Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 6 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»ie Enthüllung öes berliner Hefallenenehrenmals. M Montag, dem 27. Juni dieses JahreS, wurde auf dem i scheu Friedhof in B e r l i n-Weihensee das enmal cingeweihl. daS die Jüdische Gemeinde in rli ii den in, Weltkriege gefallenen 12 000 deutschen Inden Dchtet hat. 3500 Helden davon find Angehörige der Berliner rinde. Das von Regicrungsbamneistcr Alexander Beer geschaffene .final hat die Form eines riesigen Altars. Er bildet, auf einer rasscnsörinigcn Erhöhung angelegt, den Abschluß des E h r c n - ldes, auf dem 363 Frontkämpfer und ein im Kampf um die rschlesische Heimat von den Polen erschossener deutsch-jüdischer iadsinder zur letzten Ruhe gebettet sind. Die Enthüllungsseier vollzog sich in stattlichem und würdigem chmcn. Ter R c i ich s b und j ü d i s ch er Frontsoldaten, >r berufenste Teilnehmer an dieser Feier, ivar mit einer eiudrucksillen Zahl seiner Berliner Mitglieder, geführt vom Bundcsvorftzenden. Tr. Leo L ö >v e n st e i n, und dem Borsitzenden der Berliner rtsgrnppe, Tr. S. London, erschienen. Ter Centraler e i » d e ii t s ch c r Staat s b ü r g e r j ü d i s ch e n G lauen s ivar durch den I. Borsihenden, Justizrat Tr. .B r o d n i tz, fo- ^ie durch Sanitälsrat Tr. Leo Earo vom .Landesverband Krostrlin vertreten. Eine große Anzahl von Berlreiern dev Reiciis- und 8taat-rbcl>örden, des Heeres und der Marine, der össentlichen Mrperjchasien und Berbände sonne die Geistlichen der christliche» tonsessionen ivaren ainvesend. Bvm!>t e i ch •? iv c 1) r m i ii i st e r i n m ,h mmi Fregaltenkapilän 'JJi n 111) i a i', von der Heereslei Nmg, m Boclirlreiokomniando und vom Grnppenlomniaudo ivaren Al>- ikdmmgen entsandt. Bon der K o i» »i a n d a n t n r Berlin becrkte »um Generalmasvr Severin nnd Major v. K r e ii s k i. eiiso ivaren das prenstistbe Jiiiienmiuisteruun, das Ministerium r Wliiensc!>af! und 'Botle-bildimg verireien. 3,ai»ens des Bei ch s - I g s P v ä sid, n in s nalnii Geheimrat Tr. :1! i e st e r , namens W Landtag-.-präsidinmo Tr. W i e >» e r , namens der Stadt erlin Siadtrat A e i n> a n » , namens des Polizeir ä s i d i » ui * Poti;eivi zepinsideni Tr. Weist und Polizeioberst e i in a n » s l> e r g an der Feierlichkeit tost. Auch das ilt e i ch sa n » c r Schwarz-Not Gold. der B v I k s b n n d für ik r i o g s - r ä b e r s ü r s o r g e , der .H l) s s h ä » s e r b n n d nnd verschiedene tiegervereine seien erwähnt. Die Feier nnirde eingeleitei durch einen Tranermarsch des Bstnsik- ^rps der Kommandantur Berlin nnd durch Gesang der vereinigten nagvgenchöre. Gemeinderabbiiier Tr. Leo B a c ck weihte das enkmal. In seiner feierlichen Rede hob er hervor, daß dieser fein, „im Hans des Lebens", an der Stätte des Friedens errichtet ii, daß er keine Anklage erheben solle, ivcder für noch gegen irgend imandcn. sondern daß er Zeugnis ablegen solle für die Opferreitschaft und den Heldemimt derer, die, getreu ihrer Pflicht, dem satcrlnud ihr Leben dargebracht hätten. In vielen Ländern habe An dem „Unbekannten Soldaten" ein Denkmal errichtet. s*t “C- Mit bitterer Trauer erfülle uns deutsche Juden der Gedanke, .daß dieser Stein auch ein Monument des unbekannten. Soldat cn genannt werden müsse, da im Herzen vieler Deutscher das Gedächtnis an die jüdischen Gefallenen erloschen sei.' Kammergerichtsrat Wolfs, der erste Vorsitzende der Berliner Gemeinde, gelobte, daß der unauslöschliche Dank der jüdischen Gemeinde den Helden sicher sei, die Seite an Seite mit den Kameraden unseres unbesiegte!,, tapferen, der Uebermacht dcr Feinde erlegenen Heeres die Heimat geschuht haben. Wenn Demschland nach den Jahren, der Erniedrigung sich auf der Bahn des Wiederaufstieges befände, danke cs das ihrer Treue. So lebe in uns die Hoffnung, daß ihr Opfertod nicht vergeblich gewesen sei. vr. med. S. London, Vorsitzender der Ortsgruppe Berlin des RcichsbundeS jüdischer Frontsoldaten, nannte das Denkmal ein Zeichen der Kameradschaft, alle» Gefallene» der deutschen Armee gewidmet; ein mahnendes Zeichen zur Einigkeit und zum Frieden. Er