Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 7 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1 Pflichten am Vaterlande empfahlen, ihm in Zukunft als Wunfch den Lebensweg mitgeben: „Sorge nur dafür, daß man £ bi8 §u deinem siebzigsten Lebensjahr nicht st c n d w i e Nachweisen kann, daß du gegen das ^rte i p r v g r a in in vcrst i c st est, lüge dich um deiner sci h l e r willen durch alle Situationen so g c s ch i ck t | e mvgli ch Hindu r ch, Ic r» c nicht s hinzu, u m nicht 6r t ft ine v z 11 g e stc h c n zu mü s s en , und sei ei n 'h a r i s ä c r aus jk v st e n all der Zöllner, die d u u m j ch h e r >i in in anderen p o l i t i s ch c n Lage r n zu er» kicke >i h a st." Ich fasse hier ja nur in etwas «otcsker Form ziisammcii, ivas tatsächlich längst vorziiden ist, nämlich die unter Vortäuschung von Idealen jirchgesiihrte rein p a r t e i i s ch e V e r s e u ch n n g der ugcnd in dein Moment, wo nichts für sie notwendiger ist “Vf'U?*1, "Nbefmigmer Mick für die Geschehnisse im staatlichen w* fL’ben'm®r5art>Ctfc>n^' 'DQ§ jedem normalen Deutschen CtnCr 1lm K11,1 sollte, nämlich Liebe und Pflichttreue gegen Voll und Vaterland bis )ium sollte nuferer gesamten Fugend als Fundament für jede Betätigung im vssentlichen Leben mitgcgcben werden. Statt dessen dersruhte .lnspaiiiiniig unreifer Jungen -m Fweaeu der Partcircklame Großmäuligkeit, Selbstüberhebung. Rndaiilusb'ünd Dasj gegen die erzeugt, imt deren Vätern der eigene Vater imchen Jahr.:: 14 bis 18 in demselben Schützengraben gekämpft und aeblutet hat , , Ist es im Interesse der Ziikimft Deutschlands iiicht vicl wichtiger. Jungen, die noch nicht trocken hinter den Ohren sind',erst einmal zur Pflichterfüllung zu erziehen, anstatt den Boden verimkrauten zu lassen, und dieses Unkraut find Parteigeist. Wortklauberei und aus Parteiegvismus geborene tSeschichrsklitterung , . . r Max Mbermarms Stellung innerhalb der Moderne. Zum 80. GeburiAag des Melsiers / Aon Georg Hermann. - Man lasse mich hier voraussctzen, ivas über die Kunst Mar Licbermanns an lobenden, deutenden oder beschreibenden Worten gesagt werden kann. Erstens ist all das schon so vielfach gesagt worden, das; es schwer wäre, hier neue Töne zu indem Und zweitens ist es für jemand Voraussetzung, der chvn vor zwanzig und drcistig Jahren all das zu enträtseln estrcbt war und'in Worte uinzudeuten versuchte, was in der Malerei und der Zeichenkunst, in der Radierung des Meisters einen Ausdruck fand. Friedrich Theodor Bischer hat in einem „Auch Einer" die kür uns Auguren tiefe Sentenz geprägt, „das Moralische versteht sich immer von selbst". Und das Moralische an seiner Kunst ist, daß sie ehrlich, anständig, gut ist, daß sie gekonnt ist, daß sie all das erreicht, ivas sie ivill, und daß sie klug lind ihrer selbst bewußt nicht mehr will als sie kann. Wer die moderne Malerei der letzten fünfzig Jahre überblickt, weiß, daß heute solche Kunst unendlich selten ist, und daß wir kaum ein Dutzend Namen in Deutschland aufzählen können, von denen wir sagen dürfen, von denen wir voraussctzen können, daß bei ihnen „das Moralische sich von selbst versteht". Man gehe nur einmal durch eine jener vielen kleisteren Galerien, die einen Ueberblick über die g e f a m t e Malerei er letzten vier bis fünf Jahrhunderte geben wollen; mit Primitiven, mit Holländern, mit Italienern, und dann auch mit ein, wci Sälen moderner Bilder, das heißt mit solchen aus der omantikerzeit, aus der Mackart-Zcit, mit solchen ans den Tagen des Naturalismus ä la Walter Firle und dann mit einigen „Modernen" ... ob wir sie nun Expressionisten. Futuristen oder sonstwie nennen wollen. Da aber wird sich eine stanz merkwürdige Tatsache ergeben: es ist, wenn man in diese letzten Säle kommt, als wenn man einen leeren Raum betreten stürde,.es ist überhaupt nichts mehr da. Es hängt eigentlich nichts mehr an der Wand, nichts mit