Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1927
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2571117-2571131-2571133--126-2571425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 Leider nicht int Ausmaße der Verbreitung, wohl aber in den U r s a ch e » der Bcivegung liegt cs bei den hohe r e n Beamten anders. In ihren .Preisen herrschte schon vor dein Kriege vielfach der „gesellschaftliche" Antisemitismus, die P e r - s v nl i ch e Abs ch l'i c f;» n g b um j ü di sch en B e r keh r. Wenn sich diese Erscheinung in der Gegenwart verstärkt hat, sv hat das zwei Ursachen: zunächst freilich anch hier tvieder die wirtschaftliche Notlage, gesteigert durch die Notwendigkeit, lvenigstens einigermaßen die Lebenshaltung der soziale» Eieliung'anznpnsfen, also zu „repräsentieren"; dazu kommt vielfach (Wohnungsfrage!) die Unmöglichkeit, den gewiss nicht üppigen, aber „standesgeiiiüßen" Haushalt der Vorkriegszeit auf die Bernrniung nmznstellen. Vergleiche mit der Lebenshaltung der akademischen „freien Berufe" und der Industrie (meist nur unter einseitiger Betrachtung gezogenvertiefen die Verbitterung, Die Suche nach den Gründen seiner Vcrelendnug ivird den höheren Beamte:! der Vorkriegszeit, nach feiner ganzen Einstellung, häufig genug ans das p v l i t i s ch e Gebiet führen. Das Bekenntnis zum neue» Staate tvird iu ihm, gerade lveil er mit echter Treue au deui alten Staate und dessen Nepräsentanteu gehangen hat, die Bitterkeit darüber nicht ertöten, das; die Dinge sich so haben entumMu müssen. Ans der Suche nach dem „Schuldigen" tvird er nach Tradition intd Erziehung besonders leicht dem Einslnsse „seiner" Presse unterliegen — und diese „seine" Presse ist in sehr vielen Fällen ans Agitatimisgründen mehr oder minder unverblümt antisemitisch angehaucht. Es brauchen nur ein haar „jüdische" Sensations-Prozesse, ein paar unliebsame Reden oder Schriften jüdischer (oder angeblich jüdischer!) Politiker und Publizisten, ein paar Tvrheileti verstiegener Idealisten (bayerische Rntczeit) hinznznkvmmen, imb das Ergebnis: eingefleischter Nasseantisentitismns, sitzt fest. Bei dem N a ch >v n ch s der höheren Beamtenschaft -tut — anher Erziehung und Tradition — der Einfluß gewisser stndcntischcr Verbindungen ein übrige?-: hier wird der Kenner der Verhältnisse nur mit Schaudern an die Zukunft denken. Der Leser erlasse cs mir, hier mit Einzelheiten auszuwarten; wer Blick für die Menschen und Dinge hat, tvird mir darin recht geben: tvcnn nicht grundlegend etwa? geschieht, so ist das Schlimmste zu befürchten. Wie svll sich nun, gegenüber dieser tvachsende» antifemitischeis Bewegung in der Bcaintenschaft, die Abtvchr Verhalten? Gewiß wird auch hier an erster Stelle die unmittelbare Aufklärungsarbeit stehen inüsseu. Oesfentliche Versammlungen mit freier Aussprache, zu denen besonders Beamte eiuznladen sind, tverden das gegenseitige Vcrstäuduis fordern. Ferner: Nvch imiitcr gibt cs 'öffentliche Büchereiei,, die über Rassefragcu nur die Schriften von Günther und C h a m berlai n besitzen; die Bücher von L n s ch a n, K a h n, E v l d st e i n dürften nirgends fehlen! Es ist Sache der Ortsgruppen, die Büchereien daraufhin zu kontrollieren und notfalls die fehlenden Werke ans eigenen Mitteln p stiften. Daneben aber tverden die besonderen Gründe, ans denen der Antisemitismus gerade unter der Beatnienschast derart a.ngktvachsen ist, ntich zu besonderen Mitteln für die Abtvehr führen wüsten. Der Beamte verlangt — ruid darf verlangen daß die übrige Bevölkerung sich mit seiner Lage und scineiiAvten befaßt, ehe sie darüber urteilt. Er empfindet es mit Grund als bitteres Unrecht, daß tvcite Kreise ihn als Parasiten, als überslnssig nnsehm, über den hohen Bcamlenetat zetern ,»ib für seine wirtschaftliche Verelendung kein Verständnis imb kein Herz haben. Gewiß hat die jüdische Bevölkerung an dieser betrüblichen Erscheinung den allergeringsten Aiileil; sie hat mit dem Beamtcnkörpcr säst gar keinen geseitschaftlichcn Znsainmenhatig und hält sich dem Kampfe gegen das- Beamtentum erfreulich fern. Diese „Neutralität" genügt aber nicht. Der Beamte darf verlangen, daß man ihm gegenüber Farbe bekenne; daß man sich, ivenn man seine Nöte erkennt, positiv für ihn einsetze. Er würde es sicher begrüßen, wenn gerade fernstehende Kreise — wie die jüdische Bevölkerung es nun ciiimäl heute noch ist — für seine Lage Verständnis-,Z'ür seine Arbeit Anerkeinnnig anfbrachten. Ich bin überzeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, nm iveile Kreise des Indeninms zum Nachdenken über diese Fragen und znm Erwachen zu bringen. Und ein Zweites: Sott die Ausschließung der jüdische» Bevölkerung von der Bcamtcnlaiisbahu sortdaucrn? Heute ist ja doch die Lage so, daß unter der höheren Beamienschast Juden nur ganz schwach, unter der mittleren und unteren