Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2$ AtUtfchMMMl Kaschau: . Schreiben öss polizeiprä/iSenten von Kaschau. Der „Kluljaufer" von Kajchau. ün-^id« I2°Ä üdcr di"stch d°«"»r°b.- Prkjft-,Ä"o"?> üt jrte Sfuhlion ttriäUI, imrtmürtlgtrotile °u„ linieren böhmischen (tzewährslciiken ist es m Umsien, iibcr diese geheimnisvollen A o ^äklc näheres zu er^hren. Unser Mliorbciler *y / Auf dortst. Anfrage vom 8. Dezemder d. 3., Nr. 2944, wird nittgeiellt, daß I„ leßier Zeit in PreSow (Epcr- Icfl) wohl ein Movd an einem 15 Jahre allen Knaben, »ich! «11 einem Mädchen, verübt wurde. Täter war ein Geistesgestörter namens Joses Lengpel. Die Vornahme des Blutabziehens wurde nicht feftgesteilt, und ist hier überhaupt nicht bekannt, daß in der limgebung ein ähnlicher Fast vorgeioniinen wäre, von dem die geitimg „Völkischer Beobachter" zu berichten weiß. Auch im Bereiche hiesiger Polizeidirektwn smd ähnliche Lustmorde nicht verübt worden. Der Regier,nigsrat und Polizei- Erkläritng des Kaschauer Pohseiftn richte, meist aus dein Auslände, in denen haarklein das verruchte Borhabcn der Juden, ihre niierbittliche Grausamkeit bei dieser „rituellen" Handlung, znineist verübt an linschiildigen Kindern, dargelegt lvird. .Ja, der Nürnberger „Stürmer" und neuerdings in gesteigerter Folge Hitlers „Illustrierte r B e v b a eh I c c" stellen diese Untaten in Zeichnungen und in Bilderri dar, die teilweise sv hergestellt sind, daß sie unbefangene Beschauer für O r i g i n a l p h v t v g r n p h i e n halten müssen. Meint der einfache Mann, das schon „getrost »ach Hanse tragen z>i können, lvas er schwarz ans lveiß besitzt" — wieviel mehr vertraut er der „Wahrheit" einer Darstellung, die sich in allen Einzelheiten gezeichnet vder gar vermeintlich photographisch getreu seinen entsetzten Blicken Die Gefahr dieser g e >v i s s e n l 0 s e n Agitation erkennt das derltsche Volk noch nicht, obwohl eS die Rvvembertage 1023 mit Blut hat bezahlen müssen. Nur zögernd und uneinheitlich — und manchnial auch gar nicht! -- greifen selbst die G e r i ch t s b e h ö r d e 11 ein, »nd gelvattige Aufgaben, a nfzuklären ans allen möglichen geeigneten Wegen und, >vv nötig, cinznschreitl'ii, hat unser Ce n t r a lv cr e i n zli erfüllen. In langer, angestrengter Arbeit haben wir eine Anzahl vvli der v ö l k i s ch e n P r e s s e gemeldeter „Ritualmordfälle" bis in die „kleinsten Kleinigkeiten" verfolgt, um der Wahrheit zum Siege Zll verhelfen. Das >var meist schwer; denn es ist nach alter Erfahrung besonders schwierig, nachzmveisen, daß etwas nicht w a r. Diese Beweisführung ist iveit mühseliger als die leichtsertigcBehanptnng eines Geschehnisses, als eine unbedenkliche Ausdeutung. Trotzdem ist der im folgenden an der Hand eiinvandfreier Zeugnisse und auch amtlicher Dokumente geführte Beweis durchaus g e - I ii n g e n. Und klar erkennt der rechtliche Beobachter die M e t h 0 d e n d e r V v l k i - sehen: a) Irgendein angeblicher Korrespondent im Auslände, irgendeine fremdsprachige Zeitung meldet den Mord (also die Hvsfmmg aus unmögliche Kontrolle durch die Oeffentlichkeit; b) irgendeine Kinderleiche lvird mit einer Kopfvder HalSverletzling gefunden (also der völkische Schlllß: „Schächtschnitt" und dann „Ritualmord", zinncist mit Fragezeichen und Hinweis ans die „nicht entdeckten" oder „vertuschten" ähnlichen Fälle in der Vergangenheit); e) irgendein Mischer oder nur jüdisch klingender Raine taucht im Zusammenhänge mit einem Morde ans (also sind die Juden im Spiel, und der Jude, der angeblich dabei war, wird gewöhnlich zum Rabbiner befördert). Notfalls lvird auch wider alle Wahrheit der Täter „zum Juden ernannt" (Fall Harmann in Hannover, Schlesinger in Leiferde). Aber alle diese Kniffe haben nichts genutzt. Wer die folgenden Beweise prüft, erkennt eindringlich die Fälscher- Methoden und wird auf alle die voller Verachtung mit dein Finger tveise», die fortan sich ihrer zur Vergiftung unseres deutschen Lebens gewissenlos bedienen sollten. Im Lommcr vorigen Jahres tauchten in der völkischen Presse Nachrichten von N i t n a l in 0 r d c n in der T s ch e ch 0 s l 0 w a k e i, und zwar in Kaschau und in dem benachbarten ungarischen Eperjes auf. Diese Gerüchte, die unter der Ueberschrift: „Der Btiltsäufer von Kaschau" zirkulierten, fanden sich im „Völkischen Beobachter" Nr. 4 4 vom 26. Juni 1926 und in Wiillcs „Deutschen Tageblatt" Nr. 148 vom 27. Juni 1926. lieber diesen Fall haben wir bei der Polizcidirektion in Kaschau Jüdischer Mord. 4t« R.ö-Ivrfich, »n ImÄotSki' h' 0» Mieder Ritualwordverdachtt l» »°|l. n« t» Mi (tr -V 'JV.'II) in« OrfiMDi« «tu Äörbckea c!4«snS; &* *><skssxijs „ ti Dlumechrl«. Mi Vln,-» Ul*! 5' *;« ch'i tHnrcnhnii Meldung des Nationalsozialist für die Ost- ¥V llriiLllUU . mark". Zeichnung des „ Stürmer". Der polnischjüdische Sejmklub erklärt: „,Es ist um davon überhaupt nichts bekannt und ist in den Warschauer Zeitungen keine dergleichen Notiz erschienen." Dobrzyn: des polnisch-jüdischen Sejmklubs. Der darin erwähnte Bericht der offiziösen „Reppencr Chronik" mit der Ueberschrift „Im Lichte der Wahrheit" ist auf Seite 2g abgedruckt.