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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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40 Champion, 19-25, eine sehr aufschlußreiche Arbeit geleistet. Er hat an die 209 Werte, die der Ueberlieseruug des von den Juden deS Mittelalters gesprochenen Französisch, Probe,icalisch, Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch, Italienisch entnommen sind und zum großen Teil sich in der Volkssprache der Juden in romanische» Ländern oder der sogenannten Spaniolen in der Türkei und Nordafrila dis ans de» heutigen Tag erhalten haben, einer Prüfung ans ihren Ursprung und ihre sprachliche Verwendung unterzogen. Seine Studien führten ihn zu der Feststellung, das; dies meist Worte sind, die sieh nur im biblischen Sprachgebrauch belegen lassen. Worte, die in der Zeit ihrer Verwendung durch die Inden ans der romanischen Volkssprache längst geschwunden waren, die aber unter den Juden sortiebte». Für die betreffende» rvnmnischen Länder ivar dieser Sprachgebrauch ein Archaismus, unter den Inden hat er sich dennoch erhalten, tveil unter ihnen die auch in der lateinischen Bibelübersetzung vorliegende Ueberliesernng svrtwirkte. I», Anschluß an de» durch literarische Denkmäler sicher belegten Wortschatz der Inden hat sich Blvndheim die Frage vorgelegt, ob derselbe sich von dem ihrer Umgebung unterscheidet, nud er ist zu dem Ergebnis gekommen, das; in an nicht von einer besonderen Sprache der Inden im Mittelalter reden kann, das; sich auch in der Aussprache der Worte Unterschiede gegenüber ihrer ll m g e b u n g n i ch t Nachweisen lassen, hingegen ist der Wortschatz vielfach ein anderer gewesen; die Inden haben hänfig Worte erhalten »nb weiter verwendet, die ans dem allgemeinen Sprachgebrauch längst geschwunden waren. Das war das Erbteil der Bibel, deren Ncdcwendnngcn nwvilltürtich in ihre tägliche Sprache überginge». So zeigt sich hier die eigentümliche Bereinigung von Einfügung in ihre Uiiigebnng und Treue zu ihrer Ueberlieferung. die für die Inden der Diaspora von den ersten Anfängen an charakteristisch ist. Fürbitte für öen erkrankten Raröinal. Ei,» Zeichen echter Religiosität. Wir lesen in der „Cchtesischen Bolkszeitnng" vom ll). Mai d. In Zur Erkrankung des Kardinals tifcruoiij. Das „Jüdische Wochenblatt" (Vertag Franisurt a. Main; veroüentticht, wie »nS von geschützter Seite geschrieben wird, in Ar. 17 vom 6, Mai d. I. Nachstehenden Bericht: Am Sch!us;seiertage des Pessachsestes (Ostern) wurde in der Synagoge des jüdischen Knabenwaiseuhanses in Budapest ans Veranlassung des Waijenhanspräsidenten und Mitgliedes des Oberhauses Enge» Bi da eine besondere Fürbitte für die Genesung des katholischen Oberhirten eingetegt. Oberrabbiner Schmelzer sprach ei» Gebet, in dem es n. a. heißt: „Wir sind schmerzlich getroffen von der Kunde, das; der hochgesinnte, edelmütige Oberpriester unserer lathvlischen Brüder, Kardinal-Fürstpriinas Joh. Csernoch, fern von, Vaterlande, von einer schweren Krankheit heimgesncht ist. Für ihn erhebt sich unser Gebet zu dir, allgüttger Gott, Erhöre nufer Flehen. Du weißt ja, wie hochherzig er in de» düsterste», trostlosesten Tagen der Unterdrückung und dcS NichtverstchciiS sich für »ns, da? »ngarkändische Judentum, eingesetzt hat. Gib ihm die ganze Fülle seiner seelischen und körperlichen Kraft zurück. Segne th» mit deinem hochherzigsten Segen, verleihe ihm langes Leben, unerschöpfliche Arlvilsfrenöigkeit .... ans das; sein Beispiel auch weiterhin eine Zier und eine Freude sein könne seiner Kirche sowohl wie auch uns allen. Amen." Diese feierliche Kundgebung ivird auch gleicherweise in den Herzen der