Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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5feinen, nch. so nvincit mit» schivache» Sinnt gegen das fee mb» rassige Gesindel z n f ch ii tzen," Gemeint ist wohl die „Technische Nvtlsilfe" der reaktionären „Heimwehren" gelegentlich des Berkehrsstreiks in cinzelnen 'Bundesländern, so in Tirol, die sich schließlich ans die Sicherung der Bahnhöfe und die Ermöglichung des Verkehrs auf einigen Lvüilsircckeu beschränkte. Die so stramm nationalen Bvlkischen fofcttievfcn sogar mit einer „I n terventi v n dos Auslandes". Sv schreibt der „B vlkis ch e B e v b a ch t e r": „Die aust,indischen Diplomaten haben mit eigene» Augen gese!>en, wie die Wiener Revolution von den Hebräern gemacht worden ist. ('vmumuder locker Lamprvn (?) in London erklärte, dich fremde Truppen Oesterreich endlich von dem jüdisch-botschcwistische» Gesindel säubern sollen," Es genügt, hierzu sesizuslelleu, das; Bundeskanzler D v. Seipel in seiner Parlamentsrede mit Nachdruck erktärte, das; „keine Demarche fremder Vertreter erfolgte". Interessant ist es aber, suie unseren Hnkenkreuzlern jedes Atittel gegen die Inden recht ist, also auch der sonst von ihnen sv gehaßte JntcruativnalisinuS, dem doch nach ihrer Ansicht nur die Juden huldige». Das; auch dieser Vorwurf bei den llnrnheberichlen natürlich nicht fehlte, ist klar. Ihn erhob M. d. N. Wilhelm Henning im „Deutschen Tageblatt" unter dem Titel „Alljüdische Zu summenh n n ge" (Nr. 174 vom 28. Juli). „Wie erklärt sich das einheitliche Sekundieren der .deutsche»' Juden gegenüber dem österreichischen Linksputscht Diese jüdische Einheitsfront zugunsten einer hochverräterischen Revolution im Auslände war ei» geschicktes Spiel mit verteilten Rollen!" Mil dieser bclnsligendm „Feststellung" sei dastraurige Kapitel der völkischen Hetze gelegentlich der Wiener Schreckenstage abgeschlvssen. Die Nationalsozialisten in Nürnberg. Httöer vom Reichsparteitag öer NSAPD vom 19. bis 21. August. Nürnberg unter dem Zeichen des Hakenkreuzes! — das. war die Losung für de» Parteitag! Seit Wochen wurde» eifrige _ Vorbereitungen dafür betrieben, und in allen Blättern der national« sozialistische» Presse konnte man lese», das; zirka 40 000 Teilnehmer ans dem Reich erwartet würden. Nach zuverlässigen Beobachtungen und Berechnungen wird wohl die Hülste dieser Zahl erreicht worden sein. In den verschiedenen Festzügcn am Sonnabend und Sonntag waren gntgerechnet 10 000 Nlmm zu zählen, die, angetan mit der braune» Hitler-Uniform, im strammen Schritt an ihrem Führer Hüter vorbeidesilicrten. Sic waren alle wunderschön angezogen, diese meist sehr jungen Leute, »ud man geht wohl nicht fehl in der Annahme, das; reiche Freunde der Bewegung diese tadellose Uniform, die 02 Yrlrazüge, die die Teilnehmer hier herbrachten, und manches andere der Tagung gestiftet haben. Notleidend, wie es immer heißt, ist diese Bewegung gewiß nicht, dafür mag als Beweis dienen, das; die am Hauptmarkt errichtete Tribüne für den Vorbeimarsch mit 1000 Plätzen ü 5 Mark vollkommen ausvcrkaust war. Auch sah man noch nie in Nürnbergs Straßen so viele und schöne Pribatautos, besonders aus Berlin, lute in diese» Tagen. Weit übcrwog im Zuge, ans den Straßen, in den Wirtschaften die Zahl der jugendlichen Elemente, meist zwischen 20 bis 25 Jahren, Man macht sich keiner ltebcrtreibniiq schuldig, wenn man ferner behauptet, daß manche der Teilnehmer zur Zeit des Kri cgsbeginns noch in den Windeln lagen oder das Licht dieser Welt ü b c r h a i, p t noch nicht e r b l i ck t hatte n. Vierzehn-, fiinfzchnjiihrige Bnrschen konnte man reihenweise stramm mitmarschiercn sehe». Was sagen wohl deren Lehrer dazu? Markant ist der faschistische Gruß, der konsequent durchgeführt wird. Wo sich Hakciilrciizler begegnen, erhebe» sie schnurstracks den rechten Arm >md schreiten „Hcil"-rnsend aneinander vorüber. Beim großen Vorbeimarsch vor den F-ührern stand Hitler mit erhobenem Arm und ernster Miene in seinem Auto und sah seine Legionen, cbensalls mit feierlich erhobener Rechte, vorbeiziehen — ein mnssvliiiihastcr Anblick! Blumen überschütteten die jungen Helden, geworfen von zarter Fraiienhaud, wie überhaupt das weibliche Geschlecht sich in Hitler-Berchrniig gor nicht gering In» konnte. Die begeistertsten „Heit"ruser waren mit Hakenkreuz und