Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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konnte auch umstritten werden. Im C. B. aber kann die Darlegung der zwei gegensätzlichen Standpunkte — paritätischer oder jüdischer Sportverein — nur einen einzigen Grund haben, nämlich den Leser, der sich bisher von der Frage scrngchaltcn hat, zu orientieren, welche G e s i ch t 8 p n ir k t e i> b e r!> a n p t i n Frage kommen. Darüber hinaus darf die Frage, wo >vir unfern Sport treiben sollen, im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens keine Frage sein. Denn wozu bctonen wir unser Deutschtum, wozu kämpfen wir um die Gleichberechtigung, w e n it w i r in der vielleicht d e u t s ch e st c n u n t er den G c g c n w n r t s - fragen freiwillig resignieren und »ns zurückziehen, ehe wir auf Widerstand stosten iverden. Die wahren Sportler aber sagen und beweisen es, das; ivir im allgemeinen überhaupt nicht auf Widerstand stosten iverden. Die graste» deutsche» Sportverbände haben sich nie geivcigert, Juden anszunehnien und werde» cs nicht tun. Gestehen wir, daß cs örtliche, ja regionäre Ausnahmen gibt. Das ist die einzige Entschuldigung für die Gründung jüdischer Sportvereine. Tort, gebe ich z», müssen sic gegründet werden, »in nns die Gelegenheit zur körperlichen Ansvildung unserer Jugend zu verschasscn. Nicht nns Prestigegründen und nicht aus der'Meinung heraus, den Antisemitismus in der betressendcn Stadt durch gute „jüdische" IVO-Mctcr-Zeit zu vernichten. Meine besondere Hochachtung vor der Leistung der M n k k a b i lBrttnn) und H n k o a h Wien). Aber sic haben dem Antisemitismus auf den Brünncr und Wiener Hochs ch u I e n oder im O e st c r r c i ch i f ch c n A l p e n v c r e i n nicht ein Quäntchen Boden abgermigen. Die hervorragenden nnständischcn Sportslente jüdischen Glaubens, die man uns gern nennt, haben ihre Lcistungsfähigleit nicht als Inden in jüdischen Sportvereinen, sondern als Engländer, Amerikaner, Schweizer in ihren nationalen Vereinen erreicht. Und nicht anders kann cs bei uns sein. Will der C. V. die Sache des Sports unter den Inden fördern, so kann cs nur so sein, das; er gröbere Massen zum Eintritt in die neutralen Sportvereine bewert, und dnst er dort, wo der Eintritt noch verwehrt wird, durch seine Arbeit uns die Sperre durchbrechen Hilst. Nicht >veil ivir nun, ivie unsere Gegner sicher sofort höhnend bemerken iverdcu, a»ch die Sportverbäude mit jüdischem Geist durchdriuge» wolle», nein, ganz einsach und schlicht, weil wir unsere Pflicht gegen den eigenen Körper, gegen unsere Sportkaineraden und Volksgenossen und darüber hinaus gegen das gemeinsame Vaterland erfüllen ivolleu. Wir ivvllcu cs nicht weniger als die andere» und ivolleu es auch nicht anderSivo. Ich will auf iliijer altes Argument, dnst es doch keincii spezifisch „jüdischen" Sport gebe, gern verzichten. Alan komme mir aber auch nicht damit, dnst unsere Kinder körperlich weniger geeignet und darum ängstlich seien und sich sürchtetcn, ui neutrale Sportvereine neben andersgläubiger Jugend anziitreten. Man schicke die Kinder nur früh genug in die Vereine, dann wird sich schnell erweisen, daß keine Spur von körperlicher Unterlegenheit vorhanden ist. In Worin 8 z. B. haben die jüdischen Schüler und Schülerinnen bei den Rcichsjugendwcttkämpfcn dieses Jahres unter großer Konkurrenz gute Plätze, darniitcr einen ersten, erlangt. Ohne jüdischen Sportverein! Diejenigen, ivelche glauben, dast cs ohne konfessionelle „Vorbcreitungskurse". die stets der verkappte Anfang voin bleibenden Bercin sind, — nicht gehe, mögen mir dieses Wunder erklären. Nnir, diese Kinder sind nur von ihren Altersgenossen nicht getrennt gewesen und haben im gleichen Milien gelernt, den gleichen Anforderungen zu entsprechen. Darum gibt es für den jüdische» Tcutschou keine Frage, >vo er Sport treiben soll. — Im paritätischen Sportverein! filfreü Herz jLuöwigshafen) schreibt: In dem Artikel „Treibt Sport" (Nr. 9. „C. B.