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Central-Verein-Zeitung · 1927-07-01 · Heft 7 (Juli 1927) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 7 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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rcichgewordene deutsche Bürgertum feudalisiert und biologische und Nasseuwerte zu hohem.Kurs hinauftreibt, der blutssremdo zersctzmde bhädling. Und ebenso selbstverständlich und in eben der gleichen geschichtlichen Schuldlosigkeit wird er in einer Zeit der'Kulturkrise und Kulturangst der Träger negativer Zivilisativnswcrte, die das anflvsende Gift für alle wahre und organische Kultur bedeuten. Ter Prügelknabe muß immer vorhanden sein, lind aus dem trüben Abgrund der Fremdenschcu und des Fremdenhasses kocht Blase mir Blase herauf. Daß man sich dabei in erster Cisie an den Juden hält — im übrigen haben auch der dekadente Franzose, der händlerische Engländer, der nihilistische Nüsse vorübergehend die gleiche Nolle gespielt, daneben auch der Demokrat, der Sozialist und der Großstädter —, liegt lediglich daran, daß er sozusagen am liächslen bei der Hand ist, und daß man um seiner sozialen Unbcschützthcit '.Villen die erzessiviteu DnmnltinstinUe am imgestrastcsten gegen ihn toben lasten darf. Es lvürde gut sein, einer Nenanflage des Müllerichen Buches, die hvffentüch notwendig werden wird, diese breitere soziologische Fassnug zn geben/ wobei die an den Anfang gesetzten Ausführungen über die „Latailssyinbolik" znm Nutzen der Klarbeit und der konstruktiven Einheitlichkeit des Buches ivegfallen könnten. Höchst bedeutsam und ivertvoll aber bleiben alle lvcitercn Folgerungen, bleibt besonders die p o l i l i s ch e Wendung, die ans dein Buche von Tr. Müller-Claudius herauswächst. Hub geradezu erschütternd mirft das dem jüdischen Kinde gewid- I mete Kapitel, das mit den besten Forschniigsmetnoden moderner Tiefenpshchvlogic in Abgründe und Tuukctheaen > hincinlcstchtct, an denen wir Nichtstiden meist achtlos vorüber-! gehen, weil wir gar nicht ahnen können, über welche Abstürze j das Leben des jüdischen Kindes inmitten einer ihiu fremd und I feindlich gegenüberstehendeu Umwelt von Schulkameraden I und Lebensgefährten hinweggleitet, ivenii cs nicht gar in ihnen; stuvun versinkt oder klaglos zerbricht. „Seine Jiigciidfreiide ist nicht die gleiche, die uns nmleuchtcte. denn dieses Lachen hat keinen Boden rmter sich. Es steht über einer Wunde. Der Blutende nuiß ein anderer sein als der Lachendest kann man cs zarter und furchtbarer zugleich ansdrücken. wie sich die verhängnisvolle Wahnsymbolik in ein jugendliches Leben eiufrißt, das auch unbeschwert bleiben möchte die wenigen jungen Sonnentage hindurch, die dem Menschen »nwiederkehrbar geschenkt sind? Straff aber wächst aus dem Schlug des Buches die Poti- ' tische Tendenz und die praktische Aiuvendnug: Aus gesundem Rafsengefühl und Rassenstolz wurde Nassen a n g st. Ein gesundes Rasseugcfühl macht nie neidisch und scheel süchtig, wir aber sind hämisch und ängstlich geworden. Sind Symbole oft Ouellen der Kraft, so ist das antisemitische Symbol für unser Volk ein Zcrsetzungskeim. Wir sind auf dem besten Wege, ein Volk von Neurotikern zn werden. Wenn es wahr wäre, daß uns der Jude gefährdet, der noch nicht ein Prozent unseres Volkes ansmacht, so ist unsere Raffe verderbt und gefährdet, aber nidjt durch Indenvcrstricktheit, sondern durch eigene Schuld. Tas ist ja überhaupt die schwerste Gefahr des ganzen Rassenwahns, daß er den Kampf um die innere Läuterung des eigenen Wesens ablenkt zu einem nutzlosen Gespensterkampf gegen ein von uns konstrrlierteS und dann von uns unter Anklage gestelltes Symbol. In diesem Sinne schrieb ich einmal an anderer Stelle: „Antisemitismus ist Scheiiialarm, der unsere Aufmerksamkeit und Tatbereitsehast von den wirklich bedrohten Einsturzstellerr unserer Kultur rrnd iinserer Gesellschaft abzicht." Denn läutern, ergänzt Müller- Claudius diesen Gedanken, kann nur die Wamme, die in uns brennt, nicht aber die, die wir in andere werfen. Wie soll man nun die Göhenmacht der falschen Symbole zerbrechen? Müller-Claudius' gibt als Weg an, „das Unbewusste ins kritische Bewußtsein heben", durch „Wissen" ein symbolischer Mensch werden und die Uebermacht der Symbole in uns zertrümmern. Wir stimmen gern zu, und alle unsere Bemühung war seit je in den Dienst dieser Idee gestellt. Dennoch bleibt uns der Zweifel: Ware hier die Kräfteverteilung nicht gar zu ungleich? Wuchern die Symbole nicht in einer tieferen Schicht des Bewußtseins, in die Kritik lind Ueberleiznng gar nicht zu dringen vermögen? Sind wir nicht so bilderbedürftig, wir Armen, daß keine Hand uns die wahnvolle Täuschung vom Auge reißen kann? War es nicht gerade Müller-Claudius selbst, der im Hauptteil seines Buches eine meisterhafte Analyse des Entlastungswertes der Raffensymbolik gab? Und braucht die Menschheit und die soziale Gruppe nicht noch stärker als der einzelne die einhüUende Lebenslüge? Ick) begrüße das schmetternde Signal, das aus die zu Arbeit und Aufklärung. Aber ich glaube, erled.