Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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37 iH’ivadjid, die gleiche Fnnkiivn zutvmmt mic bem Appetit. Viclioiil't H>nv es nvlivcndig, um unseren Geschmack ans die Probe z» stellen. Ich nuifi bekenne», dich ans mich daS Buch gewirkt hat wie selten eines. Es verdrängte mich von der Straße der Vorurteile, nnf dich ich cm eine Lichtung gelangte, von dev ans die Zeitgeschichte versöhnlicher betrachtet iverden kann... Elender lvnrde noch keine Gedankenarbeit ansgebaut. Der Beisall, der dieser Arbeit gezollt lvnrde, lvird eincS Tages jäh innehaltcn, und die Beifallsklatscher iverden sich beschämt ins Freie stehlen." (3.5,'!.) Vielleicht ist es wirklich eine Art Mission, die dieser Nassenlehrc znknm. Biclleicht wird wirklich die Verhetzung, die hier nicht alleiir ZU'ischcn Völker», sondern zwischen Bestandteilen desselben Volkes getrieben lvnrde, einmal allen denen die Angcn öffnen, die die Fähigkeit ziinr schenllappenlvscn Sehen noch nicht ganz eingebi'cht habe». Wenn Merkcnschlnger feftftelten zn> dürfe» glaubt, das; „das Gilnther-Vnch an; E„de in jedem Punkte das Gegenteil erreicht von dem, was cs will", und das; sich überall in deutschen Landen die Abwehr regt, so müßte schon die Neuansiichtnng der Geister wider Sinn und Vernunft erfolgen, ivenu sich auf den neuen Bahne» nicht auch das als unveränderliches Gut deutscher Wissenschaft Vvrsinden sollte, was endlich wieder die Trcnmingsivände niederlegt, die eine nnhallbare Psendowissenschaft zwischen uns deutschen Inden und unseren deutschen Volksgenossen errichirl hat. „Die Troger -er -erttsche» Kultur nach Wen." Von De. Jakob Lacwcnberg (Hamburg). Obgleich a l t g er in n u i sch e Sitte, empfinden wir cs doch heutzutage als Peinlich, Eid es Helfer herbeizu holen, zumal wenn sie nur bestäiigen svllcn, >vns ganz und gar selbstverständlich ist, lvas klar und vssenbnr ist wie der Tag. Aber in dem widerwärtigen Kampf, den unsere Gegner uns anfgezlvungcn, werden wir genötigt, Wege zu gehen, die unserem innersten Gefühl widerstreben. Ihr seid leine Deutsche, könnt nicht deutsch denken und fühlen! schreit man uns immer entgegen. Dazu möchte ich denn zwei vollwertige Zeugnisse aus älterer Zeit anführen. In der Sitzung der germanischen Sektion der P h i l o logen v er sa netit I» n g , die vom l. bis 3. Oktober 1868 in Würzb » rg stattfand, besprach Professor <5 r e i z n a ch die Persönlichkeiten, die in näherer Beziehung zu Würzburg gestanden haben. Dabei sagte er, nachdem er auf Süßkin d v o n Tr imberg, den jüdischen Minnesänger, hingewiesen („Germania, Zeitschrist für deutsche Altertumskunde", 14. Jahrgang, Seite 127 und 128): Es scheine ihm ,.nicht hinlänglich beachtet lvvrden zu sein, mit wie lebhaftem Anteil die Inden vom 13. bis znm 15. Jahrhundert sich der deutschen Dichtung, der ritterlichen wie der volkstümlichen Heldensage znwandten. Einzelne Namen und Redensarten bezeugen dies noch jetzt . . . D a s; a b er iv e i l m e h r I n d e n , als m n n a n z n n c h m e n pflegt, n „ s e r e D i cht e r lasen und sieh mit den An - s ch a u i! n g c n de r m i t t e l a l l e r l i ch e n Di ch t u n g v e r i r a n t m a ch e u , lo i r d n v ch d n r ch lv e i t e r e F o r s ch u u q c n i n n berras ch ender Weise bezeugt iverden: obwohl es an sich lveniger ansfnllen sollte, wenn man bedenkt, lvie die jüdische Poesie und Sprache auch das weltliche Lied berührt und wie I m m n n li e l, der jüdische Mcitamendichter, seinen Zeitgenossen Dante zu ivürdigcn verstand." Dr. H i ld ebr and, meines Wissens Rudolf H i l d cbrand, der Bahnbrecher für den modernen deutschen Unterricht, sprach alsdann über eine ausgedehnte deutsche Literatur i» hebräischen Lettern, „und alle diese Dichtungen" (von Juden für Inden bestiiniut) „sind von echt d e u t s ch e in Geiste, von altert ü m ti fl) e m Deuts ch kn m durchdrungen und durchweht". J,n lveitercn Verlauf der Sitzung gründete er dann ans mehrere mitgeleilte Vevbnchtnngen die Behauptung: „das; die Juden im Mittelalter recht eigentlich die Träger der d e n l sehe n Kult u r n a ch O st cn , umhin sie ans Deutschland ansgewandert, gewesen seien". Sv urteilten Männer der Wissenschaft vor zwei Menschcnaltern, und — heute? <C. V.