Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 6 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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44 I nochmal zu wiederholen: Deutsche. schüttelt endlich diese Schmach von euch ab! ES geht um die Ehre und den guten Rus unseres VateriandeS. Ltndicnproscsior Arnold Knrzmann sGunzenhausen, Bayern). II. ES ist ein wirkliches Jammerbild, den am schönsten gelegenen Friedhof Württeinbergs, vielleicht gang Tenlschlands, den ffl ii I b ■ sriedhos z n A » f h a u s e n , ein gerade^» ideales Plätzchen silr die Totenruhe, ei» Lieblingsgegenstand für den Pinsel des 'Malers, so geschändet zu sehen, und dazu von Kiiiderbaud! Erstkumniunikanien, die vor der Beichte „am weihe» Sonntage" standen und nur unter den: Drucke der bevorstehenden Beichte lich zu einem Geständnisse entschlossen, Plädchen im Alter von 10 bis 12 I a h * ton verüben bei der Suche noch Jnmiergrün für die Ausschmückung ihrer Kirche ein grauenhaftes Werk furchtbarster Zerstörung. An sich schon ein Zerrbild der Moral und ein Jammerbild der Verirrung und Vcrtvirrung jugendlieher Geister, die zum Zwecke einer kirchlichen Feier Heiligtümer eines anderen Glaubens verwüsten! Was geht in einer solchen Kiiidcrseele eigentlich vor! Zum mindesten lebt in ihr eine leichtfertige Auffassung von der Heiligkeit jüdischer Grabstätten, >venn nicht eine weitgehende Geringschätzung der jüdischen Konfession überhaupt, der gegenüber alles erlaubt erscheint. Wie erklärt man sich nun ei» solch moralisches Versagen gerade der Kinderscele, die doch noch rein sei» sollte und durch den Ncligivnsuntcrricht der Schule in den Moralbcgrisscn und Pfliel>ten der Pietät und Ehrfurcht genügend belehrt und unteriviesen wird? Gewiß vergiften die gegeinvärtigc Atmosphäre, der angelrnnlelte seit' geist, die tagtäglichen Ausgeburten völkischer Berlenindima, du' Hitler-Fanfaren und ähnliches. Aber doch and) noch etwas, was allerdings zum ältesten Arsenal des Antisemitismus gehört. Go üt wohl oft die ganze Einstellung gerade des christlichen Religionsunterrichtes dcnr Judentuin gegenüber! Erst neulich ivnrde mir erzählt, ein jüdisches Kind, das uncibfichUich einmal der A'eligionsstundc seiner evangelischen 'Mitschüler beiivohnle, sei ganz erregt und niedergeschlagen nach Hause gekommen nnd habe die Ellern gefragt: „Ist es denn wahr, daß die Inden den Heilnnd gekreuzigt und deshalb ewigen Fluch ans sich geladen haben?" Eier liegt wohl manchmal der Schlüssel zu dem eigenartigen 'Phänomen der kindlichen seelenverstiimiinng und Eeelcnreiziing! Es >värc wohl eine verdienstliche Aufgabe der dazu berufenen Jiistanzcil, die 'Schulvorstände auf die geivih nicht beabsichtigte Gefahr hinzuweisen, die bei liebloser Darstellung der Geschichte für die Kindcrseelcn entstehen muß! Leicht wird es allerdings nicht sein, da reinste Objektivität bei einmal festgewordcncn und gern festgehnltencn Vorstellungen nur schwer zu erreiche» ist! Der Versuch sollte aber doch einmal gemacht werden, schon deshalb, ivcil wir schon gerade genug unter dem Schn t a n t i j ein i t i s in n s zu leide» haben. Selbstverständlich wird niemand von einem christlichen Religivnslehrer verlangen, das, was ihm lener nnd für die Ausbildung der Jugendliche» bedeutungsvoll ist, zu unterdrücken oder auch nur eiuzuengen. Aber Einigkeit wird darüber herrsche», daß der Geist