Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 6 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Wohin mit den deutsch-indischen Mertämecnl Von Jakob Seifensieder (Nürnberg) and Professor Pr.-Jng. fiifred Grotie (Bresiau). Direktor Jakob Seifenfle-er Dürnberg) fchrÄbt: In den letzten Jahren hat man in verschiedenen deutschen LandcZtcilcii begonnen, jüdische Altcrtü m c r zu sammeln und der Ocsfentlichkcit in besonderen „Jüdischen Museen" oder in einzelnen Abteilungen allgemeiner Sammlungen zugänglich zu machen. So begrüßenswert diese Bestrebungen auch sind, so besteht doch die Gefahr, das; hier allzu viel des Guten geschieht und durch eine Vielheit solcher Gründlingen das Interesse und die verfügbaren Mittel allzusehr zersplittert werde». Hat man doch im letzten Jahre bereits in kleinen Laiidstädteheu jüdische Ortsmuseen aufgctan, Ivo die ausgestellten Gegenstände gewiß wohlverwahrt, aber auch der Forschung und der verständnisvollen Besichtigung durch einen grösseren Bcsuchcrkreis entzogen sein dürfte». Diesem Gründungscifcr sollte unbedingt Einhalt getan und das Interesse und das zu Gebote stehende Material nur für wenige zentral gelegene größere Sammlungen in Anspruch genvinmcn werden. Bor allem müßte dem G c r in a u i s ch e » N a t i o n a l in u s e u in i n Nürnberg eine Allswahl solcher Altertümer geschenk- oder leihiveise zur Verfügung gestellt ivcrden, die für das Hoben und Schassen der Juden aus deutschem Boden kennzeichnend uiid bedeutungsvoll sind, ivcil auch sie unser uraltes Berbnndensein mit der deutschen Muttererde und unsere vielseitigen Beziehungen zu unseren christlicheil Volksgenossen lind damit u n s c r H c i m a t * r e ch t bezeugen. Darum habe ich bereits im Jahre INI 2 in der früheren Monatsschrift des Geniralvereius ,.J nc D e u t s ch e u R e i ch" meine Stimme für Augliederung einer derartigen Scunmlung an das Germanische Museum erhoben und die nötigen Vorbereitungen in die Hand gcnoinmen. In dauleusiverter Weise hat damals das Direktorium, des Museums sich bereit erklärt, die schon im Besitz des Museums bcsindlichen Schätze mit den neu hinziikommenden zu vereinigen und in einem besonderen Naum der Lefsentlichleit zugänglich zu machen. Das Direktorium zeigte auch sonst für die Verwirklichung der Idee die größte Teilnahme. „Die Anregung," schrieb cs damals, „das Gerinanischc Museum beim Eanuneln kunst- oder kulturgeschichtlich rvcrtvoller Altertümer zu unterstützen und finanziell zu entlasten, können wir nur ans das >v ä r I» st e begrüßen. Ist doch die gesamte Eutivicklung der Anstalt von der Idee getragen, daß die einzelnen Kreise. Stände und Berufe unseres Volkes hier Mitarbeiten, für ihre Vertretung in, Nationalmuseum selbst mitsorgcn sollen. So wünschen wir dem »eilen Unternehmen das beste Gelingen." Ter hierauf au die bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten Deutschlands versandte Aufruf, der von den Führern der Nürnberger Israelitischen Kultusgemeinde unterzeichnet war, fand allenthalben freudigen Widerhall und Zustimmung. Von den Unterzeichner» desselben nenne ich hier des Raummangels lvcgen nur die Herren Professor Dr. A. B c r l i n e r, der sich bereiterklärte, „bei der Herstellung einer Numlx-rgiu judaica nach Handschriften und Druckwerken »ach Kräften mitznivirken", Gehcimrat Hermann Cohen, Dozent Dr. Elbogen. Geheimen Justizrat Tr. E. Fuchs. Aron Hirsch, Justizrat Dr. Maximilian Horwitz, Geheimen Justizrat Timcndvrfer, sämtlich in Berlin, ferner Professor Dr. G o l d st c i n (Tarmstadt), Staatsrat Dr. Cohn (Dessau). Konsul Ar »hold (Dresden), Justizrat Dr, Blau (Frankfurt) und viele andere. So war alles aufs schönste in die Wege geleitet, Beiträge waren bereits eingelaufen, die dem Germanischen Museum übcriviesen wurden, größere Summen waren in Aussicht gestellt, da kam der Krieg und vereitelte wie so vieles andere Schöne, auch die Errichtung deS Deutsch-jüdische» Museums. Aber „nufgeschobcli" darf nicht „aufgehoben" sein. Das Deutsch-jüdische M » s e u in muß Tatsache werden, denn cs soll und tvird beredter und eindringlicher, als Worte es vermögen, dem Beschauer flinbcn, daß wir all die Jahrhunderte hindurch ein wertvoller Zweig au der mächtigen deutschen Eiche gewiesen sind, und es auch in Zukunft bleiben wollen, sind diese kleine, aber auserlesene Sammlung sei nicht Eigentum einer einzelnen Gemeinde oder Landschaft, sondern Ehre und Stolz aller deutschen Inden, ähnlich ivie das Germanische Nationalmnseum Eigentum aller Deutschen ist. Die Deutschen jüdischen Glaubens aber, die dieses Museum schaffen werden, tragen dadurch nicht nur zum Verständnis und zur besseren Würdigung des deutschen Judentums in der Vergangenheit bei, sondern auch zum weiteren Ausbau des Germanischen Museums, dieses vaterländischen Kleinods, Möge dar»,,, das Deutsch-jüdische Musem» in nicht zu ferner Zeit Gestalt und Bedeutung gewinI gegenwärtigen und zukünftigen Geschlechtern zur Lehr', dem de» scheu Judentum aber zur Ehr'I Prof. vr.