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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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39 ihn bcn Berliner Christen ,r„b Juden als gleichberechtigten Mitarbeiter n» denr großen ErziehnngSwcrk seiner Zeit. Dohms berühmte, z» Beginn der achtziger Jahre erschienene Schrift „Ueber die bürgerliche Verbesserung der Inden" ist unter tätiger Mitwirkung Mendelssohns entstaube», der sich nach denr Erscheinen des Buches nicht geschont hat, in dem erregten Berlin vssentlich snr es cinznlrcten. Aber ,vcnn heute Tohin »nd sein Kamps snr die Emanzipation der Inden nur noch dem Historiker bekannt sind, >venn Atendclssvhns Schriften nnr nvcl, genannt, selten nur gelesen werden, in der Dichtung, in Lessings ..Nathan der Weise" lebt nicht sein Name, doch seine Persönlichkeit „„sterblich fort. So getvih der GeninS des Dichters in feinem Nathan nicht cinsach einen Lebenden kopiert hat, so getvih wäre die Gestalt des jüdischen Weisen doch nie seinem Schvpscrwillcn entsprungen, Hütte er nicht Mendelssohn zum Frouttd besessen. Was Mendelssohn von Berlin empfangen, hat er mit der Verschtvendnng einer reiclzen unb vornehmen Natur zurückgegcben, der ganzen Stadt, nicht einem Stand ober einer Klasse. Es tvar ein Symbol voll tieferer Bedeutung, wenn an der öffentlichen Trauerseier, die nach seinen, Tode begangen tvnrde, Inden und Christen als Mitwirkcndc wie als ergriffen Znhörende tcilnnhmcn. Berlin hatte eine» edlen und tocisen Mitbürger verloren. Was haben »ft Mm des “. sür eine Epkllbt ßtsWMM? / Bor etwa 15 Jahren horte einer meiner Schüler bei einem Privatdvzenten der hiesigen Iliiiversitat eine tvcnig besuchte Bortesnng zur Rrtigionsgeschichte. Bei der geringen Zahl der Teilnehmcr kamen Dozent »nd Hörer in engere Berührung als üblich und nntcrhielten sich häusig nach der Bortesmig über allerlei Dinge. Einmal siel das Gespräch acich ans den jüdischen Gottesdienst, und der evangelische Theologe fragte de» jungen jüdischen Theologen in allem Erlist: „Bci Ihnen in der Synagoge umö doch in hebräischer Sprache gepredigt?" Als der Gefragte ein erstauntes Gesteht machte, verbesserte er: „Also in jüdisch-deutschem Dialekt", imb tvar sehr erstaunt, zn hören, dasi in der Synagoge hierzulande mir die deutsche Predigt bekannt ist, und daß auch in den ander» tvcstliche» Läudcr» mir in der Landessprache gepredigt tvird. Die Tatsache, daß die Inden im Osten Europas die deutsche und die spanische Sprache, die sie ans den Landern ihrer Vertreibung mitbrachten, bis heute erhalte» haben, daß einige Fanatiker gar die jüdisch-deutsche Mundart als die allein berechtigte jüdische Sprache betrachten, hat die irrige Meinung hervorgcrnfen. daß die Juden aller Länder untereinandcr in dieser Mundart oder gar in reinem Hebräisch reden. Einem Theologen freilich sollte bekannt sei», tvic früh das Hebräische selbst in Palästina cmsgchvrt Hai, die Umgangssprache der Juden z» sein. In der griechischen Diaspora redeten sie griechisch: cs tvar fein Jahrhundert feit der Gründung Alcrandricns versiossen, als die dortigen Juden sür Zwecke des Unterrichts uut> des Gottesdienstes einer griechischen II e b c r t r ng n »g der Bibel bcnötigteli und so jene Ucbcrsctznng schufen, die unter dem Namen Septuaginta weltberühmt und von epochemachender Bcdcutung für die Verbreitung der biblische» Lehre geworden ist. Man hat früher die sprachlichen Eigentümlichkeiten dieser Bibel