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Central-Verein-Zeitung · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Juden als Bewahrer altdeutscher Uolkssitten. Uon Oberlehrer Spatz (Reximjcn) und Dr. Max Srunwald (Wien). Es ist riue lmidlänsige Vorstellung bei Juden und Nichtjnden, q£S vb zur Zeit, Ivo die Tore deS Ghettos noch nicht geöffnet waren, Inden und Nichtjuden in strengster Abgeschlossenheit, sozusagen durch eine chinesische Mauer geschieden, nebeneinander lebten. Wie dicht aber schon in längst vergangenen Zeiten die Fäden ,zivischeu Juden und Nichtjuden herüber- und hinüberliefen wie l e d e u d i g e u A n t e i l die I u d e n a m altdenlsel, e n Volksleben nahmen, erweisen schlagend die beiden solgende» Ani'sätze, Tie Schriftleilmig, Oberlehrer Spatz schreibt: Aus den israelitischen Friedhöfen des deutschen Knlturkreises begegnen wir häufig ans älteren Grabsteinen den Bornamein Bär, Löb, Hirsch, Wolf, Jüttel. Hüntel >,. n, „Jiidennainen" heißt sie das Volk, Gewiß nennt der Jakobfegen st. Mose, Kap, 49) Inda auch Ariäh (Löw, Lob), Jsachnr Chamor lEsel), N a p h t a l i A j a l a (Gazelle), B e n j a in in S e e b (Mols), ES mögen das dunkle mythologische Erinnerungen aus der Zeit des Nrmenschentnms sein, Wnndt weist in (einer Bvlkerpsychvlogie nach, daß der Totemismus die erste religiöse Vorstellung bei allen Primitiven war. Von dem Totem, dem heilige» Tiere, leitet die Horde ihre Abkunft her. Das Totem wurde der Gott, wurde später das Wappentier des Stammes, So mögen die Tiernanien des Jakobsegens Wappentiere der Stämme gewesen sein; Personennamen waren sie im biblischen 'Altertum nicht. Auch, im talmudischen Schrifttum begegnet man ihnen nicht, und das orientalische Judentum kannte sie nie als Nusnamen von Menschen. — Dagegen ist es eine geschichtliche Tatsache, daß die alten Germanen die oben genannten Namen zur Dezeichnung von Personen verwendete». Wir haben deshalb Grund genug, diese von den Inden bis in die Neuzeit herein sestgehaltenen Namen als aus dem deutschen Knlturkreise stammend auzusprechen, was bei den Walkürenuameu Jutta (Jüttel) und Hunta lvüntel), die auch von christlichen deutschen Frauen des Mittelalters noch häufig geführt wurden, sowie von dem auch heute noch feudal klingenden „W o l f" ohne weiteres einlenchten mag. Und wenn Bär, Hirsch, Lob als Vornamen bei den christlichen Deutschen im spaten Mittelalter verschwanden, so trägt daran der Gregorianische Heiligenkalender die Schuld, der den altgermanischen Namen wegen ihrer mythologischen Symbolik den Ansrvttungskampf ansagte. In Familiennamen sind dagegen die altgermanischen Namen auch bei den christlichen Deutschen erhalten geblieben. — Das Judentum war toleranter gegen die altgermanischen Namen, die wohl als Folge der intimsten Verbindung mit dein Germanentum in seine Familien einzogen, Es kanonisierte sie, indem es sie interpretierte und hebräisierte. Rege, intime Beziehungen zum Germanentum verrät auch die sogenannte Hollo Kreisch, eine jüdisch» Knltushandlnng, die man nur in West- und Süddentschland kennt, die feierliche Namengebung, bei der Kinder das Bettchen des Neugeborenen mnstehen und den Namen des Kindes laut rufen (mittelhochdeutsch: kreischen)- llebereisrige, die nicht begreifen können, daß eS bei uns eine fromme Kultübung geben kann, die nicht urjndisth wäre, bekämpfen die