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Central-Verein-Zeitung · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 4 (April 1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2i> revolutionäre Bewegung", „svzialrevvlntivnäre Gedanken" als Ehrentitel für beit Nativnnlsozinlienuis stolpert'). III. Das liebste Kind in der nationalsvzialistischen Familie bleibt trotzdem der Jude n h a st. Er übersteigerte sich jüngst in der nationalsozialistischen Presse, sicher nicht ohne Absicht, so, das; manche Ansbrüche mehr von Irren als halbwegs vernünstigen Geschöpfen dieser Welt zu stnnnncn scheinen. Der gererste Deiltsche wird hier und da solche Blüten voll Ekel nnd Scham in die Ecke schlendern. Die große Schar der Unreisen nnd Halbwüchsigen, siir die Hitler Allah und sein Gesandter in eins ist, lvird hennnniigsloZ pelzen die Juden und alle „Jndcnkncchte" als die vermeintlichen Satanssvhne grvstge,zogen, lind Stahlrntcn, Schlagringe, Dolche, Revolver drücken diese anfgcspeichcrte Weit eines Tages ans den Körpern Unschuldiger in blntiger Schrift ans. Folgende Stellen finden sich in nationalistischen Zeitungen nnd Fl n g b lä t t e rn : „Der Marxismus in S. P. D. nnd K. P. D. ist dem Inden eine Schutzgarde des gegenwärtigen Zustandes, im Notfall dazu bestimmt, >vie die Vorgänge der letzten Monate eindculig beweisen, auch die leiseste Negnng eines deutschen Freihettsnnllciis mit Gewalt nnd Al nt nicdcrzuknüppeln." (Berliner Flugblatt der letzten Tage.) „tlnd überall erhebt sich grvst nnd geivältig der Wille zur Bcsreinng. Zur Befreiung des ehrlich schassenden Volkes uns den Händen seiner j ü d i s ch e n P einige r. Das weist der Jude. Das fühlt er und trallt sich die Furcht in seine verfluchte Seele. Der Indo sieht den Tag kvininen. Den T a cz d e s d e n t s ch e n Volk s g e r i ch t s." (Nürnberger „Stürmer", Nr. 12, März 1927.) „Das ist die eine Seite deutscher Schmach. Die andere Seite ist »och weit schlimmer . . . Auf der anderen Seite handelt es sich um die bewußte Schändung deutscher Frauen, nach den Borschristen sogenannter Neligivnslehren, lvie der Talmud, das jüdische Gesetzbuch, eine darstcllt." (Pfälzischer „Eisenhannner", Nr. 12, Mürz 1927.) „Wie Schlippen fiel es uns (in Nastätten) von nnseren Augen, alles, ivas deutsch ivar, erkannte als einzigen Feind, Mörder und B e r b r e ch e r — den I n - den" . . . „Tn aber, deutsche Jugend, her zu uns, ehe es zu spät ist. Der JnDe mordet de»» Deutsche»», de»» Beste»» des Bottes sperrt er ir» die Gesängriisse, ihre Familie»» verhungern und verkommen, »oillst du „och länger taterrlos znseher»?! Auf die Freiheitsbarrikaden, vereint mit deinen Blntsgeuvsseil erküinpfe Tcritschlands Zukunft! Der deutsche Blutbuiid ist Deutschlands Schicksal!" (Kölner „Westdeutscher Beobachter", 20. März 1927.) Ans einem Aufsatz! „Die Bliitnacht" (Piirim): „Die Inden ivandten sich ab von der Leiche des persischen Volkes »mb zogen betrügend u »t b m ordend »weiter d u r ch d ie W e [ t. Gegenivärtig verblutet unter ihrem Schächtuiesser das russische Volk." . . . ,,Ein Nebersetzer hebräischer Gebete schreibt, das; die Jude»» während des P„ri»,«scstes ihren Gott anslehe«, er inöge den Tag ko»n»„en lassen, an den« das Blut der Christen »nieder a>» die Wand spritze »vie in jener Nacht in Persien." (Nürnberger „Stüriner" Nr. l t, Mär; >927.) IV. Es siegt nicht immer der, der recht hat, sondern zmvoilen auch der, der „a n s d a u e r t", verriet uns kürzlich Dr. Goebbels, der Berlin die Rettung bringen ivill. Diese Ausdaner in der Aufstachelung der niedrigsten Leidenschaften, besitzen Hitlers Jünger reichlich. Und dazu eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit, die iinponieren könnte, würde sie für eine bessere Sache aufgebracht. Ob diese AnSdaner aber de» Sieg beschert? Tote nnd Verivnndete liegen bereits am Wege. Werden die B eh ö r de n mm endlich kräftig gegen all die groben GesetzeSverletznngen, die sich die völkische Presse gegen jüdische deiltsche Staatsbürger täglich heraiisnimmt, Vorgehen? Werden die S ta a t s r eg i e r n n g e n und Stadtverwaltungen sich jetzt über die gefährlichen nnd brutalen Ziele des ' Nationalsozialismils ständig unterrichten lassen, „Austritt »nd tle vertritt", „NcichSwart" Nr. 7 vom srnar »927. Dazu die aufschlußreichen Aufsätze Ernefcs: Völliscbervntiv oder v ü l k i s ch - s vz i n l?", „Deutsches Sone Watt" Dom 6. Februar 1927, imb „E ine rein s a ch l i ch e E r w > d c - ", „Tonisches Tageblatt", Nr. 36 vom »2 Februar »927. ihre Folgerwigcn daraus ziehet» und dort in geeigneter Form eingreiseii, wo es nicht das Wohl der Jndeu, wohl aber das Stnatsivvhl erfordert? Wann iverden sich mastgebende nichtjüdische Persönlichkeiten, auch auf der politisch rechten Seite des deutschen Volkes aufraffeii, um in echter Besorgnis um die innere Gesundung, um das Ansehen des Vaterlandes nach ansten diese Widerwärtigkeiten, in denen ivir eine schwere sittliche Gefahr sehen, so bloßzustellen, lvie sie es verdienen? Wie groß sind noch die Aufgaben unseres Ceiitral- Vereins! Warum 'begehren selbst manche nnsercr Anhänger nicht ganz aiiders ans, ivenn sie die ans jeden einzelnen gemünzten Heransforderuilgen vernchnie»? Tatkraft, verzehnfache dich! Opfermut, verzehnfache dich! Steht zusainmeii in diesem Ringen »in jüdische Würde, um deutsche Heiniat! Der Reichskanzler feierte Beethoven, vor dein die Welt jetzt in die Knie sinkt. „Das deiltsche Volk," schreibt er, „wird in diesen Tagen nicht nur den Jnbellante» srendigen Stolzes sich hingebeii, sondern vor attcm auch jenen anderen Stimmen Gehör schenken, bieder Meister so oft, zu ernster Einkehr mahnend, erklingen ließ." Einkehr! Das Wort sohlt im völkischen Wörterbuch. „Tod den Inden", ist die Losung der nationalsozialistischen Führer. Geloben ivir als ivahre Deiltsche im Geiste unserer gewaliigen Berliner Kuiidgebnng an» letzten Sonntag! „Huinnintnti!" Für wahre M e n s ch l i ch k e i t! Alsrcd Wiener. Zn dc»< völkische»» Slnschlntzbestrebnttgen im Rcichstag wirb »ins vor» besonvers «ilterrichteter Seite noch geschlieben: Nnnnshaltjam ist der Zersetzungs-Prozeß der Völkischen F r e i h e i t s p n r t c i vor sich gegangen. Bruderzwist hat schließlich dazu geführt daß die Partei im Reichstage ihre Fraltionsstärke Verlor nnd dnniit ans den Ausschüssen ansschied. Parlamciltarisch betrachtet zählt sic nicht mehr. Selbstverständlich haben die einzelnen Mitglieder deii Versuch gemacht, irgendwo Unterschlupf zu finden, mn so wieder in