wegwerfend als „Judeiigricchtsch" bezeichnet, heute wisse» wir, besonders dank dm Forschungen Adolf Dcißmauus, daß die Sprache der griechischen Bibel die in den östlichen römischen Provinzen allgemein verbreitete Redeweise getvesm ist, mid daß sic sich in leiner Weise von der bei den heidnischen Griechen jener Gegenden gebrauchten imterscheidet. Auch die Inschriften jüdischer Herkunft ans jener Zeit sind griechisch. Besonders reichlich sind die uns vorliegenden Inschriften der jüdischen Katakomben, deren überwiegende Anzahl die griechische Sprache nnfiveist, ivührcnd nur ganz tvcnige »eben dem Griechischen auch einige hebräische Worte enthalten. In Italien war das Lateinische heitnisch, dort haben auch die Inden c8 sich nach ihrer Eilttvandernng neben den. Griechischen n„- gceignct, und als die Provinzen allmählich z>,r lateinischen Sprache übergingen, haben die Juden diesen Wechsel initgemacht. Vom 4. Jahrhundert an ist nach der allgemeinen Amiah,ne das Lateinische die vorherrschende Sprache: so finden wir denn auch, tvic die Grnbcrinschristen, unsere lvichiigstcn Denkmäler, zusehends mehr vom Lateinischen durchsetzt »werben. In einzelne» Provinzen, tvic in Afrika, hat dieser liebergang früher stnttgeflindci»! folgerichtig l,aben, tvic Zitate der lateinischen Kirchenväter beweisen, dort auch die Jude» sriihcr das Lateinische als Sprache des täglichen Lebens angenommen. Sie haben cs früh in den Sprachgebrauch der Synagoge cingcführt, und die tvissenschnstlichc Forschung ist darüber einig, daß dieser nns die sich ansbildende Ansdrncksweise der .Kirche nachhaltig eingetvirkt hat. Als Med,,,», für die Ausübung dieses Einslnsscs haben wir die Bibel zn betrachte». Tie Inden »vnrcn nicht mir die Besitzer ,md Bewahrer der biblischen Bücher, sie hatten auch eine lang bewährte Ucberliefcrnng über ihre Auslegung: wer die heiligen Bücher verstehen wollie, mußte bei ihnen lernen. 'Die älteste uns bekannte, nnr in Bruchstücken erhaltene lateinische Bibelübersetzung, die Veius Latina, steht ganz unter jüdischem Einfluß. Man hat in ihr seltsame sprachliche m,d syntaktische Erscheinungen sestgestelli, die sonst bci lateinischen Schriststellern nicht verkommen, die aber in der Abhängigkeit von der jüdischen griechischen Bibelübersetzung begründet sind. Man hat den Wortschatz der altlateiiiischcn liebcrsehnng bemängelt, i» ihr die Mundart der armen Leute entberft; mich das ist ein Erbe der Juden, die inehr Berührung mit den niederen Sknitden hatten und deren Sprache nnnnhmcu. Daß die Sprache der Theologe» durchweg von der Bibel oder dem Sprachschatz der ans dem Judentum slanunendeu erstell christlichen Atissiounre abhängig tvnrde, bedarf keines »veitcrc» Beweises, ist übrigens von Adolf v. Hnrnack in seinem bahnbrechenden Merk über die Mission und Ausbreitung der Kirche dnrchlvrg anerkannt lvordcn. All diese Ginstüsse machten sich bei der Abfassung der Vulgala geltend, der lateinischen Bibel, die das maßgebende heilige Blich der .Kirche wurde. Ter kulturelle Einfluß der Vulgata blieb nicht ans das religiöse Gebiet beschränkt, durch sic lvnrden die Völker des Abendlandes in ciire neue Sprache cingesührt, man hat sic mit Recht Schöpferin der romanischen Sprachen genannt. Aon hier ans versteht man es aber auch, mit lvetcher Leichiigkeit die Inden sich in die neuen Sprachen ciiiznlcbc» vermochten, da ja die biblische Tradition in ihnen lebendig lvar. Daß sic es getan haben, ist sicher — wie