-Tag in Danzig. Von Tw. Erwin Lichtenstein (Danzig). Wenn der Centralvcrein am 28. nnd 2g. Mai eine Tagung der östlichen Landesverbände in Danzig veranstaltet, so darf diese Tatsache besondere Beachtung beanspruchen. Tagungen im Rheinland und in Bahern sind vorangcgangcn, jetzt wendet sich, lvie in der grosten Politik, so auch bei uns das Interesse den Ostproblemcn zu, die von so ganz anderer Art, aber von gewiß nicht geringerer Bcdeutnng sind als die Fragen des Westens. Und gerade Danzig erscheint als der gegebene Ort, mir die Ostfragen in ihrer Bedelltung für Deutschtum und Judentum kennenzulerncn. Es ist hier nicht der Ort, sich im einzetnen über die Frage der deutschen Ostgrcnzcn, wie sie der Versailler Vertrag statuiert hat, zu verbreiten. Gleichviel wie man über die Zukunft der Deutschland entrissenen Gebiete denken mag, Danzig lvird immer eine besondere Aufgabe im deutschen Sprachgebiet z u - satten, dieselbe Ausgabe, die cs seit den Zeiten des Ordens und des grostpolnischen Reiches unter wechselnden staatliche» Formen hatte: Mittler zu sein zwischen dcnlscher und slalvischer Well, selbst dem Dcntschtuin tiesinnerlich verbunden und doch mit zahllosen Fäden lvirtschaftlicher Natur mit Polen, jenem Bezirk des großen slnivischcn Bereiches, verknüpfst der, im Gegensatz zu Rußland, seine Hinneigung zum Westen stets starker betont hat als die Verwandtschast mit Asien. Durch die Jahrhunderte läßt sich dieser Charakter Danzigs vcrsolge». Immer herrschte deutsche Sprache und deutsches Recht in dieser Hafen- und Handelsstadt, und immer kam Geireide und Holz die Weichsel herab aus dem poluischen Hinterland nnd knüpfte das Band des Interesses, nicht der Ünlinrgemeinschaft zwischen Polen nnd Tenlschen. Seit Danzig Provinzialhanplstadt im Königreich Preußen geworden lvar, hatte die Stadt ihren Charakter als Hasen ein lveilig zugunsten einer Garnison- und Behvrdemiiederlassung verändert. Die Loslvsung von Preußen, die Erhebung zum eigenen Staatsivefcn schns unzählige neue Aemter und Berwaltnngssiellen, die mit ihrer Last die Wirtschaft erdrüektcn nnd damit gleichzeitig Danzig ans die wahre Ouelle seines Wohlstandes, Handel und Schiffahrt, zurückverwiescn. Diese Zusammenhänge mns; man sich kurz ins Gedächtnis rufen, nm die Rollo des Judentums in Danzig und seine Lage in der Freien Stadt würdigen z» können. Seit den Zeiten des Ordens >v o h n e» I u d e » in Danzig und seit diesen Zeilen sind sic die gegebenen Mittler zlvischen Danzig und seinem polnischen Hinterland gelvesen. Wie man sich den Königsberger Handel mit Rußland nicht vorstelle» kann ohne die unentbehrliche Mitarbeit jüdischer Kanflente in Königsberg, so sind die Danziger Inden insbesondere ans dein Getreide- und Holzhandel Danzigs nicht wegzndenken. Danzigs Börse, der Artnshos, hat seit jeher auch jüdische H a n d e l 8 h e r r o n i n s e i n e n M a n e r n g e s e h e n, d i e z u m Wachstum n nd Blühen der Hansestadt nach Kräften b e i g e t r a g e n h a b e n. Naturgemäß miißlc die starke Entsaltung dos Danziger Behördennpparatcs und die Znrückschrnubung des Hnnsecharakters, wie sie sich in der preußischen nnd noch mehr in der jüngsten Zeit entwickelte, auch ans den Anteil der Danziger Juden am Leben der Stadt hemmend wirken. Die Danziger Verwaltung, die mich heute noch in ständigem Austausch mit Preußen steht, ist fast jndenrein, wenn nicht niili-, so doch asemitisch. Aus der Kansmannsstadt, der Hochburg des Liberalismus, schns die Nachkriegszeit ein überorganisiertes Staatswesen bnrcaukratischen Charakters, »nd die Vorpostenstellimg am Rande des deutschen Sprachgebietes war besonders geeignet, die konservativen Neigungen der Beamtenschaft zu steigern nnd einen aus diesem heißen Grcnzbvden verständlichen Nationalismus zu züchten. Als weitere Stätte völkischer Gesiimimg ist die Technische Hochschule zu ncimen, deren ablehnende Haltung gegenüber jüdischen Dozenten nnd Studenten hier nur erwähnt sei. Diese Eustvictlinig läßt es verständlich erscheinen, daß in Danzig der Antisemitismus in seiner stillen, gescllschafllicheii Form eine nicht zu unterschätzende Bedculung gewonnen hat, wahrend der Rndanjiidenhnst in seiner dcutschvölkischen nnd nationalsozialistischen Spielart zurzeit mangels geeigneter Führer sich in bedeutungslosen GruPPchen zersplittert. Aber es kann keinem Ziveisel unterliegen, daß die im Herbst bevorstehenden Wahlen znm Danziger Parlament mit ihrer allgemeinen Steigerung der politischen Leidenschastcn auch die Danziger Inden nicht unberührt lassen werden. Dabei ist cs verhältnismäßig nmvichtig, wie viele Mandate die sich völkisch nennenden Gruppen dnvvutrngen, da die ernstere Gesahr in dem starke» völkischen Flügel der in Danzig an erster S t e l l e m a r s ch i c r c n d e n D e u t s ch n a t i o n a l e» zu sehen ist,