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Central-Verein-Zeitung · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 8 (August 1927)
Date
1927-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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H2 Vaterlandsliebe! B»>» einem cheisilichcu Leser unseres Blattes» eluem bayerifchen Kriiniuawcaiuten, erhalten ivir folgeuvc Auschrist! Unmittelbar nach dein Welltriege hak tu Dcntschlnnd mi vielen Orlen eine lebl,nste nntiscinitische Hetzpropaganda eingelegt, in deren Folge die Inden im allgemeinen des Inlernationalisinns und der vnterlnndSlvse» Gcsinnmig bezichtigt wurden. Wenn ich nnn ineine Persönlichen Erfahrungen, die ich in, Kriege gemacht habe, mit diesen!>Unu>ih'jc» vergleiche, fo lvnnne ich All dein Ergebnis. das; den dcntschen Inden bitter unrecht getan ivird. Ans Grund dieser Ersahrnngei,!>nbe ich die feste Ileberzengung gewonnen, das, der Jude >vie jeder andere Staatsbürger ein Vaterland hat und siel, treu dazu delennt. Ich stand iviihrend des Wcltlrieges i», ty[fnfj mib in den französische» Vogesen bei einer militärischen Dicnstftelle und halte in meiner diensttichen (.Eigenschaft Gelegenheit, die pvlitische Gesiiinnng der dort nn nmnchen Orten sehr zahlreich vertretenen jüdische» Staatsbürger etsässischer und nltdentscher Herknnst kcnncnznternen. Bald nach der Ausnahme niciner Tätigkeit stellte ich die sehr ansfnlleiidc Erscheinung fest, das; sich die Inden n l t el sä s s i scher lind altdeutscher Abslniinnnng politisch diametral gegcnnberstanden, und zwar in einer Schärfe, wie es bei den christlichen Einivohncrn der beiden Nikhtnngen nicht leicht zn sinden war. Die nttdentschrn Inden ivnren sich ihres Tcntschtnins nicht Mir beivnßt, sondern sic sühltcn sich i» geradezu vvrbildlichcr Weise als seine Pioniere und suchten und fanden Ansehlns; an ihre ebenso gesinnten christtictzm Landslente. Sie hnbeii genau i i> dem gleiche» Verhältnis wie diese ihre Opfer an Gilt nnd Bl nt gebracht. Es ist mir lei» einziger Fall bekannt geworden, in dem sich ein jüdischer Militärpflichtiger altdentseber Abstainnning der Wchrpslieht durch die Flucht ins Ausland Schon bei der ersten Invasion der Franzosen nm 8. Anglist 1914 wurden der jüdische Schnhhändler und sei» siebzehnjähriger Sohn, die beide ans der Nähe der ivttrttcinbcrgischcn Stadt Erailsheim gebürtig ivnren nnd dnnmls in (9. ivvhnten, von den Franzosen fcstgenvinnien und in .(letten nbgesnhri. Sie blieben bei glühender Sonnenhitze, verhöhnt vom denischseindlichen Pöbel, den gniiKn Tag in einem Sirnstengraben nnßcrhalv der Stadt liegen bis zu ihrem Ablrnnspvrl. der an, Abend erfolgte. Niemand durste den Acrnisten einen Schluck Wasser reichen, nicht cinuinl die nnglückliche Gattin nnd Mutter, Später wurden sie mit ihren christlichen Schicksalsgenossen, die natürlich ähnliche Erausainkeitcn zn erleiden hatten, znsainnicngcsesselt »nd Ivie eine Herde Bich über die Bogescn getrieben. Der Grund zn dieser sranzvsischm Grausamkeit lag darin, das! A. und sein jugendlicher Sehn ihre heiße deutsch-patriotische Gcsinnung, trotz vielseitiger Wnrnlnigeii, nicht nur in ihrem Geschäft, sondern auch uns der Strnste vssensichtlich, znn, Aergcr der französisch gesinnten Elemente, 3111,1 Ausdruck gebracht hatten. Der junge A. brachte sogar, als er gefesselt im Straßengraben lag, wiederholt Hochrufe ans Teiitschlnnd aus, ivns ihm jedesmal Kolbenstoße und Mißhandlnngc» durch Fußtritte eintrng. Erst nach einer langen und lliigewisseii Zeit erfuhr die in ($. zurückgebliebene unglückliche Frau A., daß ihr Gatte und ihr Sohn nach einem langen Leidenswege nach Iseire und Elcrnwnt Ferranze gebracht worden waren und in den dortigen