iiberbrachte die Grüße dcr alten Kampfgenossen, die einen besonderen Schild an den Gedenkstein als Treugelöbnis und Zeichen unauslöschlicher Dankbarkeit befestigt hätten. Leise erklangen dann die schlichten, erschütternden Töne des Liedes vom „Guten Kameraden", die Fahnen senkten sich, die Schläger klirrten . . . Die erhebende Feier ivar beendet. Or» Ruhe den Toten! i. Wenn dcr Schriftsteller Wilhelm Michel im letzten Heft des „Morgen" (Nr. 2, 3. Jahrgang) mit Beziehung aus die zahllosen Friedhosschäiidungen der jüngste» Zeit schrieb, „Biogen also andere, die zum Reden berufen sind, schweigen, ich für meinen Teil will aussprechen, daß ich mich als Deutscher jener Bestien bis ins Herz schäme nsiv. . . so ivar der erste Teil dieses Satzes zweifellos nicht für uns Inden oder gar für den E. B. bestimmt. Tenn der Verfasser jenes Aufsatzes, dieser mannhafte Verfechter des Rechtes und der Wahrheit, weiß, daß wir uns eins mit ihm fühlen in seinem unentivegte» Kampfe gegen altes, ivas Berrvhnng heißt. Von wem ivaren denn auch alle bisher bekannt gewordenen Vergehen an Gräbern mit größerer Gewissenhaftigkeit in Schrift nnd Bild ausgezeichnet worden als gerade von unserer Seiles Wo ivärc mit größerer Deutlichkeit ans die überaus unheilvollen Folgen ruchloser Vorgänge hingewiesen worden, ivo ivaren iin Hinblick ans verwilderte Zustände eindringlichere Erinahinnigeii an die iveilesten Kreise unseres Volkes gerichtet worden nls gerade in diesen Blätterns Deshalb!>at der C c n t r a l v e r c i n auch den erwähnten Aufsatz als Sonderdruck einer nußcrordcntlich großen Zahl hervorragender nnd einflußreicher Persönlichkeiten, setzt über 14 000, zugehcn lassen nnd gleichzeitig entsprechende Eingaben an die verschiedenen Ministerien gerichtet, damit endlich einmal jenen durch Worte kaum iviedcrziigebeiide» Schandtaten Einhalt geboten iverde. Uneingeschränkte Anerkennung verdient diese Maßnahme ganz besonders im gegenwärtigen Augenblicke, da zu uns die Kunde dringt, daß jene Frevler, die es bisher ans die Beschädigung j ü d i s ch c r Fried- Höfe abgesehen hatten, numnehr auch dazu übergegnngcn sind, sich an ch r i st i i ch e n Gräbern in unerhörter Weise zu vergehen. Abgesehen Vvn dem allgemein-menschlichen Mitgefühle, muß uns Inden schon aus rein religiösen Gründen eine derartige Nachricht mit Abscheu erfüllen. Gebietet doch gerade das jüdische Religionsgesetz an den verschiedensten Stellen höchste Ehrerbietung vor jedem Toten, gleichgültig. ob er unseres Glaubens oder Anhänger eines anderen religiösen Bekenntnisses war'), ganz im Einklang mit der Ethik des Judentums, die in ihren Aorschristen keinerlei Unterschied zwischen Inden und Nichtjuden kennt'). So vernehmen wir denn mit Wehmut den Schmerzensschrei einer wegen der Schändung des Grabes ihrer Mutter aufs höchste empörten Katholikin. Der Wortlaut der Klage ist so bezeichnend, daß ivic es uns nicht versagen können, ihn hier wieder,zngcben. Unter dcr lieberschrift „Grabschander!" lesen wir in Nr. 219 vom 8. Juni 1927, S. 6 des „W ü r zb n r g e r G e n e r a l c> n z c i g e r", einer in Nordbahcn: weitverbreiteten Zeitung, „Trotz aller Ueberivachung des Friedhofes scheint es nicht zu gelingen, dieser erbärmlichen Sorte von Menschen das Handwerk ,zn legen. So wurden in den letzten Tagen wieder von einem sorgfältig gepflegten Grab sämtliche Sterne eines reichblühenden Edelweißstvckes gestohlen nnd außerdem das Kreuz des W c i h wa s s c r k e s s e l s abgebrochen. Es muß traurig anssehen in der Gefühlskammer solch schmutziger Persönlichkeit . . ." Diesem traurigen Bericht auch nur eine Silbe hinzu,znfügen, hieße dessen Eindruck abschwächen. Wir erachten es lediglich als unsere Pflicht, imserc schon so oft ausgesprochene Mahnung in letzter Stunde 1) Unsere hohe Achtung vor den Verstorbenen geht u. a. schon aus dem Gebote hervor, beim Anblick eines Lcichcnzugcs jedem, auch dem nichijildischcn Toten, mindestens vier Elle» das Geleite zu geben. (I. L i c b c r m a n n, „Zur ltidischen Moral", Berlin o. I. (Philo-Dcrlag.) 6. 113. 2) „Lehren dcs Iudentuin s", Berlin 1022, I., 6. Ü4. Phot. E. Nassen