der Liebe und der ■ Achtung des Nächsten jeden Religionsunterricht maßgebend zu be- , cinslnssen hat.! Es ist eine betrübende Tatsache, das; ein jüdischer Schüler an einer württembergischen 'Anstalt, der einzige Jude in seiner Klasse, unter den antisemitisch gefärbten Bemerkungen seines Klassenlehrers so zu leiden hatte, daß er die Schule nnd das Eliernhans aufgebcn mußte, um unter großen Kosten in einer anderen Stadt! seine Foribildung zu suchen. Zahlt etwa dnsür der jüdische Bürger , seine Staats- und Ortsstcnern? Es sollte unbedingt von den Kirchen- und Schulbehörden verlangt werden, das; sic darauf sehen, solche seelische Torturen den der Schule und ihrer Hut anvertrauten Kindern zu ersparen. Es genügt wahrlich die Vergiftung der Erwachsenen, die Schule sollte unbedingt davon freigcmacht werden. Es nimmt nicht Wunder, wenn die von solchen Lehrern unterrichtete Jugend ihre Mißstimmung, ihren völkischen Groll, ein ganzes Heer von Vorurteilen gegen das Judentum mit ins spä t er e L eb e n n i m m t. Ist cs doch — ein merkwürdiger Zufall — in der gleichen Stadt neulich vorgekominen, das; aus einer demokratischen F ra u e n t a g n n g die Hanptrcdncrin bei voller Würdigung der hohen B e r d i e n st e R a t h c n a n s und der entschiedensten Verdammung des an ihin verübten Mordes doch den Satz sich leistete: „An Rathenau mar das Veste der Christ, wenn auch ein ungetanster." Also Nathcnan wird erst wahrhaft groß, wenn er kein Jude mehr ist. Da haben wir die geistige nnd moralische Jnfiltriernng mit einein gegebenen fertigen Dogma von der Inferiorität des Jndentlims! Die anwesenden jüdischen Damen ivaren bestürzt, doch hielt!,c m hochstehende Idealismus des Vortrages und der gnnzen Persönlichkeit von einer öffentlichen Einsprache ab. Alan fragte aber doch die Redncrin im engeren Kreise, ivie sie denn dieses Urteil eigentlich verstehe? Sie erwiderte mit aller Liebenswürdigleit, sie bedauere, wenn ihre Worte einen nnangenehmen Eindruck gemacht hätten, sie hätte durchaus nicht die Absicht gehabt, irgend jemandem zu nahe zu treten, es sei aber nun einmal dies ihre feste lieberzeugung, dre sie als Tochter eines Pfarrers auch ernstlich vertrete." Dazu bedarf es wohl keines weiteren Koinmentares! Tr. Kroner (Oberdorf-Bopsingen). Die Gzeanstieger. Amerika—Europa in 30 Stunde», Berlin, Deutschland, Europa, die ganze Welt durchtobt^ Jubclgeschrei über die großartigen Leistungen der ßinbb&g und C h a in berli». Hut ab vor diesem Wagemut, vor >jW Arisdaner! Die weite Fahrt von Europa nach Amerika, kW Schnelldampfer in einer Woche kaum bezwingen, schrnnipft j» i Lüste» ans ivcnig mehr als eine Tagnnd Aachtrcise ZusamjA Eine neue ,,B r ü ek e i in A e i h e r" ist zwischen den Böllern schlagen. I» allem Jubel aber ei» trauriger Gedanke! - Völker rücken sich durch de» Himmelsraum näher nnd näher, ist der Held, der das eigene Volk, unser dcutschM Volk, mit Brücken von Herz zu Herz, von Verminst zn Bcrnür nneinanderbringt' Einmütig feiert das deutsche Volk die Helden Lüste, die die Böller d r n u s; c n dich! an unsere Heimat ziehen. 5Jid ) niS sollte de» Arbeitern drinnen Keschers xt deutschen Zwietracht ins Herz zu stguW Z-eier, aber V e r st ä n d i sein, die sich inüben, der nnd gegenseitiger vorurteilsfreier Achlung von Volksgenossen Volksgenossen die Straue zu ebnen. Wie o z e a i, w e i t sind wir da entfernt! 