Gefangenenlagern sehinnchletcn .... In dein durch lind durch frniizösisch gesinntcii S. wohnte ein jüdischer Kniisninilii R„ gebürtig i» Hessen. Er vertrat die deutsche Sache schon in Friedeiiszeiicn in tatkräftigster Weise. Aber bei Ailsbrnch des (lrieges trieb er es nach Ansicht der Französlinge Seradez» toll. Er ließ oftinals sein Geschäft, trvtz Bitten seiner 'ran, ganz einfach im Stich, lief mit den Zeitungen in der Hand die Straße entlang und erzählte jedermann, besonders denen, die es nicht wissen wollten, unter Anführung von Beweisen, daß den Deutschen der Krieg nnfgezwnngcn ivorden sei. Er verkündete als erster den Rgisseneinsail in Ostprenßc», den Einfall der Frniizvscii im St. Aninrintal im Elsaß und die ersten Siege der deutschen Truppen. Als die französischen Truppen in S. cinrücltcn, war er der erste, der ihnen durch Berrat in die Hände gespielt ivnrde. N. kam dann mit den ivcnigen Tciitschcn, die sich im genannten S. hatten konnten, znsnmmen gefesselt nach G., ive er in Gesellschaft des vorerwähnten A. nnd dessen Sohn smvie der anderen Gesnngcnen denselben Lcidensiveg für seine mnstcrhnste deutsche Gesinnung dnrchiiiachen innsste. Während des ersten Frnnzoseneinsalls im Elsaß predigte der a It e l s ä s s i s che Rabbiner X. in Z. ivährend der Ainvcscnheit der Franzosen in Z. z»m Schrecke» seiner Landsleute in der Synagoge in deutscher Sprache. Ans den erregten Eimvnnd seiner Zuhörer erklärte er kntegvrisch: „Noch bin ich ein deutscher nnd mit dclitsrhem Gclde bezahlter Rabbiner." Sogar das Gebet für den deutschen Kaiser hat er gesprochen. Auch die wenigen Inden, die ich i 11 Frankreich kennen lernte, haben treu zu ihrem Valcrlaiide gehalten. Die Ausführung weiterer Fälle, sowie die Nennmig von Ortsnamen und die Angnbe der Namen der Beteiligten muß ich mir erlassen, nm den beteiligten Personen politisch weder zn nützen noch zn schaden. Mische Einflüsse im deutschen BoWeben. Von Dr. Max Gr»,„Wald (Wien). Der Einfluß deS Jndentiinis ans das denlsche Volksleben reicht, rein chrvnvtvgisch bemessen, fast so ivcit zurück ivie die Spuren jüdischer Ansiedlmigen aus deutscher Erde. Mit dem Anftreten des Christentunis gcivnnncii die Dcntschen ein neues Weltbild und cinen neuen geistigen Habitus, die beide allmählich in einem Elcmcnie des Volkslebens, in der B 0 l k s s p r a ch e. ihren Niederschlag sandey. Das Denlsche hatte sich ursprünglich ans den Hausgebrauch und das Volkslied beschränken müssen. Die Sprache der Kirche ivnr. den Ariamsmns der Westgoten ansgcüvnimon, das L a t c i 11 i f ch t\ Das erste christliche Buch in einer Vnlgärsprache ivar de? Ostgvten lllsila Bibelübersetzung (4. Jahrhundert), Um den kriegerischen Sinn seiner Gothen nicht noch mehr zu spornen, ließ er die Bücher der Könige ans. Hierzu sei crivähiit, daß bis in nnserc Tage hinein, wo patriotische Begeisternng zu Iveclen ist, nie ans der Bibel das Nene, sondern stets das Alte Testament zitiert ivird, weil nur dieses sich hierzu eignet. Beiin ersten Anftreten roinnntischer Deutschtümelei verwahrt sich Ge rv in ns in seiner „Geschichte der deutschen Literatur" (II, 350) gegen die Verdrängung des Alten Testamentes nnd Homers zugunsten der Nibelungen: „Weder das Vertrauen ans menschliche lirnft noch Strebsamkeit, die nlicin zn tüchtigen Menschen erzieht, noch Liebe znin Baierlande, für die da? ganze Mittelalter kanm den Naincn hatte, kann", so schreibt er. „dem Knaben, dem werdenden Menschen die Pnssivität dieser alten Germaiien geben. Hingegen schöpft man alles dies nus den Schriften der Inden und aus Homer, dem man deshalb hart neben diesen seine Stelle unter uns ciiigeränint hat." Bis ans Karl de» Grosten glanbie man, nur in den drei Sprachen, Hebräisch, Griechisch