-Ing. MfreS Grotte (Sreslau) schreibt: Der Gedanke, eine zentrale Sammclstellc für jüdisr A l t e r t ü m c r zu schassen, erscheint unbedingt anerkennenswert aber schwer durchführbar und auch nicht ohne weiteres empschlens werk. Ich fürchte, wenn das auch noch so reichhaltige Material G e r m a » i s ch e n M u s e u m angeglicdcrt wird, daß cs in dA überwältigenden Fülle der dort aufgespcicherten Kunstschütze ver? schwinden und somit nicht genügend beachtet werden dürste. Was wirklich nottut, ist die Schaffung jüdischer Museen in den großen deutschen Zentren des- Judentums. Hier sollten aber die Samnl« lnngen nicht wie zumeist bisher in den jüdischen Gemeindehäuser^ (>vie in Berlin), sondern in den öffentlichen Museen Nus<i stellimg finden, die sich ebenso ivie das Germanische gern zur EirM nclitmui solcher Sonderabteilnng bereiterEliircn dürften. Dadurch; würden diese Sammlungen übersichtlicher und leichter zugänglich« werden und damit ihren apologetischen Z >v e ck — »m dies« handelt es sich doch auch — aufs beste erfüllen können. Denn wie; ich selbst aus der I a h r t a u s c » d n » S st cll » » g in Köln? beobachten konnte, ist das Interesse unserer christlichen Mitbürger an i diesen Altertümern, die für sie Neuland bedeuten, ungewöhnlich) groß. Auch sucht mau solche Altertümer nicht in Nürnberg,) vielmehr an Orten, an denen sich besonders eine jahrhuudcrtalte! jüdische Tradition erhallen hat. Es iväre ferner zu beachten, daß! alte, künstlerisch hervorragende Ritualgegeiisiaiide in den meistens Spnagvge» noch i» Gebrauch sind und somit höchstens als Leihgaben für örtliche Museen in Frage kommen können. Wertvoller! erscheint mir, wenn ab und zu die besten Stücke aus solchenz Proviuzialmuseeu sodann zu S o n d e r a n s st e l I » n g c n verU einigt würde», wie dies Frau b erg er l'.)os in D ü sseldors und Dr. Kober in Köln taten. Durch sie wird die sehr an»I erkennensiverte Idee Jakob Seifensieders, jüdische Kunst-i bctätignng weiten Kreisen vor Augen zu führen, miss beste verwirklicht iverden könne». Indessen soll damit der Gedanke, ein Z e n t r u in zur Sammg lung jüdischer Altertümer zu schassen, nicht ganz Verivorfcn werdeM Aber wird der große internntivualc und deutsche Fremdcnstrom,^ der alljährlich Nürnberg durchflutet, solche Altertümer gerade in dieser Stadt suchen! Dieser Fremdeustrom ergießt sich ja auch über Frankfurt, jener Stadt, die kaum wie eine zweite im Reick in der Geschichte des deutschen Judentums eine besondere Roll spielt und ähnlich ivie P r n g jedem Deutschen und Ausländer al^ uraltes geistiges Zentrum der Judeuheit bekannt ist. Hier könnt« das Zcntraluniskuin an ein schon seit über 20 Jahren bestehend^ angeschlosseu iverden. das in einem besonderen Hause uutergebrach^ ist, in den ehemals R o t h s ch il d s ch en Räumen, die d» beste Folie für eine solche Sammlimg bereits darstellen, FrankfurH als Zentrum erscheint mir natürlicher und darum auch richtiger Hier hat auch die „Gesellschaft zur Forschung und Erhaltung jüdü scher Kunstdcnkmäler" ihren Sitzs sie ist die Zentrale für cris^ wissenschaftliche Forschung und verfügt bereits heute über eine av gezeichnete Scunnilung und Bücherei. Sie auszubaucu, lväre ungl^ wichtiger, um der Gefahr einer noch größeren Zersplitterung^t' diesem Gebiete, über die Herr Seifensieder mit Recht klagt, begegnen zu können. «Mm 21. Mai feiet» das Fest des fünf Die Feier, an der. Fünijig Jahre Sbnagoge Scilbronn. S 1] nii p u cn n c m c > nde Heilbro n n jährigen Bestehens ihres Gotteshauses, uk o™1’,“" den Vcniciudemitgliedertt nichtjüdische Vertreter der kirchlichen und lichcn Behörden in großer Anzahl teilnahmcn, gestaltete sich st>r a wesenden zu einem unvergeßlichen Ereignis. Tic gesamte^ b r o ii ii e r Presse nahm die Feier zum Anlaß, der EeschUY. jüdischen Gemeinde in zum Teil ticfaiigelegten Betrachtungen denken. Viele der ost gehörten 2lngrifso gegen Juden und m finöcii dabei eine wohlverdiente Abfuhr. Dabei spürt man-venu in den Jcstgedanken der nichtjüdischen Mitbürger nicht nur gum Gerechtigkeitssinn, sondern lebendigstes Ergebnis der durch >on Unterschiede nicht zu untergrabenden deutschen Bw schuft zum Ausdruck kommt. So vereint sich die t " Heitbronner Gcmeindefest mit der dankbaren Feststcll'UNH und Nichtjuden in ihm mit den gleichen Wünschen für < beiden der gemeinsamen Arbeit an Deutschtum und Juden haben.