auf rechter Seite stehen, gebührend gewürdigt worden ist. Die Leitung des Denkmalsausschusies versuchte die Notwendigkeit des Verzichts aus die Teilnahme des jüdischen Geistlichen am Feldgottesdienst mit Rücksichten auf den ehrwürdigen Reichspräsidmten zu rechtfertigen. Man habe dem Reichspräsidenten, der bei der Feier stundenlang stehen mußte, die vier Minuten Redezeit des Rabbiners ersparen wollen. Wir wissen aus zuverlässigster Quelle, daß der Reichspräsident diese Rücksicht nicht gewünscht hat, daß das ursprüngliche Programm des Feldgottesdienstes vielmehr seine volle Billigung gefunden hat. Im Aus dem Inhalt: schmnggel — Ostjudenfrage." — Benjamin Segel: „Das Bnch vom Kahal". — Dr. Michael Müller-Claudius: LMische Formkräfte an dcutsckwm Kulturgut. — Julius Vom deutschen Theater.