die Rechte eines Frnktionsgenvssen zu gelangen. Auch diese Bemühungen waren vergeblich. Durch die Presse ging die Nachricht, daß Herr v. Graefe mit Professor Dr. Bredt über eine Ausnahme in die Wirtschastsparlei verhandelt hat. Die Nachricht trifft zu. Professor Bredt, der vor dem Kriege zu de» Frcikonscrvativen gehörte und innerhalb der Mittelstandspnrtci ziemlich isoliert ist, hat sich nicht durchaus ablehnend verhalten. Ter Bayerische B a n c r n b li» d aber ließ durch den Landwirtschastsmmister Fchr, dem Vorsitzenden der gemeinsamen Fraktion, T reivitz, ertlären, das; ein Anschluß des Herrn v. Graefe sie zum Ausscheiden zwingen würde. Das kann nicht, überraschen, da der Bayerische Bauernbund ans demokratischer Grundlage beruht und mich in den Tagen nntiseuiitischer Hochkonjiniktnr in München nicmnls diese Einstellung verleugnet hat. Herr Professor Bredt ist berichtigt worden. Ein Mann wie Drewitz, der sich stets ans seine liberale Gesinnimg berufen hat, konnte auch kaiiin anders handeln, sobald er von diesen Vorgängen Kenntnis erhielt. Nicht so ist ein anderer Bersiich abgesplittertcr volkischr Abgeordneter, Obdach z»l finden, in die Oesscnllichkeit gedrungen. Es wurden keine Namcir genannt, doch kann man mit einiger Sicherheit annehmen, daß sich Herr Knbe unter denen bcsindet, die von der D e u t sch n a t i v n a l e n P n r t c i Aufnahme erbaten. Im Reichstage ist nnividersprochen behauptet »uovfcctt (alle solche Erörterungen voltziehen sich ja nicht im Sitzungssaal, sondern in den Wandclgnngeu), daß die gemäßigten Führer der Partei den äußersten Widerstand geleistet haben. Sie sind seit langem und mit Erfolg bestrebt, die Tentschnntionalcn zu positiver, ausbauender Mitarbeit zu bewege», und sehen dieses Werk gefährdet, ivenn rein negative Elen,ente sich zu ihnen gesellen. Die meisten Völkischen stamme» ohnedies ans ihren Reihen, nnd die Erfahrungen, die sie mit ihnen gemacht haben, ermntigcl, nicht gerade zu cincm neuen Versuche. HVcitcrc Anschlnßmvglichkcitcn gibt cs nicht. Die Völkische Freiheits- Partei, die sich henke in zwei gleich starke Gruppen gespalten hat, ivnhrend sich Knbe und General Lndendorfs als Wilde bezeichnen, also keiner Gemeinschaft angehörm, ist also ohne Wahlkampf erledigt worden. Tie Aussichten, die sie siir kommende Wahlen hatte», waren ohnedies gering. Sie sind jetzt völlig zusammengeschmolzen. Nach den Bestiinmungcn des Wahlgesetzes kan» eine Partei auch ans der Ncichsliste nur dann Mandate erhallen, ivenn sie in Wahlkreisverbändcn, die aus zwei oder drei Wahlkreisen bestehen, selbständig ein Mnndnt errungen hat. Das; ihr das gelingt, erscheint nach den Mistcrfolgen bei den letzten Wahlen in verschiedenen Ländern als beinahe ausgeschlossen. Von unserem Standpunkt aus muß aber die Frage ansgcivorfen iverden, ob das Berschiviudeu einer b e >v n ß t antisemitischen Partei wirklich bcgrüßensivert ist. Bei ruhiger llcberlegnng wird man sie verneinen. ' Dazu ist es erforderlich, einen Blick ans die Bergnngenhcit zu werfen. Nach dem Zusammenbruch bildete sich die Dentschnntivnnle Partei durch ZusaNimenschmelziing der Konservativen,' der Freikonservatiben und der, antisemitischen Gruppen. Zn-

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