'Nach Lindbergh. nach Ehamberlin -- einen V r ii ck e VfJ9 b a ii e v f ü r u n i e r denk s eh c S B a t e r l a u d! . ♦. unö Zreimaurer. Wichtige Fcststctttttrgcü. t r v j e iv , von Berns Prvieijoc der Geschichte, Knr'gieli hat W und eyeiuals Archivar an der Znrenkaiizlei in 'Peier-Nnirg, ivichtigr? Forielsungeu aiigeileltt. Diese lsaben den Zivect. die weitverbreitete n II n n> a 1; v 1) ei t e n ii b e r d e >> Z> u s a m n> e n h n ngg d e r F r e i in a u r e r e i in i t d e in Z >> d e u l u m auf»decken und zu entfväfteil. Nach seinen An-rfülirnngcn liegen die Wurzeln dieser Ansicht mö der f ran z ö s i s ch e n Nevolutiou von I7S'.*. Tawals umreit j cS gewijfe geistliche Kreise und mit il,nen im Bunde französische voZ triebene Ansivniiderer. die snr das groi'.e „Unglück" einen tlrhebei suchten. Zuerst veschiildigle man F r i e d r i c!> den Großen)! den brrnlnncen Auiklärer und Freimaurer auf dem Shrone, obwohl? dieser schon >7ml. also vor der Revolution, gestorben ivar und ge>i rade in den letzten Fahren seines Lebena als- Freimaurer wcnigs tätig war. Tao lag dar,in. datz der 'Srdeu damals der TiuninetpbchS verschiedener Abenlenrer i,nd Beirüger war. Plan beschuldigte auch, E n g t a n d , vieluich a!-r da-.- .olnlleeland der modernen Freimaurereis angeietieii und von jeher der Erbfeind Frankreichs. Endlich lenkte^ der Jesnitenpater Barr net in seiner Selsrift: „EniinmIvamationesZ (io .mm In ilhirninnlomm" den Hatz der Franzose» ans die Jllu>. in i ii a 1 e » , d. h. ans den bekannten s rei >»,i n r erä l>» l tche»^ Orden, der vom Professor Weißhanpt an der Ilniversilät Ingolstadts 177,i gegründet worden war. Dabei panierte dem Barruet aber eine» schlimuie Berivechslung mit den sogenamuen „lllimiimm", jener rein] politischen f v a n ö s i s el; e n A e v o l n t i o n s p artet, die ttitii dem b c ii t i eh e n I l l n m i n a t e n o r d e n gar nichts zu timj hatte. BiSher ivar von dem E! n f l » tz d e r I n d e n a » f d i e F reiH man rer noch keine Riede. Ten ersten Anlas; dazu boten Na leons I. 'Absichten, das sogenannte Synhedrinm der Judeil zusaimncnziirufcit. Am 17. September 1S06 erschien solche Anor^ mmg. Aus diesem Anlatz behauptete zum ersten Mate ein est slnßreicher Feind Napoleons, I o s e f d e M ci i st r e , den I ii d e i einflntz auf bie Freimaurerei, znnial Napoleon Fr maurer ivar. De Maistre ivar damals ein berühmter Schristste" und der Gesandte Sardiniens am Hofe in Petersburg. De MaistI und ein sardinischer Lfsizier Blichvt sind als die Urheber Legende von dem Zusammenhänge der Freimaurerei mit dem Jud tum anzusprechen. Tenn am 15. November 1800 schreibt de M aist^ an den Zaren Alexander 1. einen Brief, in dem es heißt: „Wie weit erstrecken sich die verbrecherischen Pläne des Gendarmen von Korsika! Jetzt hat er das j ü d i s ch e Syuhedr zusammenbernfen, utn ein Bündni § zivischen den FeiY^ Christi nnd den verbrecherischen Banden der JllmninatMÄ schließen, die schon längst bemüht sind, die Grundlagen betgjjj stehenden Ordnung zu unterwühlen." M t cf) o t richtete dann 1811 an den Jesuiten Barrnel einen Z mit der Behauptung, alle Inden sind Freimaurerar bie wichti g st e Waffe des Judentums ist &*e j|i maurer et. t1"" Diese Saat ging auf und trug hundert- und tausendfältig^ von damals bis zu den „Protokollen der Weisen von Zio" Direktor Dr. .H. Schmidt (Hainichens