F-cftabzcicheir geschmückte Tmnen und junge Mädchen: wie mit tiefem Bedauern sestgesteltt werden ninß, auch solche mit den bei den Völkischen sv verpönten Bubiköpfen „jüdischer Erfindung". Das Hitler-Lied, das bei den letzten derartigen Veranstaltungen ans allen Gassen ertönte, das die Spatzen tatsächlich bvn den Dächern pfiffen, man horte es überhaupt nicht mehr. Man hat sich einen neuen Spruch gcschofse». der das Niveau anschaulich zeigt, ans dem die nationalsvzialistische Bcwcginig sieht, Sv oft ivähreud des Fackclznges eine Stockung rinh'nt, und das war recht oft der Falt, spielte sich folgende Szene ab: Ter Etnrmtriippsuhrer fragt mit lauter Stimme: „Wo ist Attjuda?" Antwort des Sturmtrupps unisono: „Im Keller! Hnh, hnh, huhmimi," Nus des Sturmtruppsiihrers und der Truppe: „Deutschland Alte als Sprechchor schallend: „Alljuda verrecke, verrecke, verrecke." Das „Verrecke" wurde mit besonderem Aplvmb hinansgeschmettcr!. Früher sang man wenigstens noch: „Jagt sic raus, die Judciibmide!", jetzt wünscht man weit drastischere Mittel, entschieden eine Verschlechterung nuferer Situation! Zu Zusammenstößen ist cs nirgends gekommen, hier scheint die Parteileitung strenge Vorschriften herausgegeben zu haben, überhaupt >oar die Disziplin tadellos. Das Publikum verhielt sich ziemlich ruhig; da aus dem Zug selbst ständige Heilrufe ertönten, wurde» sie natürlich auch an vielen Stellen lebhaft erwidert. Die Bcslnggiing Ivar trotz eifriger Aufrufe, auch in einem bürgerlich rechtsstehenden Blatt, recht spärlich. In den Hauptgeschäftsstraßen. Karolinen- und Kaiferstraße, sah man eine resp. zwei Flaggen. Nur am Hauptmarkt. tvo der Vorbeimarsch stattsnnd, hatten die umliegenden Hauser in den bayerischen und städtischen Farben geflaggt, Hakcnkrenzsahnen sah man fast nur in den Fcsiziige», Außer der ossiziellcn Dclegiertciitaguiig, bei der alle Führer der Bewegung sprachen, fand noch eine große Reihe von Sonderfitziingcn statt, in welcher Finanz- und Ttndeiitcnsrageii, Frmicnnnd Jugendbewegung, Beamten- und Propagandaangelegeiihcitcii, ja sogar Eisenbahnersragen behandelt wurden. Man Hort, daß eine eigene Frauenschnle «nd ein völkisches Krankenhaus errichtet werden sollen und daß die Parteipreffe einen eigenen Neichsprefscwart erhallen wird. Auch die Gründung einer nationalsozialistische» wiffenfchaftliche» Gesellschaft zur Vcranstaltnng von Vorträgen nnd Hcransgabc von nationalsozialistischen MonatSblättcrn wurde besprochen. Man kan» sich an der Rührigkeit und Unternehmungslust der National, svzialifteii ein Beispiel nehmen, und besonders a» ihrer Opferfrendigkcit, denn es wurde die Erhebung eines Souderbeitrags von zwei Marl pro Kopf beschlossen. Zum Schluß noch eine kleine Szene, die sich am Bahnhvs nbspielte Dieser glich seit Freitag einem Heerlager, liebevoll sinndcii uniformierte Halenkreiizler herum, mn ihre answürtigcn Gesinimngsgrnvffen in Empfang zu nehmen. Abends traf der übliche Bäderzug aus Marienbild und Karlsbad ein, dem eine Menge Amerikaner c»tftiegcn. Als die giitgclleideteii Amerilaiieriimeii die Perronsperre passierten, konnte man Bemerkungen hören wie: „Schaut sie mir an, die Jndenschikscii, durchhanen sollt man die Weiber!", die notalwiie gar keine Jüdiimen waren, Meistenteils kamen derartig liebenswürdige Zurufe aus zartem wcibtichcii Halciikrcuzleriniind. Wen» die Amerikanerinnen diese Zurufe verstanden haben, so werden sie ziveisellos die edle Gastlichkeit Nürnbergs rühmen und nicht nur selbst gerne wicdcrlommcn, sondern auch ihre Landsleute animieren, Nürnberg recht fleißig zu besuchen! Das ist eine der traurigen Seiten dieser Angelegenheit, daß Nürnbergs Ruf als Fremde,istad! durch derartige Vcransiattiinge» bedenklich leidet und daß viele Unschuldige die Folgen davon zu tragen haben, lins aber ums; dieser Ansmarsch, diese ganze Veranstaltung eine ernste Mahnung sein, auch fernerhin in „nfercr Aufklärungsarbeit nicht nachznlastcn. Noch ist die Zeit des inneren Friedens nicht für «ns gekommen, «och haben wir keine Veranlassung, «ns in Ruhe und Sicherheit zn wiegen. Das sollen alle diejenigen sich gesagt sein lassen, die lau und gleichgültig die Dinge betrachten und oft nur ein Achselzucken für unsere ernste und verantwortungsvolle Tätigkeit haben. Im Zeichen dieser Erkenntnis: Aus zu neuer, ersprießlicher Wintcrarbeitt