hätten sie auch leben »nd ihrem Erwerb nachgrhcn können, ohne sich mit ihrer Umgebung z>: verständigen? Aber noch mehr, lvir besitzen unverbrüchliche Zeugnisse dafür, daß die Inden die Sprache ihrer Umgebung im ständige» Gebrauch gesprochen und geschrieben haben. Daß die in arabischen Ländern lebenden Inden das Arabische in Wort und Schrift, in Prosa und Poesie beherrschten, bezivcifett niemand, ober daß sic auch in den romanischen und germanische» Ländern die Sprache ihrer limgebnng geredet haben, wird weniger beachtet. Wen» die Konzitieli des 4. bis 6. Jahrhunderts cs immer wieder sür notwendig halten, den gesclischastlichen Verkehr solvie die gemeinsamen Mahlzeiten von Inden und Christen zn verbiete», so darf man daraus schließen, daß zivischen beiden Bcvölkerungsklnsscn citge Bezichnngen bestanden, was nur möglich ist, lvcnn sie sich in der ihnen geincinsamcil Landessprache unterhielte». Wenn der Bischof Julia,, von Toledo, kurz vor 700, den verführerischen Eindruck beklagt, den polemische Schriften der Inden ans die Gläubigen nusüben, so müssen diese Schriften in einer den Christen lesbare» Sprache geschrieben gelvesen sein — gleichivie er selbst sich von seinen Gegenschriften nur dann einen Eindruck ans die Juden verspreche» kann, lvcnn ihnen die Sprache, deren er sich bediente, geläufig ist. Wenn »weiter Bischof Agobnrd von L h o n in seiner' Beschwerde mi Lndlvig den Frommen, »»» 827, darüber jammert, daß seilte Diözesaneu die Synagoge allzuoft besuchen und behaupten, dort bessere Predigten zn Horen als bei bei» christlichen Geistlichen, so müssen die jüdischen Prediger ini Bistin» Lyon i„ einer Sprache geredet haben, die auch christliche Zuhörer ohne lvcitcrcs anzuzichen geeignet war. Allmählich erlvacht auch bei den Inden der christlichen Länder ei» reges knlinrelles und literarisches Leben, das in erster Reihe an die beste alte Tradition, an das Stndiilm der Heiligen Schrift, anknüpft. Da »wirb min frühzeitig z» dem Anshilssmittel gegrissen, die zn erklärenden Worte durch Wiedergabe i» der Landessprache naher zu erläutern. Es entsteht eine besondere Literatur von Glossaren und Uebersehnngcn zur Bibel, die den Tcpt mehr oder »vcniger eng begleiteten und durch Wiedergabe des Sinnes in der Landessprache anschaulich machten. Bis in kl. Jahrhundert lässt sich diese Literatur in Handschriften zurückverfolge», aber ihre Quellen sind weit älter. Ein Vergleich dieser Bibelglossnre in verschiedenen Sprachen des Mittelalters zeigt, »wie lebendig die Tradition über die Auslegung der Bibel sich in jüdischen Kreisen zu allen Zeiten erhalten hat und wie ausfallend einheitlich diese Traditio» trotz der Zerstreuung der Inden geblieben ist. Soweit es sich um Glossare und Uebcrsetzmigen in deutschen Mundarten handelt, sei hier mir kurz ans das vor einigen Jahren erschienene Werk von W. Stark und W. L e i tz n, a n n „Die jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen der vormendclssohnschen Zeit", Frankfurt n. M., INS, verwiesen: das Thema »st »vichiig genug, inn in eine», besonderen Artikel behandelt zu »verden. Für die romanischen Sprachen hat jüngst der nmerikanischc Philologe D. H. Blond heim in einem grundgelehrten Werke: «Oes F a r 1 e r s Judöo-Romans et la Vetus Latina. Elnde siir los raports entre les traductious bibliques en langue romano des juifs an inoyen flge ct les anciennes versions,“ Paris, Edouard 850053

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