einem Rahmen herum. Die wundervolle Geschlossenheit, die samtige Oberfläche, das Gobelinhafte-Schvne alter Kunst, der juwelenhafte Schmelz der Farben, die unerhörte Eindruckskraft und Ausdruckskraft der Figuren, das Symbolhafte der Menschen und der Dinge, der Landschaften st>ie der Blumen ist geschwunden. Oder selbst, wo es sich in einer letzten gashaften Verflüchtigung erhalten hat. kann es doch gegenüber der Kunst von einst nicht stand- Ihalten. Kurz, man kommt zu der Ueberzeugung, daß das künstlerische Erbe das die Gegenwart, das die zweite Hälfte des |9. Jahrhunderts und das erste Viertel des 20. Jahrhunderts in spätere Zeiten weiterzugeben hat, überaus gering ist. Max Liebermann Sowie man aber die moderne Kunst, die heutige Malerei, das heißt die der letzten Generationen allein sieht, losgelöst von der alten Malerei, weder im Vergleich zu ihr, noch als ihre Fortsetzung, da scheint es uns doch, als ob sie Neues gebracht hätte. Und als ob sie zum Beispiel der c-ecle der Landschaft, und manchmal auch der Seele des Menschen — soweit sie sich in seinem Licht spiegelt — näher gekommen ist. Es scheint, als ob sie die Wunder des Lichts, die Helligkeit von Wiesen und Blumen, feiner und glückhafter empfunden hat als die Malergenerationen von vorher. In Wahrheit hat ja die Malerei bis heute eigenlich sehr wenig Gedanken versinnbildlicht. Ich glaube, daß es im ganzen nicht mehr als vier sind, die sich am reinsten in der primitiven Malerei, in der der I t a l i e n e r der Hochrenaissance, in der der Holländer des 17. Jahrhunderts und in der eines Velasqnez und Goya ausgesprochen haben. Und diese vier Gedanken der Malerei haben, sich gegenseitig bekämpfend, das Programm der Malerei des 19. Jahrhunderts gebildet. Ich glaube, daß zwei dieser Gedanken tot, weil erschöpft sind. Erstens: der Gedanke der Gotik, der Gedanke der primitiven Malerei, mit seiner Ueberbetonung des seelischen Ausdrucks, mit seiner Ekstase, mit seinem Krampf des Gefühls. Er war so stark an die Zeit gebunden, und hat in ihr einen so hohen und unn a ch a h m l i ch e n Ausdruck gesunden, daß all seine Fortsetzung schwach und unwahr wurde. Unwahr, weil die Gegenwart nicht mehr der Boden für diese Gefühle ist. Und das gleiche gilt für jenen Gedanken, den die italienische Malerei verbildlicht. Der Boden, der eine solche seelische Haltung rechtfertigt, fehlt der Kunst des 19. Jahrhunderts. Man denke, an Veroneses „Gastmahl des Levi", in Venedig, und man denke an die „Katharina Couaro" von Mackart. Man denke an die Bildnisse von Tizian oder nur Soven jo Lotto, tu der Brera: und an die Bildnisse eines Lenbach. Nicht, daß es etwa jenen an Begabung oder hohem Willen ihres Künstlertums gefehlt hätte; aber sie mußten Epigonen werden mit allen Schwächen solcher, weil die Zeit sie nicht mehr trug. Weil sie einen Traum in das Leben des 19. Jahrhunderts hineintragen wollten, den dieses ärmlich und bürgerlich, gewordene Leben nicht mehr hergeben konnte. Einen Traum, der schon vor drei Jahrhunderten als höchste Wirklichkeit ausgeträumt war. Und dann bleiben eben die beiden anderen Linien. Holland: mit seiner Entdeckung des bürgerlichen Menschen; mit seiner Entdeckung der Schönheit in der einfachen, unheroischen Landschaft; mit seiner Entdeckung vom Schmelz und Zauber der Dinge, ob das Blumen, Früchte, Silber oder Fayenzem Vögel oder Schmetterlinge waren. Holland: mit seiner Entdeckung der Malerei als einer Harmonie von Tönen, die am lieblichsten unserm Ohr klingen, wenn sie alle einen Akkord unter der gleichen Dominante bilden. Znsammengehalten durch den Gesamttvn des Lichts, durch die Einheit einer silbernen Luft. Und weiter bleibt Spanien, bleibt Bclasgue» und Goya, in dem sich die graue Palette Hollands tm^Lrcht auslvckert, in dem die Malerei spritzig, elegant und.arlstorrü» tisch wird, ohne daß die Wirklichkeit deshalb weniger.Probten^ bleibt.