deutschen Juden höchste Genugtnmig auslvsen. Dazu schreibt uns Herr Michael Friinkcl (BreSlaus: Menschenliebe und Toleranz predigt die Ethik des Judentums. Nicht wir das Gefühl der Dankbarkeit, vielmehr Pflicht und Aorschrist unseres Glaubens wiesen den beschrittcnen Weg. Vielfach können wir diesbezügliche Bestimmungen in unseren heiligen Büchern finden, aus denen wir diese Gebote abteiten lnüssen, „Alan ernähre die armen Nichtjuden soie die armen Israeliten, man besuche die kranken Nichtjudeu wie die kranken Israeliten, man begrabe die verstorbenen Nichtjudeu wie die verstorbenen Israeliten, ivegen der Wege des Friedens (Talmud Gittin S. 61a). Mm; tröste trauernde Nichtjudeu wie trauernde Israeliten (Jerusalem. Talmud Gitttn S. 47c)." Stets mehre man den Frieden mit allen Menschen — Menschenliebe hat den Vorzug vor dem Streben nach Wahrheit, sogar vor der Erkenntnis der heilige» Thora (Berachal 17a). In völliger Ueberemstimmung mit unserem Glauben ist tu dem Gebot der Ausdruck „Bruder" gewählt. Das Synhedriuin (Naddinerverfammlnng), das 1806 in Paris tagte — sprach im Sinne und Geiste der hervorragendsten rabbiiiischen Autoritäten (l)eeisiou du gnuid Saiihedrin Paris 1801 p. 11). „Daß zufolge des durch Moses empfangenen Gesetzes die Israeliten verpflichtet sind, die Nationen, welche Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde anerkennen und unter denen sie die Bovteilo der bürgerlichen Gesellschaft oder auch »»r einer wohlwollenden Gastfreundschaft genießen, als ihre „Brüder" zu betrachten; daß die Heilige Schrift uns befiehlt, unser» Nächsten wie uns selbst zu lieben, und was -vir nicht melle», das; man uns tue. keinem anderen zu tun, und das; es diesen heiligen Grundsätze» entgegengesetzt wäre, unsere christlichen Miibürger nicht als »,Brüder" zu betrachten," El» „Lczichcr deutscher akademischer Zugend". In der Zeitschrift „Philosophie und Leben" (Verlag F. Meiner, Leipzig, Heft IV, 1927) bespricht der Herausgeber, Ilnivorsitütsprvsessor Messer (Gießen), das Buch des Jenaer Professors Max Wnndt: „Deutsche Weltanschauung". Pwscssvr Messer stellt icus liebenswürdigerweise den Abdruck des nachstehende» Ausschnittes z»r Verfügung. Die Schristleitung. Die prinzipielle Gleichachtu»^ verschiedener völkischer Weltanschauungen »nd Ideale ist allen; die sichere Grundlage für ein menschenwürdiges Verhalten der Völker zueinander. Zu welchen Ergebnissen mau dagegen gelangt, menn man von diesen; Standpunkt sich entfernt und sich für zuständig hält, den einzelnen Avlkstümer» gleichsam Zensuren z» erteile», dafür bietet gerade das Buch Max Wnudts „Deutsche Weltanschaining" (München 1926) ein wenig erfreuliches Beispiel. Ais dem deutschen Geist innig verwandt und eben damit als hochwertig werden lediglich anerkannt das Griechentum und das Ehristciitnin — freilich nicht in seiner katholischen Form. Immer wieder drängt sich mir angesichts der Art, wie Wnndt seines Richteramtes über Vollstümer und Weltanschauungen waltet, der Eindruck ans, das; dabei richtunggebend für ihn ist — der Lehrplan deS humanistischen Gymnasinms. Ein auf einer Nealanstalt Gebildeter wird wahrscheinlich den westlichen Kulturei; bessere Noten Wenn aber schon diese--Kulturen lote auch der Katholizismus recht schlecht wegkommen, so trifft doch die volle Wucht der Verdammnis lediglich das Judentum, Es ist ihm „die dunkle Macht der Verneinung, die tötet, ivas sie ergreift" (192). Der Jude „ivirkt als der Wille 311111 Bösen in den Bezirken des deulschen Geistes, zieht diesen von seinem reinen Urgnell ab und reißt ihn in den Pfuhl der Gemeinheil hinnnler" (164). Durch „Nassen- Mischung", insbesondere im Oste» mit »longolischem Blute, „entwickelt sich der jüdische Geist, wie er als eine teuflische Macht unter den germanischen Böllern gehaust hat und bis heilte haust, der Geist der Verworfenheit" (187). Wnndt fügt dieser Stelle de» Satz an: „Der Geist Gottes ist die Liebe: iver in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm. lieber dem Jiidentiini aber brütet ein Geist des Hasses." Wnndt möge sich prüfen, ob seine Ausführungen über das Judcntiii» ans dem Geist der Liebe geboren sind; und er möge sich frage», ob er es als Erzieher deutscher akademischer Jugend verantworten kann, an solcher Aussaat des Haffes teilziinehmeii. Sind es nicht irregeleitete junge Idealisten gewesen, die zu Nathenau-Mvrdern Wnndt hat einen erfreulichen Anlans genommen, die „völkische" negative „Kainpsbcwcgnng" zu einer positiv-geistigen Bewegung zu gestalten. Aber schließlich wird der Geist des Kampfe? und des Hasses selbst über i!;n Herr, verleitet ihn zu ganz einseitiger Bewertung des geschiehtticheu Stoffes und reißt ihn zu Beurteilungen des jüdischen Geistes fort, wie sie in der Politischen Agitation leider üblich sind, wie man sie aber nicht erwarten sollte in einem Buch, das den Anspruch erhebt, ein wissenschaftliches und philosophisches Broscllor Arnold Cnhn acstorbcn. Am 22, April ist Geheimer Medizimilrut Professor Tr, Arnold E ahn gestorben, ein Manu, der vielen Tausenden Zeit seines Lebens Hoffnung, Trust »nd Hilse lunchte. 26 Jahre ivar Ga!», D 0 c n t 011 d e r II „ i v e r s i t ä t S t r g ß b r, r g, 26 Jahre lang Leiter des dortigen B ü r g 0 r h v s p i i a l s, in dessen Innerer Abteilung er unzähligen Studenten das Wesen der Heilkunde erschloß. Er ist nie ordentlicher Professor geworden, aber das hat ihn nicht gebindert, alles zu leisten, was mau in der bevorzugtesten Stelle schassen könnte. Als die Franzosen im Jahre 19)!! die den I schen Professoren vertrieben, wurde er nicht ansgewresen, aber er folgte chuen freiwillig im Avril des gleiche,, Jahres „,,d verlief; mit seiner Familie die Stadt, in der er vierzig Jahre gelebt hatte. Wenige Monate später vertraute ihm die Stadt Stuttgart ihr schönes Krankenhaus in C 0 11 n ft« 11 an. Was ec hier in sieben Jahre» geleistet hat. ist kaum zu schildern. Aerzte wrd Kraule hedurstei, seiner gleichermaßen. Er war ein Meister der Diagnose und miübertrefflich tm therapeutischen Können. Tie neuesten Ergebnisse der Forschung waren ihm ebenso vertrau! wie die alten Methoden, und es gab nichts, worüber er nicht Auskunft zu geben wußte, lind wie hat er diese Auslnust gegeben! Bott Güte, niemals seine Ueberlegenheit suhlen lassend, streute er mit Vvllen Händen die reichen Gaben seines Geistes aus. Eines aber zeichnete ihn vor vielen an?: Geld und äußere Ehren halten keine Macht über ihn; der ärmste Kraule war seiner Sorgfalt so sicher wie der reichste, sei es, daß er seiner im Krankenhaus, -in der Sprechstunde oder bei einem Konzilium bedurste. (5ahn lebte wir seiner Arbeit, er fragte nicht nach ihrem Lohn uud er verbrauchte -seine Kräfte, ohne an sich z„ denken. Nun ist er von -uns gegangen; aber er lebt in unserer Erinnerung als ein Forscher von tiesstem Misse», als ein Arzt ohnegleichen, als ein Mensch von reinster Herzensgüte, W e n n in an da v v » -s p r i ch t, w « § d i e I u -den -in der Medizin geleistet haben, so -wird mau Arnold (Lahn als einen der Besten nennen müssen, I. F. Verlag u. SchrMeitirng: Lensralverein deutsch. Staatsbürger jüd. Glaubens e.B., Berlin SW 68, Linde,rstratze 13. Für d. schriftleit. verantw.: i. V. Dr. Alfred Wiener, Berlin 84V 88. - Druck: Rudolf Masse, Berlin SW. «8,

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