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Central-Verein-Zeitung · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 4 (April 1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 nächst hat zlveifelloS ein gewisses Bestreben geherrscht, keine ausgesprochen jndcnseindiiche Steilung cingnnehmen. Die Bcineisc dasür sind ja in aller Oesfentlichleit erörtert worden. Dann meldete sich der Antisemitismus in den eigenen Reihen zn Wort, und die Partei hatte diesen Strömlingen beinahe hemmungslos nachgegcbcn. Mir sagte damals ei» dentjchnntivnaler Abgeordneter, wir sollten damit znfricdeir sein, denn wenn daS nicht geschähe, würde sich eine eigene nud nun nnsschliesilich antisemitische Partei bilden. Die Tatsache selbst traf z». Wnlle. v. Erncse und Hcnnig lösten sieh los und errangen auch bei den nächsten Wahlen einen gewaltigen Sieg. Dann flutete die Bewegung ivicder zurück. Der Antisemitismus hat sich als Partei nicht dnrchzuschcn vermocht, das widerlegt am besten jene erwähnte dentschnationnle Anssassnng. Man wird umgekehrt sagen können, daß eine selbständige Partei dieser Färbung wcniger gcsährlirh ist, als ein Wirken innerhalb größerer Parteigemciiischastcn. Die Völkische» waren im Reichstage eiiiflnßlvs. Sie haben an keinem Gesetz initgearbeitet, und das einzige, wns ihnen gelungen ist. >vnr gelegentlich einmal ihre Mittvirkung an einem Kabinettsstnrz. Ihr rein destruktiver Charakter kam so ginn Vorschein und hat allgemein abgestohen. Keine Partei umfite mit ihnen etwas zu tun haben, und auch die Deutschnationnlen haben sic als Mitlämpscr nicht gern gesehen, tvcil sie sich durch diese Nachbarschaft nur kompromittiert fühlten. Die einzigen, die mit ihnen häufig znsaniincngingen, waren die Kommunisten. und cs machte geradezu einen bclnstigcndc» Eindruck, lvcii» Lndendvrss und v. Genese mit Nosenberg, Rosenbauin und Ccholeni an einem Strang zogen. Damit verfiele,, sie einer Lächerlichkeit. die jedenfalls ihre Gefährlichkeit stark gemindert hat. ES bleibt abzuwarten, wie sich die Wähler iimstellen lverden. Berinntlich strönicn sie mchrcren Parteien zu. Das Bedenkliche sind jene Scharen, die etwa wieder Anschluß an die Dentschnationalen gewinnen und dann von neuem versuchen lverden, hier zur Geltung zn kommen. Man darf hosfen, daß jene gemäßigte» Führer, die vom Antisemitismus nichts tvissen wollen, stark genug sind, einen Rückschlag zn verhindern. J„ unseren! Sinne liegt es nur. wenn daS Gcsühl gemeinsamer Arbeit stark genug ist, nn, gegenseitige Duldung zn crzlvingen. Wie bei jeder Krnnlheitscrscheinuiig kommt es auch hier daraus an, daS Gift im Körper zu isolieren. 7 " " ‘ ' ohne EM. Moers, Kreselb, Melsdors und Ansbach. In Moers tviirdcn in der Nacht vvin 15. zum 16. April d. I. aus dem jüdischen Friedhof 2tt (Grabsteine nmgcworfeu. Die jüdische Gemeinde hat 1000 Mark Belohnung für die Ergreifung der Täter nuSgesetzt. Die Polizei hat sich der Angelegenheit mit aller Energie angenommen. Gleichzeitig wird gemeldet, daß auch auf den, alten jüdischen Friedhof in Krefeld mehrere Grabsteine beschädigt worden sind- Nachden, erst kürzlich in K e r p c n und N e w i g e s das gleiche Bubenstück verübt wurde, hat das R h e i n l a n d, gegenwärtig der Mittelplinkt der nationalsozialistischen Agitation, den traurigen Nuhm, innerhalb kurzer Frist vier Friedh o f s s ch ü n d u n g c n answeisen zu können. In Richelsdorf (Regierungsbezirk Kassel), ist, nachdem erst kürzlich einzelne Grabsteine miigcwvrsen worden sind, die die Grabstellen umgebende Tannenhecke böswillig in Brand gesetzt und zum größten Teil zerstört worden. Die Täter sind bisher nicht ermittelt worden. — In A n s b a ch tv,irden in der Nacht vom 21./22. April ans dem israelitischen Friedhöfe sieben Grabsteine un,geworfen und teilweise schwer beschädigt. Die israelitische Kultnsgemeinde hat eine Belohnung auf die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Bon den Tätern fehlt, wie gewöhnlich, jede Spur. In welchen Kreisen sind sie zu suchen? Es vergeht kailm eine Woche, daß wir nicht neue Entweihungen d e r N n h e st ä t t e der Toten zu melden haben. Wir bcdaliern, daß außer den Ortszeitungen die große deutsche Presse von diesen, das deutsche Ansehen tief beschämenden Vorgängen nicht eingehender Kenntnis nimmt und das öffentliche Gewissen wachruft. Umfassende, besondere Schritte sind von uns be, dieser Sachlage vorgenommen worden. Ritualmor-lügen. Häufig genug ist in den letzten Monaten an dieser Stelle nachgcwiesen worden, daß Hitlers Nationalsozial! sten nach dem Zusammenbruche von 1923 einen großen planmäßigen Sturmangriff über das Reich hin vortragen. All die Waffen gegen unser Judentum, die manche schon allzli leichtgläubig verrostet und stumpf wähnten, lverden aus dem Arsenal unserer Feinde hervorgeholt, lverden poliert und blinkend geputzt, um Judas vcrmeintliche Macht und „Feindschaft gegen alles Deutsche" tödlich zu treffen. Seit Jahresfrist' 'imiß die lviderwürtige R i t ua lm o rdbezichtign n g dazu herhalten, besonders den gesunden Sinn der werktätigen Bevölkerung zu verwirren und die Mütter mit Abscheu und wütendem Haß gegen die Juden zu erfüllen, die ja nach angeblich geheimen religiösen Vorschriften — lvelcher Wahn- Witz! — des Blutes von Christenkindern für dunkle Zwecke benötigen. Broschüre über Broschüre darüber wird in die Massen gelvorfen. Flugblatt auf Flugblatt in den Fabriken verteilt. Fast jede Nummer der zahlreichen völkischen Zeitungen enthält aufpeitschende Be- Die Verwüstungen auf dem israelitischen Friedhof in Moers. WM -- '* 472458909978

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