aber so gut wie gar nicht vertreten sind. Ich halte diesen Instand für äußerst gefährlich und schädlich, für einen lieber re st der G h c tto ma n c rn. Ich werde oft gefragt: Soll denn ein Jnde Beamier werden? Nun, es kommt eben ans den Juden' au, der diese Laufbahn cinschlngen will! Heute muß jeder, der Beamter nicrden ivill, ein gerüttelt Maß von Idealismus und StantSgesimnmg mitbringeu, damit ihm das Amt die wirtschaftlichen Nöte, den Mangel an materiellen Gütern ausgleicht. Es ist »mvahr, daß der jüdischen Bevölkerung dieser IdeaUsinus fehlt; es, mangelt lediglich an dem Vertrauen, so freudig ansgeumnmen zu werden, wie man sich bieten möchte. Nuu'wohl: Man versuche es doch! Freilich.!ver als Jude in die Veamlenlnnsbahn eintritt, möge sich doppelt nnd dreifach prüfe». Wer für andere Berufe nicht langt, eignet sich als Jude schon längst nicht znm Beamten: Bernfssrcndigkeit, Tüchtigkeit, materielle Anspruchslosigkeit sind unerläßliche Voraussetzungen! dazu - - als gesellschnstliche Eigcnschasten — Takt nnd - vor allem! — Zurückhaltung. Wem e? daran fehlt, der bleibe fern. Jeder andere aber Ivird sich dienstlich und gesellschaftlich durcpzusctzeu vermögen (denn unser Beamtcnkvrper ist, wenn anch vielfach verhetzt, so doch ehrlich, aufrecht, gerecht»; der jüdische Beamte ivird besser als der Fernstehende dazu inibvirken, die Schranken zu beseitigen, die -- unsichtbar, aber um so spürbarer •- zwischen dem Beamtentum nnd der jüdischen Bevölkerung ansgcrichlet sind; er ivird die Genugtuung haben, das Schönste und Höchste für den Staat zu leisten/dessen Bürger er sich fühlt: Diener dieses Staate? zu sein. Er hat, als Deutscher und als Jude, allen Anlaß, auf dieses schöne Vorrecht nicht zu vcrzichteu. Der Seamte ist niemals nur Privatmann. Diese Ausführungen Dr. Schwenks über die Eigenschasteu, die ein Beamter haben soll n»d haben »ins;, werde» vorzüglich ergänzt durch einen Erlaß des Kultusministers Becker an die Lehrerschaft, iu dem es, wie die „Deutsche Repnbli!" in ihren! Heft 16 vom 4. Februar luitte'iit, heißt: „DaS Amt ersaßt die Gesamtpersönlichkeit des Beamten. Er ist niemals nur Privatmann: In allen seinen Handlungen, anch außerhalb des Dienstes im engsten Wartsinne, muß er sich dessen bewußt sein, daß das Amt ihn bindet, stets — auch in der Ausübung seiner staatsbiirgcrlichen Rechte — diejenige Mäßigung nnd vorsichtige Znriickhartnng sich anscrlege», die dnrch seine Stellung als „Diener der Gesamtheit", durch das Ansehen seines Amtes bedingt ist und jede Mißdeutung seiner Handlung, jede» begründeten Zweifel an der Zuverlässigkeit in der Ausübung der ihm übertragenen Amtsgewalt ansschtießt." Weltkrieg, Weltrevolution, Weltverschwörung, Weltoberregierung. Ein netter Segel. B. W. Segel hat Vvu feinem umfangreichen Werk über dm „Protokolle der W eise n vo» Zion" soeben im Philv- V er läge eine kurze A v l k s n u s g n b e verössenilicht. über deren Entstehung und Zweck er in seinen, B o r >v o r t folgendes schreibt: „Ans verschiedenen Kreisen des Publikums ist öfters n» mich die Ausforderinig hcraugctrctcii, von meinem vor zivei Jahren erschienencii Buch über die „Protokolle der Weisen von Zion" eine gemeinverständliche, knrzgefastte Bearbeiinng hernuszngebc», die den Bedürfnissen deS schlichten Lesers genügen soll. An, 16. August vorigen Jahres schrieb mir der verewigte Rudolf E n ck e n : . . Sehr zu wünscheu iväro es, daß Sie das ganze Thema in lcichtsaßiichrr, knapper Form, ohne den kvinplizicrtcii nnd snbiilen ivisscuschaftlichen Apparat, für die breite Aolksmnssc bearbeite». Es müsite eine besonders intensive Arbeit geleistet werden, um diesen Aberglauben unter den breiten Massen zu bekämpfen. Die nnteren Volksschichten fahren ja fort, den abergläubischen Meinungen zn huldigen, lange nachdem diese von den oberen ausgegeben wurden. Wir haben das ja erst vor kurzem schaudernd erlebt, als der Nitualinordwahn in Breslan nnsiebte und ossenbnr die Aiifdeckinzg.eines grausige» Verbrechens verhinderte? Die vorliegende kleine Schrift ivill dieser Ansfordernng Genüge tun. Sie biktot gleichsam einen Querschnitt dnrch das größere Buch, enthält aber auch manche Tatsache», die erst nach dem Erscheinen dieses Buches bekannt wurden und neues Licht auf die ganze Frage werfen, so die Beweise für die katholische Abstammung vv» Maurice Jolh." Wenn Segel znm Schluß dem Wunsch Ausdruck gibt, daß dieses Büchlein in weite» Kreisen dieselbe Anerkennung finden möge, die sein Vorgänger in der gelchrlen Welt gefunden hat, so schließen wir uns diesem Wunsch herzlich an und erweitern ihn noch dahin, daß e8 nicht mir Anertenimiig, sondern anch Verbreitung in möglichst weiten Kreisen finden möge. Der C. V. und sein Philo-Verlag werden dazu alles tun, was in ihren Kräften steht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.