-Zeitung") kommt Jakob Ledermann zu der Frage, ob mau einem nur jüdischen Sportverein bcitreteu soll, oder solchen, die alle Konfessionell vereinen. Hier gibt eS nur oine Antwort — den letzteren. Nach einer ersvlgrcichcn Schwimmerlaufbahn vor etwa 27 Jahren — ich startete damals gegen die besten süddeutschen Schlviininer — fühle ich nlich dazir berufen, niciiie Ansicht darüber zu äuster». Mein« Erfolge und meine Techmk wurden sowohl von allen meinen Sportgenossen und Bcreiiisniitgliedern als auch von nicineii Freunden unterschiedslos vollauf gewürdigt. Ich habe während meiner langen Zugehörigkeit zu solchen Vereine» niemals ein Wort der Mistachtiliig ben Inden gegenüber gehört, sondern gerade das Gegenteil. Ich fühlte inich immer ivohl unter den Sportskollcgen, uub meiner Ansicht nach ist der Hauptgrund zur Mnwguiig häufig Uebereinpfindlichkcit. Wenn ich auch daliiats nur wenige fporttreibcirdc Juden sah, so {staube ich doch, daß selbst, als ihre Zahl ziinahin, eigentlich keine ltrache dazrr vorhanden war, konsessivnclle Vereine zu gründen. Sie sind iin wesentlichen aus denr olien gelinnntcil Grunde geschaffen worden, und die jüdischen Sportveremc haben sich dann immer mehr von den paritätischen Vereinen abgeschlossen. Sport hat mit dor Religion »idjig zu tun! Der Nichtjude erkennt mit der Zeit auch die Erfolge der jüdischen Sporttreibenden an. Man soll sich nicht abschliestcn, jüdische Sportklubs bewirken gerade das Gegenteil von dom. lvas wir wünschen müssen. Also. Sportler, auf in die geiuischtcn Vereine; beherzigt die Worte eines alten Kame- Stuüienrat de. Nabau löerlin) schreibt: Die deutschen Juden haben der Welt beiviesen, daß sie auf allen Gebieten des Geistes ebenbürtig find. Sic sind ehrenvoll vertreten unter den Medizinern, Juristen, Politikern, Journalisten, Philosophen, Komponisten, Physikern usw. „siv. Daran, möchte ich sagen, hat sich die Welt schon gewöhnt. Bei der heutigen Mentalität der Böller lvürde daS Ansehen der Juden weit mehr als durch Leistungen des Intellekts beispielsweise dadurch gehoben iverden, das; ein Jude den B o x w c l t m e i st e r T u n n e h bcsiegte. Das wäre eine Sensation, größer als Einsteins Netalivitätsrheorie! Warum? Weil inan sich unter einem Inden einen Schwächling vorzustcllc» pflegt, ans deil Starke mit Vernchtmig hcrabsehe». Wir müssen hier den Hebel ansetzen, um den Antisemitismus zu bekämpfen, wrr müssen unsere körperlichen Fähigkeiten ml oculos demonstrieren. Mit Befriedigung, ja mit Freude kann man feststclleil, dast in dieser Richtung hoffnungsvolle Anfänge bereits gemacht lvorden sind. Der jüdische Boxklub „Maccabi" ziliii Beispiel hat gezeigt, dnst der Jude auch im Kampf Mann gegen Mann liicht linterschätzt werden dark; finden ivir doch selbst unter den Boxweltmeistern Juden, sogar (ronimc Juden! Diese Arbeit müssen wir weitersühreu lind aus eine breite Basis stellen. Unser Lost,nyswort »»ist heistrn: Körperliche E r l ü ch - t i g u ii g der j ü d > s ch e n Jugend in in ö g l i ch st g r o st e in "„fanget Betätigung aus alleu Gebieten des Ports, Erziehung einer gesunden, kräftigen Jugend, die das häßliche Wort vom „krummen Inden" all absurd um führt. Daher sollte jede Bemühung in dieser Richtung die wärmste Unterstützung finden. An dieser Stelle mödite ich cs nicht unterlassen, anf eine Sportart hiiizuiveiseii, die ganz besonders geeignet ist, die Ailfmcrksamkcit tveitcrer Kreise ans sich zu lenken und so an der Erreichung unseres Zieles initzinvirken: ich meine den Segelflugsport. Er stellt besondere Anforderungen an den Mann, erheischt seelische Oualitäten, die man dem Juden abspricht: Selbstbeherrschung, Kaltblütig, kcit, Ausdauer, Willenskraft, 