nnd Latein, beten zn dürfen, die angeblich ans dein Kreuz ans Gvlgaiha gestanden hatten. Karl jedoch verlangt deutsches Gebet nnd denlsche Predigt (Kapitularien v. I. 789 und 794). Jede Sprache Paßt für das rechte Gebet. „Denn das ist das erste Gebot de? Herrn, des allmächtigen Gottes: Höre, Israel, der Herr, dein Gott ist ein einiger Gott, lind daß er geliebt ivcrde von ganzein Herzen und von ganzem Gemüt und von ganzer Seele nnd von allen unfern Kräften." So sinden ivir denn, von mündlicher Ueberliefernng, besonders durch die Predigt abgesehen, vom achten bis zum eisten Jahrhundert althochdeutsche Glossen zur Bibel überall vom Niedcrrhcin bis in die Kärntner Alpeii. In das Deutsche drangen von da an Worte, ivie Herrgott, Vater im Himmel, Himmelreich, Paradies, Engel und Teufel, den Psalmen entlehnte mit „Herz" zusammengesetzte Bciivortc, samaininge — Synagoge, bekehren (das hebr. schul.,), Gvtteswvrt. Gvttesnnme, Gotteshaus, Messias, der Zehnte, Priester (ans dem gricch. Prcsbyteros nach 2. Mose 3, 16), klrknnde (Tora), der Nächste (früher: der Nachbar, jetzt: der Mensch), Klerus (gricch. „Erbteil" nach 5. Mose 4, 20), Heide (von Heide — campus, das jüdische „nm liaarez“, Int. paganiis, angeblich weil Konstantin das Heidentum mir in den pagis, den Dörfern, duldete). Unter Lndivig dem Froininen gewinnt das Jndentmn am Hose nnd beim Adel eine solche Macht, daß Bischof Agobard von Lyon dagegen mit einer Judeuvekämpsmig einsetzt, Ivie 'spater Concilicn gegen solche „Verjndnng" mit Verboten der Ehe zivischcn Christen nnd Jude», gegen den Besuch der Synagogen durch Christen, gegen Religionsgesprärhe mit Juden 11. dgl. eifern. Trotz nlie-ein hören ivir, dnß Etandespersvnen znin Jndeiitmiie übertreten, daß inan jüdische Schriften den christlichen vvrzieht, dnß selbst Bauern Borliebe für das Jndentmn zeigen. Noch im 12. Jahrhundert waltet der alttestamentliche Gott in der denlsche» Literatur vor. Erst später tritt der Gottessohn und dann erst der Marienkiilt in den Bordergrimd. Die Predigten, ursprünglich nur Znsnimnenftch'imgcn biblischer Ciitcnlchren, die Minnesänger, imtcr ihnen der Jude S ü ß k i ,1 d v v n T r i »> l> erg, neben dem Samson P i n r als Uebcrsctzer einer französischen Fortsetzung des Parsival erwähnt werden darf, smvie die folgende von Bürgern, Bauern und Juden, ivie Wvlslcin von Lochamen nnd Joh. Pauli, geschriebene Literatur, auch jüdische Aerzie, die zugleich als Lehrer wirkten (vielleicht kom> men außerdem, w!c in Wien, im Mittelalter Inden als Buchhändler in Betracht), — alle diese Faktoren verbreiteten die Kenntnis der Bibel. Frühzeitig beginnt auch, zunächst zu Missions- und DisPlitationSziveclen, später zum Stlidium der Kabbala, die Erlernung des Hebräischen bei jüdischen Lehrern, Hugo von Triiw bcrg verwirft, ivie nach ihm die Meistersinger, alle Kunst, die nicht inil der Bibel im Einklänge steht. Man liest i» erbanlichen Schriften von „Stufen des Gebetes", die an die jüdische Sicigernng der Scclenrcinheit bis zur Heiligkeit erinnern (Talmud jcr. Schabt». I, 3). Freidank übersetzt geradezu Sprüche des Alien Testamentes und -cs Tcilnnids. Er sagt: „laut und liule girret sint, swa der künek ist ein kint (Kohclct 10, 10), swer -wistuom, erc groz riclieit mert, der inert sin arebeit (Kohclct 1, 18), er nennt Gottesfurcht aller Weisheit Anfang (Spr, Snl. 1, 7 und sonst), empfiehlt, nus drei Dinge vor allem zu achten, von denen Pirke Abvth 3, 1 sprechen, Achnlich der „Brnntspiegcl". Dank solchen Bcrinittlcrn, die besonders durch die Hnniaiiistcn »nd gtesorniatoren sich nm ein Vielfaches vermehrte», kamen in die denlsche Volkssprache Wendungen

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