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Central-Verein-Zeitung · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 4 (April 1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe April jd27 unöTllventum«^ mottbcnsTh Gott das so weiter gehen? Oie nationalsozialistischen Ausschreitungen. — Sie arbeiten fieberhaft. - Kommunistische AgitationS» form. - Graf Reventlow, der Sozialrevolutionär. — Völkische Anschlußbestrebungen im Reichstag. i. In Nastätten mutzten Landjäger in höchster Notwehr die Schußwaffe gegen Nationalsozialisten gebrauchen. Arglose jüdische Passanten trugen in Köln am hellichten Tage nationalsozialistische Messerstiche davon. Das Protokoll der Berliner Rettungswache 7 stellte bei dein am Umzugssviilitage von Nationalsozialisten überfallenen durchreisenden polnischen Staatsangehörigen Dr. Adolf Co n Verlust eines Zahns. Wunde am linken Auge, schwere Schädelverletzung, Verrenkungen nn der Hand. Bruch des Nasenbeins') fest. Der Sohn des früheren tschechoslowakischen Kriegsmmisters Klvfatsch wurde schwer mißhandelt. Mehrere friedliche Spaziergänger wurden blutiggeschlagen"). Schon wieder iverdeir aus Köln Verletzungen zweier jüdischer Geschäftsleute gemeldet. Und Adolf Hitler, der seine Getreuen zu solcher „Befreiung Deutschlands" zusammen.,trommelt", redet Abend für Abend, heute m Nürnberg und morgen in München, jetzt in Koburg, und jetzt in Augsburg. „Die Erlösung durch das rote .Hakenkreuzpanier" verspricht Straffer in Halberstadt und eilt mit dieser „Heilsbotschaft" weiter ins östliche Land der Hochöfen und Gruben. Dr. Ley, der glorreiche Held von Nastätten, wettert in, Schatten des Kölner Doms gegen das „jüdische Verbrecherpack", und Dr. Goebbels, dem die Schande des blutigen Märzsonntags keine beneidenswerte Verantwortung auserlegt, bearbeitet unablässig die Gr oh - B e r li n e r Arbeiterschaft mit Versammlung, Zeitung und Flugblatt. Die zweite und dritte nationalsozialistische Reduergarnitur ist voll eingesetzt. Die Mittel- und Kleinstädte, das flache Land, sind ihr zugewiesen. Aus den verschiedenen Teilen des Reiches wird über ihre prompte Arbeit berichtet. II. Wie wird agitiert? Der bekannte politische Schriftsteller Richard May schrieb uns dieser Tage: „Für den aufmerksamen Beobachter ergibt sich ein Wandel, der Nachdenken fordert. Namentlich gilt das von den Nationalsozialisten, die schon in ihrem Namen das deutlich genug zum Ausdruck bringen. Die sozialen Forderungen sind in den Vordergrund getreten. Man versucht, die Notlage des deutschen Volkes als letzte Rettung auszubente». Diese Völkischen sind heute ausgesprochen anti ka Pi ta list i sch. und ihre Anträge übertrumpfen häufig die der Kommunisten. Wenn inan |ie früher gelegentlich Rcchtsbolschewisten oder Hakcnkrcuzkominunisten nannte, fv lvar das mehr als ein Schlagwort. Die Erfahrungen haben jedenfalls die Berechtigung dieser Bezeichnung erwiesen. Von den Kommunisten unterscheiden sie sich nur durch ihre soge- H „Welt am Moutag", Nr. 13 vom 28. März 1927. _ -) „C. V.-Zeituug". Nr. 12 vom 2ü. Mürz 1827. nannte nationale, in Wirklichkeit nationalistische Einstellung. Genau betrachtet, verwischt sich aber auch dieser Unterschied. Beide Parteien sehen in Rußland den künftigen Bundesgenossen gegen die kapitalistischen Westmächtc. Nur das Ziel ist nicht dasselbe. Die einen »vollen das Deutsche Reich in dieser Bundesgeuossenschast stärken, die airderen die Grenzen verwischen." Wie oft und laut wird jetzt in den nationalsozialistische» Sprechabenden, um kommunistische Arbeiter, um Erwerbslose zu ködern, versichert, der Unterschied zlvischen Kvmmuinsmus und Nationalsozialismus sei gering, letzten Endes „eigentlich" nicht vorhanden. Mit dem Kommunismus müsse die Schlacht gegen den Kapitalismus geschlagen werden; über den Kommunismus hinaus wolle der Nationalsozialismus den „jüdischen" Kapitalismus ins Herz treffen. Die findigen Nationalsozialisten legen sich also, schließt der sachliche Beobachter, sozusagen in das (von den Kommunisten) gemachte Bett. Eine halbe Wahrheit; denn eifrig schneidern nationalsozialistische Meister selbst die Decken und Laken ihrer geistigen Schlafstelle. Man lese: „Die vergangenen zlvei Jahre haben gezeigt, das; die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei auf dem rechten Wege ist, daß sie marschiert, datz ihr die nngebrochene und unbrechbare sozialrevvlutionäre Energie innewohnt." „Die Deutschvölkische Freiheitspartei lvird ebensowenig wie bisher entgegengesetzte Gedanken, z. B. konservative, reaktionäre einerseits, national-sozialrevolntionäre Gedanke» und Bestrebungen andererseits miteinander vereinigen können, noch auch »virklich wollen. Die Deutschvölkische Freihcitspartei »vird nunmehr noch entschiedener und einheitlicher als bisher sich jener konservativen, großgrundbesitzerlichen. krypto-kapitalistischen Richtung nähern, für »velche die deutsche Arbeitnehmerschaft im Grunde nach lvie vor ein dienendes Glied im Nahmen der Gesamtbevölkerung bedeutet. Im Grunde ist der alte Kasten- und Gcsellschaftsdünkel »ind Herrschaftsanspruch ungeschwächt vorhanden." Das könnte, vielleicht mit blühenderen Worten und drohenderen Gebärden, die „RoteFahne" geschrieben haben. Aber wessen begeisterter Feder entflossen diese Beteuerungen? Der des Grafen R e v e n t l o w , als er in den letzten Wochen denen um Gräfe »md Wulle ein deutliches und kräftiges Lebewohl znricf und „sich ohne weiteres Herrn Adolf Hitler nntervrdnete", in einem Aussatz, bei dem der Leser ans Schritt und Tritt über „sozialrevolutionäre Standpunkte", „sozial- AfilA Krtttl Utlftrttf« FriedhofsschSndrmgen ohne Ende. «iilU? Vtlll Jlll/Ull* — Rabbiner Dr. Efchelbacher (Düsseldorf): Fra,» Dr. Lndendorff spricht! — Hermann Bahr (München): Das Recht, sich als Deutsche zn fühlen. — Pastor ». W i n d f« h r (Hamburg): Die Mech.sverbind- MWtzit talmndischer Sätze.

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