9Jhit. Dazu kommt, dnst der Scgelflug noch immer aktuell ist. Auch auf diesem Gebiete können wir ans Anfänge znrückblickcn, die »ns mit Freude nnd Stolz erfüllen können. Die Erfolge der Se a e k s l» g a r u pp c d e 8 R. j. F. sind zu bedcntsam, um oer Vergessenheit anheim zu fallen. Die Rhö»- exveditiou >var eine Tat ersten Ranges. Zum erstenmal hatten es jüdische Flieger unternommen, den Antisemitismus in einer seiner Hochburgen nufzusilchen und zu bekämpfen. Das Unternehmen war ein Erfolg auf der ganzen Linie. Abgesehen von zahlreichen Preisen, die heimaebracht wurden, war es gelungen, die antisemitisch verpestete Atmosphäre in diesen Kreisen zu reinigen, ja darüber hinaus Achtung und zum Teil Sympathie zu gewinnen. In Anbetracht der geringen, allzu geringen Mittel, mit denen die Expedition ausgerüstet ivorden war, must der Erfolg sogar als nisterordeutlidi bezeichnet werden. Hier anzuknüpfcn und das Eisen zu schmieden, solange es nodj warm ist, ist nicht mir eine Ehrenpslicht, sondern ein Gebot der Klugheit. So ivie im Leben derjenige leichter vorwärts kommt, dessen Vorfahren ihm einen giitc» Namen hintcrlassen haben, für den eine alte Tradition mitarbeitet, iverden auch wir hier icidjter nusbancn können, wo wir alte Meriten anszmveiscn haben. Die Tradition ist geschaffen, inan rcd)iict mit unserem Erfchcinen. Es wird die Gründung einer jüdischen S c g e l s l u g - s ch u l e notwendig fein, in der ans einer Reihe junger Leute besonders aualifizicrte ausgesucht werden sollen. Die Leitung — Chef- Pilot, technischer nnd wissenschaftlicher Natur — ist vorhanden. Sie bringt einen Schatz von Kenntnissen und wertvollen Erfahrungen aus einer Reihe von Expeditionen (Rhön, Nositten, Grunnu, Rhinow, Raiisdors) mit. Das Horoskop steht äuster st günstig, nun heißt cs zugreiseir. Der Ersolg, der in der Rhön seinen An- 6ng genommen hat, wird sich answirken nach dem universellen esetz von Ursache nnd Wirkung. Schon jetzt sehe ich am Horizont einen hellen Streifen, dessen Licht in naher Zukunft das Dunkel des Himmels siegreick) überstrahlen ivird. Trotz der schmierten wirtschastllchcn Lene tvcrden sich Männer und Frauen sindcn, die -die Bedeutung der von Dr. Rabau geschilderten Aufgabe erkennen n»d für sie finanzielle Opscr zu bringen bereit sein iverden. Wir bitten solche, sich mit Spenden zu Weilten, und diese auf da» Scgclstuglvntv Jakob Ledermann, Neichsbund jüdischer Frontsoldaten (Berlin Nr. 768 85), zu überweisen. „Schulter an Schulter im Schützengraben." Der „Niederbaycrische Anzeiger", Organ des Bayerischen Bauernbundes, berichtet in seiner Nummer vom 16. März, unter der Ileberschrist: „Ein beschämender Vorfall" folgenden Vorgang ans Straubing: „Am Samstag hielt die Arbeitsgcmciiischast der hiesigen Miütärvcreinc einen Deutschen Abend ab. Dabet wurden an eine Anzahl Dcreinsmitgliedcr, ivelche sich um die Militär» Vereine verdient gemacht haben, Auszeichnungen verteilt. Als unter den Vcrcinsjnbilaren auch der Name eines Juden genannt wurde, standen die Angehörigen des Frontkriegcrbundcs ans und verliehen demonstrativ den Saal. Damit haben die Hakcnkrcnzlcr nicht dem Inden, der ein angesehener Gcschüstsmann nnd jederzeit hilssbcrcitcr Mitbürger ist, blamiert »nd geschmäht, sondern sich selbst eine moralische Ohrfeige ver. setzt. Sind den» die Herren Frontkriegerbündlcr nicht mit Juden Schulter an Schulter in, Schützengraben gelegen? Hat die tödliche Kugel einen Unterschied zwischen Christ und Jude gemacht? lind jetzt will man solchen Hast und Zwietracht unter die Menschen dringe», die jahrelang in bitterster Not treue Kamerndschast gehalten haben. Jeder anständig denkende Mensch wird dieses »ngezogeno Verhallen der Frontkriegerbündler verurteilen und mit uns einig sein in dem Rus: Pfui, Hakenkreuzier, schämt euch!