unabweisbare geschichtliche Wahrheit der Abslannmnig der IIoll© Kreisch ans dem Hvllemyihos, indem sie C.hnul - Kreisch lesen. Das hebräische Wort Clunil heißt werktäglich, gemein, im Gegensatz zu heilig. Aber Kreisch müssen anch sie als deutsches Wort anerkennen. lilmul Kreisch wäre danach die Ausrnsnng des bürgerlichen Namens, Die Handlung der Hollo Kroisch selbst weist aber in ihrer ganzen 'Art so sehr ans den Hollekreis, daß ihre Abstammung ans dem Hoklemykhos zur mmmstößlichen Gelvißheit wird für jeden, der es versteht, volkstümlichen Ileberliefernnge» aus den Grund zu gehen. Bei den alten Deutschen ivar die Holle bem Neugeborenen gefährlich. Sie will ihn in ihr imterirdisches ^chalteureieh e führen, Nachbarinnen bilden deshalb e inen ,U re iS den Ho kreis — tim die Wöchnerin, und indem sie den Namen des N geborenen tank rufen (kreischen!, vertreiben sie die gesährlielw Holle, In dem Worte kreisen (gleich gebären!, hat uns die dentsehe Sprache den kultisch-mythologischen Vorgang erhalten. Das eindringende Ehristentnm verbot seinen Bekennern den Gebrauch, den das in sich getestigte Jndenlnm ohne Schaden erhalten hat. Daß die Hollo kreisch nur in den Gegenden bekannt ist, wo die Inden zuerst mit den Germanen znsnimiientrafen, ist ein Beweis dafür, daß dieses Zusammentreffen schon sehr früh, jedenfalls vor der Einführung des Ehristentnms, erfolgt sei» muß. Bis zur Hollo Kreisch werden am hager der Wöchnerin i des Neugeborenen Bibelverse ldie sogenannten Schi v Ii n m a ’ a I o s) ansgehängt, Sic bilden einen Zauber gegen die böse Lnlith, die jndaisierte Holle, deren Züge sie unverkennbar trägt, Znm Hollennuliogehört auch das sogenannte „Petrusen", das bei den srantußben Inden noch bis in die Neuzeit hinein ans dem Lande geüvt wurde, Nachbarinnen umstellen das Bett der Gebärenden. Mit einem Messer werden Kreise in der Luft beschrieben. (Hollekreise!) Daraus ivird das Messer in das Kopfende des Bettes gesteckt und die Frauen rufen dreimal: „Wir wollen dich bekrnsen (bckreisen); Unser Herrgott svlls wasen (ivisscu). Sv viel Ziegel auf dem Dach, So viel Engel sind wach," Da haben wir einen echten, alte» Nnnensprneh. Und dieser ilezcmber konnte jüdisch-kultischer Gebrauch iverden! Sollten eS nicht germanische Frauen jüdischer Männer geivesen sein, die diesen Brauch bei uns heimisch gemacht habe»? Erklärt er nicht deutlich genug die Herkunft der zahlreichen Blondhaarigen und Blauäugigen bei den Juden? Altgermnnische Gebräuche begleiten den jüdischen Deutschen r der Wiege bis zum Grabe. Ehe der Jude nach ein "'~ ndigmig oß den Friedhof verläßt, rupft er Gras heraus, wirst e h tute r s i ch und sp r ieh t: „Den Städten entspr o Volk, wie das Gras der Erde," (Psalm 72,16), T Psalmvers ist nichts anderes als die spätere Kmwnisiermig und Jndnisierung des allen deutschen symbolischen Brauchs des sogenannten Schiedlings. Als in der Völkerwanderung überschüssige Jnngmannschast der Rugier nach dem sonnigeren Süden ans Landsuche ziehen wollte, sannuelte sie sich im heiligen Hain der Nerth. Jeder Juugmami warf Erde und Gras hinter sich, um durch solche symbolische Handlung ben Verzicht ans die Heimaterde aiiszusprechen, sich von ihr lvsznlösen — zu scheiden. Noch im Mittelalter übten die Landsknechte vor jeder Schlacht diesen altheiligen Brauch. Ein Signal gab das Zeichen zum Schiedling. Wenn wir heute