-„ der Antisemitismus nur dadurch, daß irgendwo»^ eine neue, vom Objekt des Juden abgelüste Massem heraussteigt und die alte verdrängt (genau so wie w Ansicht vou Müller-Claudius vor 1065 wohl eine Um symbolik, aber keine Judcnsymbolik hatten). Freilich fajJ den Teufel durch Beelzebub vertreiben. Aber wenn tomL Prügelknabe da sein muß — braucht es immer der Jude zu sein? "a Die Zahnen von Langemarä, Die Totcuchrung der Deutsche» Ttnvcnteuschaft.R Aus dem Geiste der Gemeinschaftlichkeit und Gemeinsamkeit grM und schweren Erlebens stammt der Brauch. Tagungen M 2 e u t s ri] e,! 3 t n b c „ t e n s ch a f t mit einer G e d e » k f e j c i f'l bic siciaUciun Ji o m irri 1 i t p n c it zu begimren. Wie dennmgslos müßten doch, wenn die Erinnerung an Leiden. Tieg Tod der Kriegsjahre stimmungsvoll hcrambeschirorcn war. al. Ltreitpniilte erscheinen, die nicht der ganzen, wichtigen SgD ngakademilerinms dienen sollen, ivie müßten ehzcntlick l, den, doch , i » l i rf) c 1927^« Ei» G e denk st e i n für die Kriegsgefallenen wird enthüllt. Datzs nzramm nennt einen protestantischen, einen talyeliichen Geistlicher' Weiheredner. Der Radbiuer fehlt. Ansrage der jüdischen tmfci iuuischen Bcrbindnnqen Wiirzbnrgs: Warum wird kein jüdischer-— stlicher zn gezogenst Amwvrt der Deutschen Lluden'.enschaftis tmangel, jetzt noch Acnderniigcn vorzimeymen. aper auch wen», stcit gereicht hatte, einen Ylabbiner Hütte man den!) nicht zuge^ en. mit dem gleichen Recht hätten die Baptisten und Bnddh-stm" nehn icr teil olle» sich nid)t al'svnde Am Nachmittag zuvor mürben die Fahnen jener Freiwilligen-, regimenter für die Gcdcntsteinweihc eingeholt, die ItN4 bei Lmigeiiiarek »nt Vene Gesang vou „Deurschland. Deutschland über alles" aiff den Lippe,, den veldentod für ihr Vaterland starben. Zahllos« d i s ch c A b i t u i' i c „ t c „ u n b 2 t u b e n t c n u „ t e r i ch n e u. n der Einholung der Fahnen schliesit man die Inden a Jene, die unter Deutschlands Fahne» stürmten und starben-, konnten hinter den zersetzten Fahnen nicht mit denen feiern, die lebe»- ' eben. Tic Volksgemeinschaft des Massengrabes gon NN konnnt die Volksgemeinschaft der Lebenden? Siegt die Vernunft? Abgeordneter v. Dewitz für ,,Entgiftung". Als eine wichtige Aufgabe unseres C c n t r a lv c r e i n wir es, daß er stets und freudig zu seinem Teile aus eine „Enk« g i j t n n g d e r p ot i t i f ch c n 211 in o s p y ä r c". aus eine würdig«' Form, politiseue Gegensätze nnszntragcn, binwirkt, sei cs in allgemeinen deinsebpoliiischen, sei es in tnncrjfibifdjcjT Angelegenheiten^ Er trat dager wiederholt hier die wertvollen Bestrebungen der Zk schuft „Der I u s a m m c n s ch l u ß" gewürdigt, und er freut Jp daß nunmehr auch aus der Feder eines dentschnatw '* 2! ei d) -31 afl § alujt o v b ne t e n, des Herrn I. G. V. ein ..Mahnruf" erschienen ist. der gegen die nnerträglichcii AH wüchse des deutsche» Politischen Lebens cindcntig «tcllnng m«W Wir geben die folgende Stelle daraus wieder, -F Für leben. der im Politischen Leben steht, und sich Geschmack.H Erziehung auch int politischen Kamps ungetrübt zu erhalten denn, war, ist wohl helannt, was man unter Vergiftung der po« tischen Atmosphäre verstehen muß . . . Nicht mmähcrnM dem Grade ist ja das alte Kaiserreich durch die Bnudesilaaterl.tt ihre besonderen Bestrebungen zerrissen gewesen, als heute das d°" Bvlk durch die Parteiwirtschaft zerrissen ist. Was sich im Bev lungswesen, in Ilmzügen und in der Wahlpropaganda vor i Augen entrvllch bedeutet die P a r t e i ze r k l ü s t u n g bis fjg K i n d c 8 a l t e r h i n e i n mit den vergiftenden Nebenerschrim Es fehlt ja nur »och, das; in der Familie die Ehrlichkeit der^ .Zugehörigkeit geschaffen wird. Dazu müßten die dcutschenKf" ihren noch in Windeln liegenden Kindern den Parteist^npe^ Uebcrschrist: „In hoc siguo viuces" (..In diesem siegen") auf einen bestimmten Körperteil drücken. W-I daß die Väter, die bisher deni envachscnen Jüngling.TM

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