noch auf dem Friedhofe Gras hinter uns werfen, üben nur den symbolischen Gebrauch des germanischen Sehiedlings, Wen» solche altgermanischen Gebräuche bei uns Heiinatrechte fanden, so sind, sie anderseits oie treuosten Zengm für unser Heimat» recht i» Deutschland. Dr. Max Gruttwald schreibt: Den vorstehenden Aufsatz ergänze ich ans Wunsch durch folgende Bemerkungen: Auch, beiden englischen Juden des m it tc (« (i er 9 finden wir Namen wie Cok (Hahn) und Brun (Bär), bei den französischen Lonp (W o l f), den italienischen C e r v o (H i r sch), Lion (L vwe), Palomba (Taube), Iahrzei i (fast bei allen Inden der Welt verbreitet), Greis (----Fehler), Fingert (bei Ostjuden --- Ring)) B elfer (bei Ostjnden Be Helfer, Assistent des Lehrers), Fizze kepore — Füße kenpor (umgekehrt), S ch m o ck, a „beißen, epp es, Tintorn (Tinthorn Tintenfaß), Datholz (— Dentholz beim AB C-Schützen), anderseits bei den deutschen Nichtjnden, besonders im Adel, den Namen Wolf, Belege für die Tatsache, daß, wie Rnd. Hildebrand sagt, die Inden in ihrer Treue gegen deutsches Kulturgut „altes Leben weiter- Imtfcn ließen", lieser! ein Blick in das Leben der, deutschen,, ganz besonders aber der Oftjude», so reicht ich, daß ich, um nur das Wichtigste anziisühren, ganze Seiten meiner „Mitteilungen zur jüdischen Bolksknnde" abschreibrn müßte. Wie ein mir bekanntes Beispiel beweist, werden Ostjnden mit ihrer Muttersprache in der Schweiz für niitochthvn gehalten, Die Kosenamen ans „eles" (Pineles) beanspruchen deutsches Heimatsrecht, — Unser „N'rbbich" erkläre ich noch immer als „ui bi iich", das dem Hebräischen „bei nlocliem" entsprichk, — Petrarca sah in Deutschland Leute, die in den Rhein Brosamen warfen und damit ihre Sünden ins Meer schickten. Dieser Brauch findet sich zwar bereits im alte» Babylon, doch der erste, der ihn als unser „Taschlich" erwähnt, ist der deülsche Rabbiner Maharil (14, Jahrhundert), Die Geschichte von N, Anmvn inunserem Jonilippnr -Machsor sowie die des R, Amram (bev wunderbar stromanswärls schivinnnende Sarg) ist identisch mit der Sage von St. Emoram, Die Quelle jener jüdischen Ueberlieferiing ist Rabbi Jsnk ans Wien, der lauge Zeit in der Rheingegend gelebt hat, — Ohne „Marschelik" (Marschalk, s. Grimm, „Deutsches Wörterbuch", 1674 s, v. Sehalk) noch heute keine ostjüdische Hochzeit — Das „Mannsühren" in Westdeutschland ist ein Rest dech ,,Mai-(Maien-) sührens" („Jahrbuch für jüdische Volkskunde", 1923, S, 442). — Das Ilmkreisen des Bräntignms durch die Braut ist altdeutsche Symbolik, imc die Lichter in den Händen der Kränzeljngend, — Deutsch ist der „Einwnrf", d. h. Hochzeitsgeschenk, ebenso „Kittel" oder „Sargenes" (gleich Hemd), das „Leilach" irnb die „Zwehl" bei der Leichenwnschnng, — Lieht, Handtuch und Glas Wasser neben dein Leichnam im Sterbeziinnier, — der „Aleremer", der beim Alazzebaeken daS Mehl abwiegt, - die „Berches", wie „Bretzel" vom Althochdentscheir „bergita", — der „Diecht", der „Beleg", die „Grieben", - - die „Kuppel" — der „Lekert" (Leckerli), die „Krepplech" an, Purim imie die Maskerade am „jüdischen Fasching"), — der „Zinns" (Gemüse!, der „Meth", der „Teknsa - Tropfen" (Grimm, „Deutsche Mylholvgie", XCI), die „Wachnocht" vor der Beschneidnng, das- Schattenorakel (ohne Kopf in der Hoschana-Rabba-Nacht), — die Schonung dev

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